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F1-Tagebuch - GP USA 2018
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F1-Tagebuch GP USA 2018

Hamilton bringt Plan durcheinander

In ihren Grand Prix-Tagebüchern liefern die auto motor und sport-Reporter persönliche Eindrücke vom Arbeitsalltag an einem Formel 1-Wochenende. In Folge 18 berichtet Tobias Grüner, was hinter den Kulissen beim USA-Grand-Prix los war.

Wenn ein Fahrer den WM-Titel gewinnen kann, dann ist das nicht nur für den Fahrer ein besonderes Rennwochenende, sondern auch für uns Reporter. Wir erachten es als unsere Pflicht, den neuen Weltmeister würdig abzufeiern. Zum Standard-Programm gehört ein aktuelles Porträt und in eine große Galerie mit den wichtigsten Stationen der Saison auf dem Weg zum Titel

Wenn es sich wie im Falle von Hamilton frühzeitig abzeichnet, wer am Ende Platz eins in der Fahrerwertung erringt, dann hält sich der Stressfaktor bei uns in Grenzen. Das Abfeier-Programm lässt sich entsprechend vorbereiten und muss, wenn es dann soweit ist, nur noch leicht angepasst werden. Doch das ist leider nicht immer der Fall.

Ich erinnere mich noch gut an die Situation vor zwei Jahren, als wir uns in Abu Dhabi auf zwei Alternativen einstellen mussten – Rosberg oder Hamilton als Weltmeister. Und besonders fest hat sich mir das Finale 2010 in Abu Dhabi ins Bewusstsein gebrannt. Weil im letzten Rennen der Saison noch vier Piloten Chancen auf den Titel hatten, befanden wir uns in der Zwickmühle. Aus Zeitgründen konnten wir uns leider nicht für alle Eventualitäten absichern.

So bereitete ich am Ende nur Geschichten für Fernando Alonso oder Mark Webber als Weltmeister vor – die beiden Fahrer mit den meisten Punkten vor dem letzten Rennen. Doch kaum war Alonso nach seinem Boxenstopp hinter Vitaly Petrov auf die Strecke zurückgekehrt, murmelte Kollege Schmidt neben mir: „Ich glaube, der Vettel macht das heute.“ Und dann begann es richtig hektisch zu werden.

Hamilton sorgt für Ruhe im WM-Kampf

In Austin war die Auslage zum Glück etwas entspannter. Die Zeitverschiebung erleichtert uns die Arbeit zusätzlich. Alle Geschichten, die wir so im Laufe des Tages im Fahrerlager recherchieren, werden von der großen Mehrheit unserer User ja erst am nächsten Morgen gelesen. Ob eine brandheiße News oder neue Bilder nun ein paar Minuten früher oder später auf der Seite erscheinen, spielt keine Rolle, wenn halb Deutschland noch schläft.

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Wilhelm
Grid Girls gibt es keine mehr. Cheerleader sind aber okay.

Trotzdem war die Aufregung am Donnerstag kurzzeitig groß. Ferrari hatte einen neuen Unterboden dabei. Die Idee mit den auffälligen vertikalen Finnen vor den Hinterrädern hatte man in dieser Form noch nicht gesehen. Schon beim Zusammenbau des Autos in der Garage hatte unser Fotograf das Upgrade erspäht. Nun durfte ich nur nicht den Moment verpassen, wenn der rote Renner raus zur FIA-Abnahme geschoben wird.

Dummerweise wollte das Wetter in Texas dieses Jahr nicht so recht mitspielen. Schon am Donnerstag tröpfelte es zwischendurch immer wieder mal. Dazu wehte ein eiskalter Wind über die Prärie. Das übliche Texas-Feeling wollte irgendwie nicht aufkommen. Stattdessen verkroch ich mich zwischendurch immer wieder im Pressesaal und den Team-Pavillons, um etwas Wärme zu tanken.

Stress mit dem Boxengassen-Türsteher

Einen peinlichen Moment erlebte ich am Freitag. Beim morgendlichen Spaziergang zur Boxengasse wurde mir plötzlich der Weg von einem Security-Aufpasser versperrt. Ich verstand erst gar nicht, warum mir der Zugang verwehrt wird und versuchte genervt auf den Türsteher einzureden. Erst bei der Rückkehr ins Media-Center sah ich auf den Bildschirmen, dass gerade ein Rahmenrennen gestartet wurde.

Weil in der F3 Americas Championship aber nur sechs Autos teilnahmen, hatte ich schlicht überhört, dass gerade Betrieb auf der Piste herrschte und der Zugang zur Boxengasse deshalb untersagt war. Ich entschuldigte mich natürlich sofort bei dem Sicherheitsmann und er öffnete mir anschließend das Tor immer mit einem besonders breiten Grinsen.

