F1-Tagebuch - GP Brasilien 2018 - Sao Paulo ams
F1-Tagebuch - GP Brasilien 2018 - Sao Paulo
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F1-Tagebuch GP Brasilien 2018

Keine Chance für Banditen

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel-1-Wochenende. In Folge 20 berichtet Andreas Haupt darüber, was hinter den Kulissen beim GP Brasilien so los war.

Es ist meine letzte Reise des Jahres. Zum zweiten Mal in meiner Laufbahn wartet die Hölle von Sao Paulo auf mich. So nennt Kollege Michael Schmidt Brasiliens Millionenstadt. Er bezieht sich dabei vor allem auf den Verkehr. Es dauert zwischen 45 Minuten und eineinhalb Stunden, bis wir uns vom Hotel zur Rennstrecke kämpfen. Für eine Wegstrecke von rund 20 Kilometer.

Polizisten alle 200 Meter

Die Hupe ist so wichtig wie ein unscheinbares Auto. Wir bekommen von der Mietwagenfirma einen Peugeot 2008. Der ist unauffällig, und kein Ziel für die Banditen. Wir sitzen zu viert im Auto. Schmidt steuert, Roger Benoit vom Schweizer Blick qualmt Zigarre auf dem Beifahrersitz, Lennart Wermke von Bild und ich teilen uns die Rückbank. Nach den Überfällen von 2017 sorgt Sao Paulo vor. Der Bürgermeister verspricht nach Verhandlungen mit der FIA ein großes Polizeiaufgebot. Und er hält Wort.

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Die gute Crema di Papaya. Ich vermisse sie jetzt schon.

Ab Donnerstag postieren sich die Polizisten an allen Zugängen aus den Favelas hin zur Hauptstraße und sichern die Formel 1 ab. Sie stehen alle 200 Meter. Die Teams fahren im Konvoi zur Rennstrecke Die Hölle ist dieses Mal sicher. Wir müssen uns nur ein bisschen umstellen. Das Pressezentrum schließt früher als sonst. Am Rennsonntag zum Beispiel um 23 Uhr. Danach kann die Polizei nicht mehr für unsere Sicherheit garantieren.

Unser Viertel gehört zu den besseren der Stadt. Trotzdem sind die Hochhäuser mit Wachpersonal, Kameras und meterhohen Zäunen gesichert. Wir können uns auf den Straßen bewegen, ohne Angst haben zu müssen. Drei Mal zieht es uns in die Churrascaria. Zartes Fleisch, Caipirinha, Crema di Papaya: Sao Paulo hat auch seine guten Seiten. Um es mal auf den Punkt zu bringen. Der Verkehr ist ätzend, irgendwie ist jede Fahrt aber trotzdem lustig. Ansonsten ist der GP Brasilien ein wunderbarer Grand Prix.

Mit Blick aufs Senna-S

Das Pressezentrum gehört zu den besten des Jahres. Mit Blick auf das Senna-S, Kurve drei und einem Teil der Gegengerade. Das Wifi ist kostenlos. Wer eine bessere Leitung wünscht, muss 300 Euro bezahlen. Ist aber nicht nötig. Die Standard-Bandbreite reicht völlig aus, um Fotoshows ins Netz zu klopfen und Artikel in unser Redaktionssystem zu bauen.

Die Saison schleppt sich dem Ende entgegen. Die Journalisten wissen nicht mehr so recht, was sie fragen sollen. Die Fahrer nicht mehr so recht, was sie antworten sollen. „Die Saison fühlt sich so an, als ob wir 25 Rennen fahren“, stöhnt Weltmeister Lewis Hamilton. Die Geschichten sind größtenteils erzählt. Trotzdem gibt es noch ein paar. Zum Beispiel, dass Robert Kubica kurz vor einem Deal mit Williams stehen soll.

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Pressebalkon mit Blick auf das Senna-S.

Am Trainingsfreitag zerlegt Nico Hülkenberg seinen Renault. Es ist ein Einschlag mit 32g, der die Aufhängungen und Karosserieteile zerstört. Dem Piloten fehlt nichts. Die Longruns deuten auf ein enges Rennen hin. Am Samstag passiert das übliche. Kaum drehen Mercedes und Ferrari auf, fällt Red Bull ab. Doch am Rennsonntag dreht sich das Kräfteverhältnis. Plötzlich ist der RB14 das schnellste Auto. Max Verstappen spielt mit Kimi Räikkönen, Sebastian Vettel, Valtteri Bottas und Lewis Hamilton. Daniel Ricciardo pflügt vom elften Platz nach einer Motorenstrafe fast noch auf das Podest.

Ocon kegelt Verstappen raus

Nach 43 Runden sieht Verstappen wie der sichere Sieger aus. Dann pirscht sich Esteban Ocon von hinten heran und setzt sich im Senna-S rechts neben Verstappen. Im zweiten Teil der Kurve sind sich die beiden nicht über die Vorfahrtsregel einig. Ocon rempelt Verstappen von der Piste. Ein Überrundeter kostet dem Spitzenreiter den Sieg. Hamilton staubt ab, Mercedes ist Konstrukteurs-Weltmeister.

Verstappen rastet nach dem Rennen aus und attackiert Ocon auf der FIA-Waage. Die Red Bull-Bosse schäumen vor Wut. Bei Force India begreift man nicht, warum Verstappen Ocon nicht einfach hat ziehen lassen. Schließlich war der Franzose mit frischen Reifen schneller. „Verstappen musste das Rennen nur noch nach Hause bringen“, sagt Force India-Teamchef Otmar Szafnauer. Verstappens Rempler bestraft die FIA mit Sozialstunden.

Verstappen - Ocon - GP Brasilien 2018 - Rennen
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Die Szene des Rennens: Ocon kegelt Verstappen raus.

Ferrari steht weiter neben sich. In der Qualifikation verpasst Vettel die Pole nur um 93 Tausendstel. Doch einen Tag später ist sein Auto wie verwandelt. Sensor- und Balance-Probleme sorgen für eine Rolle rückwärts. Statt des erhofften Sieges springt nur ein sechster Platz raus. Zwischendurch muss Vettel sogar für den Teamkollegen zur Seite fahren.

Ferrari und die Presserunden

Die genauen Gründe für die maue Performance verschweigt Ferrari. Was für Sensor-Probleme? „Können wir nicht näher sagen.“ Es ist schade, dass der erfolgreichste Rennstall der Formel 1-Geschichte sich so einmauert. Man muss ja nicht alles erzählen. Das machen die anderen auch nicht. Aber als einziges Team schafft es Ferrari nicht einmal, einen Aushang mit den Medien-Terminen der Fahrer ins Pressezentrum zu hängen. Und als einziges Team trennt Ferrari nicht zwischen TV- und Printmedien. Die Piloten sprechen dann für fünf bis zehn Minuten hinter der Garage. Die TV-Teams prügeln sich um die besten Plätze und dazwischen quetscht sich die schreibende Zunft mit einem Aufnahmegerät. So, dass einem fast der Arm abfällt. Ich finde: Da schadet sich Ferrari selbst.

Die historische Leistung von Mercedes geht fast ein bisschen unter. Auf den fünften Fahrertitel in Serie folgt der fünfte Konstrukteurs-Titel in Serie. Der beste Fahrer im besten Team: Die WM-Titel 2019 werden wieder nur über Mercedes gehen.

In unserer Fotoshow schauen wir zurück auf unsere Rennwoche in Sao Paulo.

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