Vettel & Leclerc - Formel 1 - GP Spanien 2019 Motorsport Images
Hamilton, Bottas & Zetsche - Formel 1 - GP Spanien 2019
Start - Formel 1 - GP Spanien 2019
Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Spanien 2019
Start - Formel 1 - GP Spanien 2019
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Rennanalyse GP Spanien 2019

Ferrari-Stallregie mit Verzögerung

Ferrari konnte Mercedes in Barcelona nicht herausfordern. Zur schlechten Pace kamen noch fragwürdige Strategie-Entscheidungen. In der Analyse liefern wie die Antworten auf die offenen Fragen zum GP Spanien.

Warum kam Bottas am Start nicht weg?

Das Rennen von Barcelona wurde wieder einmal am Start entschieden. Schon kurz nachdem die Lichter der Ampel ausgingen, hatte Lewis Hamilton die acht Meter Rückstand auf Teamkollege Valtteri Bottas aufgeholt. Eigentlich stand der Finne auf der saubereren Linie. Doch den Vorteil konnte er nicht ausspielen. „Irgendetwas hat mit der Kupplung nicht gestimmt. Als ich sie an den Schleifpunkt gebracht habe, hat das ganze Auto vibriert. So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Die Vibrationen konnten die Ingenieure klar in den Daten erkennen. Den Grund dafür hatten die Techniker direkt nach dem Rennen aber noch nicht parat. Der lässt sich erst nach genauerer Untersuchung des Bauteils in der Fabrik in Brackley ermitteln. Für Bottas war das Rennen damit gelaufen. „Wenn Du vorne fährst, kannst Du die Pace bestimmen und die Reifen schonen. Sobald ich näher an Lewis dran war, bin ich nur noch gerutscht. Ansonsten hatten wir eine identische Pace.“

Beinahe wäre Bottas am Start auch noch hinter Vettel gefallen. Der Heppenheimer saugte sich im Windschatten heran und wagte vor Kurve 1 auf der Außenseite den Angriff. „Ich habe versucht ganz spät zu bremsen. Das ist mir auch gelungen, leider auf Kosten eines Bremsplattens“, ärgerte sich der Ferrari-Pilot.

Mit seiner stürmischen Attacke behinderte Vettel Bottas zudem. Der Finne befand sich plötzlich im Sandwich. „Wenn Sebastian nicht links neben mir gewesen wäre, hätte ich es mit mehr Schwung vielleicht geschafft, in Kurve 2 die Innenbahn gegen Lewis zu bekommen. So musste ich versuchen, irgendwie die Kollision zu vermeiden“, schimpfte Bottas. Vettel waren die Konsequenzen seiner Aktion bewusst: „Ich habe damit Lewis sicher einen Gefallen getan.“

Start - Formel 1 - GP Spanien 2019
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Sebastian Vettel spielte Hamilton mit seiner Attacke in Kurve 1 in die Karten.

Warum war Ferrari nicht so stark wie bei den Testfahrten?

Die Fachwelt fragte sich in Barcelona, warum Ferrari die dominante Form der Wintertests nicht auch am Grand-Prix-Wochenende auf gleicher Strecke zeigen konnte. Die roten Rennwagen präsentierten sich in Spanien stattdessen hinter Mercedes und Red Bull nur als dritte Kraft. Vor allem im kurvenreichen dritten Sektor verloren Sebastian Vettel und Charles Leclerc massiv Zeit auf die Konkurrenz.

