F1 Reifen im Technik-Video

Das Geheimnis der Delaminierung

Pirelli Reifen 2013 - Piola F1 Technik-Video Foto: Piola Animation 18 Bilder

Die Formel 1 hat ein Delaminierungsproblem. Aber was heißt das eigentlich? Und wodurch wird es ausgelöst? Im Technik-Video zeigen wir Ihnen einen Pirelli-Reifen im Querschnitt und sagen, warum sich die einzelnen Schichten plötzlich voneinander trennen.

Die Entwicklung und Herstellung eines Formel 1-Reifens ist eine komplizierte Sache. Verschiedene Schichten aus unterschiedlichen Materialien müssen unter hohem Druck und bei Temperaturen über 200 Grad Celsius so zusammengebacken werden, dass daraus eine eierlegende Wollmilchsau entsteht.

Delaminierungsproblem erst mit 2013er Reifen

Der Reifen soll möglichst auf allen Asphalt-Arten ordentlichen Grip bieten, vom rutschigen Stadtkurs zum rauen Rennasphalt. Er sollte in einem möglichst großen Temperaturfenster funktionieren. Er muss bei hohen Kurvengeschwindigkeiten Seitenhalt geben und darf auch beim Bremsen und Beschleunigen nicht in die Knie gehen.

Einen haltbaren Reifen zu bauen ist aber nicht das größte Problem. Die Schwierigkeit für Pirelli besteht im kontrollierten Verschleiß und den unterschiedlichen Gripniveaus mit gleichmäßigen Abständen zwischen den verschiedenen Mischungen. Und das auf den verschiedenen Layouts.

"Wir hätten gerne mehr verschiedene Mischungen, um besser auf die unterschiedlichen Anforderungen reagieren zu können", lautet eine der häufigsten Klagen von Pirelli-Sportchef Paul Hembery. Mit der 2013er Generation haben die Ingenieure in Mailand versucht, den Spagat zwischen konstantem Grip, hoher Stabilität und kontrolliertem Verschleiß noch besser hinzubekommen. Doch nach unauffälligen Wintertests zeigte sich in den ersten Rennen, dass mit den neuen Konstruktionen ein Problem auftritt, das man in den Vorjahren noch nie gesehen hat - Delaminierung.

Bei dem sehr seltenen Phänomen löst sich die oberste Gummischicht von der Karkasse. Pirelli hat die vereinzelten Fälle genau untersucht. Mittlerweile ist man der Entstehung genau auf die Spur gekommen. "Wir konnten das Phänomen auch unter Laborbedingungen reproduzieren", erklärte Hembery. "Und wir haben eine Lösung dafür gefunden."

Pirelli-Reifen mit Blasen unter der Lauffläche

Nach Angaben von Pirelli sind kleine Beschädigungen der Lauffläche nötig, damit das Problem der Delaminierung auftritt. Der Metallring in der Reifenschulter heizt sich auf und bringt das Gummi zum Schmelzen. Unter der Lauffläche entstehen kleine Blasen, die sich unter Belastung immer mehr ausdehnen. Wird nicht rechtzeitig gewechselt, löst sich irgendwann die Lauffläche ab.

"Das ist nicht besonders gefährlich. Der Reifen hat unter der Karkasse immer noch Luft. In den bisherigen Fällen konnte man sehen, dass die Piloten ihr Auto immer sicher zum Stehen bringen konnten", erklärte Hembery. Das Problem für Pirelli ist jedoch die Außenwirkung. Aus Marketingsicht sind herumfliegende Laufflächen sicher nicht die beste Werbung für die Produktqualität.

Stimmen die Teams der Änderung zu?

Deshalb hat Pirelli nun auch selbst bei den Teams Druck gemacht, nachbessern zu dürfen. Die Lösung für das Problem ist relativ einfach: Statt des Stahlrings wird unter der Schulter ein Kevlar-Gürtel eingesetzt. Der soll sich nicht so stark erhitzen. Pirelli erwartet, dass die Reifentemperatur dadurch generell um 10°C sinken wird, was Mercedes und Red Bull helfen könnte.

Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass sich der Charakter der nachgebesserten Gummis deutlich unterscheidet, werden der Einführung wohl nicht alle Teams zustimmen. Dann könnte uns das Delaminierungsproblem noch bis zum Saisonende verfolgen.

In unserem Video zeigen wir Ihnen, wie ein aktueller Formel 1-Reifen aufgebaut ist. Nähere Erläuterungen finden Sie wie immer in der Bildergalerie.

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