F1 Tagebuch - GP Singapur 2018 ams
F1 Tagebuch - GP Singapur 2018
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F1-Tagebuch GP Singapur 2018

Burger-Party mit Force India

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel-1-Wochenende. In Folge 15 berichtet Tobias Grüner, was hinter den Kulissen beim GP Singapur los war.

Aus Sicht eines Formel-1-Journalisten ist Singapur das verrückteste Wochenende des Jahres. Die späten Startzeiten der einzelnen Sessions verlagern der Feierabend jeden Tag in die späten Nachtstunden. Um nicht kurz nach dem Einschlafen am Vormittag vom Putzdienst geweckt zu werden, hänge ich jedes Jahr einen Zettel an die Tür, dass sich vor 14 Uhr niemand trauen sollte bei mir anzuklopfen.

Verpassen kann man als Langschläfer nichts. Vor dem Ende der Sperrstunde um 15 Uhr ist bis auf den Sicherheitsdienst kaum jemand im Fahrerlager unterwegs. Die einzige Ausnahme ist Michael Schmidt, der jeden Tag schon zur Mittagszeit an der Strecke herumlungert – bevor das Pressezentrum überhaupt öffnet. Ich habe keine Ahnung, ob es das fortgeschrittene Alter oder das Tageslicht hinter dem Zimmervorhang ist, das den Kollegen immer so frühzeitig aus dem Bett treibt.

In den vergangenen Jahren traf er mit Bernie Ecclestone und Niki Lauda immerhin noch zwei Gleichgesinnte, mit denen er im Fahrerlager die Zeit totschlagen konnte. Doch Ecclestone lässt sich nach seiner Absetzung kaum noch im F1-Zirkus blicken und Lauda war nach seiner erfolgreichen Lungentransplantation dieses Jahr noch nicht wieder einsatzbereit.

Später Arbeitsbeginn

So musste sich Schmiddi irgendwie mit sich selbst beschäftigen. Das führte am Ende dazu, dass er in der Früh aus Langweile einfach ein paar Geschichten schrieb, die ich dann nach meiner Ankunft auf die Webseite stellen durfte. Obwohl ich um kurz vor 15 Uhr immer noch einer der ersten Journalisten im Pressesaal war, bekam ich stets ein freundliches „Tobi, wo bleibst Du denn so lange?“ zur Begrüßung an den Kopf geworfen.

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In Singapur beginnt der Tag etwas später. Dafür endet er auch später.

Neben dem Arbeitsbeginn ist auch der Dienstschluss ein tägliches Diskussionsthema. Am Donnerstag hofften wir, die Strecke wenigstens einmal zu einigermaßen normalen Zeiten verlassen zu können. Dabei half, dass die FIA Lewis Hamilton freundlicherweise in die offizielle Pressekonferenz gesteckt hatte, die bereits um 18 Uhr stattfand. Normalerweise lässt Mercedes uns am Donnerstag immer ewig warten. Während alle anderen Fahrer um 19 Uhr mit ihrem Programm durch sind, geht es mit der Pressearbeit im Pavillon der Weltmeister nicht vor 21.30 Uhr los.

Dieses Mal war also nicht Mercedes schuld daran, dass es nichts mit dem geregelten Abendessen wurde, sondern die Technik. Unsere IT hatte wenige Wochen zuvor ein neues VPN-Programm installiert, das schädliche Eingriffe in das Redaktionssystem von außen verhindern sollte. Doch leider hatte die Software ihre Tücken. Sie verlangsamte den Datenstrom so sehr, dass es unmöglich war, die Fotos unserer täglichen Bildergalerie in einem Schwung hochzuladen.

Zuerst hatte ich keine Ahnung, warum die Leitung plötzlich so langsam war. Mir blieb nichts anderes übrig als jedes Bild einzeln ins System zu stellen, die letzten davon in der U-Bahn mit dem Laptop auf dem Schoß. Erst am nächsten Tag kam ich dem Problem auf die Spur und konnte das VPN-Ärgernis nach einem kurzen Gespräch mit der Basis in Stuttgart beseitigen.

