Lewis Hamilton - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021 xpb
Valtteri Bottas - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Mick Schumacher - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Kimi Räikkönen - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Carlos Sainz - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021 68 Bilder

F1 Imola 2021 Analyse Rennen: Hamilton im Glück

F1-Rennanalyse Imola 2021 Hätte Hamilton Strafe verdient?

In der Analyse klären wir die letzten offenen Fragen zum Rennen in Imola. Wer hatte Schuld am großen Crash zwischen Bottas und Russell? Hätte Hamilton für sein Rückwärtsfahren nicht eine Strafe kassieren müssen? Und warum flog Räikkönen nachträglich noch aus den Punkten?

Wer war schneller: Mercedes oder Red Bull?

Bei Red Bull wusste man nach dem Rennen von Imola nicht ganz, ob man sich über den Sieg von Max Verstappen freuen sollte, oder ob nicht doch Ärger angebracht war, weil Lewis Hamilton ein Last-Minute-Comeback schaffte. "Er war heute wirklich mit dem Glück im Bunde", stöhnte Teamchef Christian Horner. Mercedes-Kollege Toto Wolff konterte: "Im Motorsport gibt es so etwas wie Glück nicht."

Eigentlich schien das Rennen für den Weltmeister nach dem Ausritt in Runde 30 schon gelaufen zu sein. Das Rangieren aus dem Kiesbett und der Tausch des Frontflügels sorgten für eine Runde Rückstand auf die Spitze. Erst der Abbruch nach dem Bottas-Russell-Crash schenkte dem Weltmeister den verlorenen Umlauf zurück und ermöglichte die Aufholjagd von Position neun bis auf Rang zwei.

Nur eine Frage war damit noch nicht beantwortet: Wer hatte das schnellere Auto? Nach der Qualifikation waren sich bei beiden Top-Teams einig, dass Red Bull eigentlich einen Vorsprung von zwei Zehnteln habe. Nur durch die Patzer von Verstappen und Perez stand Hamilton zum 99. Mal in seiner Karriere auf Pole Position.

Doch im Rennen änderte sich das Bild. Obwohl sich Hamilton im Zweikampf mit Verstappen in der ersten Kurve einen Teil der Frontflügel-Endplatte abrasiert hatte, holte er kurz vor den Boxenstopps massiv auf den Red Bull auf. "Wir können es nicht quantifizieren, aber so ein Schaden kostet normalerweise mehrere Zehntel", wunderten sich die Mercedes-Ingenieure.

Und auch am Ende des Rennens drehte Hamilton groß auf. Als er endlich freie Fahrt hatte, sicherte sich der 36-Jährige mit acht Zehnteln Vorsprung vor Verstappen den Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde. "Da hatte er aber auch Windschatten und DRS. Das hat ihm sicher sieben bis acht Zehntel geschenkt", war aus dem Mercedes-Lager zu hören. Horner bezifferte den Vorteil dagegen nur auf drei bis vier Zehntel.

Bei Red Bull sah man die Rennpace der Konkurrenz mit Sorge: "Man hatte schon in Bahrain gesehen, dass Mercedes am Ende der Stints etwas stärker aussah als wir. Insgesamt liegen beide Autos aber sehr nah beieinander. Beide haben Stärken und Schwächen. Und je nach Bedingungen ist mal der eine schneller und mal der andere. Es wird darauf ankommen, immer das Maximum rauszuholen und sich kleine Vorteile zu erarbeiten." Zum aktuellen Zeitpunkt will Horner noch nicht spekulieren, wer die Nase vorne hat: "Mercedes konnte seit dem Bahrain-Test große Fortschritte machen. Und sie stehen ja nicht still. Wir müssen jetzt mal zwei Rennen abwarten. Erst dann kann man konkrete Aussagen treffen."

George Russell - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Jerry André
Nach dem Crash gingen die Attacken zwischen Russell und Bottas weiter.

Wer hatte Schuld: Russell oder Bottas?