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ams
Burger können die Amis einfach besser als wir.

Etwas nervig ist in Austin immer die Anstoßzeit des Qualifyings. Um die Besucher des abendlichen Konzerts von Bruno Mars etwas früher an die Strecke zu locken, verlegten die Organisatoren den Start des Abschlusstrainings um zwei Stunden nach hinten auf 16 Uhr. Bei einem normalen Beginn um 14 Uhr kam es in den ersten Jahren des Texas-Rennen immer zum Chaos auf den Parkplätzen. Viele Zuschauer machten sich nur für das Konzert auf den Weg und kamen sich mit F1-Fans ins Gehege, die nach dem Qualifying schnell nach Hause wollten.

Für uns bedeutet der verspätete Beginn vor allem Stress mit dem Abendessen. Dieses Mal schafften wir es um kurz vor Mitternacht gerade noch rechtzeitig in unsere Stamm-Pizzeria, bevor die Küche schloss. Generell gehört der US-Grand-Prix für mich kulinarisch zu den Highlights im Kalender. Rauchiges Brisket aus dem Smoker, vom Knochen fallende Barbecue-Ribs, saftig gegrillte Burger oder Tex-Mex-Spezialitäten bekommt man nirgends so lecker wie in Austin.

Räikkönen verschiebt WM-Party

Am Sonntag stand dann eigentlich die Krönung des neuen Weltmeisters auf dem Programm. Vettel ging nach einem dummen Fehler unter roten Flaggen im ersten Training nur von Rang 5 ins Rennen. Und als sich der Ferrari in der Startrunde drehte und ans Ende des Feldes fiel, war ich schon kurz davor, aufs Knöpfchen zu drücken, um die vorbereiteten Hamilton-Meister-Geschichten ins Netz zu jagen.

Der Mercedes-Pilot musste das Ding von der Pole Position eigentlich nur noch nach Hause schaukeln. Doch schon auf den ersten Metern verlor der amtierende Titelträger eine Position an Räikkönen. Die Strategie und ein erhöhter Reifenverschleiß kosteten eine weitere Position gegen Verstappen. Und mit dem Ausfall von Ricciardo kam Hamilton am Ende nur einen Platz vor Vettel ins Ziel. Das reichte nicht, um die Feierlichkeiten zu starten. Die Party musste um eine Woche auf Mexiko verschoben werden.

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sutton-images.com
Räikkönen und Verstappen schoben Hamilton auf Platz 3.

Für uns wurde es dennoch stressig. Die Benzin-Disqualifikationen für Magnussen und Ocon verzögerten das Programm. Und wegen der Zeitverschiebung mussten für die gedruckte auto motor und sport-Ausgabe am Sonntagabend um 23 Uhr alle Texte und Tabellen fertig sein. Unsere wöchentliche Zeitung Motorsport Aktuell brauchte das komplette Material Montagmittag deutscher Zeit. Und das Internet verlangte für Montagfrüh natürlich auch nach frischen Geschichten.

Alles musste noch vor dem Einschlafen fertig werden. Nach einem kurzen Zwischenstopp in einem Applebees-Restaurant ging die Arbeit im Hotelzimmer bis halb vier Uhr morgens weiter. Erst am Montag blieb etwas Zeit für Entspannung. Bild-Kollege Helmut Uhl hatte uns Tickets für das Basketball-Spiel in Dallas besorgt. Als großer Nowitzki-Fan hätte ich den Würzburger kurz vor seiner Rente gerne noch einmal spielen sehen. Doch leider laborierte er an einer Achillessehnen-Verletzung herum und fiel aus. Das NBA-Spiel war dennoch ein tolles Erlebnis.

Kollege Schmidt kam übrigens nicht mit uns in die Arena. Er hält Basketball für einen „dummen“ Sport. „Wer schaut sich denn ein Spiel an, bei dem jede Mannschaft 100 Punkte macht?“, fragt er mich immer wieder, wenn es um das Thema Basketball geht. Das könne man doch gar nicht nachvollziehen. Ich entgegne ihm dann stets, dass sich die Leute ja auch 200 Oval-Runden beim Indy500-Rennen anschauen, von dem er bekanntlich ein großer Fan ist.

Der Weiterflug nach Mexiko ging erst Mittwochfrüh von Houston. Auf der Fahrt wieder in den Süden von Texas hatten wir genügend Zeit, das Thema auszudiskutieren. Und natürlich mussten die Texte für die Hamilton-Feier noch einmal angepasst werden. Immerhin zeigte sich zum Abschied endlich auch mal die Sonne über Texas.

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