Start - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola xpb
Lance Stroll - GP Toskana - Mugello - 2020
Lance Stroll - GP Toskana Mugello - 2020
Lance Stroll - GP Toskana Mugello - 2020
Charles Leclerc - Ferrari - GP Italien 2020 - Monza 18 Bilder

Diskussion über F1-Sprintrennen: Kritik und Lob

Pro und Contra Sprintrennen Vettel-Kritik an Quali-Experiment

Der Plan der Formel 1 in dieser Saison bei drei Grand Prix Spritrennen auszuprobieren, stößt auf ein geteiltes Echo. Die Reaktionen reichen von Freude über die zusätzliche Renn-Action bis zu totaler Ablehnung des künstlichen Spannungsmachers.

Da hat die Formel 1 ein Fass aufgemacht. Die Ankündigung, dass man in diesem Jahr bei drei Grands Prix ein Sprintrennen austragen will, stößt auf ein großes Echo und geteilte Meinungen. Von Ablehnung bis Interesse, von Skepsis bis totale Zustimmung ist alles dabei. Es gibt die Hüter der DNA des Motorsports genauso wie die Vertreter, die jedes Experiment uneingeschränkt begrüßen.

Zunächst einmal muss sich die Formel 1 hinterfragen, warum sie das Qualifikationsformat durch einen Mini-Grand Prix über 100 Kilometer überhaupt erweitern will. Das aktuelle K.O.-System am Samstag funktioniert. Es gibt keinen Grund es zu ändern, zumal die TV-Zuschauerzahlen am Samstag in den letzten Jahren eher gestiegen als gefallen sind. Oft ist die Qualifikation unterhaltsamer als das Rennen.

Die Motivation für ein Sprintrennen beruht eher auf der Hoffnung, dass eine zusätzliche Hürde vor dem Sonntag die Startaufstellung für das Hauptrennen durcheinanderbringen könnte. Das ist ein Urproblem des Motorsports. Die Schnellsten der Qualifikation sind meistens auch die Schnellsten im Rennen. Die Kunst ist es, dieses Schema aufzubrechen. Dafür gibt es mehrere Ansätze. Technisch über ein engeres Feld, über unterschiedliche Motorparameter oder sportlich über andere Formate.

Jedes Rennen extra willkommen

Die Formel 1 stellte dabei unterschiedliche Abläufe vor, die alle ihre Stärken und Schwächen zeigen. Überzeugen konnte keines. Die umgekehrte Startreihenfolge würde mehr Action garantieren, wird aber von den Puristen abgelehnt. Ein Sprintrennen mit extra Punkten wäre sportlich fair, belohnt aber die Erfolgreichen noch mehr. Mit der Gefahr, dass der Weltmeister noch früher im Jahr feststeht.

Sebastian Vettel - Aston Martin - Porträts - 2021
Aston Martin
Sebastian Vettel hat deutliche Kritik am neuen Format geäußert.

Im Formel-1-Zirkus wird die Frage kontrovers diskutiert. Sebastian Vettel outete sich als Hardliner: "Ich verstehe den Sinn hinter Sprintrennen nicht. Warum soll man vor das Finale noch ein kleines Finale schalten? Für mich ist das ein Ablenkungsmanöver. Wenn du so etwas einführst, willst du damit ein anderes Problem verdecken."

Auch Max Verstappen steht der Idee eher ablehnend gegenüber: "Wenn das Feld eng zusammenliegt, brauchen wir keine Sprintrennen." Soll heißen: Die Formel 1 steuert mit neuen Regeln und der Budgetdeckelung gerade ohnehin auf mehr Chancengleichheit hin. Wozu braucht es dann noch ein zusätzliches Element, das den Eindruck erwecken könnte, hier soll künstlich Spannung erzeugt werden?

Formel 1-Neuling Mick Schumacher dagegen würde den Versuch wagen: "Jedes Rennen mehr ist willkommen." Der Formel 2-Meister kennt das Format aus den Nachwuchskategorien. Kleiner Unterschied: Da findet das Hauptrennen vor dem Sprint statt.

Es darf nur einen Sieger geben

Mercedes-Teamchef Toto Wolff sieht ein Glaubwürdigkeitsproblem: "Eine umgekehrte Startaufstellung sollte im Motorsport keinen Platz haben. Auch wenn wir ein Unterhaltungsbetrieb sind, muss der Sport im Vordergrund stehen. Zu viel Hollywood wäre nicht gut für uns."

Andererseits will der Österreicher kein Spielverderber sein: "Wir sollten für Experimente offen sein, uns aber vorher genau überlegen, wie wir die Show verbessern. Sprintrennen müssen per se nicht schlecht sein. Die DTM hat damit ihre Zuschauerzahlen verdoppelt." Sergio Perez zählt ebenfalls zu den Skeptikern: "Wir müssen vorsichtig sein, dass wir unser Produkt damit nicht beschädigen." Daniel Ricciardo unterstützt deshalb den Vorschlag mit den Extra-Punkten: "Das fühlt sich besser und weniger künstlich an als die umgekehrte Startreihenfolge."

Mick Schumacher - Haas - F1 - Formel 1
Haas
Mick Schumacher freut sich über zusätzliche Rennaction. Sein Haas-Teamchef Guenther Steiner befürchtet dagegen, dass der Sprint nicht für mehr Spannung sorgt.

Haas-Teamchef Guenther Steiner dagegen hält gar nichts davon. "Wenn am Samstag der Hamilton vor dem Verstappen gewinnt, wird das am Sonntag nicht anders sein. Es dauert nur drei Mal so lang, das herauszufinden. Welcher Zuschauer soll am Sonntag noch den Fernseher aufdrehen, wenn er am Samstag einen Vorgeschmack bekommt, wie es im Hauptrennen laufen wird?"

Charles Leclerc sieht das gleiche Problem: "Das Hauptrennen muss das Highlight des Wochenendes bleiben." Diese Sorge teilt auch Aston Martin-Teamchef Otmar Szafnauer: "Wir dürfen das Hauptrennen nicht opfern. Deshalb brauchen wir ein schlüssiges Konzept."

Nach Meinung seines Technikchefs Andy Green liegt der Teufel im Detail. "Da sind noch viele Fragen zu klären. Dürfen wir das Auto zwischen den Rennen anfassen und Teile wie die Bremsen austauschen. Und brauchen wir bei mehr Rennen auch mehr Motoren?"

Der neue Ferrari-Pilot Carlos Sainz bringt es auf den Punkt. Der Spanier fürchtet, dass zwei Rennen nur Konfusion stiften: "Es sollte bei einem Grand Prix nur einen Sieger und nicht zwei geben."