Alexander Albon - Red Bull - GP Russland 2020 - Sotschi xpb
Mercedes - V6 Hybrid - Formel 1-Motor 2015
Mercedes - V6 Hybrid - Formel 1-Motor 2015
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Mercedes - V6 Hybrid - Formel 1-Motor 2015 11 Bilder

Motorengipfel in Portimao

Wie reagiert die F1 auf den Honda-Rückzug?

Der Ausstieg von Honda hat die Diskussionen um den Motor der Zukunft neu entfacht. Die Formel 1-Teamchefs wollen sich nach dem GP Portugal in Portimao zu einer Strategiesitzung treffen. Es geht um die Frage, wie der Motor der Zukunft aussehen soll, und ob man ein neues Konzept vorziehen kann.

Red Bull-Teamchef Christian Horner nennt den Rückzug von Honda einen "Weckruf". Nicht nur, weil die Entscheidung der Japaner mittelfristig Nachahmer finden könnte. Bei drei Motorherstellern ist das Auffangnetz sehr dünn, sollte nur ein weiterer Player den Stecker ziehen. Der Abschied von Honda führt allen im Zirkus wieder die Schwächen des aktuellen Motor-Reglements vor Augen. Die Motoren sind zu teuer und zu kompliziert, und sie haben zu keiner Zeit das Image der Formel 1 grüner gemacht, obwohl die V6-Turbos mit den zwei Elektromaschinen die effizientesten Antriebe mit Verbrennungsmotoren sind, die es weltweit gibt.

Die Komplexität der Technologie schließt private Motorhersteller aus. Und sie schreckt andere Autokonzerne ab, die erst einmal sieben Jahre Erfahrungsrückstand wettmachen müssten, um konkurrenzfähig zu sein. Das wäre selbst unter optimistischen Annahmen erst der Fall, wenn sich dieses Reglement 2025 zu Ende neigt. Kein Hersteller würde sich auf eine solche Investition mit so kurzem Nutzen einlassen. Was nach 2025 kommt, lässt die FIA offen. Es wird davon abhängen, in welche Richtung sich die Antriebstechnologie auf der Straße bewegt. Da sind aus Sicht eines Autokonzerns in wirtschaftlich stürmischen Zeiten zu viele Unsicherheiten für eine rasche Entscheidung im Spiel.

Cyril Abiteboul - Toto Wolff - Mattia Binotto - GP Eifel 2020 - Nürburgring
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Wer beliefert Red Bull mit Motoren ab 2022? Renault und Ferrari sind offen, Mercedes erteilt eine Absage.

Zwei Optionen auf dem Tisch

Die Uhr tickt schneller, als man denkt. Das Beispiel Honda zwingt die FIA und Liberty zu einem Plan B. Den kann es aber mit dem aktuellen Antrieb nicht geben. Deshalb treffen sich alle Teamchefs am Montag nach dem GP Portugal in Portimao zu einer kurzfristig Strategiesitzung mit FIA-Präsident Jean Todt und Vertretern von Liberty, um einen Ausweg aus dem Motoren-Dilemma zu finden. Christian Horner wirft in die Runde: "Ist 2026 nicht zu weit weg für einen neuen Motor? Wenn wir uns auf ein neues Konzept verständigen und das vorziehen, dann muss diese Frage schnell beantwortet werden."

Zwei Optionen liegen auf dem Tisch. Entweder eine komplett neue Technologie, die sich an den Bedürfnissen der Serienentwicklung ausrichtet und neue Hersteller in den Sport lockt. Das birgt allerdings die Gefahr, dass man wieder bei einem Technikmonster landet. Stichwort Brennstoffzelle. Auch das wäre nur von großen Konzernen zu stemmen. Ferrari-Teamchef Mattia Binotto warnt: "Wir müssen uns den nächsten Schritt besser überlegen als den letzten. Das Ergebnis war eine beeindruckende Technologie, aber wir haben dabei die Kosten völlig aus dem Auge verloren." Die schlechte Kosten-Nutzen-Bilanz war auch einer der Gründe, warum Honda den Stecker gezogen hat.

