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Mercedes - Formel 1 - GP Ungarn 2021
Mercedes - Formel 1 - GP Ungarn 2021
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Mercedes - Formel 1 - GP Ungarn 2021 25 Bilder

Große Halbzeitbilanz der Formel-1-Saison 2021

Halbzeitbilanz der Formel 1 Wer hat Vorteile im Titelrennen?

Die erste Saisonhälfte der Formel 1 machte Lust auf mehr. Das Duell an der Spitze ist so offen wie der Kampf um Platz drei. Das Trio dahinter sucht die Big Points, und im Tabellenkeller dahinter hofft man auf Chaosrennen, von denen es 2021 schon drei gab.

Die Formel 1 hat sich mit einem Krimi in die Sommerpause verabschiedet. Diese Saison springt von einem Extrem ins andere, und sie hat so manche Überraschung parat. Vor zwei Rennen führte Max Verstappen die Meisterschaft noch mit 33 Punkten Vorsprung an. Jetzt verweilt Lewis Hamilton mit acht Zählern Guthaben in der Sommerpause.

Valtteri Bottas und Sergio Perez fahren schon lange nicht mehr für sich selbst. Sie müssen ihren Teamkapitänen helfen, wo es geht, notfalls auf Punkte verzichten, um dem Gegner einen wegzunehmen. Bottas macht dabei den besseren Job. Zuletzt in Ungarn, weil er gleich beide Red Bull von der Bahn schob. Was das Verhältnis der WM-Kandidaten noch weiter belastet hat.

Valtteri Bottas - Formel 1 - GP Ungarn 2021
Motorsport Images
Bottas und Perez müssen für ihre Teamkollegen fahren. Das Verhältnis zwischen Mercedes und Red Bull ist nach Unfällen belastet.

Befreiungsschlag für Alpine und Williams

Ferrari gleicht im Duell um Platz 3 aus. Es steht auch nach Podestplätzen 3 : 3, doch Ferrari hat das bessere Einzelergebnis. Die Rennstrecke entscheidet, ob Rot oder Orange den Stich macht. McLaren hat das etwas schnellere Paket, Ferrari die bessere Fahrerpaarung. Während sich Carlos Sainz relativ geräuschlos bei Ferrari eingelebt hat, hadert Daniel Ricciardo immer noch mit seinem McLaren. Manchmal ist der britische Rennstall nur ein Einmannteam. Die Frage, ob dieser Lando Norris so außergewöhnlich gut ist, oder Daniel Ricciardo seinen Fahrstil einfach nicht dem Auto anpassen kann, wartet noch auf Antwort.

Corona und seine Folgen hat der Formel 1 schon letztes Jahr viele Sensationen beschert. Pierre Gasly und Sergio Perez haben ihre ersten Grand Prix gewonnen. In dem Stil geht es weiter. Alpine, Alpha Tauri und Aston Martin brachten 2021 jeweils ein Mal einen Fahrer auf das Podium. Esteban Ocon krönte sich aus dem Nichts heraus zum 111. Sieger der GP-Geschichte.

In den Wochen davor musste sich Alpine immer wieder die spöttische Frage gefallen lassen, warum man den langen Franzosen für drei weitere Jahre verpflichtet hat. Seit dem GP Aserbaidschan hatte Fernando Alonso das Regiment im Team übernommen. In Ungarn war er nur der Geburtshelfer eines Außenseitersieges. Der 40-jährige Spanier ist trotzdem einer der Gewinner der ersten Saisonhälfte. Weil er fährt, als wäre er nie weg gewesen.

Am Ende des Feldes hat Williams in Ungarn mit zehn WM-Punkten einen Befreiungsschlag gelandet. Das wird Alfa-Sauber nur noch schwer kontern können. Auch wenn der C41 über die Renndistanz das schnellere Auto ist. Williams hat mit George Russell den besseren Fahrer im Cockpit sitzen. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Die hat Haas längst aufgegeben. Es war ein Abstieg mit Ansage. Der Stillstand heute soll den US-Rennstall morgen mit einem Schlag wieder ins Mittelfeld befördern.

Max Verstappen - GP Ungarn 2021
xpb
Max Verstappen droht in der zweiten Saisonhälfte der Einsatz eines vierten Motors - und damit eine Startplatzstrafe.

