F1-Tagebuch - GP Abu Dhabi 2018 Pirelli
F1-Tagebuch - GP Abu Dhabi 2018
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F1-Tagebuch - GP Abu Dhabi 2018 33 Bilder

F1-Tagebuch GP Abu Dhabi 2018

Schon wieder Hamilton

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel-1-Wochenende. In Folge 21 berichtet Tobias Grüner darüber, was hinter den Kulissen beim GP Abu Dhabi so los war.

So langsam habe keine Lust mehr auf Abu Dhabi. Seit 2014 standen hier immer zwei Mercedes-Piloten am Start vorne, und am Ende immer auch einer ganz oben auf dem Treppchen. Das wird langsam langweilig. Ich habe jedes Jahr wieder ein Déjà-vu, wenn Toto Wolff zur Presserunde kommt und erklärt, wie knapp und spannend es doch war und mit welchen Schwierigkeiten das Team zu kämpfen hatte. Und dann muss er auch schon weg, um das nächste Siegerfoto mit der ganzen Mannschaft in der Boxengasse zu schießen.

Von den Ferrari-Anhängern wird uns immer wieder mal vorgeworfen, dass wir als deutsche Journalisten ja automatisch auch Mercedes-Fans sein müssten. Die Hamilton-Unterstützer attackieren uns dagegen regelmäßig, weil wir nach Rosberg mittlerweile auf der Seite von Vettel stehen. Und liest man die Reaktionen der Verstappen-Fangemeinde in den sozialen Medien, dann haben wir als Deutsche ja grundlegend ein Problem mit den Holländern.

An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen und ein für alle Mal klarstellen, dass wir auf keiner Seite stehen. Großes Indianer-Ehrenwort. auto motor und sport hat sich in den letzten Jahrzehnten einen guten Ruf im Fahrerlager erworben, weil wir jeden in die Pfanne hauen, der es verdient. Aber wir feiern natürlich auch gerne gute Leistungen ab. Egal, von wem sie kommen. Unser einziges Interesse liegt darin, dass es in der Formel 1 abwechselnd und spannend bleibt.

Mehr Abwechslung bitte!

Als Vettel 2010 und 2011 die ersten Titel mit Red Bull gewann, hätte ich mir genauso einen neuen Champion gewünscht wie es jetzt mit der aktuellen Hamilton-Meisterserie der Fall ist. Und dabei ist es mir ganz ehrlich egal, ob der neue Klassenbeste Verstappen, Vettel oder Leclerc heißt.

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Mehr Mercedes-Siege sind nur noch mit mehr Alkohol zu ertragen.

Und nur, weil ich langsam keine langweiligen Hamilton-Siege mehr sehen kann, heißt das auch nicht, dass wir seine Leistungen nicht zu schätzen wissen. Was er dieses Jahr für eine Show abgezogen hat, ist einfach nur unglaublich. Bei Ferrari und bei Vettel gab es dagegen genug zu kritisieren.

Und auch den immer mal wieder vorgebrachten Vorwurf, dass wir sensible Technik-Fotos nur von Ferrari und Red Bull machen, möchte ich an dieser Stelle entkräften. Bei der technischen Abnahme rücken wir dem Meisterauto regelmäßig ganz dicht auf die Pelle. Da zeigt sich Mercedes übrigens deutlich entspannter als die Konkurrenz aus Milton Keynes und Maranello.

Der Hauptgrund für die wenigen Paparazzi-Fotos liegt aber vor allem in der geringen Ausfallquote der Silberpfeile. Doch in Abu Dhabi mussten die Techniker in der Startaufstellung am Auto von Hamilton noch kurzfristig ein Datenaufzeichnungsgerät lahmlegen. Dazu wurde die Verkleidung des Seitenkastens entfernt.

Natürlich habe ich mich nicht zweimal bitten lassen und dem Silberpeil so gut es ging unters Carbon-Kleid geknipst. Genauso, wie ich es vor gut einem Jahr auch mit dem Ferrari gemacht habe, als bei Vettel der Turbo in Malaysia leckte und eine Notoperation vor dem Start nötig wurde.

Ansonsten bleibt vom Abu Dhabi-Wochenende vor allem der Hülkenberg-Crash in Erinnerung. Kollege Schmidt versuchte aus dem Rheinländer eine Kritik zur Rolle des Halos bei der verzögerten Rettung heraus zu kitzeln, doch Hülk tat ihm den Gefallen nicht. „Tut mir leid Schmiddi, das kann ich nicht beurteilen. Ich weiß, dass Du den Halo nicht magst, aber ich glaube wir müssen uns langsam damit abfinden“, scherzte der Renault-Pilot nach seiner unfreiwilligen Stunt-Einlage in Runde 1.

Marko-Zitat wieder streichen

Wie alle Nachtrennen ist auch Abu Dhabi für uns schreibende Journalisten besonders anstrengend. Als wir um 2 Uhr morgens den Pressesaal verließen, saß nur noch ein einsamer Japaner vor seinem Laptop. Im Hotel ging die Arbeit bis 5 Uhr weiter. Weil der Rückflug aus Abu Dhabi erst für Montagnacht um 2 Uhr angesetzt war, wurde die Arbeit auch noch im Hotelzimmer fortgesetzt.

Dabei tippte ich auch noch schnell ein Interview mit Helmut Marko ab, das ich nach dem Rennen geführt hatte. Auf die Frage, wann denn der zweite Toro Rosso-Fahrer bekanntgegeben werde, antwortete mir der Red Bull-Berater ohne eine Miene zu verziehen: „Wir müssen die Situation erst einmal evaluieren. Wir haben es ja nicht eilig.“

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Abschied von Abu Dhabi - natürlich unter Flutlicht.

Doch noch während ich am Montagabend in der Check-In-Schlange am Flughafen stand, kam die offizielle Bestätigung von Toro Rosso per E-Mail, dass Alexander Albon der neue Teamkollege von Daniil Kvyat wird. Vielen Dank dafür. Die Frage konnte ich also direkt wieder aus dem Interview streichen. Die auto motor und sport Leser wussten ja schon seit dem Rennwochenende in Mexiko, dass Albon dank Unterstützung aus Thailand auf der Pole Position saß, was die Vergabe des Toro Rosso-Cockpits betraf.

Auf dem Rückflug habe ich entschieden, nächstes Jahr mal nicht nach Abu Dhabi zu fliegen sondern dem Kollegen Andreas Haupt die Wüstentour zu überlassen. Vielleicht kann er irgendwie etwas dazu beitragen, dass die unheimliche Mercedes-Serie durchbrochen wird.

Mit der Landung in Frankfurt war auch der letzte von insgesamt 92.120 Reise-Kilometern in diesem Jahr abgeschlossen. Wir waren damit auch 2018 wieder die einzige deutschsprachige Publikation, die bei allen Grand Prix mit zwei Reportern vor Ort vertreten war. An dieser Stelle möchte ich mich auch im Namen der Kollegen bei allen Lesern für das Interesse und die Treue bedanken und eine besinnliche Weihnachtszeit wünschen. Und für nächstes Jahr wünschen wir uns schon mal einen neuen Weltmeister…

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