F1 Regeln 2019

Neue Flügel, neue Kameras

Nicholas Latifi - Force India - GP Ungarn - Budapest - F1-Test - 31. Juli 2018 Foto: xpb 91 Bilder

Die meisten Teams haben ihre Entwicklungsarbeit an den aktuellen Modellen bereits abgeschlossen. Force-India-Technikchef Andy Green erklärt, wo die Tücken in den Regeländerungen für 2019 liegen.

Das kommende Formel-1-Jahr wirft seine Schatten bereits voraus. Bei den Testfahrten in Budapest kurz vor der Sommerpause waren Force India und Williams bereits mit Frontflügel-Modellen nach dem 2019er Reglement unterwegs. Die F1-Bosse haben zusammen mit der FIA neue Aerodynamik-Vorschriften erarbeitet, durch die das dichte Hinterherfahren und somit auch das Überholen erleichtert werden soll.

Große Erkenntnisse konnte Force India-Technikchef Andy Green in Belgien nach dem ersten Experiment nicht verkünden: „Wir haben die Daten gesammelt, aber wegen der Sommerpause sind wir mit der Auswertung noch nicht weit gekommen.“ Im Gegensatz zu Force India und Williams verzichtete die Konkurrenz auf den Bau eines echten Flügels. „Wir verlassen uns auf die CFD-Simulationen. Deswegen haben wir keine neue Hardware gebaut“, begründete Renault-Technikdirektor Bob Bell die Entscheidung.

Doch bei Force India ist man überzeugt, dass sich der Aufwand lohnt: „Wir haben natürlich auch CFD-Simulationen durchgeführt. Der Flügel wurde zusätzlich noch gebaut, um in der Realität zu überprüfen, ob die Ergebnisse auch stimmen“, so Green. Der Ingenieur erwartet, dass bei den nächsten Testfahrten in Abu Dhabi nach dem Saisonende noch mehr Teams mit 2019er Flügeln erste Proberunden drehen.

Frontflügel nicht auf volle Belastung ausgelegt

Nicholas Latifi - Force India - GP Ungarn - Budapest - F1-Test - 31. Juli 2018 Foto: xpb
Mit dem 2019er Frontflügel durften die Piloten beim Test nicht Vollgas fahren.

Aussagen darüber, wie die Regeländerungen die Performance des Autos verändern, ließen sich jetzt allerdings noch nicht ziehen. „Das Flügel-Modell war nicht auf volle Belastung ausgelegt. Wir haben den Fahrern gesagt, dass sie nicht schneller als 250 km/h fahren dürfen und die Randsteine vermeiden sollen. Wir sind mit Medium-Speed um die Strecke gerollt und haben mit Staudruck-Sensoren Daten zum Strömungsfeld dahinter gesammelt. Mit den Daten wollen wir die Korrelation zu den CFD-Simulationen verbessern.“

Außerdem entspreche der Flügel im Detail auch noch nicht dem Modell, das im kommenden Jahr gefahren wird. „Er wurde quasi eins zu eins nach dem Text im Reglement gebaut. Das richtige Modell für 2019 wird sich ein Stück davon unterscheiden. Im aktuellen Stand der Entwicklung haben wir schon deutlich ausgereiftere Modelle.“

Schlupflöcher im Regeltext habe man bei Force India noch keine gefunden. Laut Green ist das Reglement sehr restriktiv verfasst. Auch die Auswirkungen der neuen Aero-Regeln auf die Balance des Autos lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht treffen. „Dazu können wir frühestens Ende des Jahres etwas sagen, wenn wir mehr Daten haben. Mit diesen Daten und den Daten der neuen Reifen vom Test in Abu Dhabi wird dann der Simulator gefüttert. Dann warten wir auf das Feedback der Piloten, inwieweit sich die Balance verschoben hat und wie wir darauf reagieren müssen.“

Bremshutzen-Änderung nicht zu unterschätzen

Nicholas Latifi - Force India - GP Ungarn - Budapest - F1-Test - 31. Juli 2018 Foto: sutton-images.com
Frontflügel, Bremshutzen, Bargeboards und Heckflügel - die neuen Aero-Regeln für 2019 betreffen das ganze Auto.

Green glaubt aber, dass die Ingenieure ihren Fokus vor allem auf das Heck setzen werden. „Hier ist es deutlich schwieriger, Abtrieb zu produzieren als vorne.“ Auch am Heckflügel müssen die Techniker umdenken. Das Leitwerk wird 10 Zentimeter breiter und wandert zwei Zentimeter nach oben. „Das wird gemacht, um die Sicht nach hinten zu verbessern. Deshalb können wir uns darüber nicht beklagen. Es sollte aber keine große Herausforderung darstellen“, winkt Green ab.

Auch in puncto Bargeboards sind im Reglement neue Dimensionen vorgeschrieben. Green glaubt, dass die Form der Leitbleche vor allem durch den neuen Frontflügel vorgegeben wird. „Am Anfang werden die Bargeboards noch den heutigen Modellen ähneln. Wenn dann alle kapiert haben, wie die neuen Frontflügel funktionieren, startet die intensive Arbeit an den Bargeboards. Übrigens ändern sich auch die Bremshutzen, was einen großen Einfluss auf die Anströmung hat. Das darf man nicht unterschätzen.“ So sind zum Beispiel Flügelelemente an den vorderen Radträgern verboten, genau wie die Luftdurchleitung durch die Vorderachse.

Dazu müssen die Ingenieure beim 2019er Modell auch noch neue Kamera-Positionen integrieren. Laut Green soll die Kamera auf dem Überrollbügel etwas versetzt werden, um den TV-Zuschauern einen besseren Blick über den Halo zu liefern. Die Positionen verschieben sich zwar nur um wenige Zentimeter, doch in der komplizierten Welt der Formel 1 sind bekanntlich auch kleinere Änderungen mit großem Aufwand verbunden.

Force India bekommt Ferrari-Spiegel

Ferrari - Formel 1 - GP Spanien - Barcelona - 11. Mai 2018 Foto: ams
Der Trick mit der Luftdurchleitung durch die Spiegel hatte Ferrari erfunden.

Damit Force India mit der Entwicklung nicht wieder spät dran ist, hat man jetzt schon alle Ressourcen auf das kommende Auto verschoben. „In Singapur kommt unser letztes große Upgrade in dieser Saison. Das befindet sich schon in der Produktion“, verrät Green.

Das Paket beinhaltet offenbar auch Rückspiegel, durch die der Luftstrom hindurch fließen kann. Diesen Trick hatte Ferrari als erstes eingeführt. Toro Rosso und Red Bull kopierten das Prinzip. Es dient nicht etwa zur Reduzierung des Luftwiderstands, wie einige zunächst vermutet haben: „Die Spiegel generieren Abtrieb. Sie dirigieren den Luftstrom in bestimmte Richtungen, was der Anströmung des Hecks hilft“, erklärt der Ingenieur.

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