Rennstrecke - Montjuich Park - Barcelona Daniel Reinhard
Rennstrecke - Montjuich Park - Barcelona
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Rennstrecke - Montjuich Park - Barcelona 11 Bilder

Legendäre Rennstrecken - Montjuich Park: Infos und Bilder

Legendäre Rennstrecken - Montjuich Park Ein bisschen Spa in der Stadt

Ein Formel-1-Kurs mitten in Barcelona. Montjuich war eine der schwierigsten Rennstrecken ihrer Zeit. Doch nach nur vier Grand Prix nahm die Geschichte einer der spektakulärsten Stadtstrecken ein tragisches Ende. Wir blicken noch einmal zurück.

Die Formel 1 gastierte 48 Mal in Spanien. Das erste Mal bereits 1951, im zweiten Jahr ihres Bestehens. Damals noch auf der Rennstrecke von Pedralbes, einem Straßenkurs, der in den 50er Jahren noch am Stadtrand von Barcelona lag. Als der GP-Zirkus 1968 nach Spanien zurückkehrte, wechselten sich Jarama und der Montjuich Park im Jahresrhythmus ab.

Jarama war ein langweiliger Retortenkurs. Der Montjuich Park auf dem Aussichtsberg von Barcelona zählte dagegen zu den spektakulärsten Strecken, die es je im GP-Sport gab. Ein Stadtkurs mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 160 km/h.

Die gute Nachricht: Man kann die Strecke heute noch komplett abfahren. Wenn man weiß, wo genau sie langführt. Das einzige, was an die Motorsport-Vergangenheit erinnert, ist allerdings eine Steinplatte im Bereich der damaligen Boxen. Auf ihr ist die Streckenskizze mit den Kurvennamen hervorgehoben.

Ausgangspunkt für eine Runde auf dem Circuit de Montjuic, wie der Kurs auf Katalanisch heißt, beginnt beim Olympiastadion, das auf dem Gipfel des Hausbergs von Barcelona thront. Als die Formel 1 noch in Montjuich fuhr, stand da ein anderes Stadion. Es diente als Fahrerlager und wurde 1975 zur Falle, als man sich überlegte das Rennen zu wegen Sicherheitsbedenken zu boykottieren.

Graham Hill - Lotus 49B - Montjuich - GP Spanien 1969
Motorsport Images
Bei der F1-Premiere im Montjuich Park knickten den Lotus 1969 die Heckflügel ab.

F1-Achterbahn in der Stadt

Die Strecke war eine Mischung aus Monte Carlo und Spa. Geht das überhaupt in der Stadt? Es ging! Schon die Zielgerade war der pure Wahnsinn. Sie bog sich nach links und führte über eine Kuppe, auf der die Autos genauso sprangen wie im Pflanzgarten am Nürburgring. Bei Tempo 270.

Gleich dahinter begann die Bremszone für die Haarnadel, die maximal 60 km/h vertrug. Es war der beste Überholpunkt. Im Anschluss schlängelt sich die Straße in Serpentinen steil den Berg hinunter. Vorbei an Palästen, Steinbalustraden, Theatern, botanischen Gärten.

Beim Anbremsen der Curva Rosaleda hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt. Die Fahrer werden die Aussicht damals kaum genossen haben. Die Streckenführung verlangte volle Konzentration. Kaum wurde es etwas flacher, wurden die Kurven auch wieder schneller.

Auf der Gegengerade war der tiefste Punkt der Strecke erreicht. Die Strecke ist dort bis zu 15 Meter breit. Die Placa Espanha ist nur noch 500 Meter entfernt. Hinter der Gegengeraden beginnt der Anstieg mit fünf schnellen Kurven. Auslauf Fehlanzeige. Die Leitplanken standen direkt an der Strecke. Ohne Reifenstapel oder Tecpro. Wer hier voll stehen ließ, braucht viel Mut und Selbstvertrauen. Es gab damals weder Crashtests noch Kohlefaser als Ritterrüstung.

