F1-Kosten-Obergrenze

Budget-Deckel kommt 2019 als Testjahr

Mercedes, Red Bull & Ferrari - GP Mexiko 2017 Foto: Wilhelm

Nach der Vorstellung der Motoren für 2021 warten auf die FIA und das F1-Management nächste Woche noch heißere Diskussionen. Dann wird der Budget-Deckel präsentiert. Er kommt ab 2019. Allerdings zunächst als Testjahr. Danach wird es ernst.

Der Machtkampf ist programmiert. Die FIA und das neue Formel 1-Management lassen gerade ihre Muskeln spielen. Letzte Woche präsentierten die F1-Bosse den Automobilherstellern und den Teams ihre Vision vom Motor der Zukunft. Es bleibt grob gesagt beim 1,6 Liter V6-Turbo, allerdings ohne MGU-H, dafür mit stärkerer MGU-K, mehr Drehzahl und höherem Spritdurchfluss.

Mercedes und Renault meldeten offiziell Bedenken an. Ferrari und Honda murren leise. Die Automobilhersteller betrachten den Vorschlag als Start eines Dialogs. Die FIA und das F1-Management als ein nur noch im Detail veränderbares Konzept.

Neue F1-Bosse machen die Regeln

Die Zeit des Debattierens ist vorbei. Liberty Media gehört der Laden, also werden sie damit das tun, was ihnen am Ende das meiste Geld abwirft. Und das ist ein Sport, der unberechenbar und bezahlbar ist und so vielen Spielern wie möglich eine faire Chance lässt. Bernie Ecclestone hatte es Anfang des Jahres am eigenen Leib bitter erfahren müssen, was in einem weisen Satz endete: „Wenn du dir ein neues Auto kaufst, willst du es auch steuern.“

Ross Brawn & Niki Lauda - Formel 1 - GP Monaco - 27. Mai 2017 Foto: xpb
Ross Brawn muss sich auf Widerstand von den großen Teams einstellen.

Am Lenkrad sitzen jetzt Chase Carey, Sean Bratches und Ross Brawn. Sie haben sich mit dem Weltverband verbündet, um die Königsklasse fit für die Zukunft zu machen. Und sie werden sich nicht viel reinreden lassen, selbst auf die Gefahr hin einige Hersteller zu verlieren.

Die Angst Teams zu verlieren ist viel größer. Denn sie wissen genau, dass es bei der aktuellen Kostenstruktur der Formel 1 kein neues Team mehr geben wird. Dazu hat sich die Formel 1 schon zu weit vom Rest des Motorsports entfernt. Technisch und finanziell. Nur auf neue Hersteller zu hoffen oder mit ihnen zu planen ist zu riskant. Le Mans ist ein abschreckendes Beispiel.

Budget-Deckel kommt ohne Personal-Limit

Deshalb werden am 7. November die Daumenschrauben für die Bewahrer des Ist-Zustands noch einmal fester gezogen. Dann werden Jean Todt und Ross Brawn die Richtlinien für die Budgetdeckelung präsentieren. So viel steht jetzt schon fest: Das Limit wird ein fixer Geldbetrag sein und nicht eine Höchstgrenze für die Zahl der Mitarbeiter oder die Menge der produzierten Teile. Zum Budget zählen nicht die Gehälter für die Fahrer, das Top-Management und die Ausgaben für das Marketing.

Die Budgetdeckelung wird 2019 eingeführt. Zu Beginn allerdings nur als ein Probejahr ohne Bestrafungen, falls das festgesetzte Limit überschritten wird. FIA und F1-Management wollen in einem ersten Anlauf nur Erfahrung sammeln und schauen, ob eine Budgetdeckelung überhaupt überprüfbar ist.

Ein externer Aufpasser pro Team

Dazu soll jedes Team einen unabhängigen Buchhalter von der FIA ins Nest gesetzt bekommen. Der lebt mit dem Team als wäre er selbst Angestellter, wird aber vom Weltverband bezahlt. Vermutlich wird sich bei diesem Detail bereits Widerstand regen unter dem Vorwand, sich nicht in die Karten schauen lassen zu wollen.

Doch zumindest bei den in England stationierten Teams haben die neuen Chefs der Formel 1 in diesem Punkt leichtes Spiel mit ihrer Argumentation. Mercedes, Williams, Force India, McLaren, Red Bull und Renault müssen ihre Jahresbilanz beim Handelsregister in London (Companies House) bis ins letzte Detail dokumentieren. Die Zahlen kann jeder gegen einen kleinen Betrag im Internet einsehen.

Ausgaben-Limit bei 100 oder 150 Millionen Euro?

Offen ist noch, welche Summe als Höchstgrenze angesetzt wird. Man munkelt, dass die Budgetgrenze in Stufen reduziert wird, um den großen Teams eine faire Chance zu geben, sich gesundzuschrumpfen. Die Top-Teams hoffen, dass die Abwärtsspirale bei 200 Millionen Euro stoppt. Doch da könnten sie sich täuschen. Nach unseren Information wird der Kostendeckel mindestens auf 150 Millionen fallen, möglicherweise noch tiefer bis auf 100 Millionen.

Wie tief, hängt davon ab, inwieweit das Reglement so geschrieben werden kann, dass Geld weniger Erfolg kauft. Wenn 50 Millionen Euro eine Sekunde Fortschritt pro Runde bedeuten, dann fällt die Obergrenze. Lassen die Regeln nur begrenzten Entwicklungsspielraum in einem Rahmen von zwei, drei Zehntel für 50 Millionen zu, dann könnte es bei 150 Millionen Euro pro Team bleiben. Die Auflösung gibt es nächsten Dienstag.

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