„Die Schwächen unseres Autos kamen hier deutlich zum Tragen. Wir verlieren nicht nur in engen Kurven, wir verlieren in allen Kurven“, gab Teamchef Mattia Binotto schonungslos zu. „Wir kämpfen vor allem mit Untersteuern, haben die Antwort auf das Problem aber noch nicht gefunden. Alleine der Mangel an Abtrieb kann es nicht sein. Es kommen auch noch Balance und Reifenmanagement dazu.“

Die Charakteristik des Autos war bereits bei den Testfahrten zu erkennen. Da hatte die Konkurrenz von Mercedes und Red Bull allerdings noch mit viel größeren Problemen zu kämpfen. Seitdem haben vor allem die Silberpfeile große Fortschritte gemacht. Ferrari schaffte es nicht, das eigene Auto weiterzuentwickeln. „Wir können ihnen nur ein Kompliment aussprechen. Sie machen uns das Leben schwer“, gratulierte Binotto. „Wir haben gedacht, dass wir hier mit unseren Motor- und Aerodynamik-Upgrades um den Sieg kämpfen können. Aber die waren nicht genug. Das war insgesamt eine enttäuschende Vorstellung.“

Reagierte Ferrari in puncto Stallregie zu langsam?

Zur schlechten Pace kamen auch wieder fragwürdige Strategie-Entscheidungen am Kommandostand der Italiener. Nach dem Verbremser in der ersten Kurve war schnell klar, dass Vettel den Speed von Teamkollege Leclerc nicht mitgehen kann. Obwohl der Heppenheimer den Platzwechsel von sich aus freiwillig anbot, dauerte es bis zur zwölften Runde bis die Stallregie endlich vollzogen wurde. Kaum war Leclerc vorbei, fuhr er eine Sekunde schneller.

Im Mittelstint kam es dann zum gleichen Spiel, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Vettel war mit Medium-Reifen auf einer Zweistopp-Strategie unterwegs. Leclerc sollte mit seinen harten Reifen bis zum Ende durchfahren. Ab Runde 26 lagen die beiden roten Autos direkt hintereinander auf der Strecke. Wieder dauerte es zehn Runden, bis die Ferrari-Strategen den Platztausch anordneten. Prompt zog Vettel eine Sekunde pro Runde davon.

Die Begründung von Teamchef Binotto für die Verzögerung klang nicht überzeugend: „Wir mussten ja erst einmal feststellen, ob der Hintermann tatsächlich auch schneller ist. Und im zweiten Fall war es auch wichtig, dass Charles bei dem Tausch keine Zeit verliert. Er befand sich ja mitten im Fernduell mit Max Verstappen, der eine Zweistopp-Strategie fuhr.“

Lando Norris - Formel 1 - GP Spanien 2019
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Nach der Kollision von Norris und Stroll musste das Safety-Car ausrücken.

Wer profitierte vom Safety-Car?

In einem eintönigen Rennen sorgte die Kollision von Lando Norris und Lance Stroll für den einzigen Unterhaltungswert. Die fällige Safety-Car-Phase stauchte nicht nur die Abstände zusammen und gaukelte dem Zuschauer so etwas Ähnliches wie Spannung vor, sie sorgte auch im Feld endlich für Bewegung. Es gab Opfer wie die Toro Rosso-Piloten und diverse Profiteure.

Max Verstappen und Sebastian Vettel hat die Neutralisation je ein Überholmanöver erspart. Sie hätten sonst Einstopper Leclerc auf der Strecke schlagen müssen. Doch das Safety-Car zwang Ferrari zum zweiten Stopp. Lerclerc wäre sonst mit seinem ausgelutschten harten Reifen von den Verfolgern mit frischen Gummis überrollt worden. Pierre Gasly schenkte das Safety-Car den zweiten Reifenwechsel. Ohne das Geschenk wäre der Red Bull-Pilot hinter Romain Grosjean gefallen und hätte den Haas dann auf der Strecke überholen müssen.

Boxentafel - Hamilton - GP Aserbaidschan 2018
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Haas bewies in der einzig kritischen Phase des Rennens Übersicht. Man holte zuerst den schlechter platzierten Kevin Magnussen an die Box, um ihn gegen die Toro Rosso zu schützen und dann einen Umlauf später Romain Grosjean, der keinen direkten Gegner hinter sich hatte. Der Franzose behielt zwar seinen siebten Platz, doch er hatte nun Teamkollege Magnussen direkt im Rückspiegel. Rückblickend hat ihn das drei Positionen gekostet, weil er beim Re-Start von Magnussen sofort unter Beschuss genommen wurde. Der Däne brachte seine Reifen schneller auf Temperatur.

