Mercedes - F1-Test Barcelona 2020 Wilhelm
Ferrari - GP Abu Dhabi 2018
Mercedes - Formel 1 - GP Aserbaidschan 2019
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F1-Saison als Verlustgeschäft: Wo beginnt die Gewinnzone?

F1-Saison als Verlustgeschäft Wo beginnt die Gewinnzone?

Selbst wenn die F1-Saison wie geplant in Österreich mit einem Doppelschlag beginnt, ist sie noch nicht über den Berg. Acht Rennen reichen zwar für eine offizielle Weltmeisterschaft, würden die Teams aber eher Geld kosten als bringen.

Es gibt jetzt ein Ziel. Das ist in Corona-Zeiten schon einmal ein Luxus. Die Formel 1 soll am 5. und 12. Juli mit einem Doppelschlag in Österreich beginnen. Die Planungen dafür sind nicht nur Hirngespinste. Das Konzept steht.

"Uns kann nur noch eine zweite Corona-Welle in Österreich oder die Politik stoppen", gibt sich Red Bull-Sportdirektor Helmut Marko optimistisch. Auf beides hat er wenig Einfluss. Selbst wenn in Österreich die Ampeln auf Grün stehen, muss das in den Ländern, aus denen die Teams anreisen, nicht genauso sein.

Deutschland hat seine Warnung für Reisen ins Ausland gerade bis Mitte Juni verlängert. Die Politiker erwarten eine gemeinsame europäische Richtlinie, was die Reisefreiheit angeht. Es ist keinem gedient, wenn er zwar zu einem Grand Prix reisen darf, hinterher in seinem eigenen Land aber zwei Wochen in Quarantäne muss.

Die Formel-1-WM steht und fällt mit dem Gelingen des Saisonstarts in Österreich. "Wenn wir es nicht hinkriegen, wird es für alle anderen noch schwerer", fürchtet Marko. Tatsächlich sind Location und Organisation für die Durchführung eines Rennens ideal.

Spielberg liegt zentral in Europa, weitab von Ballungsräumen. So muss man sich schon mal weniger Sorgen um Zaungäste machen, die trotz Zuschauerverbot anreisen. Die Veranstalter am Red Bull-Ring haben einen schlüssigen Plan erstellt und den direkten Draht zur Regierung. Und Österreich zählt von der Entwicklung der Corona-Infektionen zu den Musterländern in Europa.

Alfa Romeo - Barcelona-Test - 2020
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Die kleinen Teams haben von Liberty schon mal einen Vorschuss erhalten.

Keine Gewinne mit acht Rennen

Ein Auftakt in Österreich macht aber nur Sinn, wenn es auch weitergeht. Schon am nächsten Schauplatz in Silverstone wird es ungleich schwerer. England gehört wie Italien, Spanien, Belgien oder die Niederlande zu den Brennpunkten der Corona-Krise. Alles Länder, die noch mit einem Grand Prix im Kalender stehen oder bereit wären einzuspringen.

Vom Restprogramm in Europa steht eigentlich nur noch Ungarn einigermaßen sauber da. Deshalb macht es aus Sicht von Liberty Sinn, sich auch mögliche Austragungsorte anzuschauen, die nicht Teil des Kalenders sind, aber eine einigermaßen günstige Corona-Bilanz aufweisen und lizensierte Rennstrecken haben. Deutschland zum Beispiel. Auch Portugal wäre so ein Land.

Formel-1-Chef Chase Carey hofft, dass bis zum Ende der Saison 15 bis 18 Rennen veranstaltet werden können. Für eine Wertung als Weltmeisterschaft würden zwar acht Grand Prix ausreichen, doch damit ist keinem geholfen. "Mit acht Rennen würden wir Geld verlieren. Dann übersteigen unsere Reise- und Logistik-Kosten die Einnahmen", verrät ein Teamchef.

Das liegt daran, dass die TV-Gelder erst ab 15 Rennen in voller Höhe fließen. Bei zu wenigen Rennen werden auch die Seriensponsoren wie Rolex, DHL, Emirates, Heineken, Aramco und Pirelli Abschläge einfordern.

Antrittsgelder kann es nur bei Veranstaltungen vor Publikum geben. Die fallen also flach. Bei Geisterrennen muss Liberty in Vorlage gehen. Da werden die Einnahmen von der Bandenwerbung dazu genutzt, die Streckenmiete und die Organisationskosten zu tragen. Die fallen also ebenfalls aus dem Einnahmentopf. Genauso wie der Paddock Club, den es erst bei Rennen vor Zuschauern wieder geben kann.

Ferrari - F1-Test Barcelona 2020
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Die großen Teams bekommen ihre Bonuszahlungen auch dann, wenn nicht gefahren wird.

Vorschuss und Bonuszahlungen

Für Liberty ist die Saisonplanung eine Gratwanderung. Die Amerikaner schießen auf ein bewegliches Ziel. Selbst wenn sie es schaffen, in Europa mit Hilfe von Doppel-Veranstaltungen acht Rennen abzuhalten, fehlen zur magischen Grenze immer noch sieben Grand Prix.

In Übersee wird die Logistik ungleich schwieriger. Auf Abu Dhabi und Bahrain kann man zwar zählen, doch darüber hinaus wird es schon eng. In Ländern wie Russland, Brasilien oder Mexiko geht die Corona-Krise gerade erst los. Die USA steckt mittendrin.

Da wird man möglicherweise auf ein paar Rennen zurückgreifen müssen, die bereits abgesagt wurden, die aber in Ländern stattfindet, in denen die Krise einigermaßen im Griff scheint: China, Vietnam, Aserbaidschan.

FIA, Liberty und Teams bereiten sich deshalb auf alle Szenarien vor, bis hin zu einer Saison ohne Rennen. Die Teams üben sich gerade im Sparen. Liberty hat Haas, Alfa Romeo, Alpha Tauri, Racing Point und Renault einen Vorschuss von jeweils rund zwei Millionen Dollar gewährt, um etwaige Löcher zu stopfen. Die anderen Teams bekommen ihre Bonuszahlungen für WM-Titel oder eine lange Teamhistorie unabhängig davon, ob gefahren wird oder nicht.

Wenn in den kommenden Tagen die Reduzierung der Budgetdeckelung ab 2021 festgelegt wird, erwartet die Formel 1 spätestens Ende Juni eine Entlassungswelle. Viele Verträge haben ein halbes Jahr Kündigungsfrist.

Trotz der Not gibt es Teams, die befürworten würden, noch zwei weitere Rennställe in den Club aufzunehmen, wenn sich Investoren finden sollten. Nie war der Zeitpunkt günstiger als jetzt. Mit den zu erwartenden Kündigungen wird viel hochqualifiziertes Fachpersonal auf dem Markt sein. Ein reduziertes Budgetlimit erhöht die Chancengleichheit und erleichtert den Einstieg.

Die Regel, dass ein neues Team sich mit 200 Millionen Dollar in den Club einkaufen muss, gilt erst, wenn das neue Concorde Abkommen unterschrieben ist. Auch für die FIA und Liberty wäre eine Aufstockung des Feldes lohnenswert. Man hätte dann einen besseren Puffer für schlechte Zeiten. Ansonsten muss man beten, dass jeder überlebt.