Das Imola-Spektakel fand seinen Höhepunkt in der 31. Runde. George Russell kam auf der Start-Ziel-Geraden mit geöffnetem DRS-Flügel und Tempo-Überschuss herangeflogen und setzte zum Überholmanöver gegen Valtteri Bottas an. Doch so leicht gab sich der Finne nicht geschlagen. Als er sah, von wo die Gefahr drohte, zog der Mercedes von der inneren Verteidigungslinie leicht nach außen. Russell geriet immer weiter auf die feuchte Bahn und verlor schließlich die Kontrolle über sein Auto. Bei dem Highspeed-Dreher räumte der Williams den Mercedes gleich mit ab. Im Kiesbett der Tamburello-Schikane machte sich Russell sofort auf den Weg zu seinem Kotrahenten. "Ich habe ihn gefragt: Willst Du uns beide umbringen?"

Die Schuldfrage war aus Sicht des Engländers klar: "Er ist im letzten Moment rübergezuckt. Im Trockenen wäre es vielleicht okay gewesen, aber hier bin ich auf eine feuchte Stelle gedrängt worden. Bei Geschwindigkeiten von mehr als 300 km/h und solchen äußeren Bedingungen haben kleine Bewegungen große Auswirkungen."

Russell deutete an, dass sich Bottas nur so hart verteidigte, weil es gegen einen internen Konkurrenten ging. "Das ist Bullshit", konterte Teamchef Wolff. Und auch Bottas wies den Vorwurf von sich: "Für solche Theorien habe ich leider meinen Aluhut vergessen. Ich verteidige ich mich gegen alle gleich. Ich habe ihm außen eine Wagenbreite Platz gelassen. Dass es dort feucht ist, muss er vorher wissen. Ich überlasse ihm ja nicht einfach die trockene Linie"

Wolff schloss sich dieser Meinung an. "Die Bilder geben eine Tendenz in Richtung eines Fehlverhaltens von George. Da muss ich nochmal mit ihm sprechen. Ich akzeptiere, dass es eine Lernkurve gibt. Aber dafür muss es auch Einsicht geben. Er muss vielleicht ein paar Tage darüber nachdenken." Der Teamchef fügte an, dass so ein teurer Unfall in Zeiten von Budget-Caps auch Auswirkungen auf die Entwicklungsmöglichkeiten habe. "Deshalb war diese Kollision beim Kampf um Platz neun mehr als unnötig."

Die FIA-Kommissare konnten übrigens keinen Schuldigen ausmachen. Nach eingehender Untersuchung der Szene verzichteten sie auf Strafen. Die Bewegung von Bottas nach rechts sei nicht unnatürlich gewesen, heißt es im Urteil. Es habe sich um einen normalen Rennunfall gehandelt. "Ich weiß nicht, ob es 50:50 oder 60:40 war – am Ende haben die Stewards einfach entschieden, dass man keinem Fahrer die Hauptschuld geben kann", erklärte Rennleiter Michael Masi die Situation.

Lewis Hamilton - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
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Hamilton rangierte nach seinem Crash rückwärts aus dem Kiesbett auf die Strecke.

Hätte Hamilton eine Strafe verdient?

Als Hamilton in Runde 30 ins Kiesbett rutschte, schien das Rennen schon gelaufen. Doch mit Hilfe des Rückwärtsgangs konnte sich der Champion doch noch aus dem Sandkasten befreien. "Da hat er in dem Moment wirklich kühlen Kopf bewahrt", lobten die Ingenieure. Einige Beobachter fragten sich allerdings, ob das Rangieren von der Begrenzungsmauer quer durch das Kiesbett bis auf die Strecke noch regelkonform war. Die Szene wirkte auf den ersten Blick nicht ungefährlich.

"Es gibt keine Regel, die besagt, wie weit man rückwärts fahren darf", hieß es aus dem Mercedes-Lager. Und auch die Schiedsrichter sahen kein Grund einzugreifen. Es wurde noch nicht einmal eine Untersuchung eingeleitet. "Lewis ist aus dem Kiesbett bis zum Streckenrand rückwärts gefahren. Wir haben uns den Funk angehört. Er wurde von der Box immer informiert, wo er sich befindet. Man muss in solchen Fällen immer die Umstände betrachten. In diesem Fall habe ich keinen Grund gesehen, die Szene an die Stewards weiterzuleiten", erklärte Masi.

Kimi Räikkönen - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
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Räikkönen nahm nach dem Dreher nicht mehr seine alte Position ein. Eigentlich eine vernünftige Entscheidung, die am Ende aber Punkte kostete.

Warum verloren Stroll und Räikkönen Punkte?

