Lewis Hamilton - Mercedes - GP Singapur 2019 Motorsport Images
Max Verstappen - Red Bull - GP Singapur - Formel 1 - Freitag - 20.9.2019
Valtteri Bottas - Mercedes - GP Singapur - Formel 1 - Freitag - 20.9.2019
Valtteri Bottas - Mercedes - GP Singapur - Formel 1 - Freitag - 20.9.2019
Valtteri Bottas - Mercedes - GP Singapur - Formel 1 - Freitag - 20.9.2019 88 Bilder

Trainingsanalyse GP Singapur 2019

Mercedes holt Favoritenrolle zurück

Lewis Hamilton war der schnellste Mann auf eine Runde und auf die Distanz. Mercedes geht als Favorit in Qualifikation und Rennen. Red Bull kämpft mit zu starker Reifenabnutzung und Ferrari hat sich in langsamen Kurven verbessert, aber nicht genug.

Singapur ist eine Mercedes-Strecke. Die Bestzeit im ersten Training ging noch an Max Verstappen, doch dann übernahmen die Mercedes das Kommando. Lewis Hamilton schlug mit seiner Nacht-Bestzeit von 1.38,773 Minuten Max Verstappen um 0,184 Sekunden, verfehlte aber seine Pole Position aus dem Vorjahr um 2,7 Sekunden. Die Ferrari lagen 0,8 Sekunden zurück, was aber auch daran lag, dass weder Sebastian Vettel noch Charles Leclerc eine optimale erste Runde mit den Soft-Reifen erwischten. Vettel fuhr seine Bestzeit mit Soft-Gummis, die schon 7 Runden alt waren.

Auf den Longruns wird die Überlegenheit der Mercedes deutlicher. Lewis Hamilton nahm Verstappen auf Soft-Reifen über zehn Runden im Schnitt 0,8 Sekunden pro Umlauf ab. Der Dauerlauf von Valtteri Bottas war ähnlich schnell wie der seines Teamkollegen, doch die beiden Longruns sind nicht miteinander vergleichbar. Hamilton fuhr seine Soft-Rennsimulation gleich zu Beginn mit vollem Tank. Bottas war am Ende mit Pirellis weichstem Reifentyp dran. Da war schon weniger Sprit im Tank. Hamilton fuhr in einer anderen Liga. Bottas war anzumerken, dass ihm nach einem Unfall am Nachmittag das Vertrauen fehlte.

Ferrari zeigte sich leicht verbessert auf Strecken mit langsamen Kurven. Siegkandidaten sind sie deshalb noch nicht. Die roten Raketen machen ihre Zeit immer noch auf den Geraden gut. Der Medium-Longrun von Leclerc war stark, doch der zweifache GP-Sieger fuhr ihn wie Hamilton erst ganz am Ende der Trainingssitzung. Leclerc kam nur fünf, Hamilton vier Runden weit. Der Vorteil lag bei drei Zehntel für Mercedes.

Im Mittelfeld machte Toro Rosso die beste Figur. Renault und McLaren lagen ungefähr gleichauf, aber in den Longruns fünf bis acht Zehntel hinter Red Bulls B-Team. Nur auf eine Runde konnten sie Pierre Gasly und Daniil Kvyat in Schach halten.

Sechs Dinge, die Sie wissen müssen

Max Verstappen - Red Bull - GP Singapur - Formel 1 - Freitag - 20.9.2019
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Max Verstappen war am Freitag Hamiltons schnellster Verfolger.

1) Kann Red Bull die Silberpfeile schlagen?

Im Moment nur auf eine Runde. Max Verstappen fehlten 0,184 Sekunden auf Lewis Hamilton. Die Mercedes-Ingenieure warnen jedoch: „Max geriet im letzten Sektor in Verkehr. Bei freier Fahrt wäre er knapp schneller gewesen als Lewis.“ In den Longruns sind die Red Bull im Moment noch chancenlos. Auf den Soft-Reifen nahm Hamilton seinem Herausforderer im Schnitt acht Zehntel ab. Mit den Medium-Gummis fehlt der Vergleich. Red Bull zog es vor, Verstappen mit den harten Reifen in den Dauerlauf zu schicken. Und da war der Holländer im Mittel eine Zehntelsekunde langsamer als Pierre Gasly im Toro Rosso.

