Max Verstappen - Red Bull - GP Bahrain 2020 - Sakhir Motorsport Images
Romain Grosjean - Haas - GP Bahrain 2020 - Sakhir - Rennen
Romain Grosjean - Haas - GP Bahrain 2020 - Sakhir - Rennen
Romain Grosjean - Haas - GP Bahrain 2020 - Sakhir - Rennen
Lance Stroll - Racing Point - GP Bahrain 2020 - Sakhir - Rennen 60 Bilder

Taktikcheck GP Bahrain: Verstappen kritisiert Red Bull

Taktikcheck GP Bahrain Hat Verstappen mit seiner Kritik Recht?

Max Verstappen nahm sein Team scharf in die Kritik. Red Bull hat in Bahrain seiner Meinung nach zu konservativ taktiert. Verstappen hätte sich einen früheren ersten Boxenstopp gewünscht. Doch dann wäre er voll im Verkehr gelandet.

Da fuhr wohl ein bisschen der Frust mit. Max Verstappen war im Duell mit Lewis Hamilton wieder mal nur zweiter Sieger. Obwohl er nie eine realistische Chance hatte, das Rennen zu gewinnen, lederte er nach dem Grand Prix richtig ab. Zielscheibe waren seine eigene Strategen. "Wir haben zu konservativ taktiert. Beim ersten Stopp hätten wir einen Undercut probieren sollen. Wir hatten nichts zu verlieren. Ich wäre so oder so Zweiter geworden. Das zeigt ja schon, dass ich mir am Ende noch einen dritten Boxenstopp leisten konnte."

Teamchef Christian Horner ließ die Kritik seines Superstars nicht gelten. "Wir haben gegen Mercedes verloren, weil die einen Tick schneller waren als wir und weil sie mit den Reifen besser hausgehalten haben." Auf den ersten Boxenstopp angesprochen meinte Horner: "Dann hätten wir Max in den Verkehr geschickt. Wegen der langen Safety Car-Phase zu Beginn war das Feld noch nicht genügend weit auseinandergezogen."

Ein kurzer Blick in die Renn-Historie bestätigt seine Aussage. Als Lewis Hamilton in der 19. Runde die Boxen ansteuerte, hatte er 5,2 Sekunden Vorsprung auf Verstappen. Der Mercedes-Pilot landete nach seinem Reifenwechsel hinter Sergio Perez, aber vor Carlos Sainz und Pierre Gasly. Verstappen wäre genau in diese Gruppe hineingefallen. Er hätte dann nicht die Zeit gutgemacht, die er für einen Undercut gebraucht hätte.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Bahrain 2020 - Sakhir
Motorsport Images
Mercedes kam Red Bull beim ersten Boxenstopp zuvor.

Mercedes antizipierte Undercut

Mercedes wollte genau das verhindern, was Verstappen vorhatte. "Bahrain ist ein spezielles Rennen", erklärten die Strategen. "Eine Runde zu spät an der Box, und du verlierst vier Sekunden Rennzeit. Die Abnutzung der Hinterreifen ist riesig. Es war klar, dass es ein Zweistopp-Rennen sein würde, und die Lücke nach hinten war groß genug. Die Reifen von Lewis haben schon nachgelassen. Die von Verstappen auch. Wir haben Lewis in dem Moment reingeholt, in dem das Boxenstopp-Fenster zu Sainz und Gasly zum ersten Mal aufgegangen ist."

Das war nach Ansicht von Mercedes der Schlüssel zum Sieg. Es hat Hamilton in die Lage versetzt, seinen Vorsprung auf Verstappen immer so zwischen drei und fünf Sekunden zu halten, was einen Undercut unmöglich machte. Mercedes war durchaus mit Sorgen in die Reifenschlacht gegangen. Weil man den Piloten lieber einen Satz Soft-Reifen mehr für die Qualifikation gönnen wollte, verzichtete man auf eine Garnitur hart.

Das war angesichts der Tatsache, dass Pirelli mit weicheren Reifen nach Bahrain gekommen war als im Vorjahr ein gewisses Risiko. Verstappen hatte zwei Satz der harten Reifen in der Hinterhand und damit in der Theorie mehr taktische Optionen. Deshalb durfte der Holländer auf keinen Fall den ersten Stopp früher abwickeln. "Dann hätte er den Abstand auf eine Sekunde verkürzen und uns mehr unter Druck setzen können."

