Lewis Hamilton - Mercedes - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Freitag - 27.9.2019 Motorsport Images
Daniel Ricciardo - Renault - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Freitag - 27.9.2019
Daniel Ricciardo - Renault - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Freitag - 27.9.2019
Daniil Kvyat - Toro Rosso - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Freitag - 27.9.2019
Daniil Kvyat - Toro Rosso - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Freitag - 27.9.2019 80 Bilder

Trainingsanalyse GP Russland 2019

Mercedes rätselt über Zeitverlust

Red Bull jubelt, Mercedes ist ratlos. Die Silberpfeile verlieren zu viel Zeit auf Red Bull und Ferrari und keiner weiß warum. Nur im Longrun auf den Medium-Reifen war Mercedes bei der Musik. Auf eine Runde fährt man sechs Zehntel hinterher.

Mercedes wollte zurückschlagen und wurde geschlagen. Ferrari versuchte seine Motorleistung auszuspielen und wurde von Red Bull-Honda auf den Power-Passagen überrumpelt. Max Verstappen war der schnellste Mann des ersten Trainingstages zum GP Russland. Auf eine Runde und auch auf die Distanz. Auch wenn Charles Leclerc auf den Soft-Reifen den schnellsten Longrun auf die Bahn zauberte und Lewis Hamilton auf den Medium-Gummis. Hamilton fuhr die Reifen antizyklisch und ist somit schwer mit Verstappen zu vergleichen. Zwischen Ferrari und Red Bull entscheiden die letzten Runden der Dauerläufe. Da holt Verstappen mehr Zeit heraus als Leclerc.

Ferrari ist auch in Sochi ein Siegkandidat. Wenigstens Charles Leclerc. Sebastian Vettel kämpfte noch mit seinem Auto. Der Singapur-Sieger fand auf den Medium-Reifen mehr Zeit als auf den weichen Sohlen. Da ist noch Abstimmungsarbeit gefragt. Ferrari scheint wieder auf die Taktik von Singapur zu setzen. Start aus der ersten Reihe und dann das Rennen von der Spitze weg zu kontrollieren. Max Verstappen wird auf jeden Fall hinter den roten Autos starten. Er kassiert noch eine Motorstrafe.

Max Verstappen - Red Bull - GP Russland 2019 - Sotschi
Aktuell

Mercedes kam nicht so richtig in Schwung. Die Silberpfeile verlieren viel Zeit auf den Geraden. Lichtblicke sind die Bestzeit im zweiten Sektor von Valtteri Bottas und der starke Medium-Longrun von Lewis Hamilton. Der Speed ist phasenweise da, aber nicht überall. Im Moment stehen die Ingenieure noch vor einem Rätsel, warum so viel Zeit verloren geht. „Jetzt sind wir als Team gefragt, Lösungen zu finden“, gab sich Teamchef Toto Wolff selbst den Auftrag.

Im Mittelfeld machten Renault, Racing Point und Toro Rosso die beste Figur. McLaren, Alfa Romeo und HaasF1 müssen noch Zeit finden. Die schnellsten Rundenzeiten und die Longruns könnten schon morgen Schall und Rauch sein. Die Wetterfrösche sagen Sotschi für Samstag den großen Regen voraus. Und dann werden die Karten völlig neu gemischt.

Sechs Dinge, die Sie wissen müssen

1) Warum ist Red Bull plötzlich so schnell?

Überraschung bei Red Bull nach dem ersten Trainingstag. Max Verstappen führt die Rangliste an, und das auf einer Power-Strecke. „Sotschi ist unser neues Singapur“, jubelte Teamchef Christian Horner. Nachsatz: „Vielleicht hätten wir unsere Motorstrafen in Singapur nehmen sollen.“ Eine besondere Befriedigung war die Bestzeit im ersten Sektor. Da spielt Power die entscheidende Runde. „Unser Honda-Motor hat jetzt die Leistung wie Mercedes und Renault. Nur Ferrari sticht noch heraus. Wir nehmen an, dass sie für die Qualifikation noch was in der Hinterhand haben“, fürchtet Horner.

Die Bestzeit im eckigen Schlussabschnitt kam eher erwartet: „Wir halten unsere Reifen über die Runde besser in Schuss als die Ferrari“, freute sich Sportdirektor Helmut Marko. In den Longruns belegte Verstappen mit Soft nur den zweiten Platz und auf den Medium-Gummis den vierten. Doch der Holländer fuhr seinen Medium-Dauerlauf ganz am Anfang. Also mit mehr Sprit an Bord als Lewis Hamilton, Sergio Perez und Sebastian Vettel, die in dieser Rangliste vor ihm liegen. Es gibt einen technischen Grund, warum Red Bull plötzlich wieder in der Spur ist. Der Kurs von Singapur überraschte die Ingenieure mit zu hohen Randsteinen und zu starken Bodenwellen. Die Simulationen schlugen das falsche Basis-Setup vor. Korrekturen verfehlten ihr Ziel.