Sportdirektor Helmut Marko räumt ein, dass man noch an der Balance der Autos arbeiten muss. „Heute waren die Longruns ernüchternd. Lewis war sauschnell unterwegs und er hatte dazu noch die bessere Reifenabnutzung. Wir wissen aber, woran wir arbeiten müssen.“ Mercedes fährt in Singapur den älteren Spec 2-Motor. Honda packt für Red Bull die letzte Spezifikation seines V6-Turbo aus. Der Hintergedanke: Singapur ist ein Rennen, das man gewinnen kann. Da darf man kein PS herschenken, auch wenn die Motorleistung auf dem Marina Bay Circuit keine große Rolle spielt. Hamilton war mit dem Trainingsauftakt zufrieden: „Ich habe mich heute so gut wie schon lange nicht mehr im Auto gefühlt.“ Das klingt wie eine Kampfansage.

2) Funktioniert das Aero-Paket von Ferrari?

Es ist kein Matchwinner, aber brachte eine leichte Besserung. Der Gesamtabtrieb ist gestiegen. Im Heck kann das Auto dank der Neuausrichtung der Y-250 Wirbel tiefer gelegt werden. „Es funktioniert, aber es könnte mehr sein“, resümierte Sebastian Vettel, der in beiden Trainings vor Charles Leclerc lag. Leclerc verlor im ersten Training wegen eines Getriebeproblems viel Zeit. Ferrari gewinnt seine Zeit auf Mercedes und Red Bull weiter auf den Geraden. Der Vorteil liegt aber nur bei ungefähr einer halben Sekunde. Wie groß er genau ist, kann wegen der unpräzisen GPS-Ortung in der Stadt nicht genau ermittelt werden. „In den Kurven stehen wir im Vergleich zu den Mercedes“, wunderte sich Vettel.

Sein Rückstand von 0,818 Sekunden auf Hamiltons Bestzeit fällt allerdings größer aus als er sein sollte. Vettel fuhr seine persönliche Bestzeit mit den Soft-Gummis erst in der 7. Runde. Vorher steckte er ständig im Verkehr. „Wenn ich eine freie erste Runde hinkriege, bin ich eine halbe Sekunde schneller. Für Mercedes reicht es aber leider immer noch nicht“, bedauerte Vettel. In den Longruns wird der Rückstand auf die Silberpfeile größer. Auf den Soft-Reifen 1,2 Sekunden pro Runde, mit den Medium-Sohlen drei Zehntel.

3) Wie schlug sich Vettel gegen Leclerc?

Sebastian Vettel hatte endlich mal wieder einen reibungslosen Tag. Er legte in den beiden Trainings 52 Runden zurück. Charles Leclerc schaffte wegen der Getriebe-Misere insgesamt nur 43 Runden. Im ersten Training war ein vernünftiger Vergleich wegen des Defekts am Leclerc-Ferrari nicht möglich. Im zweiten war Vettel um vier Zehntel schneller. Allerdings hatte auch Leclerc im Frühstadium der Reifen keine freie Runde. Er markierte seine persönliche Bestzeit in Runde 4 mit den Soft-Reifen. Der Monegasse gab zu: „Ich habe mich im Auto noch nicht wohl gefühlt.“ Im Moment sieht es so aus, als würde Ferraris Aero-Paket Vettel in die Karten spielen. Der Anpressdruck im Heck ist stabiler geworden.

Lando Norris - McLaren - GP Singapur - Formel 1 - Freitag - 20.9.2019
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McLaren war am Freitag über eine Runde knapp schneller als Renault.

4) Wer ist die Nummer vier im Feld?

Nicht Renault. Auch nicht McLaren. Toro Rosso fuhr den Gegnern im Kampf um Platz 4 in den Longruns auf und davon. Daniil Kvyat absolvierte auf den Soft-Reifen hinter Hamilton, Bottas und Verstappen den viertschnellsten Longrun. Er war mit 1.46,132 Minuten über 10 Runden vier Zehntel schneller als Sergio Perez, sechs Zehntel besser als die Renault und lag neun Zehntel unter der Zeit von Carlos Sainz. Auf den harten Reifen Reifen führte Pierre Gasly die Rangliste an. Der Franzose war dabei 0,6 Sekunden im Schnitt schneller als Teamkollege Kvyat. Gasly hakte den ersten Trainingstag als Erfolg ab. „Wir müssen nur auf eine Runde schneller werden.“

