auto motor und sport Logo
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Formel 1-Programme

Cover-Story der 976 Grands Prix

Collage - F1-Cover Foto: Malcolm Mitchell 26 Bilder

In 68 Jahren Formel 1 haben sich nicht nur die Fahrer, Autos und Rennstrecken geändert. Auch die Rennprogramme gingen mit der Zeit. Wir zeigen Ihnen die aufwändig gestalteten Titelseiten im Wandel der Jahre.

10.02.2018 Michael Schmidt Kommentare

Heute ärgere ich mich. Warum habe ich bloß nicht alle Programmhefte von den Rennen gesammelt, die ich besucht habe? Es wären 600 in der Formel 1 und weit über 700 insgesamt. Ich habe sie immer achtlos liegen gelassen. Mir reichten meine Autozeitschriften. Gut, der Informationswert aus Programmen war für uns Hardcore-Fans eher bescheiden, doch das ist nicht der Punkt. Programmhefte sind Dokumente des Zeitgeistes. Ein Spiegel einer ganzen Epoche. Genauso unverwechselbar wie die Fahrer, Autos und Rennstrecken der Ära, die sie beschrieben haben. Heute hätte eine komplette Sammlung beträchtlichen Wert.

Gut, dass es das Internet gibt. Und Fans, die im positiven Sinne noch ein bisschen verrückter sind, als ich selbst. Der Engländer Malcolm Mitchell hat in den letzten 20 Jahren Scans der Programm-Titelseiten von praktisch allen Grand Prix seit 1950 in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen. Selbst die elf Indy 500-Rennen, die zwischen 1950 und 1960 zur Formel 1-WM zählten. Dazu noch andere Rennserien wie IndyCar, Can-Am, Formel 2, Sportwagen oder Tourenwagen. Insgesamt 26.623 Exemplare. Fein säuberlich geordnet nach Rennserien, Jahren oder Rennstrecken. Man kann sich auf seiner Webseite ganz gut die Zeit vertreiben. Vorsicht, es besteht Suchtgefahr.

Belgier liebten Comics

Wir haben uns auf die Formel 1 konzentriert, weil wir sonst einen Roman schreiben müssten. Die bislang 976 Grand Prix seit der Geburtsstunde am 13. Mai 1950 in Silverstone sind im Zeitraffer auf sieben Jahrzehnte verdichtet. Pro Dekade zeigten wir Ihnen in der Galerie ein bis drei Titelblätter.

1950 - GP Europa - F1-Programm - Cover Foto: Malcolm Mitchell
Das erste Rennen und das erste Programm: Die Formel-1-Premiere in Silverstone lief unter dem Titel "Grand Prix von Europa".

Es geht gleich los mit dem Programm des GP England 1950, der eigentlich der GP Europa war. Das Cover zum allerersten Grand Prix der Geschichte zeigt den B.R.M. Type 15 mit 16 Zylinder-Motor, der am Rennen nicht einmal teilnahm. Das Ungetüm drehte nur ein paar Demo-Runden für das Publikum. Der Preis für das erste Formel 1-Programm: Ein Shilling. Heute könnte man für das Original deutlich mehr dafür erzielen.

Die Programme in den 50er Jahren ähnelten noch denen der Vorkriegszeit. Heroisch inszenierte Autos mit Zielflaggen, Lorbeerkränzen oder Symbolen der jeweiligen Rennstrecke. Mal gezeichnet, mal fotografiert. Nur der GP Belgien fällt in der Kinderstube der Formel 1 aus dem Rahmen. Die Belgier liebten offenbar Comics.

Der Zuschauer und die Monteure standen im Mittelpunkt. Die Idee dahinter dominierte in unterschiedlichen Darstellungen den Titelentwurf. 1956 zeigt das Cover einen Hasen mit Mohrrübe und eine Raupe, die sich durch die Ardennenwälder schlängelt. Im Hintergrund sieht man ein paar Spielzeugautos auf einer Rennstrecke. Interessant: Shell war bereits damals Hauptsponsor des Rennens. Erst 1960 löste ein Schachbrettmuster das eigenwillige Konzept der Belgier ab.

Auch Monza blieb seinem Titel-Layout lange treu. Von 1950 bis 1967 um genau zu sein. Grüner Hintergrund, rotes Auto, Schachbrettflagge. Nur das Datum und die Zahl des wievielten Grand Prix Italien mussten ausgetauscht werden.

Im zweiten und dritten Jahrzehnt bestimmten Rennszenen die Titelgestaltung. Mal realistisch, meist künstlerisch. Fast immer mehrere Autos. Nie Personen. Die Helden im Cockpit waren offenbar kein Verkaufsschlager. Autos kamen spektakulärer rüber als Köpfe.

Der GP Frankreich fand 1963 in Reims statt. Der Zeichner ließ einen Ferrari vor einem Lotus durch den Dunlop-Bogen fliegen, der am Beginn der langen Geraden stand. 1966 löste die Dreiliter-Formel die 1,5 Liter Klasse ab. Das Programmheft zum GP England bejubelte die Rückkehr zu den großvolumigen Motoren: The Return of power. Warum dafür dann ein silberfarbenes Frontmotor-Auto aus den 50er Jahren gezeigt wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Die standen damals schon alle im Museum. Beim Titelbild zum GP Monaco muss man erst einmal nachrechnen. Es steht nur 24. Grand Prix Automobile de Monaco drauf. Aber welches Jahr? Es war 1966. Die Autos, diesmal ein Ferrari vor einem B.R.M. stammen aber noch aus der alten Eineinhalb-Liter-Ära.

