Start - GP Australien 2019 Wilhelm

So hat das Mittelfeld aufgeholt

Neun Zehntel näher dran

Bis jetzt war es nur eine Vermutung. Nach der Qualifikation zum GP Australien ist es Gewissheit. Das Mittelfeld hat im Schnitt neun Zehntel auf die Spitzenteams aufgeholt. Dafür gibt es drei gute Gründe.

Momentaufnahme nach dem Q1: Lewis Hamilton fährt mit 1.22,043 Minuten die schnellste Zeit. Lance Stroll liegt mit 1.23,017 Minuten auf Platz 16 und ist damit der schnellste der fünf Fahrer, die die erste K.O.-Runde nicht überstehen. Der Kanadier ist noch nicht einmal eine Sekunde langsamer als die Nummer 1 im Feld. Natürlich wissen wir, dass bei Hamilton, Vettel und Co im ersten Abschnitt der Qualifikation immer noch etwas mehr drin ist, wenn sie wirklich ans Limit gehen und den Motor voll aufdrehen würden. Doch das war 2018 nicht anders. Nur da war das Feld viel weiter versprengt.

Ein Vergleich der Qualifikationszeiten von 2018 mit 2019 zeigt ganz eindeutig, dass die Verfolger angefangen von Haas bis zu McLaren deutlich auf die Spitzenautos aufgeholt haben. Alle wurden im Vergleich zu 2018 schneller. Nur die Mitte mehr als die Spitze. Einzige Ausnahme ist Williams. Der neue Williams FW42 ist um 0,130 Sekunden langsamer als der alte. Das kann auch die Teamleitung nicht mehr schön reden. Man muss sich um den Traditionsrennstall ernsthafte Sorgen machen.

Alfa-Sauber mit größter Steigerung

Mercedes, Ferrari und Red Bull haben sich trotz der neuen Aerodynamikregeln um sechs Zehntel im Schnitt gesteigert. Die Zahlen im Detail. Mercedes wurde um 0,698 Sekunden schneller. Das ist ein belastbares Bild. Bei Ferrari geht man davon aus, dass die Steigerung um 0,638 Sekunden noch nicht das letzte Wort ist. Und Red Bull hätte bei einer weniger hektischen Suche nach dem besten Setup sicher auch noch etwas mehr gefunden als die 0,559 Sekunden.

Kimi Räikkönen - Formel 1 - GP Australien 2019
Motorsport Images
Alfa-Sauber verbesserte sich im Vergleich zur Qualifikation in Australien 2018 am meisten.

Das alles ist kein Vergleich zum Mittelfeld. Die sechs Teams dort haben zwischen 0,992 und 2,242 Sekunden gegenüber 2018 gutgemacht. Dabei wurde Renault mit seiner Verbesserung um knapp eine Sekunde noch unter Wert geschlagen. Ohne das Elektrikproblem wäre Nico Hülkenberg in die Top Ten gefahren. Er rechnete mit einer Rundenzeit im Bereich der HaasF1, was seine Zeit um eine weitere halbe Sekunde gedrückt hätte.

Der größte Sprung nach vorne gelang Alfa-Sauber. Kimi Räikkönens Trainingszeit war um 2,242 Sekunden besser als die von Marcus Ericsson vor zwölf Monaten. Toro Rosso folgte mit 1,758 Sekunden Verbesserung, dann Racing Point mit 1,473, McLaren mit 1,388 und HaasF1 mit 1,361 Sekunden. Nimmt man den Mittelwert von allen sechs Teams, dann ist die zweite Liga im Schnitt um 1,535 Sekunden schneller geworden. Man hat also auf die drei Topteams neun Zehntel aufgeholt.

Simplere Frontflügel gleichen Teams an

Eigentlich hatten die Experten das Gegenteil befürchtet. Neue Regeln helfen normalerweise den großen Teams, weil die mehr Geld und Ressourcen haben. In diesem speziellen Fall aber ging der Schuss nach hinten los. Das hat drei Gründe, wenn man sich im Feld so umhört. Die Motoren sind in ihrer Leistung zusammengerückt. Schätzungen zufolge liegen zwischen Mercedes, Ferrari, Honda und Renault höchstens noch 30 PS.

GP Australien: Vergleich Quali 2018 und 2019

Team                          Zeit 2018                    Zeit 2019                    Differenz
Mercedes        1.21,184             1.20,486            - 0,698 s
Ferrari         1.21,828        1.21,190       - 0,638 s
Red Bull        1.21,879           1.21,320          - 0,559 s
Renault         1.23,532           1.22,540          - 0,992 s
McLaren         1.23,692            1.22,304           - 1,388 s
Toro Rosso      1.24,532              1.22,774             - 1,758 s
HaasF1          1.23,187            1.21,826           - 1,361 s
Sauber          1.24,556           1.22,314          - 2,242 s
Racing Point    1.24,005   1.22,532  - 1,473 s
Williams        1.24,230           1.24,360          + 0,130 s

Der neue Frontflügel spielt auch eine Rolle. Er ist viel weniger kompliziert wie vorher. Weniger Freiheiten bedeutet auch weniger Spielraum, sich von der Konkurrenz abzusetzen. Und der Frontflügel war nun mal das dominierende Element der Aerodynamik. Haas-Aerodynamikchef Ben Agathangelou erklärt die Problematik: „Wir sind jetzt sehr limitiert in der Zahl der Profile und haben Endplatten, die so simpel sind wie vor 15 Jahren. Die Kunst ist es, die Strömung mit einfachen Geometrien zu kontrollieren. Du darfst keine Slots, keine Abweiser, keine Gurneys verwenden. Als Ausgleich musst du viel aggressiver an Oberflächendetails arbeiten. Du musst daran arbeiten, bestimmte Oberflächen progressiv zu belasten, um die Strömung zu erzielen, du du erzielen willst.“ Da alle mit eingeschränkten Hilfsmitteln arbeiten, sind auch die Unterschied nicht mehr so groß wie früher.

Racing Point-Technikchef Andy Green sieht noch einen dritten Grund für die erfolgreiche Aufholjagd. Er bringt die Allianzen von großen und kleinen Teams ins Spiel. „Sauber und HaasF1 profitieren von Ferrari. Toro Rosso von Red Bull. Das bringt sie automatisch näher an die Spitze heran und das Feld enger zusammen. Für Teams, die wie wir, Renault oder McLaren isoliert sind, wird es in Zukunft schwieriger. Wir müssen uns neue Wege überlegen.“ Mercedes-Teamchef Toto Wolff deutet an: „Wir überlegen uns gerade, in wie weit wird mit unseren Kundenteams Synergien erzielen können.“

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