Alexander Albon - Red Bull - Lewis Hamilton - Mercedes - GP Österreich 2020 - Spielberg Wilhelm
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 5. Juli 2020
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - 4. Juli 2020
Alex Albon  - GP Österreich 2020
Max Verstappen  - GP Österreich 2020 22 Bilder

Dicke Luft zwischen den Topteams

Unentschieden bei Red Bull gegen Mercedes

Manche Dinge ändern sich nie. Nicht einmal in der Corona-Krise. Kaum wurde der Rennbetrieb wieder aufgenommen, krachte es zwischen den Topteams. Red Bull gegen Mercedes, Mercedes gegen Ferrari, Ferrari gegen alle. Was wäre die Formel 1 ohne das Rennen neben dem Rennen?

Der Friede hielt genau 110 Tage. Seit die Formel 1 nach der Ansage in Melbourne ihre Pforten geschlossen hatte, rauften sich die zehn Teams zu einer noch nie gesehenen Eintracht zusammen. Nur so war es möglich, all die Sparmaßnahmen, Entwicklungsstopps und das neue Budgetlimit durchzupeitschen.

Ferrari zickte ein paar mal, aber das war‘s. Am Ende stimmte auch Maranello zu. Im Dienste der Sache. Wer geglaubt hat, die Corona-Krise schweiße die Teilnehmer auch nach dem Re-Start der Saison zusammen, sieht sich jetzt getäuscht. In Spielberg krachte es zwischen den Rennställen, als hätte es die Notlage nie gegeben.

Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - 4. Juli 2020
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Mercedes hat das schnellste Auto. Das doppelte Lenksystem DAS bleibt erlaubt.

Wolff lobt Red Bull-Protest

Gleich am Freitag ging es los. Red Bull brachte das zu Ende, was man schon in Melbourne angedroht hatte. Man reichte einen Protest gegen das doppelte Lenksystem von Mercedes ein, kurz DAS genannt. Mercedes-Teamchef Toto Wolff war fast froh, die Angelegenheit so früh wie möglich zu den Akten legen zu können. "Es ist in einem komplexen Sport wie unserem normal, dass es zu technischen Details unterschiedliche Meinungen gibt. Red Bull hat es fair gespielt und schon am Freitag protestiert. Das ist besser als nach dem Rennen über das Ergebnis debattieren zu müssen." Nach sechseinhalb Stunden war das Thema durch. DAS ist legal. Red Bull muss jetzt ein eigenes System bauen oder mit dem Nachteil leben.

Red Bull hatte noch einen Pfeil im Köcher. Als Lewis Hamilton in der letzten Qualifikationsrunde trotz gelber Flaggen nicht den Fuß vom Gas nahm und trotzdem straffrei ausging, suchte Red Bull selbst nach neuen Beweisen. Und sie wurden tatsächlich fündig. Auf den sozialen Netzwerken fanden sich Aufnahmen aus der 360 Grad-Kamera im Mercedes mit der Startnummer 44.

Die zeigten eindeutig, dass Hamilton die blinkende gelbe Ampel am linken Streckenrad gesehen haben musste. 40 Minuten vor dem Start erfuhr der Weltmeister, dass er drei Startplätze zurück muss und sein WM-Gegner Max Verstappen in die erste Startreihe rutscht. "Das müssen wir so akzeptieren", gab Wolff klein bei. Somit stand es im Protestduell zwischen Mercedes und Red Bull unentschieden 1:1.

Unentschieden ging auch der letzte Konflikt der beiden Streithähne aus. Lewis Hamilton schubste Alexander Albon zehn Runden vor Schluss im Kampf um Platz zwei ins Kiesbett. Natürlich gingen die Meinungen zur Schuldfrage weit auseinander. Hamilton sprach von einem normalen Rennunfall, Albon von einem Attentat: "Die Entscheidung, ob es zur Kollision kommt oder nicht, lag bei Lewis." Die Sportkommissare plädierten auf Strafe. Hamilton verlor in Konsequenz zwei Positionen und sechs WM-Punkte. Albon traf es schlimmer. Er ging ganz leer aus. Sechs Runden nach dem Zwischenfall stellte der Motor seinen Dienst ein.

Mattia Binotto - Ferrari - Formel 1 - GP Österreich - 4. Juli 2020
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Ferrari-Teamchef Binotto schoss ein paar Spitzen Richtung Mercedes.

Binotto attackiert Mercedes

Die Animositäten zwischen Mercedes und Red Bull waren nicht die einzigen Störfeuer beim Saisonauftakt. Red Bull stellte sicher, dass die Motor-Affäre von Ferrari nicht unter den Teppich gekehrt wird. Die schwache Vorstellung der Ferrari auf den Geraden gab den Zweiflern neue Nahrung. Red Bull-Teamchef Christian Horner bohrte in alten Wunden: "Es fühlt sich komisch an, wenn es da einen Vergleich zwischen der FIA und einem Team über die Legalität des Autos gibt. Da fragst du dich unwillkürlich, was in diesem Vergleich steht. Die FIA behauptet, sie hätte nichts dagegen, den Inhalt des Abkommens offenzulegen, aber Ferrari sperrt sich dagegen. Das befeuert unsere Zweifel."

McLaren-Chef Zak Brown hakte sofort nach: "Es wäre gut, wenn wir alle verstünden, was da vorgefallen ist und wie die Lösung dafür aussieht." Auch Mercedes hängte sich wieder an den Zug an. "Es stimmt nicht, dass wir in Melbourne aus der Liga der Zweifler ausgestiegen sind. Wir wollten nur beim Saisonstart mit der kritischen Corona-Situation in Italien nicht eine weitere Kontroverse entfachen. Ich bin mit Christian einer Meinung: In diesen Zeiten sind Transparenz und eine gute Führung wichtig", erklärte Toto Wolff.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto wollte zur Aufklärung nichts beitragen. "Es gab keinen klaren Regelverstoß. Deshalb wurden wir auch nicht disqualifiziert. Der Grund, warum wir nicht wollen, dass die FIA den Inhalt unseres Abkommens offenlegt, ist einfach. Was immer wir zu der Angelegenheit sagen müssten, würde zu viele technische Geheimisse von uns preisgeben. Keiner im Fahrerlager wäre glücklich, wenn technische Details über sein Design und seine Projekte öffentlich gemacht würden."

Eine kleine Giftspritze hatte der Brillenträger am Ende noch für Mercedes parat. Binotto nahm dabei Bezug auf das Veto des Weltmeisters gegen das Experiment, im zweiten Spielberg-Grand Prix die Startaufstellung durch ein Qualifikationsrennen zu ermitteln, bei dem umgekehrt zum WM-Stand gestartet wird. "Ferrari war in den Abrüstungsdiskussionen während der Pause sehr verantwortungsvoll. Wir haben gegen unsere Interessen im Sinne des Sports zugestimmt und den Sparplan auf diesem Wege möglich gemacht. Ich hatte mir eigentlich erhofft, dass nicht nur Ferrari Kompromisse eingehen würde. Deshalb bin ich enttäuscht, dass das Sprintrennen mit dem Einspruch eines einzelnen Teams abgelehnt wurde. Wenn jeder nur nach seinem Vorteil schauen würde, wäre viele Entscheidungen während der Pause nicht getroffen worden."

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