George Russell - Alexander Albon - Lando Norris - GP Abu Dhabi 2019 xpb
Start - GP Abu Dhabi 2019
Lewis Hamilton - GP Abu Dhabi 2019
Max Verstappen - GP Abu Dhabi 2019
Charles Leclerc - GP Abu Dhabi 2019 22 Bilder

Selbstkritische Youngsters

Norris hat an sich selbst gezweifelt

Die neue Fahrergeneration ist nicht nur schnell, sondern auch selbstkritisch. Sie spricht eigene Fehler an und hinterfragt sich ständig. So wie Lando Norris, der zugibt, dass er mit vielen Selbstzweifeln in die Formel 1 gekommen ist.

Das ist eine neue Qualität im Fahrerfeld. Die junge Fahrergeneration gibt Fehler sofort zu. Charles Leclerc schimpfte sich bei seinem Trainingscrash in Baku noch im Cockpit einen Idioten: „Das war einfach nur dumm. Ich bekomme, was ich verdiene.“ Wir konnten alle am Funk mithören. Als ihm in Hockenheim das gleiche noch einmal passierte, trommelte er vor lauter Wut sekundenlang auf das Lenkrad. Dann gab er sich selbst öffentlich die Schuld: „Ich hätte es wissen müssen, weil ich vorher schon zwei Quersteher dort hatte.“

Bei seiner Saisonbilanz räumte Leclerc ein, dass es neben den sieben Pole Positions, den zwei Siegen und den zehn Podiumsplätzen auch dunkle Momente gegeben hat. „Ich habe zu viele Fehler gemacht, zu viele Punkte weggeworfen. Die werde ich jetzt alle analysieren, um sie zu verstehen. Es ist mein Ziel, sie nicht ein zweites Mal zu machen. Das ist mir schon letztes Jahr bei Sauber ganz gut gelungen.“ Dabei muss sich der 22-jährige Monegasse wirklich nicht verstecken. Im Vergleich zu dem vierfachen Weltmeister Sebastian Vettel hat sich Ferraris Neuzugang mehr als achtbar geschlagen. Die Duelle nach Trainingsergebnissen (12:9) und Punkten (264:240) gingen an Leclerc.

Lando Norris - McLaren - GP Abu Dhabi 2019 - Training
xpb
Lando Norris überzeugte in seiner Debütsaison bei McLaren.

Fehler so wichtig wie Sternstunden

Lando Norris war nach dem GP Abu Dhabi trotz einer grandiosen Fahrt auf abgefahrenen Reifen untröstlich. Zwei kleine Patzer hatten für ihn den gleichen Stellenwert wie sein grandioses Reifenmanagement und seine coole Verteidigungsschlacht. Der Verbremser am Anfang, der ihn schon in Runde 8 an die Boxen zwang. Und das verlorene Duell gegen Sergio Perez. „Da habe ich mich nicht gut verteidigt. Ich war nicht aggressiv genug, habe ihm die Aktion nicht aufgezwungen. Deshalb bin ich enttäuscht mit mir.“

Schon im Vorfeld des Saisonfinales gab der McLaren-Rookie Erstaunliches preis. Zum Beispiel, dass er ohne Selbstvertrauen in die Formel 1 gekommen ist. „Ich habe echt an mir gezweifelt. Bin ich schnell, bin ich gut genug? Kann ich gegen einen Teamkollegen bestehen, der schon vier Jahre in der Formel 1 verbracht hat. Nach den ersten beiden Rennen kam dann langsam das Selbstvertrauen. Heute weiß ich, dass ich es kann. Es tut gut, mich in meinen Zweifeln eines Besseren belehrt zu haben.“

Früher hätten sich Rennfahrer lieber die Zunge abgebissen, als irgendeine Schwäche zuzugeben. Weil das ja dem Gegner helfen könnte. Norris räumt ein: „Vielleicht wäre ich nicht so offen, wenn die Saison dann nicht so positiv gelaufen wäre.“ Immerhin gewann er das Trainingsduell gegen Carlos Sainz mit 11:10. Der Spanier sparte nicht mit Lob: „Lando war überall schnell. Er hat in der Qualifikation eine unglaubliche Konstanz über die ganze Saison gezeigt.“

Das Punkteduell ging mit 96:49 relativ deutlich für den Älteren aus. Da spielte Sainz seine ganze Erfahrung aus. Und er war etwas weniger von Defekten und Pannen betroffen als Norris. Der Engländer hat die Ausfälle zunächst als ungeschriebenes Gesetz des Motorsports hingenommen. „Je länger ich dabei war, umso mehr hat es mich aber geärgert. Am meisten natürlich in Spa. Das wäre mein bestes Resultat geworden.“

George Russell - Williams - GP Abu Dhabi 2019
Wilhelm
George Russell hatte Teamkollege Robert Kubica im Griff.

Russell gibt sich eine 7 von 10

George Russell hätte seine Leistungen gut verstecken können. Auf den Kampf am Ende des Feldes schauen nur wenige. Und selbst denen fällt es schwer zu beurteilen, ob das Rennen nun gut war oder nicht. Auf dem Papier könnte Russell zufrieden sein. Er hat Teamkollege Robert Kubica in jedem Trainingsduell geschlagen. Und er kam in 17 Rennen vor dem Polen ins Ziel. Nur einmal drehte Kubica den Spieß um. Ausgerechnet da gab es den einzigen WM-Punkt für einen Williams-Fahrer.

Der GP Deutschland war ein Rennen, bei dem sich Russell selbst um diesen goldenen Punkt gebracht hat. Wie seine Kollegen geht er genauso offen mit Pleiten wie mit Sternstunden um. „Ich gebe mir für meine erste Saison eine 7 von 10. Es gab sicher einige sehr gute Rennen und einige weniger gute. Aber ich würde nicht ein Detail ändern. Aus jeder Begebenheit habe ich etwas gelernt, von den schlechten mehr als von den guten.“

Der Maßstab des Mercedes-Juniors ist das eigene Gefühl: „Als Fahrer weißt du immer, ob du einen guten Job gemacht hast oder nicht. Wenn du eine Qualifikationsrunde gefahren bist, dann spürst du, ob das eine gute Runde war, ob du Fehler gemacht hast oder die Reifen in ihr Fenster gebracht hast. Auf dieser Basis beurteile ich mich. Die Resultate mögen immer die gleichen gewesen sein, aber einige Rennen war ich zufrieden und andere nicht. Weil ich in mir drin weiß, dass ich entweder das Maximum herausgeholt habe oder etwas besser hätte machen können.“

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