McLaren - GP Bahrain 2021 xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Bahrain 2021 - Rennen
Hamilton - Verstappen - Formel 1 - GP Bahrain 2021 - Rennen
Hamilton - Verstappen - Formel 1 - GP Bahrain 2021 - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Bahrain 2021 - Rennen 58 Bilder

Kampf im F1-Mittelfeld: Wer ist die dritte Kraft

Kampf um die F1-Mittelfeldkrone Wer ist die dritte Kraft?

Die Eckpunkte dieser Formel 1 stehen fest. Vorne geht es zwischen Red Bull und Mercedes um den Titel, hinten zwischen Haas und Williams um die rote Laterne. Dazwischen suchen sechs Team noch ihre Reihenfolge.

Der Saisonauftakt der Formel 1 macht Lust auf mehr. Zum Glück fand er in Bahrain statt und nicht in Melbourne. Das gleiche Rennen hätte sich auf der Strecke im Albert Park schlechter verkauft. Weil das Überholen um Welten schwieriger ist. Gleich am Anfang wollen die Fans Gesprächsstoff und Action. Und den konnte das Nachtrennen in der Wüste mit 40 Boxenstopps und 57 Überholmanövern bieten.

Der grobe Verlauf der WM ist abgesteckt. Es könnte ein Duell der Giganten in 23 Folgen geben. Mercedes gegen Red Bull, Lewis Hamilton gegen Max Verstappen. Für Valtteri Bottas und Sergio Perez bleibt nur die Rolle der Außenseiter. Oder der Wasserträger.

Beide taugten in Bahrain nicht einmal dafür. Perez, weil sich sein Motor in der Formationsrunde abschaltete und er mit einem Start aus der Boxengasse von vornherein chancenlos war. Bottas, weil ein 10,5 Sekunden-Boxenstopp den Plan von Mercedes zerstörte, den Finnen als Taktik-Köder für Verstappen zu nutzen.

Im hinteren Teil des Feldes sind Haas und Williams abgehängt. Mit leichten Vorteilen für Williams. Ein Fahrer von der Qualität eines George Russell wird deshalb mit den Haas-Piloten nicht viel zu tun haben. Mick Schumacher und Nikita Mazepin werden ihr Duell vielleicht hin und wieder mit Nicholas Latifi zu einem Dreikampf ausbauen. Wenn der Haas besonders gut geht, oder der Williams nicht in Form ist.

McLaren - GP Bahrain 2021
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McLaren reiste von den Mittelfeldteams mit den meisten Punkten aus Bahrain ab.

Auf eine Runde hat Alpha Tauri die Nase vorn

Das Rennen im Rennen findet weiter zwischen den Plätzen fünf und 16 statt. Die Beteiligten sind die gleichen wie im letzten Jahr. Mit zwei neuen Gästen. Hinten klopft jetzt Alfa Romeo an. Im Augenblick ist diese Gruppe noch zweigeteilt. Vorne kämpfen McLaren, Ferrari und Alpha Tauri um das, was die beiden Top-Teams übriglassen. Hinten dürfen Alpine und Aston Martin nicht schwächeln. Sonst nimmt ihnen ein Alfa Romeo die Punkte weg.

Die Strecke, die Bedingungen, die verwendeten Reifentypen, das Fahrzeug-Setup und die Tagesform der Piloten werden die Schlacht um den dritten Platz entscheiden. Alpha Tauri hat im Moment auf eine Runde die Nase vorn. Nur Red Bulls Schwesterteam konnte im Q2 das Risiko eingehen, wie die Top-Teams auf Medium-Reifen eine Runde weiterzukommen. Bei Pierre Gasly klappte das. Der Routine des Fahrers sei Dank. "Bei Tsunoda war das ein Fehler", warf Sportdirektor Helmut Marko selbstkritisch ein.

Ferrari kann sich beim Q3-Showdown auf seinen Superstar Charles Leclerc verlassen. Der zweifache GP-Sieger ist wie Max Verstappen in der Lage auf eine Runde jederzeit ein Ass aus dem Ärmel ziehen. McLaren muss im Rennen um die besten Startplätze noch besser werden. Dafür ist der WM-Dritte im Rennen eine Macht. Ferrari war chancenlos. Alpha Tauri verlor früh seine Speerspitze Gasly. Die Frage muss noch beantwortet werden, wie stark der AT02 im Rennbetrieb ist. Tsunoda hatte nie direkten Kontakt zu Ferrari und McLaren.

Alpha Tauri - GP Bahrain 2021
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Alpha Tauri wurde unter Wert geschlagen. Pierre Gasly war nach der selbstverschuldeten Kollision aus dem Rennen.

McLaren näher an Mercedes dran

Unter dem Strich ist McLaren die Nummer drei. WM-Punkte gibt es am Sonntag und nicht am Samstag. Technikchef James Key stellte zufrieden fest: "Wir haben das erste Etappenziel erreicht, sind auf eine Runde näher an Mercedes dran und haben den Rückstand auf Red Bull gehalten. Von den Startplätzen sechs und sieben hätten wir vor zwei Jahren noch geträumt."