In der Bestzeitenliste landeten die Toro Rosso-Fahrer auf den Plätzen 10 und 11. Bei Renault ging man mit gemischten Gefühlen in das Briefing. „Ein Fahrer ist glücklich mit seinem Auto auf eine Runde, der andere auf den Longruns. Das müssen wir noch zusammenbringen“, fordert Teamchef Cyril Abiteboul. Nico Hülkenberg fand seinen Soft-Longrun ordentlich, den auf den harten Reifen enttäuschend. „Wir sind auf die Distanz zu langsam. Die Toro Rosso fahren uns in Grund und Boden. Mit viel und wenig Sprit an Bord“, zog Hülkenberg Bilanz.

McLaren-Teamchef Andreas Seidl bleibt gelassen: „Die Longruns sind heute schwer zu lesen. Einige haben sofort Tempo gemacht. Sie wollten offenbar schauen, wann die Soft-Reifen einbrechen. Wir sind unsere Dauerläufe gemütlicher angegangen, um zu schauen, wie lange die Soft-Gummis halten.“ Tatsächlich zeigten Carlos Sainz und Lando Norris die größte Ausdauer. Sainz fuhr 17 Runden am Stück, Norris 15.

McLaren wählte die Longrun-Taktik mit Bedacht. Das Team erinnerte sich an das letzte Jahr, als Fernando Alonso vom 11. Startplatz auf Rang 7 gefahren ist. Warum? Weil er auf Medium-Reifen losgefahren ist, während die direkte Konkurrenz in den Top Ten mit den Soft-Reifen keinen genügend großen Vorsprung herausfahren konnte, deshalb nach dem Boxenstopp ins Feld fiel und am Ende hinter Alonso gelandet ist. „Deshalb haben wir getestet, wie groß das Delta zwischen Soft und Medium über eine längere Distanz ausfällt. Möglicherweise ist der Soft-Reifen am Start ein Nachteil.“ Einzige Unbekannte: Pirellis weichster Reifen besteht aus einer anderen Gummimischung wie der letztjährige Hypersoft-Reifen.

Kimi Räikkönen - Alfa Romeo - GP Singapur - Formel 1 - Freitag - 20.9.2019
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Alfa Romeo testete seine umfangreichen Upgrades.

5) Sind Alfa-Sauber und Racing Point besser geworden?

Beide Teams traten mit umfangreichen Upgrades in Singapur an. Alfa Romeo-Sauber modifizierte Kapuzenflügel, Spiegel, Leitbleche unter der Nase und vor den Kühlern und die Heckflügelendplatten. Racing Point war mit einem neuen Frontflügel, Unterboden und Bremsbelüftungen an. Beide Teams landeten auf eine Runde in den hinteren Regionen des Feldes. Im Longrun sah es anders aus. Da sorgten Sergio Perez und Lance Stroll bei den Technikern für eine positive Überraschung. Beide blieben das gesamte zweite Training den Soft-Reifen treu.

Die Rennsimulation auf den harten Reifen hatte man schon im ersten Training abgehakt. Die Racing Point-Fahrer splitteten die Soft-Longruns in jeweils zwei Portionen. Perez war schneller als die Renault und McLaren, blieb aber hinter Gasly im Toro Rosso. Auch bei Alfa Romeo waren die Dauerläufe besser als die Zeit auf eine Runde. Im ersten Training sorgte ein Stromausfall für Stillstand in der Garage. Die Telemetrie funktionierte nicht. Da dreht sich heute in der Formel 1 kein Rad mehr.

6) Warum sind die Rundenzeiten noch so weit weg von 2018?

Lewis Hamilton verfehlte seine Pole Position aus dem Vorjahr um 2,758 Sekunden. Das ist eine Menge Holz. Am Abtrieb kann es nicht liegen. Der liegt über dem des Vorjahresautos. Also sind die Reifen schuld. Pirelli hat mit der C5-Mischung seine weichste Gummimischung im Angebot. Doch die bietet nicht so viel Grip wie der Hypersoft-Super-Kleber aus dem Vorjahr. Selbst unter der Annahme, dass die Strecke am Samstag deutlich schneller wird, fällt es schwer zu glauben, dass Hamiltons Rekord fällt. Vom ersten zum zweiten Training wurde die Strecke nur um 1,5 Sekunden schneller.