LewisHamilton - Mercedes - GP Bahrain 2020 - Sakhir - Rennen
xpb
Hamilton kontrollierte das Rennen und den Abstand nach hinten.

Risiko mit dem Safety Car

Red Bull hätte Mercedes dann beim zweiten Stopp die Taktik aufzwingen können. Hamilton musste aus diesem Grund auch im zweiten Stint einen Satz Medium fahren, um beim dritten mehr Spielraum mit der Länge des Stints zu haben. Hätte der Engländer in der Mitte seinen harten Satz genommen, hätte ihm Red Bull mit einem frühen zweiten Stopp einen langen dritten Stint auf Medium aufzwingen können, während Verstappen ja noch eine Garnitur Hart auf Lager hatte und in der Länge des letzten Abschnitts flexibel war.

Oder sie hätten Verstappen im Mittelteil des Rennens extrem lang fahren lassen und auf ein Safety Car in den Runden 40 bis 50 hoffen können. Dann hätte Hamilton nur noch einen harten Reifen für den Re-Start gehabt, Verstappen aber einen Medium oder nach Runde 45 sogar einen Soft-Gummi.

Eine kleine Blöße erlaubte sich Mercedes dann doch. Als Red Bull Verstappen für die schnellste Runde ein drittes Mal stoppen ließ, um ihm für die letzten zwölf Runden noch einmal mit Medium-Reifen auszustatten, zog Mercedes nicht nach. Man setzte darauf, dass ein spätes Safety Car nicht mehr zu einem Re-Start führen würde. Was dann auch so passierte, als der Racing Point abfackelte. "Es gab davor nur eine Runde, wo es eng wurde. Da lag Max in unserem Fenster und wir hätten nicht mehr mit einem Reifenwechsel reagieren können." Das war exakt Runde 52. "Wir hatten zwar noch 1,7 Sekunden Luft, aber das war uns für einen extra Stopp zu riskant." Die Crew stand aber für alle Fälle bereit.

Daniel Ricciardo - Renault - GP Bahrain 2020 - Sakhir
xpb
Renault hatte über die Distanz das langsamere Auto als Racing Point und McLaren.

Renault fehlte der Speed

Vielleicht wurde der Vorteil von zwei harten Reifensätzen für das Rennen auch überschätzt. Daniel Ricciardo konnte ihn gegen die McLaren ebenso wenig nutzen wie Pierre Gasly. Die McLaren waren im Vergleich zu den Renault und Alpha Tauri einfach zu schnell und zu reifenschonend unterwegs. Carlos Sainz trug seine Soft-Reifen sogar über 21 Runden. Und Lando Norris war mit der Reifenfolge medium-medium-hart 16 Sekunden schneller als Daniel Ricciardo mit medium-hart-hart.

Pierre Gasly versuchte es sogar mit einem Boxenstopp weniger. Es hätte auch nichts genützt. Der Franzose hatte noch Glück, dass der Grand Prix unter Safety Car zu Ende ging. Das rettete ihn vor den Angriffen von Ricciardo und Bottas, die teilweise eine Sekunde pro Runde schneller fuhren. Gaslys Reifen waren am Ende 32 Runden alt.

Hinter Hamilton und Verstappen fuhren Sergio Perez und Alexander Albon ein einsames Rennen. Auch hier spielten Taktik und Reifenfolge keine Rolle. Perez war unter allen Umständen schneller als Albon. Obwohl er beide Male später stoppte und ein Mal die härtere Reifenmischung wählte wie sein Gegner, der meistens zwischen drei und fünf Sekunden Rückstand hatte. Das Rennen der beiden um Platz drei war fast so etwas wie eine Kopie des Duells um die Spitze. Ein Schaden an der MGU-K riss Perez aus allen Podiumsträumen.

Pierre Gasly - Alpha Tauri - GP Bahrain 2020 - Sakhir - Rennen
Wilhelm
Bottas hatte Pech mit den Reifen, war aber auch zu langsam.

