Lewis Hamilton - Mercedes - GP Russland 2021 - Sotschi xpb
Antonio Giovinazzi - Alfa Romeo - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 24. September 2021
Antonio Giovinazzi - Alfa Romeo - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 24. September 2021
Antonio Giovinazzi - Alfa Romeo - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 24. September 2021
Antonio Giovinazzi - Alfa Romeo - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 24. September 2021 39 Bilder

GP Russland - Analyse Training & Longrun-Zeiten

Trainingsanalyse GP Russland 2021 Red Bull überlässt Mercedes das Feld

Mercedes fährt wie üblich in Sotschi in einer eigenen Klasse. Lewis Hamilton und Valtteri Bottas müssen nicht einmal Max Verstappen fürchten. Red Bull nutzt die Gunst der Stunde zum Motorenwechsel und hofft auf Schadensbegrenzung.

Mercedes fährt der Konkurrenz in Sotschi auf und davon. Valtteri Bottas gewann beide Trainingssitzungen vor Lewis Hamilton. Am Morgen kam Max Verstappen den Silberpfeilen an nächsten, am Nachmittag Pierre Gasly. Da gab es für Verstappen bereits andere Prioritäten. Nachdem das erste Training die Favoritenrolle von Mercedes bestätigt hatte, entschied sich Red Bull zum Einbau der vierten Antriebseinheit in Verstappens Auto.

Damit sind Bottas und Hamilton ihren schärfsten und einzigen Gegner los. Verstappen konzentrierte sich ab dann voll auf die Rennabstimmung, und Sergio Perez musste ihm dabei helfen. Verstappen wurde mit viel, Perez mit wenig Abtrieb auf die Strecke geschickt. Die Lösung für den Sonntag ist der goldene Mittelweg. Verstappen braucht dringend mehr Topspeed, wenn er von ganz hinten nach vorne fahren will. Seine WM-Gegner werden unter normalen Umständen unerreichbar für den fliegenden Holländer sein. Mercedes dominierte auch die Longruns.

Die größte Gefahr droht Mercedes vom Wetter. Für den Samstag sind starke Regenfälle angesagt. Die sollen zwar am Nachmittag nachlassen, doch eine nasse Piste kann immer für Überraschungen sorgen. Siehe Spa, als sich George Russell im Williams vor beiden Mercedes qualifizierte. Im Mittelfeld gibt es keinen eindeutigen Favoriten. McLaren, Ferrari, Alpha Tauri, Alpine und Aston Martin scheinen alle auf einem Niveau zu fahren. Ferrari trägt die Bürde mit sich herum, dass Charles Leclerc wegen eines Motorwechsels wie Verstappen von hinten starten muss.

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 24. September 2021
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Mercedes fuhr am Freitag in einer eigenen Liga.

Sechs Dinge, die Sie wissen müssen

1) Wer schlägt Mercedes ?

Mercedes wird seiner Favoritenrolle gerecht. Der siebenfache Sotschi-Sieger dominierte beide Trainingssitzungen. Nur Max Verstappen machte den Eindruck, den Mercedes halbwegs folgen zu können. Aber der startet am Sonntag ja zusammen mit Charles Leclerc von hinten. Alle anderen lagen mehr als eine halbe Sekunde zurück. Pierre Gasly kam den Silberpfeilen nur deshalb bis auf 0,252 Sekunden nahe, weil er zwei frische Satz Soft-Reifen in die drittschnellste Runde investierte.

Mercedes war nicht nur auf eine Runde eine Macht. Valtteri Bottas war auf den Medium-Reifen im Schnitt um vier Zehntel schneller als Verstappen. Der Finne verteilte die beiden Dauerläufe auf vor und nach der roten Flagge. Der Longrun von Carlos Sainz sieht besser aus als er ist. Der Spanier fuhr ihn am Ende des Trainings, also mit weniger Benzin im Tank.

Die Überlegenheit der Silberpfeile erklärt sich aus den Topspeed-Messungen und den Sektorzeiten. Der erste Sektor geht klar an Mercedes. Da sind hauptsächlich Power und Effizienz gefragt. Bottas und Hamilton geben aber auch im zweiten Abschnitt mit vier 90 Grad-Kurven und ohne längere Geraden den Ton an, speziell Bottas. Nur Lando Norris und Pierre Gasly können halbwegs mithalten.

