Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Freitag - 30. Juli 2021 xpb
Yuki Tsunoda - Alpha Tauri - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Freitag - 30. Juli 2021
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Freitag - 30. Juli 2021
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Freitag - 30. Juli 2021
Sebastian Vettel - Aston Martin - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Freitag - 30. Juli 2021 49 Bilder

GP Ungarn 2021: Analyse Training & Longrun-Zeiten

Trainingsanalyse GP Ungarn 2021 Kopf-an-Kopf an der Spitze

GP Ungarn

Auf Papier war Red Bull Favorit. In Realität könnte es ein enges Rennen mit Mercedes werden. Die Silberpfeile sind etwas besser in das Wochenende gestartet, weil Red Bull mit starkem Untersteuern kämpfte.

Der Morgen gehörte Max Verstappen, der Nachmittag Mercedes. Valtteri Bottas und Lewis Hamilton führten die Rangliste an und hängten Verstappen um knapp drei Zehntel ab. Der Holländer klagte über starkes Untersteuern. Trotzdem bleibt Verstappen Favorit. "Auf dem Papier sollte der Hungaroring uns nicht so gut liegen wie Silverstone. Und selbst dort hatte Red Bull einen kleinen Vorsprung auf uns", stellte Teamchef Toto Wolff fest.

In den Longruns auf den Medium-Reifen waren die Zeitunterschiede geringer. Max Verstappen kam auf einen Mittelwert von 1.23,332 Minuten. Dem gegenüber standen 1.23,493 Minuten von Valtteri Bottas, allerdings über die doppelte Distanz. Auch die Mercedes-Piloten sahen bei der Fahrzeugbalance noch Luft nach oben. In der schnellen Runde fehlte im ersten Sektor der Grip auf der Vorderachse und im letzten Abschnitt die Haftung an der Hinterachse.

Im Mittelfeld lassen die Rundenzeiten noch weniger Schlussfolgerungen zu. Die Ferrari-Piloten waren trotz ihrer Platzierungen auffällig zufrieden mit ihren Autos. Sie werden wohl am Samstag weiter vorne zu finden sein. So wie auch McLaren, die sich traditionell immer von Freitag auf Samstag steigern. Alpine, Alpha Tauri und Aston Martin konnten bei Sauna-Temperaturen glänzen, sind sich aber nicht so sicher, ob sie den Speed auch dann halten können, wenn die Temperaturen wie vorhergesagt sinken werden.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Freitag - 30. Juli 2021
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Max Verstappen beschwerte sich über ein zu stark untersteuerndes Auto.

Sechs Dinge, die Sie wissen müssen

1) Kann Mercedes Favorit Red Bull schlagen?

So viel vorneweg. Max Verstappen geht es gut. Dem Unfall-Motor von Silverstone auch. Nur der Auspuff wurde getauscht. Der WM-Spitzenreiter hat noch ein paar blauen Flecken als Andenken an seinen Unfall in Silverstone, war aber von der ersten Runde an auf der Höhe des Geschehens. "Max ist gleich mit drei Sektorbestzeiten in das Training eingestiegen", atmete Teamchef Christian Horner auf.

Honda fuhr am ersten Trainingstag noch mit reduzierter Leistung. Man merkte es am Topspeed. Die Mercedes waren auf den Geraden um fünf km/h schneller und haben in allen Vollgaspassagen zusammengerechnet eine halbe Sekunde auf ihren Gegner gewonnen. Da alle mit maximalem Abtrieb unterwegs sind, macht die Motorleistung den Unterschied aus. Das belegen auch die GPS-Messungen. In den Kurven herrschte praktisch Gleichstand. Nur ein Beispiel: In Kurve 8 war Red Bull besser, in Kurve 11 Mercedes.

Am Morgen hatte Verstappen die Lage noch im Griff. Doch am Nachmittag schlich sich massives Untersteuern ein. Bei Verstappen mehr als bei Sergio Perez, auf den weichen Reifen schlimmer als auf den Medium-Gummis. "Es war in jeder Kurve zu spüren. Bei Max besonders krass. Die üblichen Maßnahmen, das Untersteuern wegzukriegen, haben nichts gebracht. Deshalb ist es alarmieren. Wir haben dann irgendwann entschieden, einfach weiterzufahren, um wenigstens unsere Longruns abzuspulen", berichtete Sportdirektor Helmut Marko. Der Sektorvergleich unterstreicht die Aussagen des Doktors. Verstappen verliert am meisten im ersten Streckenabschnitt. Glatte drei Zehntel auf Bottas. In den beiden anderen Sektoren fehlt ihm nur ein Zehntel. Einmal auf Bottas, dann auf Hamilton.

Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Freitag - 30. Juli 2021
Wilhelm
Valtteri Bottas führte die Zeitentabelle am Freitag an.

2) Warum ist Bottas schneller als Hamilton?

Es wäre übertrieben zu sagen, dass sich ein Finne bei Zuständen wie in einer finnischen Sauna wohler fühlt als ein Engländer. Valtteri Bottas fand einfach ein bisschen besser in den Trainingstag als Lewis Hamilton. Und die Crew des Finnen fand in der Pause zwischen den beiden Trainingssitzungen die besseren Lösungen beim Setup. Ein bisschen weniger Untersteuern, ein bisschen weniger Probleme mit zu heißen Hinterreifen. "Es fühlte sich trotz der Umstände gar nicht so schlecht an", lobte der Finne sein Auto. Er führt die starke Form des Mercedes auf die jüngsten Aerodynamik-Änderungen am W12 zurück. Er traut sich sogar zu sagen: "Wir kämpfen hier um die Pole Position." Und das auf einer Red Bull-Strecke.

Hamilton richtete sich an den Rundenzeiten seines Teamkollegen auf. Er weiß, dass er sie im Ernstfall auch fahren kann. "Es braucht noch Feintuning bei der Balance des Autos. Ich bin optimistisch, dass uns das gelingt."

Carlos Sainz - Ferrari - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Freitag - 30. Juli 2021
Wilhelm
Ferrari flog im zweiten Training aus den Top10.

3) Ist Ferrari doch kein Geheimfavorit?

Die Ferrari landeten nur auf den Plätzen 11 und 12. "Wir haben sie stärker erwartet", meinte McLaren-Teamchef Andreas Seidl. Ferraris Taktik erinnert irgendwie an die Rennen in Spielberg. Auch da hatte ein reifenschonendes Setup Vorrang. Doch diese Taktik wird auf dem Hungaroring nicht funktionieren, weil das Überholen noch deutlich schwieriger sein wird als in Österreich. "Besonders wenn die Rundenzeit so eng beisammen liegen", wirft Sebastian Vettel ein.

Charles Leclerc war trotz der Platzierungen im Mittelfeld nicht besorgt: "Alles lief nach Plan. Das Auto fühlte sich in den Longruns ziemlich gut an. Wie gut es dann auf eine Runde sein wird, sehen wir morgen. Unser Fokus liegt auf dem Samstag, weil wir wissen wie wichtig die Startposition hier ist." Carlos Sainz glaubt, dass andere Teams von der Hitze mehr profitiert haben als Ferrari. "Einige sind besser unterwegs als sonst. Speziell Alpine und Aston Martin."

McLaren legte im Vergleich zu Ferrari einen normalen Freitag hin. "Wir stehen dort, wo wir am Freitag immer stehen", stellte Seidl fest. Lando Norris wunderte sich: "Die Alpine und Alpha Tauri sind besser als erwartet." Am Vormittag waren die Fahrer beschäftigt, das neue Aero-Paket zu testen. Die Änderungen an den Leitblechen, am Unterboden und den hinteren Bremsbelüftungen blieben für den Nachmittag dran. "Unsere Longruns sehen ordentlich aus, auch auf dem Soft, mit dem wir wahrscheinlich starten müssen", atmete Seidl auf.

Daniel Ricciardo sieht an seinem McLaren noch Verbesserungspotenzial. "Ich habe vom ersten zum zweiten Training zwei Schritte vorwärts gemacht, hätte aber drei gebraucht. Möglicherweise war die Hitze daran schuld, dass sich das Auto schlechter als sonst angefühlt hat. Ich hoffe, dass uns die Strecke entgegenkommt, wenn es kühler wird."

Esteban Ocon - Alpine - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Freitag - 30. Juli 2021
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Alpine und Esteban Ocon waren an vierter Position die Überraschung.

4) Warum sind Alpine und Aston Martin so schnell?