Red Bull mit Motorsorgen

Das Herzstück der letzten Saison vor der großen Regelreform ist das Duell der Königsfiguren. Es wurde von Anfang an mit harten Bandagen geführt, mit Rad-an-Rad-Kontakt auf der Strecke, Psychokrieg außerhalb mit viel Politik und Nebenkriegsschauplätzen. Seit der Kollision in Silverstone ist das Tuch erst einmal zerrissen. Für die Dramaturgie des WM-Kampfes muss das nicht schlecht sein. Man schaltet den Fernseher ein, weil man wissen will, ob König Lewis seinen Meister findet. Es verleiht der Story eine Eigendynamik.

Genauso wie der Verlauf dieses Titelrennens. Das Pendel schwingt hin und her, von Red Bull zu Mercedes und zurück und zuletzt wieder zum Titelverteidiger. Red Bull entwickelt wild entschlossen weiter, weil man spürt, dass Mercedes verwundbar ist. Dort ist die Saison 2021 im Designbüro bereits abgehakt. Es wird optimiert, was man hat, und der Titelverteidiger tut alles, den WM-Rivalen aus dem Konzept zu bringen. Bis jetzt ist das ganz gut gelungen.

Aber auch bei Mercedes läuft nicht mehr alles nach Plan. Das zeigt die Entscheidung, Hamilton nach der Formationsrunde in Budapest nicht an die Box zu holen, sondern einsam auf der Zielgerade starten zu lassen. Rückblickend hat es den Sieg gekostet. Ein Vorteil für Mercedes ist der immer noch gut gefüllte Motoren-Pool. Bei Red Bull drohen ausfälle. Die Unfallmotoren von Verstappen und Perez sind angeschlagen.

Ferrari mit Motor-Upgrade

Genauso offen ist der Wettstreit der beiden ältesten Formel-1-Teams. McLaren hat in das 2021er-Auto mehr investiert und den Windkanal Anfang Juli noch einmal für ein Upgrade belegt. Ferrari stellte schon einen Monat früher auf 2022 um. Die letzte Modifikation brachte den meisten Ertrag. Der neue Unterboden, der in Österreich debütierte, verlieh dem SF21 mehr Stabilität.

Das Problem mit den Reifen ist verstanden, kann aber nicht ganz aus der Welt geschafft werden, weil es dazu konstruktive Eingriffe bräuchte, die unter das Homologationsgesetz fallen. Trotzdem glaubt Ferrari, dass ihnen die jüngste Reifenentwicklung geholfen hat. "Seit die FIA die Luftdrücke stärker überwacht, haben wir gegenüber einigen Teams Boden gewonnen."

Der dritte Platz ist für Teamchef Mattia Binotto nicht das Maß aller Dinge. "Wir müssen zeigen, dass wir uns verbessert haben. Wir haben doppelt so viele Punkte wie zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr und den Abstand zur Spitze von 1,4 auf 0,7 Sekunden verkürzt. Wenn wir den Trend fortsetzen, werden wir auch Dritter." Ein Motoren-Upgrade ab dem GP Belgien soll dabei helfen. Binotto setzt nicht ohne Grund seine Hoffnungen in mehr Leistung. "60 Prozent unseres Rückstands kommen vom Motor, 40 Prozent vom Chassis."

Alpine - Formel 1 - GP Ungarn 2021
Jerry André
Alpine balgt sich mit Alpha Tauri und Aston Martin um den fünften WM-Platz.

Im Kampf um Platz 5 zählt Konstanz

Alpine hat sich mit seinen 37 Punkten von Budapest im Kampf um den fünften Platz freigeschwommen. Das Auto ist nach Einschätzung von Alonso gut für die Plätze 7 bis 10. Der Sieg war ein Geschenk. Immerhin haben es die Ingenieure geschafft, die Form des A521 zu stabilisieren. Hauptsächlich durch besseres Verständnis von Auto und Reifen. Zuletzt kamen nur noch Leitgewichtteile ins System. Das schafft Spielraum bei der Gewichtsverteilung.

An guten Tagen ist der Alpha Tauri AT02 das schnellste Auto in dem Trio, das sich um den 5. Platz streitet. Aber nur mit Pierre Gasly am Steuer. Auf eine Runde schlägt er auch schon mal beide Ferrari und beide McLaren. Rookie Yuki Tsunoda ist noch keine verlässliche Größe. Und Gasly verlor zu viele Punkte durch unverschuldete Kollisionen oder Reifenschäden.

