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BMW F1 Motor 1986
Honda F1 2005
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Quali-Modus-Verbot erst in Monza

Überholknopf weiter erlaubt

Die FIA will das Verbot des Qualifikations-Modus abschwächen. Er kommt nicht in Spa, sondern erst ein Rennen später in Monza. Die Hersteller können den Power-Modus von Rennen zu Rennen neu bestimmen. Der Einsatz des Überholknopfs ist weiter erlaubt. Aber nur im Rennen.

Die FIA leistet einen Offenbarungseid. Der Weltverband gibt zu, dass es für die Technikkommissare immer schwieriger wird zu überprüfen, ob die Motoren zu jeder Zeit regelkonform betrieben werden. Es gibt demnach sowohl auf der Seite des Verbrennungsmotors als auch im elektrischen Bereich Überwachungslücken und in der Theorie vielfältige Möglichkeiten, die Sensormessungen der FIA zu manipulieren. Generell machen den Prüfern zu viele unterschiedliche Power-Stufen beim Betrieb der Antriebseinheiten Sorgen. Die Vielzahl des Angebots erschwert die Kontrolle.

Zu komplexe Motoren

Um Artikel 2.7. der Technischen Reglements zu genügen, müsste die FIA die Antriebseinheiten in allen Betriebszuständen zu jedem Zeitpunkt überwachen können, was aber wegen der Fülle der unterschiedlichen Motoreinstellungen immer schwieriger wird. "Manchmal benutzen Motorhersteller einen Power-Modus nur für eine Runde", heißt es in einem Schreiben an die Teams.

Wegen dieser Komplexität besteht auch die Gefahr, dass Artikel 27.1. des sportlichen Reglements verletzt wird. Demnach muss der Fahrer zu jeder Zeit in der Lage sein, sein Auto allein und ohne fremde Hilfe zu bewegen. Das sei aber nicht mehr möglich, weil das Motormanagement eine Herkulesaufgabe geworden ist.

Die Hersteller haben das Leben eines Motors in viele verschiedene Leistungsstufen eingeteilt, um sicher sein zu können, dass er die gewünschte Distanz überlebt. Da darf man dann den Qualifikationsmodus nur für fünf Runden an einem Wochenende fahren und die zweithöchste Power-Stufe für 25, und je öfter das Triebwerk im Sparmodus betrieben werden kann, umso öfter kann später wieder eine höhere Leistung an anderer Stelle eingesetzt werden. Weil sich das ein Fahrer unmöglich alles merken kann, muss er folgerichtig ferngesteuert werden. Das aber wäre ein Regelverstoß.

Esteban Ocon - Renault - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - Qualifying - Samstag - 15. August 2020
Wilhelm
Den Überholknopf werden die Fahrer im Rennen weiter einsetzen dürfen.

Ausnahmen von der neuen Regel

Deshalb will die FIA in Zukunft von Beginn der Qualifikation am Samstag bis zum Ende des Rennens am Sonntag nur noch ein Motorkennfeld zulassen. Weil das für Ferrari, Honda, Mercedes und Renault einen gewissen Testaufwand auf den Prüfständen bedeutet, wurde die für die GP Belgien angekündigte Umsetzung der Technischen Direktive um sieben Tage auf den GP Italien verschoben. Doch ganz so einfach, wie es sich anhört, ist es dann doch nicht. Ein Motor-Modus für alle Lebenslagen, das geht gar nicht. Folgende Ausnahmen sind deshalb gestattet:

  • Die Runden auf den Startplatz
  • Runden hinter dem Safety Car oder unter VSC-Speed (virtuelles SafetyCar)
  • Die Ehrenrunde nach der Zielflagge
  • Runden vor und nach einer fliegenden Qualifikationsrunde
  • Jede andere Runde, die 20 Prozent über der schnellsten Runde der jeweiligen Qualifikationssitzung liegt

Der gewählte Motor-Modus kann von Rennen zu Rennen variieren. Er darf also in Monza ein anderer sein als in Mugello oder Sotschi. Unter dem so genannten ICE-Modus verstehen die Techniker des Verbandes die Festlegung folgender Parameter im Motormanagement:

  • Benzindurchflussmenge
  • Luftmenge
  • Ladedruck
  • Verbrennungsphaseneinstellung
  • Einspritzzeiten
  • Schaltdrehzahl
  • Benzintemperatur
  • Druck im pneumastischen Ventilsystem, Kurbelgehäuse
  • Öldruck
  • Wastegateventil-Timing und MGU-H-Arbeitszeit
  • Kontrolle der an der Ausgangwelle gemessenen Leistung

Ab dritten Motor alles gleich

Damit der Schuss nicht ganz nach hinten losgeht und nicht alle während des gesamten Rennen mit einer festgeschriebenen Motorleistung herumfahren, erlaubt die FIA den Einsatz des Überholknopfes, allerding nur auf das Rennen beschränkt. Valtteri Bottas hatte Bedenken geäußert, dass die Rennen langweilger werden könnten, weil bei der Festlegung auf einen Motor-Modus eine weitere Überholhilfe abgeschafft würde.

Die Parameter für das Entladen und Einspeisen der Elektroleistung dürfen weiter verändert werden. Aus Gründen der Zuverlässigkeit darf in Ausnahmefällen auch ein Spezial-Modus zum Einsatz kommen, wenn dessen Aktivieren sofort den FIA-Prüfern mitgeteilt wird. Die erwarten in diesem Fall aber einen signifikanten Leistungsverlust und verbieten für den Rest der Einsatzdauer eine Rückkehr zum Ursprungs-Modus.

Weil sich die bereits im Einsatz befindlichen Motoren in ihrer Schadensmatrix und Laufzeit unterscheiden, dürfen die Motorhersteller bei diesen Aggregaten von Fahrer zu Fahrer je nach Zustand der Verbrennungsmaschine unterschiedliche Einstellungen wählen. Ab dem dritten Motor im System müssen bei allen Motoren eines Herstellers die gleichen Modi gefahren werden.

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