Burger statt Asia-Nudeln

Ab Freitag ist es in Singapur eigentlich egal, ob die Technik mitspielt. Das Programm auf der Strecke ragt so spät in die Nacht hinein, dass als Option für das Abendessen nur noch die Outdoor-Garküchen im „Newton Food Court“ bleibt. Hier versammelt sich jeden Abend das halbe Fahrerlager zu Reis, Fisch, Saté-Spießen und einem kühlen Tiger-Feierabend-Bierchen.

Doch für Samstag hatte Force-India-Teamchef Otmar Szafnauer eine besondere Überraschung parat. Sein alter Kumpel Nic, ein ehemaliger Hedgefonds-Manager aus Amerika, hatte schon vor einigen Jahren einen Hamburger-Laden in Singapur eröffnet. Es handelte sich um eine Ableger des berühmten New Yorker „Burger Joints“.

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Ein Burger-Laden nur für die Formel 1-Nachtschwärmer.

Als Bedingung dafür, dass Nic seinem Restaurant den bekannten Namen geben durfte, verlangten die Unternehmensgründer, dass er die gleiche Qualität wie in New York anbieten müsse. Das heißt, dass er alle Zutaten aus den USA importieren muss – vom Fleisch über die Saucen bis hin zum Käse aus Wisconsin. Und dank der guten Beziehungen von Szafnauer, öffnete Nic seinen Laden um 1 Uhr nachts für eine kleine geschlossene Gesellschaft von Fahrerlager-Flüchtlingen.

Otmar wusste, dass ich für einen guten Burger fast alles stehen und liegen lasse. Deshalb durften wir ebenfalls bei der kleinen Privat-Party nach Mitternacht mitmischen, die wohl keiner der Anwesenden so schnell vergessen wird. Und weil ich mit Otmar wie jedes Jahr eine Abnehm-Wette laufen hatte, die er natürlich wie jedes Jahr verlor, gingen die Burger auch noch auf seine Rechnung.

Leider kamen wir mit etwas Verspätung zu unserem Late-Night-Dinner. Das Qualifying produzierte mehr gute Geschichten als erwartet. Lewis Hamilton hatte im entscheidenden Abschnitt eine wahre Wunder-Runde aus dem Hut gezaubert, mit der kaum ein Experte gerechnet hatte. In den Freien Trainings hatten sich zuvor Ferrari und Red Bull die Bestzeiten geteilt. Und plötzlich stand Hamilton auf Pole Position.

Hamilton-Sieg auf Ferrari-Strecke

Die Ferrari-Taktiker hatten ihren Piloten mal wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen. Vettel und Räikkönen konnten ihre Reifen für die schnellen Runden nicht wie gewünscht auf Temperatur bringen, weil sie ständig im Verkehr steckten. Und auch am Sonntag waren die Strategen aus Maranello nicht gut drauf. Vettel hatte sich den auf Rang 2 gestarteten Verstappen schon geschnappt. Doch mit der besseren Strategie drehte Red Bull den Spieß wieder um.

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Vettel bekam schlechte Kritiken in den lokalen Zeitungen.

Den Hamilton-Sieg konnte niemand gefährden. Mit dem Erfolg auf der Ferrari-Strecke in Singapur und dem Ausbau seines Vorsprungs auf 40 Punkte machte der Weltmeister einen großen Schritt in Richtung Titelverteidigung. Der zweite Fahrer, der Schlagzeilen schrieb, hieß Sergio Perez. Der Mexikaner krachte zunächst in seinen Teamkollegen Esteban Ocon und später auch noch in den Williams von Sergey Sirotkin. Ich erinnere mich noch gut, dass die Stimmung von Otmar Szafnauer nach dem Rennen nicht mehr ganz so gut war wie in der Nacht zuvor.

Bei mir war die Stimmung dagegen prächtig. Als am Montagabend auch die letzte Analyse ihren Weg ins Internet gefunden hatte, seilte ich mich von Singapur nach Malaysia ab. Auf einer kleinen Insel legte ich noch eine Woche Strand-Urlaub ein – weit weg von Technik-Problemen und früh aufstehenden Kollegen.

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