Sebastian Vettel sieht für seinen Aston Martin ein breiteres Spektrum als Alonso für den Alpine. "Wir schwanken zwischen Platz 7 und 13." Deshalb tun die vorläufige Disqualifikation beim GP Ungarn und die 18 Punkte, die Vettel weggenommen wurden, besonders weh. Solche Gelegenheiten gibt es nicht oft. Der AMR21 ist am Ende seines Potenzials angelangt. Aus ihm wird kein regelmäßiger Podiumjäger mehr, so wie es sein Vorgänger war.

In dieser Gruppe zählt am Ende Konstanz. Und dass man die Geschenke, die einem das Renngeschehen bietet, auch annimmt. Alpha Tauri hat immer gepunktet, Alpine zehn von elf Mal. Bei Aston Martin stehen bereits vier Nuller. Jetzt entscheiden die Fahrer, das Setup und die Streckencharakteristik, wer die meisten Punkte absahnt.

Mick Schumacher - Formel 1 - GP Ungarn 2021
Wilhelm
Mick Schumacher fuhr in Ungarn ein gutes Rennen, doch er kämpft mit stumpfen Waffen.

Haas retten nicht mal Chaosrennen

Stichwort Fahrer: Hamilton und Verstappen zeigen im internen Vergleich mit ihren Teamkollegen, welche Extraklasse sie sind. Carlos Sainz bereitet Charles Leclerc mehr Kopfzerbrechen als erwartet. Die Punktetabelle meldet praktisch Gleichstand. Dafür hat Lando Norris mehr als doppelt so viele Punkte geholt wie Daniel Ricciardo. "Wir können ihn nur in seiner Arbeit mit dem Auto unterstützen und hoffen, dass der Knoten aufgeht", sagt Teamchef Andreas Seidl.

Fernando Alonso hat sein Comeback mit summa cum laude bestanden. Auch Sebastian Vettel konnte seine Zweifler ruhigstellen. George Russell zeigt an jedem Wochenende, was er wert ist. Deshalb ist es fast schon tragisch, dass Nicholas Latifi bei den ersten Williams-Punkten seit zwei Jahren vor dem Engländer ins Ziel fährt. Man muss zur Ehrenrettung des Kanadiers sagen, dass er das Geschenk, das ihm das Startchaos machte, perfekt umgesetzt hat. Bei den beiden Alfa-Sauber-Piloten hat man dagegen das Gefühl, dass ihre beste Zeit vorbei ist. Das könnte am Ende mit WM-Platz neun bestraft werden.

Diese Saison hat mit Imola, Baku und Budapest bereits drei Chaosrennen geliefert. Statistisch gesehen ist das Soll an Gelegenheiten bereits erreicht, die den Nachzüglern einen Punktesegen offerieren. Für Haas reicht nicht einmal das. Mick Schumacher ist am Hungaroring das für ihn perfekte Rennen gefahren, er lag bis zur 33. Runde in den Punkterängen und war dann im Ziel doch 21,4 Sekunden davon entfernt. Wer sein Auto nicht weiterentwickelt, bekommt in diesem Geschäft zwangsläufig die Quittung. Auch in einer Saison, in der die Autos eher auf Schmalspur entwickelt werden.

Formel 1: Halbzeitbilanz 2021

Team Punkte Siege Podium Punkteplatzierungen Führungsrunden
Mercedes 303 4 14 17 147
Red Bull 291 6 10 18 429
Ferrari 163   3 17 50
McLaren 163   3 18  
Alpine 77 1 1 14 67
Alpha Tauri 68   1 13 4
Aston Martin 48   1 9  
Williams 10     2  
Alfa Sauber 3     3  
Haas 0        
Team Punkte Siege Podium Punkteplatzierungen Führungsrunden
Mercedes 303 4 14 17 147
Red Bull 291 6 10 18 429
Ferrari 163   3 17 50
McLaren 163   3 18  
Alpine 77 1 1 14 67
Alpha Tauri 68   1 13 4
Aston Martin 48   1 9  
Williams 10     2  
Alfa Sauber 3     3  
Haas 0