Horner verrät: „Wir müssen mit dem Frontflügel ganz nah an der Straße fahren, damit unser Aerodynamikkonzept funktioniert. In Singapur ging das nicht. Der Asphalt in Sotschi ist viel ebener. Da können wir unseren Aero-Vorteil wieder ausspielen.“ Red Bull konzentrierte sich wegen der Startplatzstrafen ausschließlich auf die Longruns für den Sonntag. „Wir stehen sowieso nicht vorne und müssen schauen, dass wir taktisch am Sonntag was ausrichten können. Dafür brauchen wir einen guten Rennspeed“, erzählte Horner. Für Alexander Albon war es ein verlorener Tag. Ein Rutscher über einen Randstein im falschen Winkel spaltete den Unterboden in zwei Teile. Dabei entstand ein Ölleck. Der Thailänder verbrachte 45 Minuten in der Box.

Charles Leclerc - Ferrari - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Freitag - 27.9.2019
xpb
Ferrari hat auch in Sotschi wieder ein Auto für den Sieg.

2) Wie gut sind die Ferrari im Rennspeed?

Ferrari setzt seine starke Form fort, auch wenn Red Bull mit dem respektablen Vorsprung von 0,335 Sekunden die Bestzeit markierte. Charles Leclerc machte auf beiden Reifentypen klar, dass Ferrari um die Pole Position kämpfen kann. Um Max Verstappen muss man sich keine Sorgen machen. Der rutscht wegen der Motorstrafe um fünf Startplätze zurück. Teamchef Mattia Binotto stellte zufrieden fest: „Wir haben jetzt auf einer zweiten Strecke gezeigt, dass unser Upgrade funktioniert. Auf eine Runde wie auf die Distanz. Generell sind wir aber in der Qualifikation etwas stärker als im Rennen.“

Leclerc war diesmal auch im Longrun stark. Bester Beweis waren die sechs Runden auf dem Soft-Reifen, die er mit einem Schnitt von 1.38,327 Minuten zurücklegte und damit schneller als anderen. Der zweifache GP-Sieger fuhr auf den Soft-Reifen zuerst konstant 1.39er Zeiten, steigerte sich im Finale dann auf 1.38er Runden. Nur Verstappen wurde mit gebrauchten Reifen noch schneller.

Bei Sebastian Vettel lief nicht viel am ersten Tag. Der Singapur-Sieger musste seine Runde immer wieder nach Rutschern oder Verbremsern abbrechen. „Ich war auf den harten Reifen besser als auf den weichen“, erzählte Vettel. Mitten im Training ließ er zwei Mal Fahrwerkseinstellungen an der Vorderachse korrigieren. Die Eingriffe am Stabilisator und den Dämpfern brachte leichte Besserung, aber nicht die Lösung. Einziger Trost: Leclerc hat gezeigt, dass Ferrari in Sotschi auch zu den Siegkandidaten zählt.

3) Warum verliert Mercedes so viel Zeit?

Lange Gesichter bei Mercedes. Valtteri Bottas und Lewis Hamilton landeten nur auf den Plätzen 4 und 5. Bottas verlor 0,736 Sekunden auf Verstappens Bestzeit. Bei Hamilton waren es 0,949 Sekunden. Die Mercedes-Piloten verloren die Zeit überall. Auf den Geraden mehr als in den Kurven. Valtteri Bottas schaffte im zweiten Sektor immerhin die Bestzeit. Doch im Topspeed lagen die Mercedes im hinteren Drittel der Rangliste. Max Verstappen war auf der Zielgerade mit 333,0 km/h der schnellste. Ferrari schaffte 325,4 km/h, Mercedes nur 321,4 km/h.