Hinter einer Links-Rechtskombination folgt eine kurze Gerade, die heute von einem Kreisverkehr unterbrochen wird. Den gab es vor 43 Jahren beim letzten Auftritt der Formel 1 noch nicht. Leider existieren von dem schnellen Teil der Strecke kaum Fotos. Das Bergabstück bot den Fotografen zu viele gute Perspektiven. Sie standen lieber dort.

Rolf Stommelen - Brabham-Ford BT44B - GP Spanien 1975 - Montjuich Park
Wilhelm
Der letzte Montjuich-Grand-Prix wurde 1975 nach einem Crash von Rolf Stommelen abgebrochen.

Dramen am Hausberg von Barcelona

Die größte Herausforderung war die vorletzte Kurve. Ein nicht enden wollender Linksbogen, der zuerst bergauf führt und dann kurz vor der nach links gerichteten Zielkurve in ein Loch fällt. An dieser Stelle wurden für die Live-Übertragungen der vier Grands Prix in Montjuich nicht einmal TV-Kameras aufgestellt. Man sah die Autos erst wieder, als sie durch die Rechtskurve auf die Zielgerade schossen.

Dort fanden die beiden großen Dramen des Rennens statt. 1969 knickte Graham Hill auf der Kuppe der Heckflügel ein. Der Lotus donnerte in die Leitplanken. Auf dem Weg zurück an die Boxen entdeckte Hill, dass sich am anderen Lotus von Rindt das gleiche Problem anbahnte. Er konnte ihn nicht mehr warnen.

Rindt wäre um ein Haar über die Leitplanke gesprungen, prallte aber zurück und voll auf das dort stehende Wrack seines Teamkollegen. Dass der Österreicher mit einem Nasenbeinbruch davonkam, grenzte an ein Wunder. Im Krankenstand schrieb Rindt dann seinen berühmten Brief an Colin Chapman, in dem er seinem Chef mitteilte, dass er das Vertrauen in seine Konstruktionen verloren hatte.

1975 kam es zum Eklat. Die Fahrer bemängelten die archaischen Sicherheitsvorkehrungen, insbesondere die lose montierten Leitplanken. Weltmeister Emerson Fittipaldi trat aus Protest nicht zum Rennen an.

Der Grand Prix wurde nach einem schweren Unfall von Rolf Stommelen nach nur 29 Runden abgebrochen. Auch an seinem Hill GH1 hatte sich der Heckflügel am schnellsten Punkt der Strecke selbständig gemacht. Das Auto flog über die Absperrungen.

Ein Streckenposten, ein Fotograf und drei Besucher starben in dem Trümmerhagel. Stommelen wurde mit schweren Beinfrakturen und einem Beckenbruch aus dem Wrack geborgen. Jochen Mass feierte einen freudlosen Sieg. Es war das erste Rennen der Geschichte, bei dem es nur halbe Punkte gab. Und Montjuich war Geschichte.

Rennstrecke - Montjuich Park - Barcelona
ams
Die Strecke war deutlich schneller als andere Stadtkurse zur damaligen Zeit.

Streckendaten

  • Lage: In Barcelona
  • Länge: 3,791 km (1933-1986)
  • Breite: 9,0 m
  • Rechtskurven: 5
  • Linkskurven: 8
  • Schnellster Teil: Estadio
  • Langsamster Teil: Curva Rosaleda
  • Rundenrekord: 1.23,8 min = 162,844 km/h (Ronnie Peterson, Lotus-Cosworth, 1973)

F1-Siegerliste Montjuich Park

Jahr Fahrer Auto Durchschnitt
1969 Jackie Stewart Matra-Cosworth 149,535 km/h
1971 Jackie Stewart Tyrrell-Cosworth 156,428 km/h 
1973 Emerson Fittipaldi Lotus-Cosworth 157,504 km/h
1975 Jochen Mass McLaren-Cosworth 153,779 km/h
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