Max Verstappen - GP Portugal - Formel 1 - 2. Mai 2021 xpb
Kimi Räikkönen - GP Portugal - Formel 1 - 2. Mai 2021
Lewis Hamilton - GP Portugal - Formel 1 - 2. Mai 2021
Verstappen & Hamilton - GP Portugal - Formel 1 - 2. Mai 2021
Start - GP Portugal - Formel 1 - 2. Mai 2021s 51 Bilder

Taktikcheck GP Portugal: Mercedes wartet ab

Taktikcheck GP Portugal Mercedes lässt Red Bull den Vortritt

GP Portugal

Der Grand Prix von Portugal war wieder ein Rennen, das auf der Strecke entschieden wurde und nicht am Kommandostand. Ein langer erster Stint war besser als ein kurzer. Deshalb wollte Mercedes unbedingt, dass Red Bull als erster den Auslöser drückt.

Für die Fans war es ein Fest. Lewis Hamilton, Max Verstappen und Valtteri Bottas haben die Podiumsplätze auf der Rennstrecke ausgefochten. Und Sergio Perez hat sein erstes Red-Bull-Podest auf der Strecke verloren. Die wichtigen taktischen Entscheidungen wurden vor dem Qualifying getroffen. Wer auf Medium-Reifen starten und seinen Boxenstopp lange hinauszögern konnte, war im Vorteil.

Sechs Fahrer in den Top Ten spulten ihren Reifenwechsel in der zweiten Rennhälfte ab. Die Soft-Starter landeten nur auf den Plätzen 5, 7 und 10. Sie kamen in den Runden 21 bis 25 an die Box. Ihre Gegner hielten bis zu den Runden 39 bis 41 durch. Sie profitierten von einer freien Strecke und alten Medium-Reifen, die so viel Grip lieferten wie neue harte Gummis.

Verstappen vs. Hamilton - GP Portugal 2021
Red Bull
Lewis Hamilton machte seinen kleinen Fehler beim Restart mit zwei Überholmanövern gegen Max Verstappen und Valtteri Bottas wieder gut.

Hamiltons Überholgeheimnis

Das Quartett an der Spitze war ein Sonderfall. Es lag ab der 25. Runde so weit vor dem Feld, dass keiner Angst haben musste in den Verkehr zu fallen. Somit waren die Strategen weitgehend frei in der Wahl der Runde für den Boxenstopp. Das Rennen um den Sieg wurde schon in der 20. Runde entschieden. Lewis Hamilton machte seinen Fehler beim Re-Start innerhalb von 13 Runden wieder gut. In Runde 11 ging er an Verstappen vorbei, in Runde 20 an Bottas. Beide Male in Kurve 1.

Die Überholmanöver haben eine unterschiedliche Entstehungsgeschichte. Bei Verstappen profitierte der Weltmeister von einem Rutscher seines WM-Gegners ausgangs Kurve 14. Ungefähr vergleichbar mit der Szene in Bahrain, als Verstappen nach seinem misslungenen Überholversuch noch einmal angreifen wollte und ausgangs einer langsamen Kurve zu früh aufs Gas ging. Ein Mal quergestanden ist mit den Pirelli-Reifen eine Todsünde. Verstappen war auf der Zielgerade Freiwild, weil er miserabel aus der letzten Kurve kam.

Im Duell mit Bottas zeigte Hamilton seine ganze Klasse. Eigentlich hätte er an dem Finnen nie vorbeikommen dürfen. Er war zwar leicht schneller als Bottas, aber weit von dem Überhol-Delta entfernt, das bei über einer Sekunde lag. "Lewis hat es geschafft, in den Kurven 11 und 12 an Valtteri dranzubleiben. Nicht für eine oder zwei Runden, sondern über sechs hintereinander. In Barcelona wären deine Reifen nach zwei Runden im Eimer. In Portimao geht es gerade so, wenn man die Reifen so behandelt, wie das nur Lewis kann. Er machte sich trotzdem Sorgen, dass die Reifen das nicht überleben. Sie waren durch das dichte Aufschließen schon ziemlich heiß geworden. Als er dann endlich vorbei war, haben sie sich schnell wieder abgekühlt", erzählten die Ingenieure.

Max Verstappen - GP Portugal - Formel 1 - 2. Mai 2021
Red Bull
Mit einem späten Wechsel auf die weichen Reifen wollte Verstappen den Extra-Punkt für die schnellste Rennrunde. Das Unterfangen misslang, weil er die Streckenlimits überschritt.