Zwei Reifenschäden für Bottas

Taktisch interessanter war die Aufgabe von Mercedes, Valtteri Bottas aus den Niederungen des Feldes zurückzubringen. Das ist nicht wie gewünscht gelungen. Ganz einfach, weil Bottas zu langsam war. "Valtteri konnte am Ende mit frischeren und weicheren Reifen nicht auf Ricciardo aufholen." Der Finne brachte sich mit zwei schlechten Starts selbst in die missliche Lage. Beim ersten verlor er schon bis zur SafetyCar 2-Linie zwei Positionen. Und die liegt am Bremspunkt der ersten Kurve. Die Platzierung dort bestimmte die Startaufstellung für den zweiten Versuch. Ein bisschen gab sich der Kommandostand auch selbst die Schuld: "Wir hätten Valtteri beim zweiten Stopp eine Runde früher reinholen sollen. Seine Rundenzeiten waren schon zu weit eingebrochen." Was hätte es gebracht? Einen Platz vielleicht.

Ein Reifenschaden rechts vorne machte die Aufgabe noch schwerer. Als das Rennen nach dem Stroll-Salto freigegeben wurde, lag Bottas auf Platz 16. Mercedes gab ihm den einzigen harten Reifensatz mit, den man sich für das Rennen aufgehoben hatte. Die Strategen standen darüber hinaus vor dem Problem, dass der erste Satz Medium wegen des Reifenschadens nicht mehr komplett war. Man ahnte aber, dass man ihn noch einmal brauchen würde. Bottas würde danach noch zwei Mal stoppen, hatte aber nicht mehr genug Reifen zur Verfügung, wenn man mal die Soft-Gummis ausklammert, von denen die meisten die Finger ließen.

Die Strategen klärten das Rätsel auf: "Wir haben aus einer Garnitur Medium zwei gemacht. Im dritten Stint bekam Valtteri einen kompletten Satz. Im vierten ließen wir den rechten Vorderreifen vom dritten Stint drauf und gaben ihm die drei Mediums vom ersten Stint noch einmal mit. Das war möglich, weil der Reifen rechts vorne der am wenigsten belastete ist." Bottas hatte im Finale übrigens eine weitere Reifen-Malaise. Diesmal rechts hinten. Das Safety Car rettete ihn.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Bahrain 2020 - Sakhir
Motorsport Images
Ferrari holte im ersten Bahrain-Rennen nur einen Punkt. Leclerc belegte Platz 10, Vettel wurde 13.

Vettels Ärger über Leclerc

Für Ferrari gab es in Bahrain nicht viel zu holen. Die Autos waren auf der Power-Strecke viel zu langsam. Sie straften sich wieder einmal mit ungenügender Motorleistung und schlechter aerodynamischer Effizienz. Darunter litten auch die Kunden. Trotzdem waren von den Startplätzen 10 und 11 theoretisch WM-Punkte möglich. Einer ist es geworden. Charles Leclerc haben späte Boxenstopps und die Zehnsekunden-Strafe für Daniil Kvyat geholfen. Das Timing des ersten Reifenwechsels von Medium auf Hart verschaffte Leclerc eine 13-Sekunden-Lücke zu Carlos Sainz, der zweite von Hart auf Hart 15 Sekunden Luft auf Bottas. So konnte der Ferrari-Pilot sein Tempo bestimmen und die Reifen in Schuss halten.

Für Sebastian Vettel lief es umgekehrt. Ihn warf ein unglückliches Zusammentreffen in der ersten Kurve weit ins Feld zurück. Damit steckte der Ex-Champion fast die gesamte Renndauer hinter langsameren Autos im Verkehr. Als er endlich mal frei fahren konnte, war er nur zwei Zehntel langsamer als Leclerc. Deshalb war es verständlich, dass sich Vettel so über das Manöver seines Teamkollegen in der ersten Kurve aufregte. "Wenn ich zumache, habe wir den gleichen Unfall wie in Österreich."

Leclerc hatte sich auf der Innenspur mit einem extrem späten Bremsmanöver vorbeigemogelt, was Vettel zum Ausweichen zwang. Nach außen war aber nur begrenzt Platz, weil da ein McLaren im Weg stand. Deshalb musste Vettel vom Gas, was ihm den Schwung für die folgende Gerade raubte, auf der er weitere fünf Plätze verlor.

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