Am Schluss der Runde in der langsamen Sektion bestimmt Fernando Alonso knapp vor Gasly und Norris das Tempo. Mercedes und Verstappen liegen hier gleichauf. Der Topspeedvergleich spricht auch eine klare Sprache. Lewis Hamilton und Valtteri Bottas lagen mit 317,8 und 316,9 km/h deutlich vor Max Verstappen, der über 309,7 km/h nicht hinauskam. Schuld waren zu viel Abtrieb und ein konservativer Motor-Modus.

Auf den Geraden können nur die Alpha Tauri und die Williams mit Mercedes mithalten. Aus Sicht von Mercedes gab es nur eine Panne. Hamilton fuhr im zweiten Training einen Mechaniker um. Der Weltmeister konnte nicht rechtzeitig in seiner Parkbox anhalten. Schuld war wie schon in Baku der Brake Magic-Knopf, den der Weltmeister offensichtlich aktiviert hatte.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 24. September 2021
Red Bull
Max Verstappen tritt mit neuem Motor und überarbeitetem Frontflügel an.

2) Warum wechselte Red Bull so früh den Motor?

Kurz nach Beginn des zweiten Trainings verschickte die FIA den neuesten Motoren-Rapport. Darin stand, dass in den Red Bull mit der Startnummer 33 der vierte Motor, der vierte Turbolader, die vierte MGU-H und die vierte MGU-K eingebaut wurden. Dazu jeweils die dritte Batterie und Leistungselektronik und das siebte von acht erlaubten Auspuffsystemen. Damit muss der Holländer von ganz hinten starten.

Theoretisch hätte sich Verstappen allein auf einen neuen Verbrennungsmotor beschränken können, um damit nur zehn Startplätze zu verlieren. Nur der ging bei dem Unfall in Silverstone zu Bruch. Es gab aber laut Sportchef Helmut Marko gute Gründe, das ganze Sortiment auszutauschen. "Bei der Überlegenheit der Mercedes wäre Max bestenfalls Dritter in der Qualifikation geworden. Plus drei wegen der Strafe von Monza macht sechs. Plus zehn bei einer Beschränkung auf den Motor macht 16. Das ist nicht viel besser als 20. Da nehmen wir lieber alle Komponenten neu in den Pool."

Es gibt noch einen technischen Grund. Honda brachte nach der Sommerpause eine neue Batterie auf den Markt. Sie ist leistungsstärker und vor allem leichter. "Wir liegen jetzt am Gewichtslimit", erklärte Einsatzleiter Toyoharu Tanabe.

Doch warum wechselte Red Bull die Antriebseinheit ausgerechnet in den zweieinhalb Stunden Pause zwischen erstem und zweiten Training? Das liegt am Wetterbericht. Für Samstag sind heftige Regenfälle vorhergesagt. "Wir wollten den neuen Motor auf trockener Strecke einfahren. Die Kalibrierung dauert bei uns ein bisschen länger als bei Mercedes. Das wollten wir nicht im Regen machen", erklärte Marko.

Bleibt die Frage, ob Mercedes mit Lewis Hamilton nachziehen wird. Das Opfer wäre überschaubar, da man davon ausgehen muss, dass Hamilton bei der Überlegenheit seines Pakets weiter nach oben klettert. Andererseits könnte der Titelverteidiger mit seinem fünften Saisonsieg die WM-Führung zurückholen und Mercedes mit einem Doppelsieg Red Bull in der Konstrukteurs-Wertung davonziehen.

Auch ein mögliches Regenrennen spricht gegen den Motortausch für Mercedes. Das Risiko in der Gischt nicht schnell genug nach vorne zu kommen und in der Anfangsphase zu viel Zeit zu verlieren, ist groß. Marko schätzt: "Mit der Türkei, Austin und Mexiko kommen wieder unsere Strecken. Wir gehen davon aus, dass Mercedes da die Strafe nimmt. Aus den gleichen Gründen wie wir hier in Sotschi."

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 24. September 2021
Red Bull
Max Verstappen muss am Rennsonntag eine Aufholjagd starten.

