Sebastian Vettel - GP Frankreich 2018 sutton-images.com
Esteban Ocon - GP Frankreich 2018
Ocon, Grosjean & Gasly - GP Frankreich 2018
Renault - GP Frankreich 2018
Renault - GP Frankreich 2018
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Taktik-Check GP Frankreich 2018

Wo wäre Vettel ohne Crash gelandet?

Es gibt keine Zweistopp-Rennen mehr. Wer Plätze gewinnen will, muss überholen. Die Formel 1 hatte Glück in Paul Ricard. Dank Gegenwind auf der Mistral-Gerade gab es 57 Überholmanöver.

Der erste GP Frankreich seit 2008 hätte eine monotone Prozession werden können. Alles dazu war angerichtet. Eine Startaufstellung mit den Favoriten an der Spitze, ein Streckenlayout, das kaum Chancen zum Überholen bot, und Reifen, die lang genug hielten, um mit einem Stopp über die Distanz zu kommen.

Kimi Räikkönen fuhr auf seinem Satz Ultrasoft vom Start weg bis Runde 34. Das einzige, was die Lebensdauer der Reifen einschränkte, war der Verschleiß. Bei einigen Fahrern war die Lauffläche des linken Vorderreifens am Ende gefährlich dünn. Lance Stroll übertrieb das Spiel. Vier Runden vor Schluss platzte ihm ausgerechnet in der Signes-Kurve der linke Vorderreifen. 50 Meter Asphalt fingen ihn auf. Die Garnitur Soft hatte 47 Runden auf der Lauffläche.

Gegenwind half beim Überholen

Valtteri Bottas - GP Frankreich 2018
Aktuell

Zwei Umstände machten aus dem GP Frankreich dann trotz aller Unkenrufe ein unterhaltsames Rennen. Sebastian Vettel riss beim Start sich selbst und Valtteri Bottas aus dem Rennen. Als das Safety-Car in Runde 5 in die Boxengasse abbog, lagen die beiden Mitfavoriten auf den Plätzen 17 und 18.

Ihre Aufholjagd wertete den Grand Prix auf. Innerhalb der nächsten 15 Runden schnupfte Vettel 11 Konkurrenten auf und war wieder Fünfter. Bottas brauchte länger. Sein Unterboden war rund um das linke Hinterrad schwer beschädigt. Das kostete Abdichtung und damit Abtrieb. Der Mercedes-Pilot musste seine Überholmanöver in die kurvenreichen Passagen verlegen. Weil die Traktion gelitten hatte, konnte er zu Beginn der Geraden nicht richtig aufschließen. In Runde 20 lag Bottas erst auf Platz 10.

Es war erschreckend wie scheinbar mühelos Vettel und Bottas durch das Feld pflügten. Nichts zeigt die Zweiklassengesellschaft besser als ihre Aufholjagd. Es gab aber noch einen zweiten Grund, warum deutlich mehr überholt wurde, als von den Piloten vorausgesagt: Auf der Mistral-Gerade blies ein strammer Gegenwind. Das benachteiligte den Vordermann gleich doppelt. Er bekam den ganzen Wind ab, und der Verfolger hatte auch noch DRS. Der Angreifer fuhr auf dem zweiten Teil der Gerade vorbei, als würde der Vordermann parken.

Wie entscheidend der Faktor Wind war, zeigten die Rahmenrennen. Am Samstag überholte in den trockenen Phasen kaum einer. Erst der Regen würzte die Show. Am Sonntag ging es auch beim Formel 2-Rennen drunter und drüber.

