F1 Tagebuch - GP Mexiko 2018 Red Bull
F1 Tagebuch - GP Mexiko 2018
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F1-Tagebuch GP Mexiko 2018

Vettel zeigt Stärke in der Niederlage

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 19 berichtet Michael Schmidt, was hinter den Kulissen beim Mexiko-Grand-Prix los war.

Die Mexiko-Reise beginnt für Tobias Grüner und mich in Houston. Diesmal erst am Mittwoch. Wir wollen den ersten Flieger nach Mexico-City um 9 Uhr nehmen, erfahren aber von unserem Reisebüro drei Wochen zuvor, dass der Flug gestrichen ist. Der nächste geht um 10.30 Uhr. Weil wir uns durch den Berufsverkehr von Houston kämpfen müssen und der George W. Bush Airport weit draußen liegt, geht es trotzdem schon um 7.30 Uhr los.

Der Flugausfall zwingt uns ein strammes Programm am ersten Tag auf. Wir wollen ja noch an die Strecke, um Fotos zu schießen und wenn möglich ein paar aktuelle Geschichten ins Netz zu stellen. Das heißt bei Ankunft um 12.30 Uhr: Einreise, Taxi ins Hotel, Einchecken, U-Bahn zur Strecke, Arbeit. Schaffen wir das bis 16 Uhr?

Automaten-Stress beim Check-In

Mein Tag beginnt mit dem üblichen Stress mit dem United-Personal. Beim Einchecken gibt es kaum noch Menschen, dafür jede Menge Computer. Tobias Grüner liebt ja Automaten. Ich hasse sie. Und die Automaten wissen das. Sie zahlen es mir regelmäßig zurück. Natürlich findet die dumme Maschine meinen Namen und den dazugehörigen Flug nicht. Jetzt muss zur Strafe der United-Hilfsdienst ran.

Da ist mehr Zeit verschwendet, als wenn wir gleich auf die konventionelle Art eingecheckt hätten. Dass die Fluggesellschaften das nicht kapieren. Das sind Dienstleistungsgesellschaften. Im Wort Dienstleistung steckt, dass ich bedient werde. Die Airlines wollen dieses Prinzip umkehren und uns dazu zwingen, die Dienstleistung an uns selbst auszuüben.

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Beim Anflug auf Mexiko-City ist der ganze Reise-Stress vergessen.

Wir sollen Arbeit verrichten, die eigentlich die ihre ist, und dafür auch noch bezahlen. Nicht mit mir. Am Automaten muss ich dann auch noch den Gepäckzettel ausdrucken. Irgendwann kommen die Fluggesellschaften auf die glorreiche Idee, dass der Gast schuld daran ist, wenn das Gepäck nicht ankommt. Mit einigen Flüchen, die das United-Personal etwas verschrecken, komme ich dann doch an meine Bordkarte. Und das Gepäck wird tatsächlich auch in Mexico-City ankommen.

Der Anflug auf die 20 Millionen-Metropole ist jedes Mal ein Erlebnis. Er führt quer über die ganze Stadt. Häuser, bis an den Horizont. Kurz vor dem Landen taucht rechts vom Flughafen die Rennstrecke auf. Die Einreise geht überraschend schnell. Nur auf das Taxi müssen wir etwas warten. Der Mexikaner will, dass die Gringos mit einem standesgemäßen SUV in die Stadt gefahren werden. Und das für schlappe 15 Euro.

Wer zum ersten Mal nach Mexiko kommt, würde sich vermutlich erschrecken. Gleich hinter dem Terminal biegt der Fahrer in ein Armenviertel ab. Es ist der kürzeste Weg auf die Ringstraße. Wir sind wider Erwarten schon um 14 Uhr im Hotel und eine halbe Stunde später in der U-Bahn. Eine Fahrt zur Strecke dauert mit zwei Mal Umsteigen über Stock und Stein 40 Minuten. Wir nehmen gleich unsere ganzen Wertsachen mit an die Strecke. Im abschließbaren Staufach sind sie sicher.

Red Bull kopiert Ferrari

Während Tobi in der Boxengasse die letzten Technik-News ablichtet und entdeckt, dass Red Bull den Unterboden von Ferrari mit den Zacken kopiert hat, gehe ich im Fahrerlager auf die Jagd nach Geschichten. Die Mercedes-Ingenieure erzählen mir, warum die Silberpfeile in Austin die Hinterreifen überhitzt haben. Wegen dem hektischen Austausch der Wasserpumpen am Sonntagmorgen, passierte ein Fehler im Zusammenbau der Autos. Die rechte Seite war bis zu 50 Kilogramm schwerer als die linke. Das erklärt alles.

Sauber-Teammanager Beat Zehnder ärgert sich über die HaasF1-Piloten. In den letzten beiden Rennen nahmen sie jeweils Charles Leclerc aufs Korn. Jedes Mal gingen Punkte verloren. „Müssen wir halt unsere Punkte wie jedes Jahr in Sao Paulo auf Toro Rosso gutmachen“, sagt Zehnder. Er ahnt noch nicht, dass es schon am Rennsonntag in Mexiko so weit sein soll.