3) Wie weit kommt Verstappen nach vorne?

Das hängt davon ab, ob es am Sonntag regnet oder trocken ist. "Einerseits kann Max im Regen seine fahrerischen Qualitäten ausspielen. Andererseits ist bei Regen das Risiko größer, dass dir einer ins Auto fährt oder du wegen der Gischt nicht richtig überholen kannst", glaubt Marko.

So oder so muss Red Bull noch an der Fahrzeugabstimmung arbeiten. Verstappen fuhr am ersten Trainingstag mit viel Abtrieb, Teamkollege Sergio Perez mit wenig. Der Mexikaner war auf der Zielgerade um 5,3 km/h schneller, verlor aber im dritten Sektor drei Zehntel auf den Teamkollegen. Verstappen beklagte sich am Funk: "Mit dem Topspeed kann ich keinen überholen." Das Experiment brachte die Erkenntnis, dass die goldene Mitte beim Setup am Sonntag die erfolgversprechendste Lösung sein wird.

Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 24. September 2021
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Charles Leclerc rückt wie Verstappen ans Ende der Startaufstellung.

4) Wie gut ist der neue Ferrari-Motor ?

Ferrari hat seine vierte Antriebseinheit gezündet. Charles Leclerc bekommt das Upgrade zuerst. Der elektrische Teil des Hybridsystems ist eine Neukonstruktion. Davon betroffen sind die MGU-K, die Batterie und die Leistungselektronik. Die elektrische Anlage soll von 400 auf 800 Volt aufgerüstet worden sein. Idealerweise zieht Ferrari mit Carlos Sainz beim GP Türkei in 14 Tagen nach.

Der Zeitunterschied der beiden Ferrari betrug im ersten Training sieben Zehntel zugunsten von Leclerc, im zweiten drei Zehntel für Sainz. Daraus dürfe man aber nicht schließen, dass die neue Antriebseinheit den Unterschied ausmacht, hieß es bei Ferrari. "Sie funktioniert und tut, was wir uns von ihr erwartet haben. Es ist aber noch etwas Feintuning nötig. Der Unterschied in den Rundenzeiten ist zum Großteil durch die unterschiedlichen Programme erklärbar."

So begann Leclerc das zweite Training mit den harten Reifen, Sainz mit den weichen. Am Ende wechselten beide Ferrari-Piloten auf den Medium-Gummi. Leclerc drehte 46 Runden mit der neuen Antriebseinhheit und konzentrierte sich wie Verstappen ausschließlich auf die Rennvorbereitung. Sein Fazit: "Die beste Nachricht für uns ist, dass die Reifen nicht körnen."

Pierre Gasly - Alpha Tauri - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 24. September 2021
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Pierre Gasly schob sich am Freitagnachmittag auf den dritten Rang.

5) Wer dominiert im Verfolgerfeld ?

Auf dem Papier Alpha Tauri. Pierre Gasly war nicht nur auf eine Runde schnell. Der Franzose überzeugte auch im Longrun auf den Medium-Reifen. Gasly war dabei so schnell wie Sergio Perez, der aber allerdings mit zu wenig Anpressdruck in das zweite Training geschickt wurde.

Auch Alpine machte mit den Plätzen 5 und 8 eine gute Figur. Dabei musste Fernando Alonso seine schnellste Runde wegen der roten Flagge für den Unfall von Antonio Giovinazzi in Kurve 10 abbrechen. "Da war mehr drin", betonte der Spanier. Erfahrungsgemäß lassen die Franzosen am Samstag immer ein bisschen nach. Im Medium-Longrun lagen sowohl Esteban Ocon als auch Fernando Alonso mit 1.40,9er Zeiten im Durchschnitt im Bereich von Gasly.

Sebastian Vettel beendete die beiden Trainingssitzungen als Fünfter und Neunter. "Es läuft besser als erwartet. So ganz erklären können wir uns das nicht. Wir haben im ersten Sektor zwei Zehntel hergeschenkt. Bei den engen Abständen wären das einige Plätze weiter vorne gewesen." Vettel zählte zu den fünf Fahrern, die mit den harten Reifen einen Longrun abspulte. Der Aston Martin-Pilot war dabei im Schnitt über neun Runden um ein Zehntel schneller als Leclerc im Ferrari.