Mercedes auf allen drei Reifen schnell

Lewis Hamilton hätte auch der stärkste Gegenwind nicht stoppen können. Der Weltmeister sorgte gleich in der ersten Runde nach dem Safety-Car für klare Verhältnisse und setzte sich um 1,2 Sekunden von Max Verstappen ab. Der Holländer kam nie in den DRS-Bereich des Siegers. Beide fuhren mit der gleichen Taktik: Supersoft beim Start, soft am Ende. Red Bull stoppte früher, doch der Versuch des Undercuts misslang. Nachdem Verstappen auf Soft-Reifen gewechselt hatte, zog ihm Hamilton mit einer Serie von Rekordrunden den Zahn.

Mercedes war wie schon in Barcelona eine Bank. Das Auto funktionierte auf allen drei Reifensorten. Red Bull dagegen ließ die Finger um Ultrasoft. „Mit dem Reifen kriegen wir keine Balance hin. Für uns ist der Soft der beste Rennreifen“, fluchten die Fahrer. Damit war ihre Taktik schon in Stein gemeißelt. Auch Verstappen hatte ein ruhiges Rennen. Just als Daniel Ricciardo Boden auf die zwei Männer an der Spitze aufholte, brachen auf der linken Frontflügelseite zwei Flaps ab. Und später noch einmal rechts. Ricciardo wurde so auch für Kimi Räikkönen zur leichten Beute.

Vettel musste Start gegen Bottas gewinnen

Lewis Hamilton - GP Frankreich 2018
Wilhelm
Vettel wurde am Start von den beiden Mercedes eingequetscht.

Das Titelrennen ist ein Pingpong-Spiel, bei dem das Streckenlayout, das Reifenangebot und Technik-Upgrades die Reihenfolge festlegen. Diesmal zog Mercedes den Joker aus der Tasche. 10 PS mehr Leistung, Aero-Modifikationen im unsichtbaren Bereich, besser organisierte Abläufe und Pirellis Spezialreifen mit dünnerer Lauffläche brachten die Silberpfeilfe nach vorn und Ferrari ins Hintertreffen. „Kleinigkeiten entscheiden“, konstatierte Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Es ist müßig nachzurechnen, wo Sebastian Vettel gelandet wäre, wenn er heil durch die erste Kurve gekommen wäre. Seine einzige Chance wäre ein Angriff gleich in den ersten beiden Runden vor der Schikane gewesen, doch da hätte ihm noch der DRS-Vorteil gefehlt. Das Tempo, das Hamilton gleich zu Beginn anschlug, wäre auch auf für Ferrari Ultrasoft-Reifen schwer zu egalisieren gewesen.

Schon in der dritten fliegenden Runde ging die Schere zugunsten der Supersoft-Gummis auf. Man sah es an Carlos Sainz, der die ersten zwei Runden nach dem Safety-Car noch einigermaßen an Verstappen dranbleiben konnte, dann aber plötzlich 2 Sekunden pro Runde verlor.

Vettel wäre selbst bei einer optimistischen Hochrechnung Zweiter geworden. Dazu aber hätte er Bottas beim Start schlagen müssen. Wahrscheinlich war es ihm deshalb so wichtig, in der ersten Kurve die Nase vor dem zweiten Mercedes zu haben. Vettel und Räikkönen fuhren das gesamte Rennen über auf anderen Reifen als die Mercedes und Red Bull. Damit fehlt die Vergleichbarkeit. Die Hochrechnungen von Mercedes ergaben bei einem normalen Rennen einen Vorsprung von einem Zehntel pro Runde. Also nicht viel. Das Pendel kann schnell wieder umschwingen.

Ferrari stand wie Red Bull mit einem Reifentyp auf Kriegsfuß. Als hätte man es geahnt, bestellte Ferrari vom Soft-Reifen nur 3 Garnituren. Zwei für Räikkönen, einen für Vettel. Die Roten planten das Rennen mit der Kombination Supersoft-ultrasoft und sahen ihre einzige Chance gegenüber Mercedes darin, immer auf dem weicheren Reifen zu fahren. Vettel fuhr seinen einzigen Satz Soft nur aus Verlegenheit. Nach der Kollision mit Bottas beim Start sah Ferrari nur noch einen Ausweg: Durchfahren auf der härtesten Mischung.

