Red Bull - Formel 1 - GP Russland - Sotschi - 26. September 2020 Motorsport Images
McLaren MP4-4 - Honda V6-Turbo Motor - 1988
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McLaren MP4-4 - Honda V6-Turbo Motor - 1988 12 Bilder

Einfrieren der F1-Motoren: PS-Angleichung behutsam

Motoren-Einfrieren beschlossen Kein Eingriff ins Kräfteverhältnis

Der Entwicklungsstopp für Motoren ab 2022 ist beschlossene Sache. Über die genaue Art der PS-Angleichung wird noch diskutiert. Die Formel 1 stellt klar, dass es sich dabei nicht um eine BOP handelt. Keinem wird zum Sieg verholfen. Es geht nur um den Schutz vor Blamagen.

Das große Thema der Sitzung der Formel-1-Kommission am 11. Februar war die Zukunft der Motoren. Alle Beteiligten zeigten sich am Ende einig, den Start der neuen Motorenformel um ein Jahr auf 2025 vorzuziehen und den dafür notwendigen Entwicklungsstopp ab 2022 einstimmig zu beschließen.

Man will verhindern, dass die Hersteller gezwungen sind zweigleisig für die aktuellen Antriebseinheiten und die nächste Generation zu entwickeln. Das spart Kosten. Und es verhindert, dass einem Neueinsteiger ein großer Vorteil in die Hände gespielt wird. Der könnte sich auf die neue Aufgabe konzentrieren.

Abgestimmt wurde vorerst nur über das Einfrieren der Entwicklung und darüber, dass ab 2022 alle vier Motoren idealerweise in einem definierten Leistungsfenster liegen sollten. Wie man dorthin gelangt ist Thema weiterer Debatten. Und es ist ein heißes Eisen. Die FIA und das F1-Management wollen auf jeden Fall vermeiden, dass eine Angleichung als BOP gesehen wird. In FIA-Kreisen spricht man deshalb von einem "Performance-Sicherheitsnetz".

Sorge vor E10-Umstellung

Was muss man darunter verstehen? Sollte einer oder mehr Hersteller mehr als zwei Prozent Leistung auf den Klassenbesten verlieren, sollen er oder sie die Gelegenheit erhalten, in dieses Fenster zu gelangen. Im Gegensatz zu einer BOP wird der betreffende Hersteller aber nicht auf das Niveau des Besten gebracht, sondern gerade so in einen Bereich, in dem er sich nicht dauerhaft blamiert. Jeder soll ehrenhaft mitfahren können und in der Lage sein, dank einem besseren Auto das Motorendefizit wettzumachen.

Diese Versicherungs-Police ist von den Teams größtenteils gewünscht. Es geht nämlich die Sorge um, dass es bei der Umstellung auf E10-Kraftstoff zu großen Leistungsunterschieden kommen kann und einer hinten runterfällt. Das Anpassen des Verbrennungsvorgangs an den neuen Kraftstoff ist keine triviale Aufgabe. Keiner soll drei Jahre lang auf dem Trockenen sitzen.

Ferrari - USA 2019 - Motor
ams
Die Leistungsunterschiede zwischen den Motoren sollen künftig nicht mehr als zwei Prozent betragen. Die geringen Defizite lassen sich durch ein gutes Auto aufholen.

Power-Anpassung über die Benzinmenge

Die Hersteller müssen sich mit der FIA darauf verständigen, welcher Mechanismus der beste ist, um alle vier Motoren in das angestrebte Zwei-Prozent-Fenster zu bringen. Theoretisch könnte man die Hersteller, die außerhalb des Fensters liegen, so lange weiterentwickeln lassen, bis das Ziel erreicht ist.

Doch es gibt gute Gründe, die dagegen sprechen. Erstens kostet das Geld. Zweitens könnte eine Entwicklungsstufe den Begünstigten plötzlich an die Spitze des Feldes bringen. Dann müssten die anderen wieder nachlegen. Und es wäre keine Lösung für Red Bull, die ab 2022 nach dem Honda-Ausstieg keinen Partner mehr haben, der ihnen den Motor entwickeln könnte.

Die einfachste Art und Weise ist deshalb ein Eingriff in die Benzindurchflussmenge. Weil man schnell in alle Richtungen nachbessern könnte. Geht man einen Schritt zu weit, kann man das einfach wieder zurücknehmen. Doch diese Maßnahme muss gut nach außen kommuniziert werden. Deshalb wird an dem Problem der Angleichung von allen Parteien noch gefeilt.

Red Bull Honda - GP Portugal 2020
Red Bull
Die Formel 1 will sicherstellen, dass die beiden Red-Bull-Teams auch nach dem Honda-Abschied konkurrenzfähig bleiben.

Angleichung auf natürliche Weise

FIA-Motorenchef Gilles Simon ist optimistisch, dass dieser Schritt gar nicht nötig sein wird, weil sich alles von selbst erledigt: "Von dem was wir über die Motoren wissen, erwarten wir, dass die Motoren 2022 in einem sehr engen Leistungsband liegen werden. Vergessen Sie nicht, dass wir noch zwei Chancen haben, dass sich die Motoren auf natürliche Weise angleichen. Dieses und nächstes Jahr. Stand heute glauben wir nicht, dass wir von außen eingreifen müssen um die Leistung anzugleichen."

Eingefroren wird übrigens der Stand der Antriebseinheit vom Beginn der Saison 2022. Das ist ein auf E10-Sprit adaptierter 2021er Motor. Honda hat Red Bull versprochen, das Triebwerk noch für das 2022er Reglement zu entwickeln.

Die FIA wird dann ein Jahr lang die Motoren überwachen. Korrekturen werden, wenn nötig, erst Ende 2022 für die Jahre 2023 und 2024 vorgenommen. Das soll verhindern, dass einer der Hersteller 2021 absichtlich die Leistung runterfährt, um 2022 Hilfestellung zu erhalten oder sich schwächer einstufen zu lassen, als er tatsächlich ist.