Die McLaren-Piloten schafften keine Rennsimulation. Lando Norris zeigte mit dem 4. Platz am Nachmittag, dass mit McLaren wieder zu rechnen ist, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie in Monza. "Es gibt hier mehr Kurven, in denen unser Auto nicht so stark ist." Nachdem die Fahrer am Morgen sich in ihren Autos nicht so wohl gefühlt hatten, war am Nachmittag viel Setup-Arbeit angesagt. "Wir haben einen guten Schritt vorwärts gemacht", lobte Norris.

Daniel Ricciardos zweites Training begann mit 23 Minuten Verspätung. McLaren musste dem Monza-Sieger unplanmäßig in der Pause zwischen den Trainingssitzungen einen Motor älteren Datums einbauen, weil es mit dem Einsatz-Triebwerk Probleme gegeben hatte. "Mit den vielen gelben und der roten Flagge kam ich nie richtig in den Fluß", beklagte sich Ricciardo.

6) Was macht das Wetter?

Die Wettervorhersage für Samstag ist schlecht. Am Vormittag sollen mehr als 50 Liter pro Quadratmeter fallen. Wenn es so kommt, ist an ein Training nicht zu denken. Am Nachmittag soll der Regen nachlassen, so dass es eine gute Chance gibt, die Qualifikation durchzubringen. Notfalls müsste sie sonntags stattfinden. Die Regenwahrscheinlichkeit für Sonntag sinkt auf 70 Prozent. "Es kann sein, dass wir sogar ein trockenes Rennen bekommen", hofft Mercedes-Chefingenieur Andrew Shovlin.

Lando Norris will nicht ausschließen, dass die Qualifikation erst am Sonntag stattfindet. "Es soll stark regnen, und wir wissen ja von Spa, dass wir ab einer bestimmten Wassermenge nicht fahren können." Der Engländer hat mit dem Regen noch eine offene Rechnung. Er war in Spa auf dem Weg zur Pole Position, als er in Eau Rouge unsanft in den Reifenstapeln landete.

GP Russland 2021: Longruns

Fahrer Ø Rundenzeit Runden Reifentyp Stint
Sainz 1.41,600 min 4 soft 1
         
Bottas 1.39,767 min 5+4 medium 1+2
Verstappen 1.40,140 min 10 medium 1
Sainz 1.40,286 min 4 medium 2
Hamilton 1.40,308 min 8 medium 1
Leclerc 1.40,425 min 10 medium 2
Perez 1.40,822 min 11 medium 1
Gasly 1.40,905 min 9 medium 1
Ocon 1.40,939 min 10 medium 1
Alonso 1.40,977 min 8 medium 1
Russell 1.41,139 min 9 medium 1
Räikkönen 1.41,187 min 8 medium 1
Tsunoda 1.42,037 min 10 medium 1
Schumacher 1.42,917 min 10 medium 1
         
Vettel 1.40,514 min 9 hart 1
Leclerc 1.40,618 min 5 hart 1
Stroll 1.41,270 min 8 hart 1
Latifi 1.41,494 min 10 hart 1
Mazepin 1.43,001 min 9 hart 1
Fahrer Ø Rundenzeit Runden Reifentyp Stint
Sainz 1.41,600 min 4 soft 1
         
Bottas 1.39,767 min 5+4 medium 1+2
Verstappen 1.40,140 min 10 medium 1
Sainz 1.40,286 min 4 medium 2
Hamilton 1.40,308 min 8 medium 1
Leclerc 1.40,425 min 10 medium 2
Perez 1.40,822 min 11 medium 1
Gasly 1.40,905 min 9 medium 1
Ocon 1.40,939 min 10 medium 1
Alonso 1.40,977 min 8 medium 1
Russell 1.41,139 min 9 medium 1
Räikkönen 1.41,187 min 8 medium 1
Tsunoda 1.42,037 min 10 medium 1
Schumacher 1.42,917 min 10 medium 1
         
Vettel 1.40,514 min 9 hart 1
Leclerc 1.40,618 min 5 hart 1
Stroll 1.41,270 min 8 hart 1
Latifi 1.41,494 min 10 hart 1
Mazepin 1.43,001 min 9 hart 1
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