Deshalb mussten Vettel und Bottas an die Box

Sebastian Vettel - GP Frankreich 2018
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Sebastian Vettel musste genau wie Valtteri Bottas zweimal stoppen.

Der Plan misslang, weil sich der linke Vorderreifen zu stark abnutzte. Ab Runde 34 brachen Vettels Rundenzeiten stark ein und stiegen über 1.37 Minuten. Zum Glück hatte der direkten Gegner Bottas die gleichen Probleme. Der lag mit 23 Sekunden Rückstand zunächst noch nicht aus dem Boxenstopp-Fenster. Doch auch Bottas musste an die Box. „Der linke Vorderreifen verlor massiv an Temperatur. Und er begann zu vibrieren. Ein sicheres Zeichen dafür, dass nicht mehr viel Gummi auf der Leinwand war“, erklärten die Ingenieure. Als Bottas an die Box geholt wurde, war auch für Vettel der Weg zum Reifenwechsel frei.

Vettel fiel in ein freies Loch, Bottas hinter Carlos Sainz, Kevin Magnussen und Stoffel Vandoorne. Bottas verlor beim Boxenstopp 6,3 Sekunden, weil das Auto hinten vom Wagenheber rutschte. Er wäre auch ohne das Missgeschick hinter Sainz und Magnussen gefallen, allerdings nicht mit 7 Sekunden Rückstand, die er erst einmal wieder aufholen musste. Sainz räumte ein Defekt an der MGU-K aus der Bahn, Vandoorne musste noch an die Box. Für einen HaasF1 in Top-Form reichte der Speed eines ramponierten Mercedes nicht.

Räikkönen lauerte auf Safety-Car

Lewis Hamilton schenkte eine Führungsrunde her. Der Zeitpunkt des Boxenstopps wurde aus zwei Gesichtspunkten auf Runde 33 gelegt. Erstens lag er mit 30,6 Sekunden komfortabel vor Verstappen. Das Boxenstopp-Fenster lag bei 25 Sekunden. Zweitens war klar, dass Kimi Räikkönen nicht mehr lange fahren würde. Der Finne klagte schon seit einigen Runden am Funk über seine abbauenden Reifen. Und für ihn verflüchtigte sich auch im Duell mit den Red Bull-Piloten langsam die Hoffnung auf ein Safety-Car. Nur deshalb hielt ihn Ferrari so lange auf der Strecke

Als Ferrari Räikkönen in Runde 34 zum Reifenwechsel bat, wäre er bei einer Neutralisation schon nicht mehr vor Verstappen und Ricciardo auf die Strecke gekommen. Um nicht noch mehr Zeit auf die Red Bull zu verlieren musste Ferrari handeln. Hamilton hätte aber auch auf der Strecke leichtes Spiel gegen den Finnen gehabt. Der fuhr zum Schluss nur noch Rundenzeiten von 1.36,5 Minuten.

Taktisch war beim GP Frankreich nicht viel zu holen. Die Einstopper kamen zwischen den Runden 25 und 37 an die Box. Die Reihenfolge davor war die gleiche wie danach, zieht man die Überholmanöver auf der Strecke in den Runden dazwischen ab. Renault sichert Sainz mit einem vorweg genommenen Undercut gegen Kevin Magnussen ab und versuchte es mit Nico Hülkenberg mit einem Overcut. Was auch nicht gelang.

Magnussen hatte ohnehin keine großen Hoffnungen Sainz auf der Strecke zu überholen. „Sainz war im Rennen einen Tick schneller“, gab Teamchef Guenther Steiner zu. Der Defektteufel eilte HaasF1 zu Hilfe. Sainz verlor in den letzten Runden die MGU-K. Wie Ricciardo in Monte Carlo. Mit diesem Problem ist man in Paul Ricard Freiwild.

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