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Steaks sind in Mexiko etwas größer als in anderen Ländern.

Die ersten beiden Geschichten sind im Kasten. Wir gondeln zurück in die Stadt und sehen wie in den Zügen aus der Stadt raus die Leute wie die Sardinen in den Waggons eingequetscht sind. Zum Glück fahren wir antizyklisch. Abends treffen wir uns wie üblich mit den Kollegen der Bild-Zeitung beim Argentinier. Es gibt Rindfleisch. Die kleinste Größe für ein Steak liegt bei 600 Gramm.

An den nächsten Tagen erleben wir ein ähnliches Bild wie in Austin. Mercedes hat wieder Gegner. Diesmal gleich zwei. Ferrari fährt wieder mit seiner Juli-Spezifikation, ist auf den Geraden unglaublich schnell, in den Kurven aber zu langsam. „Uns fehlt Abtrieb“, erklärt Vettel. „Wir fahren mit einer alten Aerodynamik-Version. Die anderen haben seitdem Abtrieb dazugewonnen.“ Viel wichtiger aber ist, dass die Fahrzeugbalance stimmt. Das schont die Reifen.

Erst Verstappen-Frust, dann Sieg

Vettel verfehlt die Pole Position nur um zwei Zehntel. Auf dem besten Startplatz steht ein Red Bull. Nein, nicht Max Verstappen, sondern Daniel Ricciardo. Verstappen ist angepisst und zeigt das auch. Bei der Pressekonferenz starrt er in die andere Richtung, wenn Ricciardo spricht.

Ein bisschen lockerer bitte Max! Auch wenn er den Rekord des jüngsten Pole-Mannes aller Zeiten damit abschreiben musste. Er ärgerte sich ja nur, weil er den besten Startplatz durch zwei Fehler selbst versemmelt hatte. Die Nummer mit den Motoraussetzern, die Mad Max in jedem zweiten Satz hervorbringt, ist eine schlechte Ausrede. Ricciardo hat sie auch, kommt aber besser damit zurecht.

Das Abendprogramm wird in diesem Jahr dadurch bereichert, dass Bild-Kollege Helmut Uhl ein neues Restaurant findet. Es ist ein Tipp einer Bekannten, die in Mexico-City lebt. Das Lokal heißt „Capital“ und ist in jeder Beziehung ein Volltreffer. Wir gehen gleich zwei Mal hin. So sind wir gut gestärkt, als am Sonntag Verstappen den Grand Prix gewinnt und Hamilton zum fünften Mal Weltmeister wird.

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Vettel kann seine Enttäuschung nach dem Rennen nicht verbergen.

Wir hätten zwar lieber eine Entscheidung beim Finale gehabt, doch die Szenen nach dem Rennen versöhnen für vieles. Die Mexikaner machen aus ihrem Grand Prix eine echte Fiesta. Der Ausfall von Sergio Perez ist längst verschmerzt, als die Sieger in der Arena eintreffen. Das F1-Management ist diesmal besser organisiert und hat für den Fall vorgesorgt, dass Hamilton Weltmeister wird und nicht auf das Podium fährt. Die Feier findet diesmal im Baseball-Stadion statt.

Vettel ist der erste Gratulant. Später stürmt er noch in den Mercedes-Pavillon. Dabei kommt er mir entgegen und ich frage mich noch, was er hier im Lager des Feindes will. Einen Tag später weiß ich es. Mercedes hat den Moment gefilmt und ins Netz gestellt, als er allen Ingenieuren und Teamchef Wolff per Handschlag zum Titel gratuliert. Eine starke Szene.

Für uns geht der Grand Prix-Abend abrupt um 22.30 Uhr zu Ende. Diesmal fährt uns der letzte Shuttle nicht ins Hotel. Wir brauchen also ein Taxi, und weil das in der Gegend nicht so leicht zu kriegen ist, brechen wir lieber unsere Zelte etwas früher ab und arbeiten später im Hotel weiter. Dazwischen gibt es noch ein paar Tacos und ein Bier um die Ecke. Mexico-City ist am Sonntagabend ziemlich tot.

Am nächsten Tag fahren wir schon früh zum Flughafen. Der Himmel zeigt so viele blaue Flecken, wie das ganze Wochenende nicht, aber am Horizont bauen sich große Gewitterwolken auf. Im Flughafengebäude kriegen wir gar nicht mit, dass bei Einbruch der Dunkelheit draußen die Hölle losbricht. Die Straßen sind geflutet, wie uns Handy-Videos von Kollegen zeigen.

Leider betrifft das auch unsere Lufthansa-Crew. Der Jumbo steht am Gate, aber die Mannschaft ist nicht da. Sie steckt im Stau und im Chaos nach dem Wolkenbruch fest. So beginnt das Boarding erst mit einer Stunde Verspätung. Wir hätten den ersten Anschlusszug nach Stuttgart aber trotzdem noch geschafft, hätte der Frankfurter Flughafen nicht wieder ewig mit dem Gepäckausgabe gebraucht. Ich bleibe dabei: Frankfurt ist der schlechteste Flughafen der Welt.

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