18 Punkte im Rennen waren der Lohn für einen intensiven Winter. McLaren ist das einzige Team, das den Motor gewechselt hat. Und wegen der Token-Regel mit gewissen Einschränkungen den durch die Regeln erzwungen Abtriebsverlust kompensieren musste. Da hatten die Gegner mehr Freiheiten.

Im direkten Vergleich mit dem Vorgänger hat der MCL35M seine Stärken konserviert und seine Schwächen reduziert. "Wir sind weiter gut auf den Geraden und in schnellen Kurven. Auch der Bremse waren unsere Autos schon immer stark. An den langsamen Kurven müssen wir noch arbeiten. Wir sehen an bestimmten Stellen Verbesserungen, verlieren aber im Vergleich zum Red Bull immer noch zu viel Zeit", vergleicht Key.

Mittlerweile hat man übrigens auch festgestellt, warum Daniel Ricciardo im Rennen die Pace von Teamkollege Lando Norris nicht mitgehen konnte. Bei der Inspektion des Autos stellten die Mechaniker fest, dass der Unterboden nach dem Kontakt mit Gasly in der Restart-Phase beschädigt war. "Das hat ihn ordentlich Abtrieb gefordert. Dank seiner Erfahrung konnte Daniel damit aber umgehen und noch wichtige Punkte einfahren", lobte Seidl.

Ferrari - GP Bahrain 2021
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Charles Leclerc zeigte in der Qualifikation das Potenzial des Ferrari. Im Rennen fielen die roten Autos zurück.

Ferrari verliert im Rennen

Ferrari war bei den Testfahrten konservativ unterwegs. Das sorgte beim Saisonauftakt für eine positive Überraschung. Selbst die Konkurrenz hat die Italiener nicht so stark erwartet. In der Qualifikation ist Ferrari selbst für McLaren eine Gefahr.

Im Renntrim schlug das Pendel dann aber eindeutig Richtung McLaren aus. Charles Leclerc verlor 12,6 Sekunden auf Norris. Carlos Sainz kam eine Sekunde hinter Ricciardo ins Ziel, obwohl der wie erwähnt mit Handicap unterwegs war. Beide Neuzugänge befinden sich noch in der Kennenlernphase mit ihren Autos.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto war trotzdem erleichtert: "Wir sind überall besser geworden: Beim Motor, bei der Aerodynamik, den Werkzeugen, der Korrelation und den Abläufen." Auch bei den Boxenstopps fand Ferrari zu alter Stärke zurück. Leclerc und Sainz verbrachten zusammen 97,795 Sekunden in der Boxengasse. McLaren kam auf 99,882 Sekunden. Boxenstopp-König Red Bull war bei den regulären Reifenwechseln mit 96,911 Sekunden Gesamtzeit nur unwesentlich schneller als Ferrari.

Esteban Ocon - Alpine - Formel 1 - GP Bahrain 2021 - Rennen
Wilhelm
Alpine blieb nach einem verkorksten Rennen ohne Punkte.

Neue Namen bringen kein Glück

Für Alpha Tauri wäre mehr möglich gewesen. Trotz der engeren Anbindung an Red Bull ist das Team aus Faenza in einigen Bereich seinen eigenen Weg gegangen. Alpha Tauri investierte den Token in der Nase, Red Bull im Getriebegehäuse. "Jeder hat an seinen individuellen Schwächen repariert", bestätigte Marko.

Pierre Gaslys Rennen endete mit dem Auffahrunfall gegen Ricciardos McLaren quasi schon in der vierten Runde. Nach dem Nasenwechsel war der Franzose mit großem Abstand Letzter. Ein Folgeschaden am Unterboden bremste seine Fahrt.

Yuki Tsunoda musste sich nach einer über vorsichtigen Startrunde immer wieder nach vorne kämpfen. Von Platz 15 auf Rang 7, von 14 auf 8 im zweiten Stint und schließlich von 13 auf 9. Dazwischen lagen neun Überholmanöver – das letzte in der Schlussrunde gegen Lance Stroll. Lohn waren zwei WM-Punkte und die Erkenntnis, dass der Alpha Tauri trotz der aggressiven Fahrt besser mit seinen Reifen umgeht als die Aston Martin oder Alpine.

Aston Martin - GP Bahrain 2021
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Aston Martin schimpft über die neuen Unterboden-Regeln, die den AMR21 eingebremst haben.

Aston gibt Konzept die Schuld

Da kommen wir schon zu den Sorgenkindern. Die beiden Teams, die ihre Namen geändert haben, konnten nicht an die Leistungen ihrer Vorgänger anschließen. Alpine und Aston Martin fehlt Speed und Konstanz. Beide Autos fressen ihre Hinterreifen.

Während sich Alpine mit einem gewagten Konzept vielleicht eine Spur zu weit vorgewagt hat, gibt Aston Martin den Regeländerungen die Schuld. "Es scheint klar, dass die neuen Aero-Regeln sich für Autos mit geringem Anstellwinkel wie das von uns negativ ausgewirkt haben", ärgert sich Teamchef Otmar Szafnauer.

Er spielt dabei auf Mercedes an. Der Weltmeister hat sich von dem Rückschlag aber schon halb erholt, wenn er denn wirklich auf die Aerodynamik zurückzuführen ist. Selbst Sebastian Vettel zweifelt: "Das kann nicht allein eine Sache des Anstellwinkels sein."

Das Technikbüro in Brackley hat natürlich viel mehr Manpower und bessere Werkzeuge den Defiziten eines Rennautos auf die Spur zu kommen als die Truppe um Andy Green in Silverstone. Aston Martin wird mehr Zeit brauchen, seine Baustelle aufzuräumen, auch wenn man vielleicht den ein oder anderen Tipp vom Technikpartner bekommt. Die Autos sind ja artverwandt.

Der Alpine A521 folgt rigoros der Philosophie von Adrian Newey. Alles wird der Aerodynamik untergeordnet. Auch wenn dafür der Schwerpunkt nach oben wandert. Die Seitenkästen des blauen Autos sind unten so schmal, weil Kühler und andere Aggregate nach oben verlegt wurden. "Bei der Güterabwägung gewinnt heute immer die Aerodynamik. Die klassischen Werte eines Rennautos stehen an zweiter Stelle", verteidigt sich Technikdirektor Marcin Budkowski.

Fernando Alonso - Alpine - Formel 1 - GP Bahrain - Freitag - 26.3.2021
Wilhelm
Fernando Alonso wurde von einer Plastiktüte gestoppt, die sich in den hinteren Bremshutzen festgesetzt hatte.

Alpine drehte sich im Kreis

Alpine sucht noch nach dem richtigen Weg. Im Training kamen drei unterschiedliche Unterböden ans Auto. Damit nicht genug. An der Strecke wurden mit Rapid Prototyping Finnen und Luftabweiser erstellt, um sie probeweise auf den Unterboden zu kleben. Ingenieure und Fahrer drehten sich im Kreis und kehrten am Ende wieder auf eine Konfiguration zurück, die bei den Testfahrten ganz ordentlich funktioniert hatte.

Auf eine Runde ist der Alpine ein Kandidat für die Top Ten. Fernando Alonso rückte ohne Zittern bis ins Q3 vor, gab aber zu bedenken: "Hinter uns standen ein paar Autos, die sich mit Medium-Reifen im Q2 verzockt hatten." Im Rennen bauten die Hinterreifen zu schnell ab. Trotz der kühlen Bedingungen, die sich Alpine wegen der Reifenproblematik gewünscht hatte.

Nach dem ersten Boxenstopp bremste Alonso ein anderes Problem. Er musste vom Gas, weil die Ingenieure sich Sorgen um die Standfestigkeit machten. Eine Plastiktüte in einem der hinteren Bremsschächte beendete Alonsos Fahrt. Teamkollege Esteban Ocon kam den Punkterängen nie richtig nahe. Kurz vor der unverschuldeten Kollision mit Vettel lag der Franzose zehn Sekunden hinter Tsunoda.

Alfa Romeo - GP Bahrain 2021
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Alfa Romeo hat in Bahrain den Anschluss an Alpine und Aston Martin hergestellt.

Alfa Romeo ist dran am Mittelfeld

Alpine und Aston Martin sind in der zweiten Hälfte des Mittelfeldes nicht mehr allein. Alfa Romeo hat den Anschluss geschafft. Kimi Räikkönen fehlten nur 2,1 Sekunden auf den letzten Punkterang. Zwei Runden mehr, und er hätte Lance Stroll noch eingeholt. Räikkönens Reifen waren klar besser in Schuss als die seines Gegners, obwohl sie nur eine Runde weniger auf der Lauffläche hatten.

Technikchef Jan Monchaux traut dem Braten aber nicht. Was er bis jetzt gesehen hat, war für ihn noch so etwas wie ein Freundschaftsspiel. Vielleicht hat die Konkurrenz noch nicht ihr Potenzial ausgeschöpft. "Wir schauen auf uns selbst und können für den Beginn zufrieden sein. Das was wir vom Auto erwartet haben, wurde erreicht. Die Daten haben sich auf der Strecke bestätigt. Wir müssen uns wenigstens nicht mit Korrelationsproblemen herumschlagen, was in einer Phase wichtig ist, in der man bald auf das 2022er Auto umschwenken muss."

Bahrain war sicher nur eine Momentaufnahme. Doch unser Gefühl sagt uns für das erste Quartal dieser Weltmeisterschaft, dass McLaren die Schlacht um Platz drei in der WM anführt. Es folgen Alpha Tauri, Ferrari, Alpine, Aston Martin und Alfa Romeo. Ferrari hat aufgrund seiner Kapazitäten den größten Spielraum zur Verbesserung.

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