Max Verstappen - GP Ungarn 2021 xpb
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Power-Rätsel im WM-Duell: Verliert Honda Leistung?

Power-Rätsel im WM-Duell Verliert Honda Motorleistung?

GP Ungarn

Im Motoren-Duell zwischen Mercedes und Honda geht es hin und her. Zuerst dominiert Mercedes auf den Geraden, dann Red Bull-Honda und seit Silverstone wieder Mercedes. Die Teams liefern rätselhafte Begründungen dafür.

Die Geraden waren in der Hybrid-Ära fast immer das Territorium von Mercedes. Bis Red Bull beim GP Frankreich plötzlich einen Sprung nach vorne machte und den Silberpfeilen auf den Vollgasabschnitten davonfuhr. Es ging nicht nur um ein paar Hundertstel oder ein oder zwei km/h, sondern um signifikant Rundenzeit. Red Bull nahm Mercedes in Paul Ricard und Spielberg bis zu einer halben Sekunde auf den Geraden ab.

Und das lag nicht nur an dem Mini-Flügel, den Red Bull in Baku ausgepackt hatte und fünf Mal in Folge einsetzte. Laut Mercedes hatte Honda mit Einführung der zweiten Antriebseinheit einen massiven Sprung nach vorne gemacht. Da war von einem Vorteil von bis zu 15 PS die Rede. Die Erklärung dafür: Honda hatte im ersten Saisondrittel nicht die komplette Leistung freigegeben, die in dem japanischen Kraftpaket steckt.

Warum wählt Honda den dritten Motor?

Die Entwicklungsabteilung in Sakura wollte mit der Maximal-Power so lange warten, bis die ersten Motoren den Großteil ihres Zyklus abgespult hatten. Der Kraftakt in neun Monaten eine komplett neue Antriebseinheit zu bauen, zwang Honda zur Vorsicht.

Dazu soll es von der ersten zur zweiten Antriebseinheit noch eine neue Spezifikation beim Turbolader gegeben haben. Eine Änderung, die bei der FIA als Absicherung der Zuverlässigkeit angemeldet wurde.

Max Verstappen - Red Bull - GP Ungarn 2021 - Budapest
xpb
Verstappen musste vor dem Rennen eine neue Power-Unit einbauen lassen.

Dafür spricht, dass Honda in Ungarn nach dem Schaden an Max Verstappens Unfallmotor nicht zurück zu Version 1 ging, sondern bereits den dritten Motor einsetzte. Der hatte die gleiche Spezifikation wie der zweite. Damit behielt Verstappen seinen Startplatz. Bei der Rückkehr zur ersten Antriebseinheit hätte wegen eines Spezifikationswechsels eine Startplatzstrafe gedroht.

Von einem Extrem ins andere

Doch schon vor dem Wechsel machte Red Bull in Budapest eine Feststellung, die Freund und Feind erstaunte. Wie bereits in Silverstone dominierte plötzlich wieder Mercedes auf den Geraden. Am Freitag mit bis zu einer halben Sekunde und fünf km/h im Top-Speed.

In England war der Unterschied auf den Power-Abschnitten noch krasser. Red Bull reagierte dann am Hungaroring zwar ab Samstag mit einem kleineren Heckflügel, kam damit aber nur auf Gleichstand. Das ließ nur den einen Schluss zu: Mercedes ist im Power-Play wieder an Honda vorbeigezogen.

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Ungarn - Budapest - Freitag - 30. Juli 2021
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Mercedes liegt in Sachen Motor-Power plötzlich wieder vor Honda.

Doch wie sind solche Sprünge möglich bei einer eingefrorenen Motorentwicklung? Wie kann man von einem Rennen aufs nächste von einem Extrem ins andere fallen? Red Bull behauptet steif und fest: "Wir fahren die gleiche Power wie in Frankreich und Österreich. Mercedes hat Leistung dazugewonnen." Das wird vom WM-Gegner bestritten. "Wir haben das Gefühl, dass Honda einen Schritt rückwärts gemacht hat. Bei unserem Motor ist alles ausgereizt."

Wurde Honda eingebremst?

Das sind die offiziellen Aussagen. Zwischen den Zeilen streuen die beiden Titelrivalen und ihre Verbündeten Geschichten, die den rätselhaften Umschwung im Power-Duell erklären sollen. Vermutlich liegt in beiden Versionen, die da durch das Fahrerlager kursieren, ein Fünkchen Wahrheit. Es ist aber von außen schwer festzustellen, wie viel Dichtung, Wunschdenken oder Politik dabei ist.

Aus der Mercedes-Ecke ist zu hören, dass Honda über eine Direktive der FIA eingebremst worden sei. Angeblich gibt es schon seit vier Monaten Unstimmigkeiten darüber, wie die Japaner ihr Energiemanagement betreiben.

Bei der FIA wusste man auf Nachfrage nichts von einer Maßnahme gegen Honda. Was nicht viel heißen muss. Korrekturen beim Motor werden in aller Regel nicht öffentlich gemacht. Die besprechen die Techniker des Verbandes direkt mit dem entsprechenden Hersteller. Nicht mal die Konkurrenz erfährt etwas davon.

Lewis Hamilton - GP Ungarn 2021
Wilhelm
Hat Mercedes einen Weg gefunden, die Ansaugluft im Luftsammler zu kühlen?

Kühlt Mercedes das Plenum?

Aus dem Dunstkreis von Red Bull kommt eine andere Erklärung. Auch Ferrari soll dieser Theorie auf der Spur sein. Angeblich kühlt Mercedes in gewissen Phasen den Luftsammler (Plenum), um mehr Leistung zur Verfügung zu haben. Vor einer Qualifikationsrunde oder dem Rennstart wäre das erlaubt, allerdings nur mit archaischen Methoden. So darf man das Plenum mit Trockeneis runterkühlen. Doch der Effekt verdampft relativ schnell.

Ein systematisches Kühlen des Plenums wäre zumindest eine Grauzone oder gar nicht erlaubt. "Vor allem wenn man die kühlere Luft im Sammler kurzfristig damit unterstützt, dass man mehr Benzin einspritzt", heißt es aus dem Lager von Red Bull.

Da wurde man misstrauisch, als Lewis Hamilton in Silverstone vor der Copse-Kurve jedes Mal mit einem erheblichen Leistungsüberschuss auf Verstappen aufgeschlossen hat, was schließlich zum Unfall führte. Mercedes erklärte das damit, dass der Honda-Antrieb an dieser Stelle immer schon in den Ladebetrieb übergegangen war. Den Vorwurf der Leistungssteigerung über irgendwelche Kühlmaßnahmen streitet der Titelverteidiger ab.

So aufgeheizt wie der WM-Kampf ist, darf man davon ausgehen, dass die Motordiskussionen in Spa in ihre nächste Runde gehen. Vor allem, weil dort der Speed auf den Geraden eine entscheidende Rolle spielt. Ein Power-Vorteil ist auf der Ardennenstrecke die halbe Miete. "Wir bleiben da dran", verspricht Red-Bull-Sportchef Helmut Marko.

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