Alpine auf den Plätzen 4 und 7, Aston Martin auf 8 und 10. Vor Ferrari und McLaren. Das kommt selten vor. Alpine testete einige Leichtgewichtteile, die mehr Spielraum bei der Gewichtsverteilung lassen. Esteban Ocon fühlte sich in seinem Alpine von Anfang an wohl. Vielleicht auch, weil das Team schnell eine gute Abstimmung für die extrem hohen Temperaturen fand. "Das Auto fühlte sich über eine Runde auf den Soft-Reifen ordentlich an. Das bringt uns aber nicht viel, weil es ab morgen wahrscheinlich deutlich kühler sein wird", fürchtet Ocon. Fernando Alonso verlor im Verlauf des Trainings die Fahrzeugbalance. "Es gibt noch viel zu tun", erklärte der Neu-Vierziger. Ihm fehlten vier Zehntel auf den Teamkollegen.

Sebastian Vettel war mit dem ersten Arbeitstag am Hungaroring leidlich zufrieden. "Es war ein Tag ohne große Probleme. Wenn wir uns morgen dort qualifizieren, wo wir heute stehen, können wir uns nicht beschweren. Weiter vorne wäre natürlich besser, aber dazu müssen wir noch an unseren Schwachstellen arbeiten." Der Ex-Weltmeister nannte sie. "Wir müssen die Reifen für die eine Runde noch besser ins ihr Fenster bekommen. Im Moment haben wir Übersteuern am Eingang, und ab Kurvenmitte schiebt das Auto. Unsere Möglichkeiten, das zu reparieren, sind allerdings begrenzt."

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Freitag - 30. Juli 2021
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Die Pirellis kochten auf dem heißen Asphalt. Es gab kein Graining wegen der Hitze.

5) Welche Rolle spielen die Reifen?

Die Asphalttemperatur kletterte im zweiten Training bis auf rekordverdächtige 63 Grad. "Da macht das Fahren keinen Spaß mehr. Du bist nicht mehr am Limit, sondern meistens drüber", beschreibt Lando Norris das Fahrgefühl. Pirelli wurde von dem Delta von über einer Sekunde zwischen dem Soft- und dem Medium-Gummi selbst überrascht. "Wir haben mit sechs bis sieben Zehntel gerechnet", gab Sportchef Mario Isola zu. Man müsste sich fast wünschen, dass der Unterschied so groß bleibt. Dann könnten es selbst Mercedes und Red Bull nicht riskieren, mit dem Medium-Reifen durch das Q2 zu kommen. Und damit wäre die Einstopp-Strategie im Eimer, die nur dann funktioniert, wenn man mit einer der beiden härteren Mischungen in das Rennen startet.

Ein Grund für den großen Grip-Unterschied zwischen den einzelnen Reifensorten könnte sein, dass die Soft-Reifen im Gegensatz zum Vorjahr nicht gekörnt haben. "Möglicherweise eine Folge der großen Hitze", meint Isola. Das kann sich ändern, denn für Samstag und Sonntag sind nicht nur Gewitter, sondern auch kühleres Wetter vorhergesagt. "Wenn die Temperaturen um 20 Grad fallen, könnte Körnen wieder ein Thema werden. Und dann hat die Medium-Mischung relativ zum Soft einen Vorteil, weil sie robuster gegen das Körnen ist", erklärt Isola.

Yuki Tsunoda - Alpha Tauri - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Freitag - 30. Juli 2021
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Yuki Tsunoda verunfallte am Vormittag in Kurve vier.

6) Wo war Yuki Tsunoda?

Das erste Training dauerte für Tsunoda nur 18 Runden. Dann steckte sein Alpha Tauri rückwärts im Reifenstapel von Kurve 4. Der Aufprall sah eigentlich gar nicht so schlimm aus, doch neben Schäden am Heckflügel und der Hinterradaufhängung musste auch das Getriebe getauscht werden. Und da waren die zweieinhalb Stunden Pause nicht genug. Erst vier Minuten vor dem Ende des zweiten Trainings hatten die Mechaniker ihre Arbeit beendet.

Es reichte gerade noch für drei Runden, um die Systeme zu checken. In seiner letzten Runde ließ es der kleine Japaner trotzdem fliegen und fuhr sich noch auf den 17. Platz. Sportchef Helmut Marko meinte kritisch: "Er ist noch zu ungestüm, unser Yuki." Tsunoda entschuldigte: "Das Heck war speziell in schnellen Kurven extrem nervös. Weil ich so viel Zeit auf Gasly verloren habe, habe ich versucht mich speziell da zu verbessern. Dabei habe ich leider die Kontrolle über das Auto verloren."

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