Ein ähnliches Bild präsentierte sich auf der Gegengerade. Leclerc wurde mit 326,5 km/h gemessen, Hamilton nur mit 318,5 km/h. In einer ersten Analyse waren die Mercedes-Ingenieure nicht in der Lage zu sagen, warum so viel Zeit auf Red Bull und Ferrari liegenblieb. „Im Moment ist es ein großes Fragezeichen. Die Balance der Autos war nicht schuld.“ Lewis Hamilton versprach: „Heute Nacht werden die Lichter in der Garage lange an bleiben. Wir konnten uns während des Trainings langsam steigern, aber nicht genug, um unsere Konkurrenten zu schlagen.“ Valtteri Bottas fordert: „Wir müssen auf eine Runde mehr aus den Reifen herausholen.“

Teamchef Toto Wolff ging mit seinem eigenen Rennstall hart ins Gericht: „Wir sind zu langsam und wissen nicht warum. Jetzt müssen wir einen Rückstand aufholen und anerkennen, dass die anderen einen guten Job machen. Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, dann sind wir hier in Sotschi nur die dritte Kraft. Wir hatten schon früher mal kleine Tiefschläge. Aber spätestens nach zwei Niederlagen waren wir wieder zurück. Jetzt sehen wir schon das vierte Rennen, bei dem wir hinterherfahren.“ Der enorme Topspeed der Ferrari macht ihm weiter Sorgen: „Selbst wenn wir beide Autos für die erste Reihe qualifizieren könnten, würden die Ferrari bei dem langen Anlauf zur ersten Kurven links und rechts an uns vorbeifahren.“ Der Weg in die erste Kurve misst 890 Meter.

4) Wieso gab es so viele Ausrutscher?

In den ersten beiden Trainingssitzungen haben wir 25 Verbremser oder Ausrutscher gezählt. Pirelli erklärt die ungewöhnlich hohe Zahl mit Gummi von Rahmenrennen auf der Ideallinie, der es den Fahrern schwer machte, den Grip für die Bremspunkte abzuschätzen. Dazu kamen relativ niedrige Streckentemperaturen von 29 Grad und ein zögerliches Aufwärmen der Reifen. Sie sind eine Stufe härter als im letzten Jahr. Trotzdem war Verstappens Bestzeit um zwei Zehntel schneller als im vergangenen Jahr. „Das zeigt, welchen Fortschritt die Autos gemacht haben“, staunte selbst Pirelli-Sportchef Mario Isola.

Nico Hülkenberg - Renault - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Freitag - 27.9.2019
xpb
Renault startete gut in das 16. Rennwochenende der Saison.

5) Wer hat das Mittelfeld im Griff?

Renault hat im Moment die Oberhand. Nico Hülkenberg ist mit dem ersten Trainingstag zufrieden: „Wir können hier die Nummer 4 sein. Ich bin gut ins Training reingekommen. Da war eine gute Harmonie mit dem Auto. Basis-Abstimmung und Balance haben gepasst.“ Renault hat es geschafft, die Hinterreifen zu schützen, so dass sie nicht im dritten Sektor einbrechen. Nur die sechs Fahrer aus den Topteams und Pierre Gasly waren in den sechs Kurven des dritten Sektors schneller.

Bei McLaren gibt es über Nacht noch Abstimmungsarbeit zu tun. Ein kleiner Rückschlag, nachdem die papaya-gelben Autos in Singapur noch klar das Mittelfeld dominiert hatten. Toro Rosso machte wie üblich am Freitag eine starke Figur. Gasly legte den schnellsten Longrun auf Pirellis härtester Mischung auf die Bahn und mischte sich auf den Soft-Reifen unter die Top 6. Das wird den Toro Rosso am Samstag wenig nutzen. Pierre Gasly und Daniil Kvyat drohen wie den Red Bull-Piloten Motorstrafen.

Es lohnt sich aber auf die Racing Point aufzupassen. Nicht nur, weil Sergio Perez die siebtschnellste Runde des Tages fuhr. Der Mexikaner überzeugte auch auf die Distanz mit den Plätzen 7 (Soft) und 2 (Medium). Beeindruckend war auch die Rennsimulation von Lance Stroll auf den Soft-Gummis. Er legte mit 18 Runden die größte Distanz zurück und war trotzdem schneller als Ricciardo, Magnussen, Giovinazzi und Sainz.

6) Kann der Regen am Samstag alles auf den Kopf stellen?

Am Samstag kündigt sich ein großes Regengebiet an. Der Veranstalter macht sich große Sorgen, dass die Qualifikation ins Wasser fallen können. Der Kurs von Sotschi ist bis in die Auslaufzonen asphaltiert. Die Kurven sind relativ eben, so dass sich große Pfützen bilden können. Das Wasser kann nur schlecht ablaufen. Die TV-Stationen wurden bereits gewarnt, dass sie vielleicht ihr Programm umstellen müssen. Sehen wir wieder eine Qualifikation, die erst am Sonntagmorgen stattfindet?

