F1-Tagebuch - GP Japan 2018 - Suzuka ams
F1-Tagebuch - GP Japan 2018 - Suzuka
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F1-Tagebuch - GP Japan 2018 - Suzuka 26 Bilder

F1-Tagebuch GP Japan 2018

Saisonhighlight mit Ferrari-Pannen

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel-1-Wochenende. In Folge 17 berichtet Andreas Haupt darüber, was hinter den Kulissen beim GP Japan so los war.

Michael Schmidt und ich verbringen den Montag nach dem GP Russland in der Redaktion. Unser Flieger verließ Sotschi in der Nacht von Sonntag auf Montag. Ich schreibe zwei Nachberichte zum Rennen und verpasse meinen Geschichten in unserer Zeitschrift „Motorsport aktuell“ den letzten Schliff. Zusammen drehen wir eine neue Folge „Formel Schmidt“. Wir sind müde, kämpfen uns aber durch den Tag. Am Dienstag sind wir wieder auf Achse. Um 13:45 Uhr heben wir in Frankfurt ab und landen einen Tag später gegen 7:30 Uhr in Osaka.

Wie üblich fliege ich in der Economy-Klasse. Am Schalter wollte ich mich mit Meilen auf Premium Eco oder Business upgraden, was aber leider nicht möglich war. Meine Buchungsklasse erlaubte kein Upgrade. Mein Ticket war zu billig. Von Osaka nehmen wir zwei Züge nach Shiroko, wo sich unser Hotel befindet – etwa 15 Minuten mit dem Bus zur Rennstrecke. Die Zugfahrt kostet 4.340 Yen. Das sind umgerechnet etwa 34 Euro.

Alte Rennwagen-Ausstellung

Ich muss mich zusammen reißen. Die Müdigkeit kriecht mir durch die Glieder. Ein paar Mal fallen mir die Augen zu. Aber wenn ich jetzt im Zug schlafe, bezahle ich dafür mit einer schlaflosen Nacht. Wenn ich durchhalte, ist der Jetlag besiegt. Im Flieger konnte ich kaum schlafen, obwohl der Platz neben mir frei blieb und ich mich wenigstens ein bisschen ausbreiten konnte. Immerhin wurde es nicht langweilig. Live-Fußball versüßte mir den Flug von über 11 Stunden.

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Suzuka feiert seinen 30. Grand Prix, ich ebenfalls.

Spätestens mit der Ankunft an der Rennstrecke ist die Müdigkeit verflogen. Der GP Japan ist mein Highlight der Saison. Das Land, die Kultur, die bescheidenen Menschen, die enthusiastischen Fans, die Rennstrecke – und nicht zu vergessen das Essen: Es ist das komplette Paket. Ich reise zum zweiten Mal 2018 ins Land der aufgehenden Sonne. Im Mai besuchte ich ein Rennen der Super GT in Fuji. Fünf Monate später bin ich in Suzuka. Es ist mein 30. Karriere-Rennen und zugleich das 30. Rennen der Geschichte in Suzuka.

Wir sind die ersten an der Rennstrecke, reservieren unsere Plätze mit Blick auf die Zielgerade, schießen Fotos. Suzuka lässt sich nicht lumpen. Im Freizeitpark stellt der Veranstalter alte Rennmodelle und den 2018er Honda-Motor aus. Die Rennwagen: der Lotus 99T von 1987, der McLaren MP4/6 von 1991 und der Honda PA 106 von 2006. Als die Sonne untergeht, während wir die alten Rennautos bewundern, kommen Glücksgefühle in mir hoch. Manchmal muss man sich schon kneifen, um zu realisieren, dass man nicht träumt, sondern tatsächlich mit dem Formel 1-Tross um die Welt reist.

Vettel zu stürmisch

Nach dem Abendessen verständigen wir uns darauf, am nächsten Morgen das Shuttle um 8:25 Uhr von Shiroko nach Suzuka zu nehmen. Treffpunkt in der Lobby: 8:10 Uhr. Ich stehe um 8:07 Uhr unten. Nichts zu sehen von Kollege Schmidt. Ich warte, warte und warte. Um 8:15 Uhr ziehe ich die Reißleine. Womöglich hat er ja verschlafen. Sein Wecker ist nicht gerade der zuverlässigste. Und ein Handy besitzt Michael ja nicht. An der Rezeption erklärt man mir in brüchigem Englisch, der Kollege habe seinen Schlüssel bereits hinterlegt. Er ist ohne mich gegangen. Als ich an der Busstation eintreffe, fährt mir der Bus gerade vor der Nase weg. Ich spurte hinterher. Ich habe Glück: An der zweiten roten Ampel fange ich den Bus ab. Kollege Schmidt fragt: „Wo warst du? Treffpunkt 8:00 Uhr.“ Ich sage ihm, wir hätten uns auf 8:10 Uhr verständigt. Wie dem auch sei …

Es ist ein ruhiger Pressetag ohne große Geschichten. Ich bin auf den Medienrunden der beiden Red Bull-Piloten, von Lewis Hamilton, Sergio Perez, Nico Hülkenberg, Charles Leclerc, Guenther Steiner und verfolge die Pressekonferenz. Zudem treffe ich im Fahrerlager auf Ingenieure verschiedener Teams.

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Tatsächlich: Auch ein japanischer Zug verspätet sich mal.

Auf einen für Suzuka-Verhältnisse langweiligen Trainingsfreitag folgt ein aufregender Qualifying-Samstag. Es geht es so weiter wie in Monza und Singapur. Mercedes und Lewis Hamilton gelingt praktisch alles. Ferrari und Sebastian Vettel praktisch nichts. Im dritten Qualifikationsteil fahren Vettel und Kimi Räikkönen als einzige Fahrer zunächst mit dem Intermediate-Reifen raus. Dumm nur, dass es nicht regnet. Also zurück an die Box, Slicks abholen. Räikkönen bringt seinen einzigen Schuss auf den Supersofts immerhin ohne groben Fehler durch. Vettel dagegen rutscht in der Löffelkurve zu weit raus. Startplatz neun, ein Desaster.

Am Rennsonntag erwischt es den WM-Zweiten in derselben Kurve. Vettel legt beherzt los, legt sich dann aber mit Verstappen an und dreht sich von der Strecke. Der 21-Jährige hat ihn auflaufen lassen und ihn im letzten Moment in der Spoon-Kurve die Tür zu geworfen. Vettel fällt ganz nach hinten. Seine zweite Aufholjagd endet auf dem sechsten Rang. Hamilton vergrößert mit einem weiteren Sieg den WM-Vorsprung. Er ist nicht mehr aufzuhalten.

Tatsächlich: verspätete Züge

Von unserer Sushi-Kneipe haben wir Ihnen wahrscheinlich jedes Jahr berichtet. Deshalb fasse ich mich in diesem Tagebuch kurz. Gaumenschmaus wäre eine Untertreibung. Dass die japanischen Züge im Gegensatz zu den unseren zuverlässig sind, haben wir auch schon oft geschrieben. Dieses Mal gibt es Abzüge in der B-Note. Einmal kommt unser Zug, der uns von Shiroko nach Yokaichi ins Sushi-Restaurant bringen soll, fünf Minuten zu spät. Einen Kollegen erwischt es am Rennsonntag schlimmer. Sein Zug hat über eine Stunde Verspätung. Ja, auch Japan ist fehlbar. Aber diesem sympathischen Land sei es verziehen.

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