Kimi Räikkönen - Alfa Romeo - Formel 1 - Testfahrten - Barcelona 2020 Wilhelm
Sauber - F1-Logistik - 2016
Beat Zehnder - Sauber - 2016
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Teammanager Beat Zehnder im Interview

So plant Alfa den Neustart

Die Formel 1-Saison 2020 startet am 5. Juli mit 112 Tagen Verspätung in Spielberg. Alfa Romeo-Teammanager Beat Zehnder erzählt, wie das Team auf die Corona-Krise reagiert hat und wie man sich auf eine Saison vorbereitet, von der man nicht weiß, wann und wo sie zu Ende geht.

Wie läuft der Betrieb nach 63 Tagen Pause wieder an?

Zehnder: Unsere Sommerpause war am 25. Mai zu Ende. Seitdem fahren wir das Ganze wieder langsam hoch auf Normalbetrieb. Trotz der guten Corona-Zahlen in der Schweiz haben wir in der Firma eine Früh- und eine Nachmittagsschicht eingerichtet, um so wenige Kontakte wie möglich zu schaffen. Die Ingenieure arbeiten mehrheitlich von zu Hause aus und kommen erst am 29. Juni wieder. Seit dem 15. Juni sind wieder alle Rennteam-Mechaniker in der Fabrik.

Die Produktion muss aber vor Ort sein?

Zehnder: Die meisten aus der Produktion waren gleich nach Ende der Sperre wieder in der Firma. Und auch ein paar Designer und Aerodynamiker. Das ganze aber je nach Arbeitsaufwand.

Wann sind die Autos aus Australien zurückgekommen?

Zehnder: Die Autos sind am 25. März angeliefert worden. Wir waren da schon in der Pause. Deshalb haben wir die Flugfracht-Container nur abgeladen und in unserer Lkw-Halle gelagert. Am 25. Mai haben wir die Container ausgepackt und die Teile in die verschiedenen Abteilungen zur Überprüfung gebracht.

Beat Zehnder - Alfa Romeo - GP Australien 2020
Wilhelm
Beat Zehnder ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Teammanager von Sauber (Alfa Romeo).

Und jetzt wird das Programm abgearbeitet, das Anfang April schon geplant war?

Zehnder: Das Melbourne-Auto war auf dem Stand der letzten beiden Testtage von Barcelona. Alle Updates, die wir danach geplant hatten, werden für das erste Rennen in Österreich ans Auto gebracht. Die Änderungen für Spielberg und Silverstone ziehen wir vor. Auch weil wir nicht wissen, wie viele Rennen wir dieses Jahr haben.

Und weitere Upgrades?

Zehnder: Es bleibt ja nicht mehr viel Zeit in diesem Jahr. Ein bisschen fahren sollten wir schon, bevor wir weitere neue Sachen ans Auto bringen.

Es sind bis jetzt zehn Rennen abgesagt worden. Wie schwer war es, Flüge und Hotels zu stornieren?

Zehnder: Wir haben den Vorteil, dass wir als Gruppe mehr Volumen bei Hotels und Fluggesellschaften haben und deshalb auch mehr erreichen können als eine Einzelperson. Als klar war, dass wir bis inklusive Monaco alles absagen müssen, lagen wir noch innerhalb der Storno-Fristen. Bei den Flügen sind wir schlimmstenfalls mal auf ein paar hundert Euro Gebühren sitzengeblieben.

Dort, wo bereits Anzahlungen geleistet wurden, haben wir mit den Fluggesellschaften ausgehandelt, dass wir die für zukünftige Buchungen umschreiben. Emirates war da sehr kulant und unkompliziert. Als wir für unsere ganze Truppe den Rückflug von Australien umbuchen mussten, ohne den Umweg über Bahrain, haben sie uns keinen Aufpreis berechnet. Der Abstecher nach Bahrain wurde komplett zurückerstattet.

Bei Hotels wie in Monaco gilt die Anzahlung gleich für das nächste Jahr. In anderen Fällen haben wir auf Rückerstattung bestanden. Weil wir nicht wissen, ob das Rennen nächstes Jahr stattfindet und wann. Bei Rennen wie jetzt in Österreich oder Silverstone kommen wir zwar mit weniger Leuten als sonst, bleiben dafür länger. Da konnten wir sogar die Zimmerpreise runterhandeln. Unter dem Strich sind wir auf keinem Geld sitzengeblieben.

