Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Spanien 2021 - Barcelona - Rennen Motorsport Images
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Spanien 2021 - Barcelona - Rennen
Max Verstapen - Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Spanien 2021 - Barcelona - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Spanien 2021 - Barcelona - Rennen
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Rennanalyse GP Spanien 2021: Hamilton-Sieg

Rennanalyse GP Spanien 2021 Geschichte wiederholt sich

GP Spanien

Das Rennen in Spanien erinnerte in seiner Dramaturgie an den Grand Prix von Ungarn 2019. Damals wie heute trickste Mercedes seinen Erzrivalen mit einem zweiten Reifenwechsel aus. Doch Red Bull machte nichts falsch. Lewis Hamilton saß im vierten Saisonrennen einfach im schnelleren Auto.

Lewis Hamilton war in Spanien dank seiner Mannschaft nicht aufzuhalten. Der 98. Sieg war die Belohnung für eine meisterhafte Fahrt miteiner meisterhaften Taktik. Unsere Rennanalyse.

Wie trickste Mercedes Red Bull aus?

Max Verstappen setzte sich am Start mit Ellbogen gegen den großen Rivalen durch. Wie in Imola, diesmal aber ohne, dass sich Lewis Hamilton ein Teil des Frontflügels abfuhr. Der Weltmeister zeigte wie so oft Weitsicht. "Formel-1-Rennen sind keine Sprints, sondern Marathons."

Red Bull war durch Verstappens Überfall auf den ersten 600 Metern in einer eigentlich hervorragenden Position. In Barcelona ist der Spitzenplatz ein äußerst wertvolles Gut. Man musste schon 1,2 Sekunden schneller sein, um tatsächlich zu überholen. Trotzdem siegte nach 66 Runden der Weltmeister. "Mercedes hatte einfach das schnellere Auto", resümierte Verstappen. Eines, das die Reifen besser in Schuss hielt – zumindest mit dem Abonnement-Sieger der Formel 1 im Cockpit. Und trotzdem brauchte der Weltmeister seinen Kommandostand für den dritten Saisonsieg.

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Spanien 2021 - Barcelona - Rennen
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Lewis Hamilton gewann den GP Spanien durch eine bessere Strategie.

Selbst in der verwirbelten Luft ließ sich Hamilton nicht abschütteln. Er verkürzte den Abstand zu Verstappen bis Runde 23 auf 0,897 Sekunden. Das verleitete den Niederländer, eigenmächtig die Reißleine zu ziehen. "Es gab da ein Missverständnis mit seinem Ingenieur. Max ist einfach an die Box gefahren. Wir mussten da schnell handeln, damit die Reifen überhaupt alle da sind", führt Sportchef Helmut Marko aus. Red Bulls Mechaniker begrenzten den Schaden mit einem Reifentausch in 4,2 Sekunden.

Verstappen erschwerte sich allerdings das Leben. Um sicher vor Hamilton zu bleiben, musste er sofort in der Outlap attackieren. Und er brummte sich einen längeren zweiten Teil auf. Der Plan war, die verbleibenden 42. Runden durchzufahren.

Hamilton wechselte vier Runden später. Sein Mercedes flog danach auf den Mediumreifen. Verstappens Vorsprung von über sechs Sekunden verdampfte innerhalb von fünf Umläufen. Der Champion war so viel schneller, dass er es sich zutraute, Verstappen auf der Strecke zu überholen. Doch seine Strategen kamen ihm zuvor. Sie riefen ihren Superstar bereits in Runde 42 ein weiteres Mal rein. "Ich habe erst gezögert, weil ich erstmals wirklich dicht an Max war. Aber ich weiß, ich kann meinem Team bei diesen Entscheidungen vertrauen." Mercedes machte es wie in Ungarn vor zwei Jahren, und war damit wieder erfolgreich. Zweiter Stopp, deutlich frischere Reifen, großes Delta, schnelleres Auto, Sieg.

Verstappen wusste, dass er das Rennen nicht würde gewinnen, als Hamilton zunächst aus seinem Rückspiegel verschwand. "Meine Reifen waren schon zu angefasst. Ich wusste, ich werde ein leichtes Opfer." Eine direkte Reaktion wäre sinnlos gewesen. Der Undercut war eine zu starke Waffe. Sein Gefühl war besser als die Daten von Mercedes. Die sagten eine engere Kiste voraus. "Sie haben einen Zusammenschluss in der letzten Runde prophezeit. Das Reifendelta hätte 1,4 Sekunden betragen", erzählt Teamchef Toto Wolff. Hamilton machte früher kurzen Prozess. Innerhalb von 17 Runden hatte er die Lücke von 22,4 Sekunden zugefahren. Sieben Umläufe vor Schluss überflügelte er den Red Bull.