Ab 1987 übernahm Ecclestone die Regie

1974 - GP Italien - F1-Programm - Cover Foto: Malcolm Mitchell
GP Italien 1974: Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass hier ein Grand Prix beworben wird.

In den 70er Jahren dominierte zunächst der Stil des Jahrzehnts davor. Gezeichnete Motive. Das Cover des GP Monaco und des GP Spanien 1973 belegen das. 1974 zeigten Spanien, Monaco, England und Österreich bereits Fotos. Monza dagegen gab sich wieder alternativ. Erst beim zweiten Hinschauen lässt sich erkennen, dass es hier um ein Autorennen geht. Das Programm zum GP England 1978 kostete ein Pfund, das in Deutschland immerhin 5 Mark. So langsam wurde an der Preisschraube gedreht. Eine Ausgabe von auto motor und sport gab es 1978 noch zum Preis von 3 Mark.

Zwischen 1980 und 1986 gingen die Layouter langsam weg vom Pulk, der im Rad-an Radkampf ein spannendes Rennen suggeriert. Das wunderbare Cover zum GP Kanada 1981 zeigt den Ferrari von Lokalmatador Gilles Villeneuve. Man wählte vermehrt enge Ausschnitte von Autos, so dass der Fahrer im Cockpit gut zu sehen war. Kein Titelblatt glich dem anderen. Jedes trug seine eigene Handschrift. Überraschenderweise immer noch etwas verstaubt, als wäre die Zeit im Pulverdampf der Herrenfahrer und Frontmotor-Monster stehengeblieben. Auch hier tanzt der GP Italien wieder aus der Reihe. Der Programmheft-Gestalter legt eine Zielflagge über Streifen in den italienischen Farben. Autos? Fahrer? Fehlanzeige. Es könnte auch ein Programm für ein Fußballspiel sein.

Bernie Ecclestone war der Wildwuchs ein Graus. Nichts störte ihn mehr als Stillstand oder der Eindruck, die Formel 1 fahre immer noch im Mittelalter. Beginnend mit 1987 nahm er den Veranstaltern schleichend das Heft aus der Hand. Die TV-Rechte, die Streckenwerbung, den Paddock Club, und ja, auch die Programmgestaltung. Ab da sind fast alle Cover-Gestaltungen uniform. Ein Layoutschema rundherum, das Thema im Zentrum je nach Rennen entsprechend ins Bild gesetzt. Anfangs mit einem schwarzen Trauerrahmen, später bunter. Mal mit Landesflaggen, mal mit Rennmotiven garniert. Das Formel 1-Logo immer präsent, so dass jeder sah, wem die ganze Chose gehört. Auch drinnen im Heft herrschte Bernies Ordnungssinn. Der Aufbau der Geschichten und der Präsentation von Teams und Fahrern ist immer der gleiche.

Von einem Schilling zu 15 Pfund

Die 90er Jahre setzten den Trend fort. Mit einem Schuss Patriotismus. Die Brasilianer brachten ihre brasilianischen Helden auf die Titelseite, die Engländer ihre englischen. Ayrton Sennas Jubel über den ersten Heimsieg 1991 war 1992 Pflicht. Ein Jahr später schaffte es Christian Fittipaldi im Minardi in das Schaufenster. 1995 warb das Cover 16 Mal mit Autos und nur zwei Mal mit Personen. Favorit der Layouter war Ferrari, obwohl die Mannschaft aus Maranello in dieser Saison nur das drittbeste Auto am Start hatte. Acht Titelbilder lichten den Ferrari 412T2 ab, je drei einen Benetton und einen Williams. Beim GP Japan schaute ein Tyrrell-Yamaha die Käufer des Programms an.

Mit den Jahren wurden die Layouts immer moderner und computerhafter. Man setzte nun nicht mehr nur Autos und Fahrer in Szene, auch Mechaniker und Ausrüstung. Siehe Melbourne 2002 oder Istanbul 2009. In der Saison 2007 begrüßte bei jedem Rennen ein Windkanalmodell in immer anderen Farben den Käufer. Ausgetauscht wurden nur Event und Datum. Nur Monte Carlo brach aus dem Schema aus. Der Klassiker hatte schon immer eigene Rechte und widersetzte sich Ecclestones Diktat.

Die neuen Besitzer von Liberty Media setzten im ersten Jahr ihrer Amtszeit das Konzept ihres Vorgängers fort. Verfremdete Autos, unterlegt mit der jeweiligen Landesfahne auf silberlackierten Titelblättern. Der Preis? In England stolze 15 Pfund. Verdient da etwa jemand ordentlich mit? Bilder sagen mehr als 1.000 Worte. Wer wissen will, wie sich die Titel der Rennprogramme seit dem GP England 1950 geändert haben, der klickt einfach unter >> progcovers.com. Wenn Sie durch sind, sagen Sie uns, welches Ihnen am besten gefällt. Eine kleine Auswahl zeigen wir Ihnen natürlich auch in unserer Galerie.

Neuester Kommentar

Wenn Sie bei AMS im Grunde nichts zu berichten haben, dann sollten Sie es auch lassen und nicht stattdessen irgendetwas an den Haaren herbeigezogenes, was niemanden interessiert, aus dem Hut ziehen, das macht die Berichtserstattungsqualität kaputt und die steht bei Ihnen doch sowieso schon auf der Kippe.

Nabob 13. Februar 2018, 15:30 Uhr
Neues Heft
Heft 05 / 2018 15. Februar 2018 178 Seiten Heftinhalt anzeigen Jetzt für 4,20 € kaufen Artikel einzeln kaufen
WhatsApp Newsletter
WhatsApp Newsletter
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden