Mercedes Fabrik - Brixworth - 2019 Mercedes

Formel 1: Kaum Personalabbau trotz Kosten-Deckel

Sparzwang in der Formel 1 Kaum Personalabbau trotz Budgetcap

Ferrari, Mercedes und Red Bull müssen ihre Teams verkleinern, wenn sie den Budgetdeckel erreichen wollen. Das ist gar nicht so einfach. Die Teams wollen gutes Personal halten und gehen deshalb fremd.

Die Budgetdeckelung zeigt erste Wirkung. In diesem Jahr müssen die Teams im operativen Geschäft mit 145 Millionen Dollar auskommen, im kommenden mit 140 und im übernächsten mit 135 Millionen. Selbst wenn man die ganzen Ausnahmen dazu zählt, ist das immer noch deutlich weniger als das, was Ferrari, Mercedes und Red Bull bislang ausgegeben haben. Das zeigt Wirkung.

Die großen Teams haben zwar noch ein halbes Jahr Zeit ihren Apparat auf die verringerten Ausgaben runterzufahren, doch der Sommer ist schnell da. Bei Ferrari, Mercedes und Red Bull bedeutet das auch Eingriffe in die Personalstärke. McLaren und Renault dagegen werden ihren Stand von rund 700 Mitarbeitern halten. Bei allen Teams hat sich nämlich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es besser ist an anderen Orten zu sparen.

Ein Teamchef sagte auf Anfrage zu uns: "Wir versuchen Kosten beim Fahrzeugaufbau und in den Abläufen zu sparen und das Team ungefähr so zu lassen wie es ist. Die Menschen in deinem Team bedeuten Entwicklungs-Power." Diese Meinung vertreten auch die drei Großen. Man hat Angst gute Leute an die Konkurrenz zu verlieren, die noch Kapazitäten nach oben hat.

Mercedes Fabrik - Brixworth - 2019
Mercedes
Mitarbeiter der Top-Teams könnten in andere Abteilungen ausgelagert oder mit externen Projekten beschäftigt werden, um nicht unter den Budget-Deckel zu fallen.

Nur die Arbeitszeit zählt

Das 46 Seiten starke Finanzgesetz leistet den Teams, die sich verkleinern müssen, Hilfestellung. Zum Budgetdeckel zählt nämlich nicht automatisch das volle Gehalt eines Angestellten, sondern nur die Arbeitszeit, die er tatsächlich mit der Formel 1 verbringt. So können die Teams ihre Angestellten je nach Bedarf in unterschiedlichen Abteilungen beschäftigen.

In Zukunft wird man drei Kategorien unterscheiden. Mitarbeiter, die Vollzeit im Formel-1-Team beschäftigt sind. Solche, die ihre Arbeit auf mehrere Projekte aufteilen und nur mit Teilzeit in das Formel-1-Budget eingehen. Und solche, die komplett in neue, Formel-1-fremde Aufgaben ausgelagert werden.

Dazu zählen auch die Motorenabteilungen und die Teileversorgung der Kundenteams. Sie laufen extra. Ferrari baut 70 Prozent der Komponenten für seinen US-Rennstall Haas, Getriebe, Aufhängungen und Hydraulik für Alfa Romeo. Red Bull will die Synergien mit Alpha Tauri ausbauen. Mercedes beliefert drei Teams mit Motoren, zwei mit Getrieben und Aston Martin mit rund 30 Prozent der Teile, die das Reglement zulässt. Es ist kein Zufall, dass alle drei Teams ihre Kundenaktivitäten ausbauen.

30 Ingenieure zu Haas

Wer wie Mercedes knapp über 1.000 Mitarbeiter beschäftigt hat, Ferrari knapp darunter und Red Bull zwischen 800 und 850 kommt um einen internen Stellenabbau nicht herum. Um möglichst viele Leute zu halten, muss man sich auch neue Geschäftsfelder einfallen lassen. Oder sie kontrolliert an Mitbewerber abgeben, vor denen man keine Angst haben muss.

Ferrari lagert rund 30 Ingenieure an Haas aus. Dort ist man froh darum, zusätzliches Know-how an Bord zu bekommen. Einige Ferrari Mitarbeiter wechseln zu den Straßensportwagenwagen, andere in die GT-Rennabteilung. Möglicherweise tut sich da für Ferrari noch ein weiteres Betätigungsfeld auf. In Maranello wird gerade geprüft, ob man mit einem Hypercar in den wiederbelebten Langstreckensport mit Le Mans als Höhepunkt einsteigen soll.

Auch bei Mercedes gibt es solche Überlegungen. Ein solcher Einsatz würde allerdings von AMG koordiniert. Brackley und Brixworth stünden aber als Kooperationspartner bereit.

Mattia Binotto & Guenther Steiner - GP Russland 2020
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Ferrari wird einige Mitarbeiter zum Kundenteam Haas schicken, um Entlassungen zu verhindern.

Ziel sind 100 Millionen Pfund pro Jahr

Red Bull baut seine Technikabteilung aus. Unter dem Firmensiegel Red Bull Advanced Technologies werden auch Projekte außerhalb der Formel 1 bedient. Die Entwicklung des Valkyrie für Aston Martin war der bislang größte Auftrag. Dann kam der Aeroscreen für die IndyCar-Serie.

Zukunftsmusik sind Konzepte für ein Wasserstoffauto für Le Mans, Anfragen aus dem Air Race-Bereich von Red Bull, Simulationen und CFD-Design für BMC-Rennräder. Das Technologie-Büro ist ein willkommenes Auffangnetz für überschüssiges Personal, egal ob Teilzeit oder Vollzeit. Auch die neu gegründete Motorenfirma Red Bull Powertrains Limited ist ein willkommenes Jobcenter für Mitarbeiter aus dem Technikbüro und der Produktionsabteilung. Wer dort arbeitet, zählt nicht zur Budgetdeckelung.

Mercedes hat sich für eine Kombination aus der Ferrari- und der Red Bull Lösung entschieden. Ein Teil der Belegschaft bleibt weiter im Rennsport. Motorabteilung, der Kundenservice, die Formel E und Aufträge von AMG haben noch Luft nach oben. Darüber hinaus bietet Mercedes seine Infrastruktur und sein Knowhow in Technologien, Design, Simulationen, Fabrikation und Management auch Bereichen außerhalb des Motorsports an.

Zu den Partnern zählen die Radsport- und Segelteams von Sponsor und Teilhaber Ineos. Das reicht vom Bau bestimmter Komponenten, Hilfestellung bei der Aerodynamik der Sportgeräte bis zu einer besseren Kommunikation im Team während der Rennen. Auch im Medizinbereich wird der Weltmeister tätig. Neben Beatmungsgeräten entsteht in Brackley gerade eine Schutzvorrichtung, unter der Ärzte Covid 19-Patienten ohne Ansteckungsgefahr operieren können.

Im Augenblick erwirtschaftet der Bereich für angewandte Wissenschaften von Mercedes in Brackley bereits 25 Millionen Pfund im Jahr. Mittelfristig sollen externe Aufträge 100 Millionen pro Jahr einspielen.

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