Mercedes konnte riskieren, ohne ins Risiko zu gehen. Zweiter und Dritter wäre man so oder so geworden. Dem Herausforderer waren strategisch dagegen die Hände gebunden. Als Führender gibt man auf einer Strecke wie Barcelona nicht freiwillig den Spitzenplatz her. Zumal Verstappen nur noch einen Softreifen in der Hinterhand hatte, und nicht wie Hamilton einen weiteren Medium. Der Vorteil darauf wäre schnell aufgebraucht gewesen.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Spanien 2021 - Barcelona - Rennen
Wilhelm
Red Bull hat einen Vorteil auf eine Runde, Mercedes über die Distanz.

Wer hat das bessere Auto der Topteams?

Es sind Nuancen, die Mercedes und Red Bull trennen. Die Teams sind sich einig: Der RB16B ist leicht besser auf eine Runde, der W12 besser mit vollen Tanks. In Barcelona etwa ein Zehntel pro Runde. Beim Motor sieht sich Red Bull leicht im Hintertreffen. Mercedes habe den etwas besseren V6-Turbo und setzte mehr Dampf über das Zusammenspiel mit den Hybridkomponenten frei.

Trotz des Quali-Vorteils verpasste Verstappen die Pole-Position. Ein klares Muster, wer in welchem Kurventyp schneller ist, lässt sich nicht herauslesen. In der Quali gingen die Kurven 1,2,12,13,14 und 15 an Verstappen. Die Kurven 7 bis 9 sowie 10 an Hamilton.

Im Rennen liegt der Fall klarer. Der Red Bull zündet die Reifen schneller an, der Mercedes konserviert sie länger. "Sie hatten einfach das schnellere Rennauto. Sie schonen die Reifen besser. Deshalb hätten wir nicht gewonnen – egal mit welcher Strategie", meint Teamchef Christian Horner. Eine große Schwäche wurde abermals offengelegt. Der Red Bull steht mit dem C2-Reifen – in Barcelona der Medium – auf Kriegsfuß. Vielleicht hatte man sich deshalb nur eine Garnitur der gelbmarkierten Reifen aufgespart. Kritiker werden sagen, ein Fehler, weil man deswegen einem zweiten Stopp von Mercedes nicht zuvorkommen konnte, was ja laut Red Bull trotzdem nicht geholfen hätte.

Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Spanien 2021 - Barcelona - Rennen
Wilhelm
Valtteri Bottas machte Lewis Hamilton erst nach ein paar Kurven Platz.

Warum blockte Bottas den Teamkollegen?

In Runde 52 lief Hamilton auf den Teamkollegen auf. Beide waren auf einer unterschiedlichen Strategie. Der eine auf frischen, der andere auf alten Reifen. Fünf Kurven lang wirkte es so, dass Valtteri Bottas gar nicht daran denken würde, für den Chef im Team Platz zu machen. Erst in Kurve zehn öffnete der Finne auf der Innenspur eine Wagenbreite. Hamilton verlor in dieser Runde 1,4 Sekunden, war seinem Teamkollegen aber auch nicht böse.

Eine Rüge hätte es wohl vom Teamchef gegeben, wäre Hamilton deshalb nicht mehr zum Sieg gefahren. "So war es eigentlich egal. Wir werden das dennoch in Ruhe besprechen. Ich kann Valtteri in gewisser Weise verstehen. Er war angefressen nach dem verpatzten Start. Hinter Leclerc hat er das Rennen früh verloren. Und der Instinkt eines Rennfahrers sagt einem nicht, direkt Platz zu machen", sagte Wolff. Bottas erklärte sich so: "Ich habe die Aufforderung vom Team direkt verstanden. Kämpfen war sinnlos. Ich war aber im Zwiespalt. Ich wollte Lewis durchlassen, aber gleichzeitig nicht zu viel Zeit dadurch verlieren. Es war die Phase, als ich den Vorsprung auf Leclerc vergrößern wollte, um noch einmal selbst stoppen zu können."

Am Start hatte Hamilton seinem Teamkollegen übrigens helfen wollen. Bei Mercedes gab es die Absprache, dass der Pole-Setter auf der linken Seite bleibe, damit er Bottas im Windschatten an Verstappen vorbeizieht. Doch der Red Bull kam dafür einfach zu gut weg. So schnappte er sich das Auto mit der Startnummer 44.

Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP Spanien 2021 - Barcelona - Rennen
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Ferrari war in Barcelona mit Charles Leclerc im Auto die dritte Kraft.

Ist Ferrari jetzt die dritte Kraft im Feld?