Bei Lance Stroll und Kimi Räikkönen ließen die Regelhüter keine Milde walten. Beide kassierten nachträgliche Zeitstrafen, die sie in der Tabelle noch zurückwarfen. Stroll kostete das Duell mit Pierre Gasly fünf Strafsekunden und eine Position. In der Tamburello-Kurve hatte der Kanadier bei seinem Angriff die Strecke verlassen und anschließend die Position nicht wieder zurückgegeben.

Bei Räikkönen lag der Fall etwas komplizierter. Der Iceman hatte sich vor dem Restart nach der Unterbrechung in Kurve drei gedreht. Weil das Safety-Car die Lichter schon ausgeschaltet hatte, ließ das Team den Fahrer die alte Position sicherheitshalber nicht wieder einnehmen. Der Kommandostand fragte bei der Rennleitung um Rat, was die Regeln für diesen Fall vorsehen Doch in der Kürze der Zeit gab es keine Antwort.

Normalerweise darf man bei einem Platzverlust hinter dem Safety-Car seine Position nicht wieder einnehmen. Doch bei einem Restart ist das etwas anders. Räikkönen hätte also ungestraft nach vorne fahren können, solange die alte Reihenfolge vor der ersten Safety-Car-Linie hergestellt worden wäre. Schafft es ein Fahrer nicht, bis dahin den ursprünglichen Platz einzunehmen, muss er an die Box abbiegen. Hier wurde Alfa Romeo also für die Vorsicht bestraft. Räikkönen lag plötzlich zu weit hinten, fuhr aber auch nicht an die Box. Für dieses Versäumnis kassierte der Pilot eine Zeitstrafe von 30 Sekunden, die ihn von Platz neun auf Position 13 zurückwarf.

Lando Norris - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
xpb
Nur Lewis Hamilton musste Lando Norris am Ende noch passieren lassen.

War der Reifenpoker von McLaren richtig?

Nach dem Restart setzten die meisten Teams auf Medium-Reifen. Nur McLaren schickte seine Fahrer mit den Soft-Gummis auf die letzten 27 Runden. "Wir wollten nach dem Restart davon profitieren, dass sich die weiche Mischung schneller aufwärmt und mehr Grip bietet", erklärte Andreas Seidl. Die Strategie ging auf. Kaum war das Rennen wieder freigegeben, schnappte sich Lando Norris den Ferrari von Charles Leclerc. Und er ließ dem Monegassen keine Chance zum Konter. Nur Hamilton musste sich Norris drei Runden vor Schluss noch geschlagen geben.

Der Medium-Reifen ermöglichte zwar über die Distanz konstantere Rundenzeiten, trotzdem war die Entscheidung am Ende richtig. "Weil Überholen hier schwierig ist, kommt es nur auf die Position an", erklärte Norris. "Ich musste aber schon direkt nach dem Restart auf die Reifen aufpassen, damit sie am Ende nicht ganz einbrechen." Seidl war von dem Poker zunächst nicht so begeistert, ließ sich dann aber von den Strategen überzeugen: "Sie haben mir gesagt, dass es eine einfache Entscheidung sei. Und sie haben die Taktik in der Unterbrechung genau mit den Fahrern besprochen. Die haben es dann perfekt durchgezogen."

In der Galerie zeigen wir noch einmal die vielen spektakulären Szenen vom Rennen in Imola.

F1 Imola 2021: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Max Verstappen Red Bull 2:02:34.598 h
2. Lewis Hamilton Mercedes +22.000s
3. Lando Norris McLaren +23.702s
4. Charles Leclerc Ferrari +25.579s
5. Carlos Sainz Ferrari +27.036s
6. Daniel Ricciardo McLaren +51.220s
7. Pierre Gasly Alpha Tauri +52.818s
8. Lance Stroll Aston Martin +56.909s
9. Esteban Ocon Alpine +65.704s
10. Fernando Alonso Alpine +66.561s
11. Sergio Perez Red Bull +67.151s
12. Yuki Tsunoda Alpha Tauri +73.184s
13. Kimi Räikkönen Alfa Romeo +94.773s
14. Antonio Giovinazzi Alfa Romeo +1 Runde
15. Sebastian Vettel Aston Martin Ausfall
16. Mick Schumacher Haas +2 Runden
17. Nikita Mazepin Haas +2 Runden
18. Valtteri Bottas Mercedes Ausfall
19. George Russell Williams Ausfall
20. Nicholas Latifi Williams Ausfall
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