Die Alternative dazu wäre ein deutlich einfacheres Antriebskonzept, das man zusammen mit den E-Fuels schon 2023 einführen könnte. Zum Beispiel auf Basis des aktuellen V6-Turbos mit einem Standard-Kers. Der CO2-neutrale Kraftstoff allein gäbe der Formel 1 unabhängig von der Motorarchitektur den grünen Anstrich, den Autokonzerne heute erwarten. Mit einer MGU-K bliebe auch das Wort Hybrid im Namen. Ein solcher Motor wäre bezahlbar und technisch machbar und könnte neue Hersteller in die Königsklasse locken.

Möglicherweise kommt es im Rahmen der vollzählig versammelten Formel 1-Kommission auch gleich zu einer Abstimmung. Die Zeit drängt. Sollte schon 2023 ein neuer Motor kommen, müssen die Karten früh auf dem Tisch liegen.

So oder so müssen die Regelhüter weiter die Kosten für Motorenhersteller senken. Die neu eingeführten Prüfstandsbeschränkungen auf eine Entwicklungsstufe über den Winter sollen Ferrari, Honda, Mercedes und Renault jeweils 25 Millionen Dollar sparen. Doch inzwischen werden bereits Rufe laut, die Entwicklung bis zu einer Einführung eines neuen Motoren-Reglements komplett einzufrieren. Dazu aber müssten die Motoren vorher einigermaßen angeglichen werden. Was im Fall von Ferrari schwierig sein dürfte. Der Rückstand ist im Moment zu groß. Deshalb wird bereits ins Auge gefasst, ob man Ferrari eine zusätzliche Entwicklungsschleife zugesteht, sollte der nächste Schuss die Lücke nicht schließen.

Mercedes - Formel 1 - GP Russland 2020
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Für Mercedes hat sich die komplizierte Hybridformel trotz hoher Kosten gelohnt.

Motorenlieferant lohnt sich nicht

Für Mercedes hat sich die Hybrid-Formel aller Kosten zum Trotz gelohnt. Der Marketing-Gegenwert von sechs Weltmeisterschaften und GP-Siegen am Fließband bezahlt jede Rechnung. Teamchef Toto Wolff erinnert daran, dass dies nicht immer so war. "Mercedes musste sich drei Jahre lang anstellen, bis der Erfolg gekommen ist. Seitdem stimmt unsere Kapitalrendite. Wenn das nicht gewährleistet ist, dann wäre das ein akzeptabler Grund auszusteigen." Der Österreicher lässt durchblicken, dass Honda womöglich einen zu kurzen Atem hatte: "Manchmal zahlen sich Investitionen erst langfristig aus."

Für Binotto war es keine zu große Überraschung, dass die Japaner nun zum vierten Mal der Formel 1 den Rücken zukehren. "Kommen und Gehen gehört bei ihnen dazu. Das beobachten wir auch bei anderen Herstellern. Nur Ferrari war der Formel 1 immer treu." Renault kennt die Formel 1 von beiden Seiten. Ausschließlich als Motorenlieferant und als Team. Teamchef Cyril Abiteboul zieht Bilanz: "Für uns hat sich die Formel 1 als reiner Motorenpartner nicht gelohnt. Deshalb sind wir auch wieder als Team eingestiegen."

Red Bull und Alpha Tauri wollen ihre Entscheidung, wer Honda folgen soll, bis Ende November fällen. "Wir schauen uns alle Optionen an", bestätigte Horner. Eine hat sich schon erledigt. Mercedes kommt laut Wolff nicht in Frage, "weil wir bereits vier Teams beliefern – inklusive uns selbst." Ferrari will sich jetzt mit der Frage befassen. "Es liegt aber an Red Bull uns zu mitzuteilen, ob Interesse vorhanden ist. Wir müssten dann darüber nachdenken, ob wir das technisch und logistisch darstellen können. Das muss schnell gehen. 2022 ist bereits morgen."

Abiteboul versichert, dass er bis jetzt noch nicht von Red Bull kontaktiert worden sei. Er weiß auch, dass Renault eine Anfrage nicht zurückweisen kann. "Wir kennen die Regeln. Es ist also keine Frage, ob wir wollen oder nicht." Das ehemals vergiftete Verhältnis zwischen Renault und seinem früheren Chassispartner Red Bull hat sich schon wieder entspannt. Horner bestätigt: "Auch Renault ist auf unserer Liste. Dort hat sich viel geändert, seit wir uns getrennt haben. Sie haben einen neuen Präsidenten, der voll hinter dem Motorsport-Engagement steht. Enthusiasmus war schon immer die Grundlage für Erfolg."

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