Undercut in Portimao keine Waffe

Sergio Perez verspielte seine Chancen in der Re-Startrunde. Ihm rutschte Lando Norris durch. Weil der McLaren-Pilot mit allen vier Rädern neben der Strecke war, rechnete Perez damit, dass er den Platz automatisch zurückbekommen würde. "Das war ein Fehler von mir, weil es nicht passiert ist." Stattdessen stand der Mexikaner 14 Runden lang hinter Norris an. Als er endlich vorbei war, betrug der Rückstand auf die Spitze 9,8 Sekunden. Da gab es nur noch ein taktisches Rezept. So lange fahren wie möglich, auf ein Safety-Car hoffen und wenn es nicht kommt, im Finale mit Soft-Reifen angreifen.

Der Punkt, ab dem man sich ernsthaft Gedanken über Soft-Reifen machen durfte, war Runde 50. Selbst dann konnte man nicht bedenkenlos Gas geben. "Wir haben an Perez gesehen, dass die Rundenzeiten schnell wieder eingebrochen sind. Er wäre aber mit den Soft-Reifen bei einem Safety-Car-Restart ein Problem geworden", gaben die Mercedes-Strategen zu.

Der Kommandostand des Weltmeisters musste nach Halbzeit noch eine zweite Entscheidung treffen. Wann sollte man Bottas an die Box holen, der in der 33. Runde 3,7 Sekunden hinter Hamilton und 1,4 Sekunden vor Verstappen lag? Der Undercut hatte in Portimao viel von seinem Schrecken verloren. Es dauerte einfach zu lange, bis sich die Reifen aufwärmten. Wenn überhaupt, dann funktionierte der Overcut. Pierre Gasly überholte Esteban Ocon mit dem späteren Stopp.

Bottas sollte Hamilton nicht an die Box ziehen

Deshalb wollte Mercedes unbedingt, dass Red Bull den ersten Zug macht. Und das waren die Gedankenspiele dahinter. "Wenn wir Valtteri als Ersten stoppen, wären wir trotz des langsamen Aufwärmens der Reifen wahrscheinlich vor Max geblieben. Wir hätten dadurch Max aber nicht in die Box gelockt, und nur dann hätte dieser Schachzug Sinn gemacht. Red Bull hätte ihn bestimmt auf der Strecke gelassen. Unsere große Sorge war, dass Red Bull mit beiden Autos lange draußen bleibt und von einem Safety-Car profitiert."

Hätte Mercedes mit Bottas den Anfang gemacht, wären sie gezwungen gewesen, ein paar Runden später auch mit Hamilton nachzuziehen. Bottas wäre dann mit den frischen Reifen in Hamiltons Boxenstopp-Fenster gefahren. Und beide Red Bull hätten von der Spitze aus Katz und Maus mit Mercedes spielen können. Dass Bottas gegen Verstappen den zweiten Platz verloren hat, lag am Boxenstopp. Bottas verlor in der Boxengasse sieben Zehntel auf Verstappen. Und er brauchte zu lange, die harten Reifen auf Temperatur zu bringen. Nach vier Kurven hatte Verstappen sein Opfer gestellt.

Hamilton & Bottas - GP Portugal - Formel 1 - 2. Mai 2021
xpb
Lewis Hamilton feierte in Portimao seinen zweiten Saisonerfolg.

Rennen um die schnellste Runde

Mit dem Boxenstopp von Perez in der 51. Runde begann ein Rennen im Rennen. Es war fast so spannend wie der erste Teil des Grand Prix. Noch nie wurde so heftig um den Extra-Punkt für die schnellste Runde gekämpft. Die besten Karten hatte zunächst Perez. Er hatte spät im Rennen Reifen gewechselt und war der einzige im Spitzenquartett mit der weichen Mischung.

In der 55. Runde raubte Perez mit 1.20,643 Minuten wie bestellt Hamilton die schnellste Runde. Doch Red Bulls Neuzugang konnte das Tempo nicht lange halten. So öffnete sich für Bottas das Fenster zum Gratis-Stopp. "Wir hatten sogar vier Sekunden Luft", erklärten die Mercedes-Strategen.

