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Die Formel 1 und Hockenheim

„Am liebsten vier Grand Prix“

Die Formel 1 und Hockenheim sprechen über die Möglichkeit, ein oder zwei Grand Prix in diesem Jahr zu veranstalten. Noch ist man aber weit weg von einer Entscheidung. Hockenheim hofft, in ein bis zwei Wochen mehr Klarheit zu haben.

Es ist die Gretchenfrage für die Königsklasse des Motorsports. Wie sieht der Formel-1-Kalender 2020 aus, nachdem die Corona-Pandemie den ursprünglichen Terminplan völlig über den Haufen geworfen hat? In welchen Ländern kann überhaupt gefahren werden? Und wie bekommt man mindestens 15 Rennen zusammen, um den Prämientopf mit den Geldern der TV-Anstalten zu füllen?

In einem Punkt ist sich die Formel 1 einig. Es ist besser nicht zu fahren, als nur ein paar Grands Prix abzuhalten. Weil dann die Ausgaben die Einnahmen übersteigen würden. Renaults Teamchef Cyril Abiteboul erklärt: "Das schlimmste aus wirtschaftlicher Sicht wäre es, wenn wir ein, zwei, drei oder vier Rennen fahren und dann stoppen. Wenn wir die Bedingungen für eine Saison nicht schaffen können, wäre es besser, nicht zu starten. Wir brauchen eine vernünftige Saison, um ausreichend Einnahmen zu generieren, damit wir die Kosten tragen können, die durch das Rennfahren entstehen."

Das bewegliche Ziel

Für die Organisatoren der Formel 1, Chase Carey und Ross Brawn, sowie die FIA um Präsident Jean Todt geht es derzeit um Risikomanagement. Man klopft behutsam die Optionen ab. Die tagespolitischen Entscheidungen und Entwicklungen der Coronakrise erschweren die Planung. Die Koordinaten müssen laufend neu ausgerichtet werden.

Ein Beispiel: Lockert ein Land die Bestimmungen für Einreisen und Quarantäne, kann es plötzlich wieder auf die Agenda der Formel 1 kommen. Doch was, wenn sich die Krise wieder verschärft und die Beschränkungen wieder angezogen werden? Dann könnte ein eigentlich festgezurrter Grand Prix schnell wieder aus dem Kalender fallen. Und dann müsste ein anderer Austragungsort in die Bresche springen.

Derzeit sieht es danach aus, als ob die Coronakrise abflaut. Zumindest in Europa, wo die Formel 1 bis September ihre Rennen austragen möchte. Das sind gute Nachrichten. Die Rennen in Österreich (5. und 12. Juli) sind realistisch. England plant einen Doppelschlag am 26. Juli und 2. August. Finanziell hat sich der Veranstalter jetzt mit der Formel 1 geeinigt. Er soll zunächst die gleiche Summe von Liberty gefordert haben, die er normalerweise an die Rechteinhaber zahlen muss. Von dem hohen Ross ist Silverstone mittlerweile runtergekommen. Jetzt liegt es an der Politik. Solange die jeden Einreisenden zwei Wochen in Quarantäne schickt, kann es kein Rennen geben. Belgien hat dagegen die Voraussetzungen für einen Grand Prix in Spa-Francorchamps Ende August geschaffen.

Chase Carey - F1 - 2019
Motorsport Images
Die Formel 1 um Boss Chase Carey und die Hockenheim GmbH sprechen über eine mögliche Zusammenarbeit 2020.

Kein Rennen um jeden Preis

Auch Hockenheim ist in der Verlosung. Die losen Gespräche vom April sind in den letzten zwei bis drei Wochen intensiver geworden. Inzwischen haben das Formel-1-Management und Hockenheim über die Möglichkeit beraten, ein oder sogar zwei Rennen auf der badischen GP-Strecke zu veranstalten.

Der Hintergedanke ist offensichtlich: Die Formel 1 kann sich nicht nur auf Rennstrecken beschränken, die im Ursprungskalender verankert waren. Ansonsten würde man sich zu stark einschränken. In Russland, Brasilien und den USA ist zum Beispiel ein Ende der Krise derzeit nicht in Sicht. In diesen Ländern sind die Neuinfizierungen mit Covid-19 konstant hoch.

Hockenheim ist prinzipiell aufgeschlossen. Aus dem Lager des Streckenbetreibers heißt es: "Ein oder zwei Rennen würden uns schon sehr gefallen. Am liebsten hätten wir vier." Letzteres ist natürlich scherzhaft gemeint. "Unabhängig davon, ob wir in diesem Jahr ein Rennen bekommen oder nicht, sind wir stolz darauf, dass uns die Formel 1 kontaktiert hat, obwohl wir in den letzten Jahren nicht das große Geld abgeliefert hatten."

Einen Grand Prix um jeden Preis will und kann sich Hockenheim nicht leisten. Deshalb stellt sich die Frage, wer für die Organisationskosten aufkommt. Da kommen schon ein paar Millionen zusammen. Das ist nur eines der vielen Fragezeichen über eine mögliche Rückkehr in den Rennkalender. Ein weiteres wäre: Dürfen Geisterrennen ohne Zuschauer überhaupt in Deutschland stattfinden? Trotz verkleinerter Teams wird die Formel 1 ihre Zelte mit 1.500 bis 2.000 Personen an einer Rennstrecke aufschlagen. In diesem Fall braucht es die Erlaubnis der Politik.

Start - GP Deutschland 2019 - Hockenheim
xpb
Hockenheim steht einer Rückkehr in den GP-Kalender offen gegenüber - doch nicht zu jedem Preis.

Auch andere Interessenten

Als Zeitraum kommen die Wochen nach dem zweiten Spielberg-Rennen bis zum Oktober in Frage. Das klingt nach einigen Möglichkeiten. Doch Achtung: Hockenheim kann nicht jedes Wochenende für ein oder zwei mögliche Formel-1-Rennen freihalten. Es heißt aus der Kommandozentrale, dass man für die Königsklasse zwar viel in Kauf nehmen würde. Doch Hockenheim wird nicht jede Anstrengung mitmachen.

Die Streckenbetreiber haben sich zum Ziel gesetzt, die Corona-bedingten Ausfälle aus dem ersten Halbjahr so weit wie möglich im zweiten Halbjahr aufzufangen. Sprich: Man wird andere Interessenten, die die Strecke mieten wollen, nicht vertrösten oder Veranstaltungen verschieben, ohne echte Planungssicherheit von der Formel 1 zu haben.

Ein Rennen selbst könnte Hockenheim in kurzer Zeit organisieren. Doch für die Planung, wann welches Event auf der Rennstrecke stattfinden kann, braucht der Betreiber mehr Vorlaufzeit. Die Rede ist von zwei bis drei Monaten. Deshalb hätte Hockenheim gerne mehr Gewissheit. Man kann nicht in der Hoffnung auf einen oder zwei Grand Prix X-Wochenenden blocken, um am Ende doch mit leeren Händen dazustehen. Das würde nämliche finanzielle Ausfälle nach sich ziehen, die man sich nach so einer Krise doppelt nicht leisten kann.

In den nächsten ein bis zwei Wochen sollen die Gespräche mit der Formel 1 vertieft werden. Stand heute ist alles möglich: entweder, oder. Über mögliche Rahmenserien wie die Formel 2 wurde bislang übrigens nicht gesprochen.

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