F1-Tagebuch - GP Belgien 2018 Wilhelm
F1-Tagebuch - GP Belgien 2018
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F1-Tagebuch GP Belgien 2018

Racing Point fährt ohne Points

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel-1-Wochenende. In Folge 13 berichtet Tobias Grüner darüber, was hinter den Kulissen beim GP Belgien so los war.

Es gibt Rennwochenenden, auf die freut man sich ganz besonders. Der Grand Prix von Belgien gehört definitiv dazu. Es ist das einzige Rennen, das ich seit meiner ersten kompletten Saison 2009 in jedem Jahr absolviert habe. Diese Saison stand somit mein Jubiläumsbesuch an. Und nach der zehnten Reise in die Ardennen muss ich sagen: Spa-Francorchamps wird jedes Jahr besser!

Die Schlagzeilen bestimmte dieses Mal am kompletten Wochenende der Tod und die Neugeburt von Force India. Als wir am Mittwoch erstmals ins Fahrerlager kamen, waren die Mechaniker gerade dabei die alten Logos von den Race-Trucks zu kratzen. Zu diesem Zeitpunkt wusste noch niemand genau, wie es weitergehen würde.

Kollege Schmidt war dank seiner guten Kontakte zum Team der erste, der den Plan zum Überleben des Rennstalls öffentlich vermeldete. Als er mir erklärte, dass Force India alle gesammelten Punkte in der Teamwertung verlieren würde, konnte ich es aber ehrlich gesagt kaum glauben. Der Verkauf war ja zu Beginn der Sommerpause schon praktisch als komplett vermeldet worden. Und nun stand plötzlich wieder alles auf der Kippe?

Force India am Rande des Abgrunds

Im Fahrerlager herrschte den ganzen Donnerstag über eine Anspannung, wie ich sie lange nicht erlebt hatte. Es gab immer wieder Meetings der Teamchefs. F1-Boss Chase Carey wandelte von Motorhome zu Motorhome, um alle Parteien auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Teamchef Otmar Szafnauer hatte durchgängig das Telefon am Ohr. Schließlich wurden irgendwann die nötigen Dokumente unterschrieben, in denen die Modalitäten des neuen Rennstalls festgelegt waren.

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Das Force-India-Motorhome wurde von Journalisten belagert.

Und am Abend um Punkt 19.07 Uhr verkündete die FIA dann auch den neuen Namen des alten Teams: Racing Point Force India sollte die Stoßgeburt heißen. Der Weltverband hatte ebenfalls mitgeholfen, dass der Formel 1 nicht plötzlich ein Team abhanden kommt. Racing Point durfte racen, hatte aber wie erwähnt keine Points mehr auf dem Teamkonto. Trotzdem waren alle irgendwie erleichtert.

Normalerweise sind in Belgien immer die großen Upgrade-Pakete das Gesprächsthema, die traditionell nach der Sommerpause an die Autos geschraubt werden. Doch dieses Mal gab es nur das Thema Force India. Kaum war die Zukunft gesichert, wurde wild über das Fahrerpersonal spekuliert. Klar war, dass Lance Stroll zum neuformierten Team seines milliardenschweren Vaters wechseln würde. Nur wann, lautete die Frage?

Esteban Ocon sollte plötzlich zu McLaren wechseln und dort Stoffel Vandoorne ersetzen. Doch das konnte man natürlich nicht bei dessen Heimspiel verkünden. Und außerdem besaß der Belgier einen laufenden Vertrag. Die Konventionalstrafe wollte niemand übernehmen. Die Kubica-Fans waren ebenfalls in Aufregung. Wäre bei Williams ein Platz freigeworden, hätte der Pole sein Grand-Prix-Comeback gefeiert.

Wieder wurde hinter den Kulissen viel diskutiert und verhandelt. Doch am Ende änderte sich nichts. Bei Force India waren die Verantwortlichen aber nicht besonders enttäuscht darüber, dass sich der Stroll-Wechsel verzögerte. Mit Ocon und Perez rechnete man sich deutlich bessere Chancen aus, möglichst viele Plätze in der Teamwertung nach oben zu klettern. Das musste man nur Neubesitzer Lawrence Stroll in netten Worten verkaufen.

Force India-Wunder im Qualifying

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Plötzlich stand Ocon auf Startplatz 3. Force India war wieder da!

Die Aufholjagd des umformierten Teams wurde bereits mit einem guten Qualifying eingeleitet. Auf halbfeuchter Strecke katapultierten sich die beiden rosa Autos in die zweiten Startreihe. Die Stimmung im Force India mit „euphorisch“ zu beschreiben, wäre noch untertrieben. Als ich Technikchef Andy Green treffe und ihm sage, dass das neue Force India-Team viel besser sei als das alte, hat er sich vor Lachen komplett weggeschmissen. So kannte ich den sonst so unterkühlten Ingenieur bisher gar nicht.

Am Sonntag stand dann zum ersten Mal wieder das Titel-Duell zwischen Mercedes und Ferrari im Fokus. Hamilton hatte auch dank der feuchten Bedingungen die Nase im Qualifying vorne. Doch im Rennen machte Vettel kurzen Prozess. Mit einem unglaublichen Power- und Speed-Überschuss rauschte der Ferrari auf der langen Geraden den Berg hinauf vorbei am Silberpfeil und schließlich auch zum Sieg.

Ich kann mich noch erinnern, wie die Kollegen von der Bild-Zeitung nach dem Rennen über eine geplante Geschichte diskutierten. Sie fragten mich nach meiner Meinung, auf welchen der restlichen Strecken Hamilton der Favorit sei, und auf welchen Vettel. Ich konnte damals nur antworten, dass Vettel mit diesem überlegenen Ferrari eigentlich alles gewinnen müsste. Doch dann kam es leider alles etwas anders.

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