Fahrer wird wieder wichtiger

Spektakel statt künstlicher Spannung

Pirelli Showcar - 2017 Foto: Pirelli

Die Formel 1 muss umdenken. Breitere Reifen, schnellere Autos. Ist das der richtige Cocktail? Die Spannung soll daraus entstehen, dass die Piloten wieder mehr Fehler machen.

Zum ersten Mal hat die Formel 1 auf die Fans gehört. Die wollten schnellere und spektakulärere Autos. Und weniger künstlich erzeugte Spannung. Als Pirelli 2011 in die Formel 1 zurückkehrte, galt die Ansage: Baut Reifen, die sich stark abnutzen. Wir brauchen viele Boxenstopps, weil das die Rennen spannend macht. Nach dem Geschmack von Bernie Ecclestone wurde auf der Strecke zu wenig überholt.

Mit der Regelreform der Formel 1 in diesem Jahr spielt Pirelli den Ball zurück. Wir bauen stabile Reifen, weil wir kein Risiko eingehen können. Schaut selbst, wie ihr die Rennen spannend macht. Wenn mehr Aerodynamik und breitere Autos das Überholen schwerer machen, dann soll das nicht mehr Pirellis Problem sein. „Wir können es nicht jedem Recht machen“, sagt Motorsportchef Paul Hembery.

Pirelli-Konstruktion und Mischungen sind neu

Pirellis Mann an der Front glaubt nicht, dass es deshalb zu langweiligeren Rennen kommt. Allein die breiten Autos mit ihren fetten Schlappen werden für genügend Spektakel sorgen. Auf praktisch allen Strecken werden die Rekorde fallen. Auch wenn die Top-Speeds um bis zu 20 km/h fallen. Dafür wird die Querbeschleunigung in den Kurven um 1g steigen, werden die Bremswege drastisch kürzer und die Beschleunigung wegen der um 25 Prozent größeren Auflagefläche der Reifen signifikant besser.

Nach 12.148 Testkilometer in speziell aufgerüsteten Interimsautos von Ferrari, Mercedes und Red Bull und aufwendigen Laborversuchen, weiß Pirelli, was auf die Reifen zukommt. Der Zeitgewinn wird je nach Strecke unterschiedlich sein. In Monza ein bis zwei Sekunden, in Barcelona vier bis fünf, in Silverstone vielleicht sogar sechs. Barcelona, Silverstone, Suzuka, Spa: Da wird die neue Formel 1 ihre Krallen zeigen.

Pirelli Reifen 2017 - Video Screenshot
Neue Pirelli-Slicks im Video 2:15 Min.

Pirelli hat dafür nicht nur die Reifen verbreitert. Die Karkasse ist neu, die Mischungen sind härter. Die zwei Hinterreifen wiegen 3,8 Kilogramm mehr, die beiden Vorderreifen 2,2 Kilogramm. Das zeigt schon, dass Pirelli mehr Masse in den Unterbau seiner Reifen investiert hat.

Bei den Mischungen ist nur der Ultrasoft-Reifen mit dem Vorjahr vergleichbar. Beim Rest wird die Gummi-Mixtur härter. Wie viel, lässt sich schwer quantifizieren. „Wir haben die einzelnen Mischungen näher zusammengerückt“, sagt Hembery.

Fitness und Konzentration spielen wieder eine Rolle

Wegen des breiteren Temperaturbandes, in dem die Reifen funktionieren sollen, werden sich Abnutzung und Verschleiß reduzieren. Die Piloten können demnach länger am Limit fahren. Mit zunehmender Renndauer spielen Fitness und Konzentrationsfähigkeit wieder eine Rolle.

Das soll Fehler provozieren. Und damit Überholmanöver. Dazu kommt ein größerer DRS-Effekt. Red Bull-Berater Helmut Marko kann sich vorstellen, schon 2018 ganz auf DRS zu verzichten. „Vielleicht reicht das aus, damit wir wieder größere Unterschiede in der Qualität der Fahrer sehen.“

Pirelli - Reifen 2017 - Abu Dhabi Foto: Pirelli

Feingefühl ist weiter gefragt. Und natürlich Abtrieb. Hembery erklärt, warum Reifenmanagement auch 2017 eine Rolle spielt. „Die Ingenieure sind an der Vorderachse mit dem Abtrieb eingeschränkt. Hinten wird es einfacher, den Anpressdruck zu erzeugen, der die Reifen schnell aufheizt. Es könnte deshalb schwierig werden, die Reifen vorne und hinten gleichzeitig in das Fenster zu bringen. Wer also zu wenig Abtrieb hat, ist gleich doppelt gestraft. Weil ihm in schnellen Kurven der Speed fehlt und in langsamen wegen kalter Reifen der mechanische Grip.“

Simulationen sind eine Sache. Die Realität eine andere. Wie schnell die Autos wirklich sein werden und wie gering der Reifenabbau, wird man erst in Melbourne sehen. „Ich glaube nicht, dass uns die Teams bei den Testfahrten in Barcelona die ganze Wahrheit zeigen“, befürchtet Hembery.

Angesichts der schnellsten Formel 1-Autos aller Zeiten konnte Pirelli kein Risiko mehr eingehen. Priorität hatten Reifen, die halten. Reifen, die nicht nach einer Runde um zwei Sekunden einbrechen und gleich bei jedem Quersteher überhitzen.

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