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Neues Quali-Format: Extra-Punkte für Sprintrennen

Testlauf für neues Quali-Format Extra-Punkte für Sprintrennen

Die Idee eines Qualifikationsrennens nimmt einen dritten Anlauf. Diesmal mit einem neuen Ansatz. Auf die übliche Qualifikation am Freitag folgt ein Sprintrennen am Samstag, für das es WM-Punkte geben soll. Die Formel 1 will es 2021 bei drei Rennen ausprobieren.

Die Idee wurde 2015 bei einem FIA-Meeting in Genf geboren. Obwohl alle mit dem Qualifikationsmodus nach dem K.O.-System zufrieden waren, warf eine Expertengruppe den Vorschlag eines Qualifikationsrennens in die Runde. Der damalige FIA-Rennleiter Charlie Whiting bekam den Auftrag, mögliche Szenarien dafür auszuarbeiten. Doch irgendwie schaffte es der Plan nie über das Stadium der Theorie hinaus.

Im letzten Jahr wurde die Idee wieder ausgegraben. Sie sollte bei den Doppelschlägen in Spielberg, Silverstone und Bahrain das jeweils zweite Wochenende würzen. Damals wurde diskutiert, das Sprintrennen am Samstag in umgekehrter Reihenfolge zum WM-Stand zu starten. Mercedes legte ein Veto ein. Der Weltmeister fürchtete nicht nur seinen sportlichen Vorteil zu verlieren. Umgekehrte Startreihenfolge: Das klang Mercedes nach zu viel künstlich erzeugter Spannung.

Daniel Ricciardo - Renault - GP Eifel 2020 - Nürburgring
Wilhelm
Künftig gibt es wohl zwei Podiumszeremonien an manchen Rennwochenenden - und zusätzliche WM-Punkte.

Ein Mini-Grand Prix über 100 Kilometer

Jetzt nimmt das Sprintrennen am Samstag einen dritten Anlauf. Der neue Formel-1-Chef Stefano Domenicali kündigte an, dass man sich noch einmal mit dem Thema beschäftigen wolle. Es wird am 11. Februar beim nächsten Treffen der Formel 1-Kommission auf den Tisch kommen. Dafür wurde der Modus noch einmal modifiziert, um den Skeptikern den Zahn zu ziehen.

Das Spektakel beginnt mit einer Stunde Freiem Training am Freitagvormittag, gefolgt von der Qualifikation nach dem üblichen Schema zwei Stunden später. Die kurze Vorbereitungszeit soll schon in der Startaufstellung für das Sprintrennen Überraschungen schaffen. Der Mini-Grand Prix über 100 Kilometer findet zur besten Sendezeit am Samstagnachmittag statt.

Für das Sprintrennen werden WM-Punkte verteilt. Ungefähr ein Drittel der Zähler vom Hauptrennen. Man könnte sich eine Punkteverteilung wie in grauer Vorzeit in der Formel 1 vorstellen, also 9-6-4-3-2-1. Das soll die Fahrer dazu animieren um Positionen zu kämpfen. Möglicherweise erlaubt man am Samstag auch eine DRS-Zone mehr als üblich, um das Überholen zu erleichtern. Das Ergebnis des Sprints dann ist die Startaufstellung für den Sonntag. Der Spuk der umgekehrten Startreihenfolge ist verschwunden.

Restart - GP Italien 2020
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Die Probeläufe sollen auf Strecken durchgeführt werden, auf denen sich gut überholen lässt, wie Monza, Montreal und Interlagos.

Drei Rennen als Versuchsballon

Die Formel 1 will die Teams überzeugen, dieses Format bei drei Rennen in dieser Saison auszuprobieren. Bei welchen Grand Prix der Versuchsballon gestartet werden soll, steht noch nicht fest. In der engeren Auswahl sind wie beim ersten Projekt wieder Montreal, Monza und Interlagos. Das kann sich aber noch ändern. Derzeit laufen Simulationen auf verschiedenen Strecken um herauszufinden, welche sich am besten für so ein Experiment eignen.

Die Formel 1 stellt klar, dass keine Tatsachen geschaffen werden sollen. Man gehe Ergebnis offen in dieses Projekt. "Wenn es funktioniert, übernehmen wir es, wenn nicht vergessen wir es wieder." Dabei sollen vor allem zwei Sorgen aus der Welt geschaffen werden. Beschädigt der Plan die DNA der Formel 1? Kannibalisiert man womöglich das Hauptrennen am Sonntag durch ein spektakuläres Sprintrennen am Samstag? Alles Fragen, die man erst klären kann, wenn man es mal ausprobiert.

Geht der Versuch positiv aus, könnte man sich mittelfristig bis zu sechs Veranstaltungen pro Jahr vorstellen, die nach diesem Format ablaufen. Natürlich spielt auch Geld eine Rolle. Wenn die Zuschauer das Modell annehmen, dann bietet es den Promotern einen Mehrwert. Drei Mal Action pro Wochenende schafft mehr Interesse und verkauft mehr Tickets. Das würde sich auch die Formel 1 bezahlen lassen. Mit einem höheren Antrittsgeld.