Streit ums F1-Reglement

Motoren-Frist im April

Brendon Hartley - Toro Rosso - F1-Test - Barcelona - Tag 5 - 6. März 2018 Foto: sutton-images.com 11 Bilder

Noch hält sich das Formel-1-Management zur Zukunft der Formel 1 bedeckt. Doch im April läuft die Frist ab. Die Motorenhersteller wollen wissen, mit welchem Motorenkonzept die Formel 1 ab 2021 fährt.

Die Formel-1-Teams und die Motorenhersteller warten händeringend darauf, dass die neuen Formel-1-Besitzer die Karten auf den Tisch legen. Das sollte eigentlich schon im Januar passieren, doch Liberty Media blockte ab. Das Klima war zu vergiftet. Ferrari drohte mit Ausstieg, sollten die Amerikaner den falschen Weg einschlagen.

Ein offener Krieg vor dem Saisonstart wäre fatal für das Geschäft. Da ist es besser zu warten, bis die Saison anläuft. Das lenkt von dem politischen Tauziehen hinter den Kulissen ab. Dann stehen auch schon einige Verlierer fest. Vielleicht wird bei manchen Teams und Herstellern der Leidensdruck dann so groß, dass sie für jede Reform zu haben sind.

Es geht um die Frage, mit welchen Motoren und Autos ab 2021 gefahren wird, ob eine Budgetdeckelung kommt und nach welchem Schlüssel die Einnahmen an die Teilnehmer verteilt werden. Die neuen Besitzer der Formel 1 wollen simplere Technik, eine Kostenkontrolle und eine gerechtere Ausschüttung der Einnahmen.

Sie sehen ihr Geschäft bedroht. Es ist zu berechenbar, zu teuer, zu kompliziert. Mit Williams, Force India und vielleicht bald auch McLaren könnten drei Teams über die Klinge springen. Die großen Teams wollen davon nichts wissen. Sie fürchten um ihre Wettbewerbsvorteile, den „unfair advantage“ wie die Engländer sagen.

Zweieinhalb Jahre Vorlauf für neuen F1-Motor

Im April läuft die Uhr ab. Die Teams verlangen Planungssicherheit. „Wenn 2021 eine Budgetdeckelung kommt, müssen wir bereits heute damit beginnen, uns darauf vorzubereiten. Die großen Teams können nicht von heute auf morgen Personal abbauen.“, sagt McLaren-Chef Zak Brown.

Die vier in der Formel 1 präsenten Motorenhersteller und potenzielle Neueinsteiger wie Porsche, Cosworth, Ilmor oder Lamborghini haben Liberty und der FIA mitgeteilt, dass sie bis April wissen müssen, ob die Formel 1 die aktuellen Motoren behält oder auf V6-Turbos ohne MGU-H und mit vielen Standardteilen zurückrüstet.

Lewis Hamilton - Mercedes - F1-Test - Barcelona - Tag 5 - 6. März 2018 Foto: xpb
Mercedes will seinen Vorsprung nicht verlieren.

Wer 2021 fertig sein will, muss jetzt mit der Konstruktion beginnen. Mercedes, Ferrari, Renault und Honda wollen am aktuellen Reglement so wenig wie möglich ändern. Porsche und Cosworth haben der FIA bereits mitgeteilt, dass ein Einstieg für sie nur in Frage käme, wenn die Technik vereinfacht wird.

Das Zünglein an der Waage ist die FIA. In welches Boot lässt sich der Weltverband ziehen? Sie hat zwar an der Motorenvision für 2021 mitgebastelt, doch ihr Präsident Jean Todt gilt als Freund der Autokonzerne. Nach dem ersten Protest der Formel 1-Hersteller hat Todt verlauten lassen, dass man Mercedes, Ferrari, Renault und Honda nicht vor den Kopf stoßen könne. Sie hätten viel Geld in die Entwicklung der aktuellen Antriebseinheiten investiert und damit verdient, dass man ihre Interessen berücksichtigt.

Dem wird im Fahrerlager widersprochen. „Als die FIA 2014 den Hybridantrieb eingeführt hat, geschah das allein auf Wunsch der Hersteller. Niemand sonst hat darum gebeten. Außerdem wurde klar kommuniziert, dass die Motorenformel Ende 2020 ausläuft. Die Investitionen der Autokonzerne waren von vornherein nur auf sieben Jahre ausgelegt. Wenn sie mehr ausgegeben haben, sind sie selbst schuld.“

Motorenreglement nur ein Nebenkriegsschauplatz

Todt wird auch gewarnt, dass sich die FIA noch mehr diesen vier Herstellern ausliefern würde, wenn sie das aktuelle Motorenreglement verlängert. Es ist unwahrscheinlich, dass jemals ein neuer Hersteller hinzukommen würde. Für private Firmen ist die Technik zu teuer, für Autokonzerne die Gefahr einer Blamage zu groß. Deshalb nimmt Liberty auch das Risiko in Kauf, den einen oder anderen Hersteller zu verlieren. Notfalls auch Ferrari.

Wenn Mercedes für den Erhalt der technischen Wunderwerke kämpft, ist das verständlich. Als Klassenprimus will man keine Veränderung. Warum die Verfolger aber auf den Zug aufspringen, ist zunächst einmal unverständlich. Aus Sicht von Ferrari, Renault und Honda ist alles gut, was Mercedes schadet.

Tatsächlich ist die Motorenfrage für Ferrari und Renault nur ein Nebenkriegsschauplatz. Mit ihrer Ablehnungspolitik wollen sie Liberty Media zeigen, dass sie sich von außen nicht die Spielregeln aufs Auge drücken lassen. Tatsächlich geht es um etwas ganz anderes. Ferrari will verhindern, dass Liberty ihnen ab 2021 die Sonderzahlungen streicht. Und Renault will in Zukunft so viel Geld einstreichen wie Ferrari und Mercedes. Deshalb auch die Sprachregelung: „Wir wollen von Liberty das ganze Bild sehen, bevor wir ein Urteil abgeben.“

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