Sollte die Qualifikation im Regen stattfinden, dann steht uns ein großer Poker bevor. Wer setzt auf gute Startpositionen und gibt dafür Topspeed im Rennen auf? Für gute Rundenzeiten bräuchte man maximalen Abtrieb. Die Mercedes-Ingenieure warnen: „Sotschi ist nicht Singapur. Da kannst du deine Position nicht so einfach verteidigen. Du wirst Topspeed brauchen.“ Teamchef Toto Wolff hofft auf Regen: „Alles, was die augenblickliche Reihenfolge auf den Kopf stellen kann, ist gut für uns.“ Bei freier Reifenwahl am Sonntag prophezeit Pirelli-Sportchef Mario Isola, dass die meisten Fahrer auf den Medium-Reifen ins Rennen gehen werden. „Das gibt dir die größtmögliche Flexibilität bei der Strategie.“

Longrun-Analyse GP Russland 2019

Leclerc 1.38,327 min 6 soft 2
Verstappen 1.38,821 min 8 soft 2
Bottas 1.39,552 min 8 soft 1
Vettel 1.39,839 min 12 soft 1
Gasly 1.40,161 min 6 soft 1
Hamilton 1.40,364 min 6 soft 1
Perez 1.40,400 min 11 soft 1
Stroll 1.40,613 min 18 soft 1
Hülkenberg 1.40,953 min 12 soft 1
Ricciardo 1.41,134 min 10 soft 1
Magnussen 1.41,014 min 12 soft 1
Giovinazzi 1.41,311 min 9 soft 1
Sainz 1.41,515 min 6 soft 1
Grosjean 1.41,645 min 8 soft 1
Russell 1.41,606 min 5 soft 1
Räikkönen 1.41,666 min 8 soft 1
Kubica 1.43,037 min 14 soft  1
         
Hamilton 1.38,675 min 7 medium 2
Perez 1.39,059 min 8 medium 2
Vettel 1.39,233 min 4 medium 2
Verstappen 1.39,434 min 7 medium 1
Hülkenberg 1.39,724 min 10 medium 2
Leclerc 1.39,825 min 11 medium 1
Giovinazzi 1.40,145 min 7 medium 2
Grosjean 1.40,644 min 7 medium 2
Kvyat 1.40,232 min 7+8 medium 1+2
Norris 1.40,974 min 8+6 medium 1+2
Russell 1.41,302 min 19 medium 2
         
Gasly 1.39,972 min 4 hart 2
Ricciardo 1.40,190 min 8 hart 2
Räikkönen 1.40,741 min 10 hart 2
Sainz 1.40,976 min 4 hart 2
Kubica 1.41,223 min 8 hart 2
Leclerc 1.38,327 min 6 soft 2
Verstappen 1.38,821 min 8 soft 2
Bottas 1.39,552 min 8 soft 1
Vettel 1.39,839 min 12 soft 1
Gasly 1.40,161 min 6 soft 1
Hamilton 1.40,364 min 6 soft 1
Perez 1.40,400 min 11 soft 1
Stroll 1.40,613 min 18 soft 1
Hülkenberg 1.40,953 min 12 soft 1
Ricciardo 1.41,134 min 10 soft 1
Magnussen 1.41,014 min 12 soft 1
Giovinazzi 1.41,311 min 9 soft 1
Sainz 1.41,515 min 6 soft 1
Grosjean 1.41,645 min 8 soft 1
Russell 1.41,606 min 5 soft 1
Räikkönen 1.41,666 min 8 soft 1
Kubica 1.43,037 min 14 soft  1
         
Hamilton 1.38,675 min 7 medium 2
Perez 1.39,059 min 8 medium 2
Vettel 1.39,233 min 4 medium 2
Verstappen 1.39,434 min 7 medium 1
Hülkenberg 1.39,724 min 10 medium 2
Leclerc 1.39,825 min 11 medium 1
Giovinazzi 1.40,145 min 7 medium 2
Grosjean 1.40,644 min 7 medium 2
Kvyat 1.40,232 min 7+8 medium 1+2
Norris 1.40,974 min 8+6 medium 1+2
Russell 1.41,302 min 19 medium 2
         
Gasly 1.39,972 min 4 hart 2
Ricciardo 1.40,190 min 8 hart 2
Räikkönen 1.40,741 min 10 hart 2
Sainz 1.40,976 min 4 hart 2
Kubica 1.41,223 min 8 hart 2
Motorsport Aktuell Max Verstappen - Red Bull - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Freitag - 27.9.2019 GP Russland 2019 - Ergebnis 2. Training Ausrufezeichen von Verstappen

Red Bull dominierte das zweite Training. Charles Leclerc wurde Zweiter.

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