Nicht erklären konnten sie, warum sie Bottas bereits in Runde 63 an die Box beorderten. Das gab Red Bull die Möglichkeit mit Verstappen auf die Bottas-Runde von 1.19,865 Minuten zu kontern. "Der Stopp war zu früh. Ganz klar ein dummer Fehler. Wir wollten zwei Mal in die Kirsche beißen. Einmal hätte gereicht. Wir hätten wissen müssen, dass Max seinerseits genug Luft hatte, ohne Risiko einen Extra-Stopp einzulegen", gaben die Mercedes-Strategen zu.

Hamilton dagegen waren die Hände gebunden. Für ihn hätte es nicht mehr zu einer schnellen Runde gereicht. "Es hätte auch nichts geholfen, Valtteri noch eine Runde früher reinzuholen, um Lewis noch ein Fenster zu geben. Red Bull wäre nicht in diese Falle getappt. Sie hätten Max so spät wie möglich reingeholt." Der Weltmeister hatte auch diesmal einen Pakt mit dem Renngott geschlossen. Verstappen war die schnellste Runde nicht vergönnt. Seine schnellste Zeit von 1.19,849 Minuten wurde gestrichen, weil er ausgangs Kurve 14 die Streckenlimits verletzt hat. Der Red Bull war klar mit allen vier Rädern jenseits des Randsteins auf dem Grün lackierten Asphaltstreifen.

Die FIA entdeckte den Verstoß nur, weil man einen Mann abgestellt hatte, um die fest installierte Strecken-Kamera in dieser Kurve zu beobachten. Es gab dort keine Sensoren im Asphalt. Als der Spion Alarm schlug, musste Rennleiter Michael Masi nur noch den entsprechenden Mini-Sektor checken. Es war der Bestwert des gesamten Rennens. Damit war Verstappen den Punkt wieder los.

Sebastian Vettel - GP Portugal 2021
xpb
Der Aston Martin AMR21 nimmt die Reifen über die Distanz zu hart ran.

Unterschied zwischen McLaren und Aston Martin

Das Rennen um die Plätze 5 bis 10 wurde bestimmt durch die Wahl des Startreifens. Von den Soft-Startern kam nur Lando Norris ungeschoren über die Runden. Aber der McLaren-Fahrer hatte auch den Speed und das Reifenmanagement, sich trotz seins frühen Stopps in Runde 22 vor den Medium-Startern zu retten.

Charles Leclerc war nie wirklich eine Gefahr. Auch weil der Ferrari-Pilot trotz der Medium-Reifen am Start überraschend früh an die Box kam, was ihm den Vorteil der härteren Mischung raubte. Beide Ferrari-Fahrer standen auf Kriegsfuß mit den Medium-Reifen. Kein anderes Team hatte solche Probleme mit Körnen.

Mit Carlos Sainz hoffte Ferrari auf einen Undercut gegen Norris. Der misslang. Sainz richtete mit einer aggressiven Runde aus der Box heraus den Schaden an seinen Medium-Sohlen an, der ihn später zum wehrlosen Opfer für Fernando Alonso, Daniel Ricciardo und Pierre Gasly machte.

Esteban Ocon hatte nicht ganz den Speed von Norris und Leclerc, durfte sich aber trotzdem über seinen siebten Platz freuen. Dass ein Alpine einen Ferrari, einen McLaren und einen Alpha Tauri schlägt, durfte man nach den bescheidenen Auftritten in Bahrain und Imola nicht erwarten. Ocon bekam am Ende des Rennens noch Besuch von Teamkollege Alonso, der von Startplatz 13 aus mit der Alternativstrategie ins Rennen gegangen war. Hätte Alonso nicht zu Beginn des Rennens im Feld so viel Zeit verloren, hätte er Ocon noch gefährlich werden können. In der zweiten Rennhälfte war der Ex-Champion konstant schneller.

Ricciardo und Alonso zogen mit ihrem Start auf Medium-Reifen ihren Kopf noch einmal aus der Schlinge. Beide rehabilitierten sich für schlechte Quali-Ergebnisse. Bei Sebastian Vettel dagegen ging die Reise rückwärts. Bis zum Boxenstopp in der 22. Runde fuhr Vettel in Sichtweite eines WM-Punkts.

Aston Martin pokerte wie schon in Bahrain mit der Medium-Mischung für die Restdistanz von 44 Runden. Das aber kann mit einem Auto nicht funktionieren, das seine Reifen frisst. Der Klassenunterschied zu McLaren zeigt sich nicht nur in der Rundenzeit. Norris brachte die Medium-Reifen locker über die Restdistanz und war in seiner schnellsten Runde noch acht Zehntel schneller als Vettel.

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