Longrun-Analyse GP Singapur 2019

Fahrer Rundenzeit Runden Reifen Stint
Hamilton 1.45,027 min 10 soft 1
Bottas 1.45,077 min 6 soft 2
Verstappen 1.45,869 min 8 soft 1
Kvyat 1.46,132 min 10 soft 1
Vettel 1.46,209 min 5 soft 1
Gasly 1.46,241 min 10 soft 1
Leclerc 1.46,385 min 11 soft 1
Hülkenberg 1.46,746 min 10 soft 1
Perez 1.46,510 min 11+6 soft 1+2
Ricciardo 1.46,795 min 10 soft 1
Stroll 1.46,831 min 9+7 soft 1+2
Sainz 1.47,019 min 17 soft 1
Albon 1.47,200 min 14 soft 1
Räikkönen 1.47,273 min 5 soft 1
Russell 1.47,458 min 4 soft 1
Giovinazzi 1.47,563 min 10 soft 1
Norris 1.47,621 min 15 soft 1
Kubica 1.47,702 min 5 soft 1
Grosjean 1.48,080 min 9 soft 1
Magnussen 1.48,511 min 8 soft 1
         
Hamilton 1.44,187 min 4 medium 2
Leclerc 1.44,462 min 5 medium 2
Sainz 1.45,073 min 3 medium 2
Ricciardo 1.45,906 min 9 medium 2
Vettel 1.46,269 min 10 medium 2
Räikkönen 1.46,482 min 4 medium 2
Bottas 1.46,957 min 9 medium 1
Magnussen 1.48,026 min 9 medium 2
Kubica 1.48,617 min 16 medium 2
         
Gasly 1.45,810 min 11 hart 2
Verstappen 1.45,907 min 9 hart 2
Kvyat 1.46,486 min 6 hart 2
Giovinazzi 1.47,140 min 6 hart 2
Hülkenberg 1.47,263 min 10 hart 2
Grosjean 1.47,881 min 4 hart 2
Russell 1.48,384 min 17 hart 2
Fahrer Rundenzeit Runden Reifen Stint
Hamilton 1.45,027 min 10 soft 1
Bottas 1.45,077 min 6 soft 2
Verstappen 1.45,869 min 8 soft 1
Kvyat 1.46,132 min 10 soft 1
Vettel 1.46,209 min 5 soft 1
Gasly 1.46,241 min 10 soft 1
Leclerc 1.46,385 min 11 soft 1
Hülkenberg 1.46,746 min 10 soft 1
Perez 1.46,510 min 11+6 soft 1+2
Ricciardo 1.46,795 min 10 soft 1
Stroll 1.46,831 min 9+7 soft 1+2
Sainz 1.47,019 min 17 soft 1
Albon 1.47,200 min 14 soft 1
Räikkönen 1.47,273 min 5 soft 1
Russell 1.47,458 min 4 soft 1
Giovinazzi 1.47,563 min 10 soft 1
Norris 1.47,621 min 15 soft 1
Kubica 1.47,702 min 5 soft 1
Grosjean 1.48,080 min 9 soft 1
Magnussen 1.48,511 min 8 soft 1
         
Hamilton 1.44,187 min 4 medium 2
Leclerc 1.44,462 min 5 medium 2
Sainz 1.45,073 min 3 medium 2
Ricciardo 1.45,906 min 9 medium 2
Vettel 1.46,269 min 10 medium 2
Räikkönen 1.46,482 min 4 medium 2
Bottas 1.46,957 min 9 medium 1
Magnussen 1.48,026 min 9 medium 2
Kubica 1.48,617 min 16 medium 2
         
Gasly 1.45,810 min 11 hart 2
Verstappen 1.45,907 min 9 hart 2
Kvyat 1.46,486 min 6 hart 2
Giovinazzi 1.47,140 min 6 hart 2
Hülkenberg 1.47,263 min 10 hart 2
Grosjean 1.47,881 min 4 hart 2
Russell 1.48,384 min 17 hart 2
Motorsport Aktuell Lewis Hamilton - Mercedes - GP Singapur 2019 GP Singapur 2019 - Ergebnis 2. Training Hamilton knapp vor Verstappen

Lewis Hamilton und Max Verstappen schüttelten das restliche Feld ab.

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