Die ersten acht Rennen finden unter besonderen Bedingungen in Europa statt. Wird sich das Reisen in Corona-Zeiten verändern?

Zehnder: Nach Österreich fahren wir mit Autos. Das haben wir immer so gemacht. Das hat den Vorteil, dass wir auf diesem Weg die physischen Kontakte zur Außenwelt minimieren können. Von Spielberg fahren wir am Montag nach dem zweiten Österreich-Rennen die 400 Kilometer weiter nach Budapest. Von dort in die Schweiz zurück ist es etwas weiter. Für Leute, die das ganze Wochenende über gearbeitet haben, etwas zu lang. Deshalb fliegt die Rennmannschaft heim. Ob mit Charter oder Linie ist noch nicht geklärt.

Wir lassen die Lkw-Fahrer für das Motorhome, die derzeit nichts zu tun haben, am Montag nach dem GP Ungarn nach Budapest einfliegen. Die fahren dann die Autos zurück in die Schweiz. Nach England geht es logischerweise mit dem Flieger. Auch hier müssen wir noch abklären, ob wir einen Charterflug nehmen. Im Augenblick ist die Situation noch offen. Bis jetzt haben wir noch keine Zusicherung, dass wir nicht zwei Wochen in Quarantäne müssen. Deshalb kann ich im Moment auch nichts buchen, sonst würde ich bei einer Stornierung auf dem Flugpreis sitzenbleiben.

Wenn England wie geplant läuft, fliegen wir direkt von dort nach Spanien weiter. Die Idee ist ja, dass die Mannschaft während dieser drei Wochen in einer Blase zusammenbleibt. Es wird also zwischendrin keiner nach Hause gehen, außer in einem Notfall. Belgien und Italien werden wir wieder mit Autos bestreiten. Wie sonst auch.

Kimi Räikkönen - Alfa Romeo - F1-Test - Barcelona - 20. Februar 2020
xpb
Die Teams hoffen, spätestens bis Mitte Juli Klarheit über den zweiten Teil des Rennkalenders zu haben.

Wie groß ist der Reisetross bei den ersten acht Rennen?

Zehnder: Aus Hinwil kommen 55 Leute. Dazu kommen an der Strecke noch zwölf Mitarbeiter von Ferrari. Damit sind wir 67. Die zehn Leute von der Aufbautruppe kommen nur für Auf- und Abbau der Garagen und verschwinden dann wieder.

Wie planen Sie den Rest der Saison, wenn man noch nicht weiß, wie es nach Monza weitergeht?

Zehnder: Wir wissen jetzt, dass Singapur, Japan und Baku definitiv nicht stattfinden. Da konnten wir schon mal alle Flüge stornieren. Wie es weitergeht, ist noch offen. Wir rechnen damit, dass die Europa-Saison verlängert wird. Das macht am meisten Sinn, weil man nicht absehen kann, ob wir überhaupt nach Übersee reisen können. Deshalb kann ich auch nur begrenzt planen. Wir haben bewusst unsere Seefracht-Sets in Asien und im Nahen Osten gelassen, für den Fall, dass in Vietnam oder Bahrain und Abu Dhabi noch Rennen stattfinden. Die Fracht steht dort auf stand-by.

Wir hoffen, dass wir den zweiten Teil des Kalenders Mitte Juli erfahren. Dann hängt alles davon ab, wie schnell wir reagieren können. In der Regel rechnen wir bei Seefracht mit 45 Tagen von Tür zu Tür. Da die Fracht für die Rennen in Bahrain und Abu Dhabi schon in der Nähe ist, haben wir natürlich eine schnellere Reaktionszeit. Sollten wir noch in Amerika fahren, müssten wir einen Teil der Seefracht im Flieger mitnehmen, sollte die Zeit zu knapp werden.

Und wie lange vorab muss man Luftfracht buchen?

Zehnder: Ich brauche keine Vorlaufzeit. Das Problem sind die Kapazitäten. Ganze Flugzeuge zu chartern braucht im Moment einen Vorlauf von zwei bis drei Monaten. Da viel weniger Passagierflugzeuge unterwegs sind, die ja zum Teil auch Fracht geladen haben, sind die reinen Frachtflieger alle ausgebucht. Und die Preise gehen stark nach oben. Das ist ein Problem, das noch gelöst werden muss.

Was passiert mit den Autos während der ersten acht Rennen?

Zehnder: Sie kommen nach dem dritten Rennen in Ungarn und dem sechsten Rennen in Spanien zurück nach Hinwil.

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