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Die erschwerten Starts in der Formel 1 2017

Piloten erwarten mehr Startprobleme

Sebastian Vettel - Ferrari - Kevin Magnussen - HaasF1 - Testfahrten - Barcelona Foto: Wilhelm 12 Bilder

Die Formel 1 startet 2017 in eine neue Ära. Nicht nur Reifen und Aerodynamik haben sich verändert, sondern auch die Startprozedur. Die Fahrer sind wieder voll auf sich allein gestellt, was für Chaos sorgen könnte.

18.03.2017 Andreas Haupt 1 Kommentar

Alle sprechen über die zwei Meter breiten Autos. Alle sprechen über die breiteren Pirelli-Reifen. Alle sprechen über die schnellste Formel 1 der bisherigen Geschichte. So war es in der ersten Testwoche von Barcelona. In der zweiten poppte ein weiteres großes Thema auf: die neuen Regeln für den Rennstart. Die Fahrer sind sich einig: Die Starts werden schwerer und unberechenbarer als 2016. „Wir werden einige Wahnsinnsstarts sehen. Und andere, bei denen es komplett in die verkehrte Richtung läuft“, prophezeit HaasF1-Pilot Kevin Magnussen.

Nur eine Lenkradwippe

Ein Formel-1-Rennen begann schon immer wie ein James-Bond-Streifen mit einer Action-Szene gleich zu Beginn. Seit 1974 versammeln sich die Autos in Zweierreihen versetzt und gestaffelt hintereinander. Mit den Jahrzehnten perfektionierten die Teams die Starts, sodass mehr die Ingenieure, denn die Fahrer selbst über ein gutes Wegkommen auf den ersten Metern bestimmten. Die FIA steuert inzwischen gegen. Schon im letzten Jahr verschärfte man die Regeln.

2017 treiben es die Regelhüter auf die Spitze, entmachten die Ingenieure und übergeben die Verantwortung wieder komplett den Piloten. Es hat sich aus technischer Sicht Grundlegendes geändert. 2016 waren zwei Hebel für die Kupplung am Lenkrad erlaubt. 2017 ist nur noch eine Kupplungswippe gestattet. Was noch bedeutender ist: Vorher war es so, dass die Wippen am Lenkrad die Position der Kupplung selbst bestimmten. Wenn der Fahrer sie anzog, war die Kupplung offen. Je mehr er sie löste, desto mehr näherte sie sich ihrem Einrastpunkt.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - Test - Barcelona - 10. März 2017 Foto: Stefan Baldauf
Startübung in Barcelona von Max Verstappen im Red Bull RB13.

Nun ist die eigentliche Stellung der Lenkradwippe losgelöst von der Stellung der Kupplung. Die Fahrer fordern jetzt über die Kupplungswippe an, wie viel Drehmoment sie für den Start haben möchten. Die Software im Hintergrund schreibt der Kupplung in Abhängigkeit des Drehmoments dann eine Position zu. Die Freigabe des Drehmoments über die Lenkradwippe muss linear erfolgen, das Pedal am Lenkrad darf keine fühlbaren Rastpunkte haben. Die FIA vermaß in Barcelona deshalb bereits die Federkennwerte.

Anfahren wie im Auto oder auf Motorrad

Das klingt alles unheimlich kompliziert. Einfach ausgedrückt: Das Losfahren in einem Formel-1-Auto ist in diesem Jahr wie das Anfahren in einem Straßenauto oder wie auf einem Motorrad. „Es gibt keinen Druckpunkt mehr, in den wir die Kupplung nur reinfallen lassen müssen. Man spürt einen Widerstand im Kupplungshebel, aber der ist von voll angezogen bis voll losgelassen immer gleich“, erläutert Pascal Wehrlein.

Mit den zwei Wippen war vieles einfacher. Die mit dem geringeren Ausschlag bestimmte die Kupplungsstellung. Am Start zog der Fahrer beide an. Als die erste Ampel auf Rot schaltete, brachte der Pilot eine der Wippen nahe an den Druckpunkt. Referenzpunkte am Lenkrad verrieten dem Fahrer, wo je nach Temperatur der Kupplung der optimale Einrastpunkt lag. 2017 sind solche Hilfsmittel verboten. Das Auto blieb stehen, weil der angezogene Hebel ohne Ausschlag für die Kupplungsposition relevant war. Sobald die roten Lichter erloschen waren, ließ der Lenkradakteur die andere Wippe los und steuerte mit der zweiten den Kraftschluss in einem Zentimeterbereich, der sehr feinfühlig abgestimmt war. So gelangen acht von zehn Starts.

Viele Startübungen bei Testfahrten in Barcelona

In dieser Saison wird die Quote nach unten gehen. „Ich glaube, die Starts werden so unberechenbar wie bei den ersten Rennen 2016. Mit dem Unterschied, dass es über die ganze Saison so laufen wird“, orakelt ein Mercedes-Ingenieur. Der Start entscheidet 2017 noch stärker über den Ausgang eines Rennens. Weil die neuen Autos mit ihrer komplizierten Aerodynamik das Überholen erschweren. Außerdem kommen mehr Starts auf die Fahrer zu. Nach einem Safety-Car-Start im Regen nehmen sie die Grand Prix nicht mehr fliegend auf, sondern von der Startaufstellung aus.

Deshalb trainierten die Piloten bei den Testfahrten in Barcelona wie wild, um die neue Startprozedur zu verinnerlichen. Valtteri Bottas berichtete, dass er schon seit Januar im Simulator an seinen Starts feile. In Spanien durfte er es endlich in der Wirklichkeit ausprobieren. „Ich habe noch nie so viele Probestarts wie diesmal bei den Testfahrten gemacht.“

Fahrer trägt die Verantwortung

Die Streuung ist groß, egal bei welchem der 20 Piloten man nachfragt. „Manche sind gut, andere wirklich schlecht“, sagt Romain Grosjean. „Da kann man mal Glück haben und einen sehr guten Start erwischen, aber genauso Pech haben und ihn wirklich komplett versemmeln“, ergänzt Wehrlein.

„Es ist unglaublich schwer, Konstanz reinzubringen“, sagt dessen Teamkollege Marcus Ericsson. „Die Chance, Fehler zu machen, ist viel höher. Vor allem mit dem Druck, der am Rennstart herrscht. Es gibt kein System mehr, auf das man sich verlassen kann. Jetzt kommt es auf die Kupplungshand und den Gasfuß an.“

Millimeter entscheiden: Wer zu viel Drehmoment über die Lenkradwippe freigibt, bezahlt mit durchdrehenden Rädern. Wer zu zaghaft agiert, bezahlt mit abfallender Drehzahl. Die Teams können in die Standardelektronik ihre eigenen Startprogramme einarbeiten. „Wir überprüfen, welches Drehmoment dann am Getriebe ankommt“, heißt es von der FIA.

Die Ingenieure dürfen die Kupplung nur noch am Freitag kalibrieren. Dabei müssen sie abschätzen und einrechnen, wie sich Griplevel und Temperatur verändern werden. Ab Samstag sind Eingriffe tabu. Kevin Magnussen bringt es auf eine einfache Formel: „Vorher lag ein guter Start zu 100 Prozent bei den Ingenieuren. Jetzt voll bei uns.“

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Super Artikel, tolles Schlusszitat! Danke

Lob 20. März 2017, 13:10 Uhr
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