Bislang war Ferrari nur in der Qualifikation vor McLaren. Im Rennen war es anders. Nicht aber in Spanien. Ferrari hatte die Oberhand, weil Charles Leclerc die gute Startposition umsetzte und Ferrari die Reifen im Griff hatte. In Portimao hatte man noch auf den Mediums gestrauchelt. "Wir haben die richtigen Lehren gezogen. Durch ein anderes Setup und eine bessere Balance waren die Probleme aussortiert", berichtete Teamchef Mattia Binotto.

Ferrari war über die Distanz schneller als Ricciardo. Der Australier befand sich praktisch das ganze Rennen im Verteidigungsmodus. Lando Norris, der den Teamkollegen zuletzt deutlich im Griff hatte, vermasselte sich ein besseres Ergebnis schon am Samstag. Er steckte im Verkehr fest. Binotto verglich die beiden Autos. "Wir waren im letzten Sektor besser, also in den langsamen Kurven." Daran muss McLaren noch arbeiten. Sainz brachte sich am Start um eine bessere Platzierung. Da fiel er hinter Ricciardo. "Ich muss mich noch mehr mit den Systemen vertraut machen, um auf den ersten 100 Metern besser zu werden."

Aufgrund der guten Form im letzten Sektor reist Ferrari hoffnungsfroh nach Monte Carlo. Auf dem Papier sollte der Stadtkurs nach dem Geschmack des SF21 sein. Sainz warnt aber: "Monaco hat seine Eigenheiten. Diese Strecke ist mit nichts zu vergleichen. Wir fahren mit einem ganz anderen Setup dort, konditionieren die Reifen ganz anders. Das kann das Bild ändern."

Daniel Ricciardo - McLaren - Formel 1 - GP Spanien 2021 - Barcelona - Rennen
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McLaren war dieses Mal langsamer als Ferrari.

Wieso wurden es doch zwei Stopps?

Vor dem Rennen sprach vieles für eine Einstoppstrategie. Ein bewölkter Himmel ließ die Asphalttemperaturen gegenüber Freitag und Samstag um mehr als zehn Grad Celsius abstürzen. Dazu kam ein frühes Safety Car, das den Fahrern für zwei Runden Schützenhilfe gab. Doch am Ende setzten 16 der 20 Fahrer auf eine Zweistoppstrategie. Nur Kimi Räikkönen und Esteban Ocon versuchten, mit einem Halt durchzukommen. Der Finne, um irgendwie doch einen Punkt zu entführen mit der Hoffnung auf ein Safety Car zur Rennmitte. Der Franzose, weil Alpine auf seinem Masterplan beharrte. Ocon bezahlte es hinten heraus. Norris entriss ihm noch den achten Platz.

Die Umstände führten zu einer Mehrzahl an Zweistoppern. Keiner im Feld nahm den Fuß vom Gas. Das konnte sich weder das Spitzenduo noch das eng ausgefochtene Mittelfeld leisten. Der Reifenverschleiß war dadurch höher als angenommen. Und viele Fahrer legten hinten heraus einen zweiten Reifenwechsel ein, weil es an ihrer Position nichts mehr änderte: Verstappen, Bottas, Leclerc, Perez. Ferrari wollte mit seinem zweiten Service für Sainz noch McLaren aus der Reserve locken. Pech nur, dass Ricciardo von Perez überholte wurde, und direkt in Runde 46 selbst bei seiner Mannschaft auftauchte. Norris musste für den Teamkollegen Platz machen, Ocon packte Ricciardo mit deutlich frischeren Reifen locker.

GP Spanien 2021 - Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Lewis Hamilton Mercedes 1:33:07.680 h
2. Max Verstappen Red Bull +15.841s
3. Valtteri Bottas Mercedes +26.610s
4. Charles Leclerc Ferrari +54.616s
5. Sergio Perez Red Bull +63.671s
6. Daniel Ricciardo McLaren +73.768s
7. Carlos Sainz Ferrari +74.670s
8. Lando Norris McLaren +1 Runde
9. Esteban Ocon Alpine +1 Runde
10. Pierre Gasly Alpha Tauri +1 Runde
11. Lance Stroll Aston Martin +1 Runde
12. Kimi Räikkönen Alfa Romeo +1 Runde
13. Sebastian Vettel Aston Martin +1 Runde
14. George Russell Williams +1 Runde
15. Antonio Giovinazzi Alfa Romeo +1 Runde
16. Nicholas Latifi Williams +1 Runde
17. Fernando Alonso Alpine +1 Runde
18. Mick Schumacher Haas +2 Runden
19. Nikita Mazepin Haas +2 Runden
20. Yuki Tsunoda Alpha Tauri Ausfall
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