Auch McLaren passte bei der Safety-Car-Phase genau auf und bewies, dass man das ABC der Rennstrategie voll beherrscht. Carlos Sainz wurde mit einer Runde Verzögerung an die Box geholt. „Damit sind wir in der Führungsrunde geblieben“, erklärt Neu-Teamchef Andreas Seidl. So rutschte Sainz vor Alexander Albon, der wegen des Boxenstopp-Chaos bei Toro Rosso genau diese Runde verlor. Der Thailänder durfte sich zwar zurückrunden, lag aber immer noch hinter Sainz.

Und auch auf das Titelduell bei Mercedes hatte das Safety-Car Auswirkungen. Obwohl Hamiltons Vorsprung eingedampft wurde, profitierte der Weltmeister. Der Brite fuhr nach dem Re-Start direkt die schnellste Rennrunde und schnappte sich den Bonus-WM-Punkt. „Ich wusste, dass es die beste Chance auf den Zusatzpunkt ist“, erklärte Hamilton. Obwohl Bottas in der Safety-Car-Phase ebenfalls frische Reifen bekam, konnte er diese nicht nutzen. „Ich habe beim Re-Start erst versucht an Lewis vorbeizukommen. Als das nicht klappte, habe ich in den Lademodus geschaltet, um eine Runde später auf Zeitenjagd zu gehen. Aber die eine Runde hat die Reifen so stark beansprucht, dass ich die Zeit von Lewis nicht mehr unterbieten konnte.“

Warum hatte Toro Rosso die Reifen nicht bereit?

Daniil Kvyat und Alexander Albon waren auf den Plätzen 8 und 10 auf bestem Wege doppelte Punkte für das Team einzufahren. Aber als das Safety-Car rausgeschickt wurde, herrschte plötzlich Chaos am Toro Rosso-Kommandostand. Im Gegensatz zu Haas holten die Taktiker beide Autos gleichzeitig an die Box. Als das erste Auto vor der Garage parkte, fehlten plötzlich die Reifen.

„Da gab es am Funk ein Missverständnis. Die Kommunikation zwischen dem Kommandostand und den Mechanikern hat nicht gepasst. Daniil ist als Erster gekommen, aber die Mechaniker haben gedacht, es wäre Alex. Wir hatten Probleme, die richtigen Reifen zu finden und haben deshalb viel Zeit und ein paar Plätze verloren“, klagte Teamchef Franz Tost. Kvyat schaffte es immerhin noch vorbei an Grosjean auf Rang 9. Albon blieb auf Platz 11 ohne Zähler. „Das war am Ende ein enttäuschendes Ergebnis. Wir hätten viel mehr erreichen können.”

In der Galerie zeigen wir noch einmal die besten Bilder des Rennens.

GP China 2019: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Lewis Hamilton Mercedes 1:32:06.350
2. Valtteri Bottas Mercedes +6.552s
3. Sebastian Vettel Ferrari +13.744s
4. Max Verstappen Red Bull +27.627s
5. Charles Leclerc Ferrari +31.276s
6. Pierre Gasly Red Bull +89.307s
7. Daniel Ricciardo Renault +1 Runde
8. Sergio Perez Racing Point +1 Runde
9. Kimi Räikkönen Alfa Romeo +1 Runde
10. Alexander Albon Toro Rosso +1 Runde
11. Romain Grosjean Haas +1 Runde
12. Lance Stroll Racing Point +1 Runde
13. Kevin Magnussen Haas +1 Runde
14. Carlos Sainz McLaren +1 Runde
15. Antonio Giovinazzi Alfa Romeo +1 Runde
16. George Russell Williams +2 Runden
17. Robert Kubica Williams +2 Runden
18. Lando Norris McLaren Ausfall
19. Daniil Kvyat Toro Rosso Ausfall
20. Nico Hülkenberg Renault Ausfall
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