Red Bull - GP Italien 2020 - Monza Motorsport Images
Juan Manuel Fangio - Statue - Formel 1 - GP Italien - Monza - Donnerstag - 3. September 2020
Impressionen - Formel 1 - GP Italien - Monza - Donnerstag - 3. September 2020
Impressionen - Formel 1 - GP Italien - Monza - Donnerstag - 3. September 2020
Renault - Formel 1 - GP Italien - Monza - Donnerstag - 3. September 2020 24 Bilder

Donnerstag-Check GP Italien 2020: Was bringt die neue Motor-Regel?

Donnerstag-Check GP Italien 2020 Was bringt die neue Motor-Regel?

Donnerstag ist die Ruhe vor dem Sturm. Wir checken die zehn Teams auf Neuigkeiten ab. Es gibt unterschiedliche Meinungen zu den Auswirkungen der neuen Motorregel. Ferrari fürchtet eine weitere Schlappe und Renault hofft, im Kampf um Platz 3 einen weiteren Fortschritt zu machen.

Donnerstag ist der PR-Tag vor einem Grand Prix. Die Fahrerlager-Tore bleiben für uns weiter geschlossen. Die Vollgasschlacht im Highspeed-Tempel Monza steht an. Ferrari wird keine Hauptrolle spielen. Daran wird auch die neue Motorregel nichts ändern, die einen Power-Modus von der Qualifikation bis zum Ende des Rennen vorschreibt. Wir haben uns bei den zehn Teams umgehört.

Mercedes

Die Mercedes-Fahrer haben keine Angst vor der neuen Motor-Regel. "Wenn überhaupt, wird es uns in der Qualifikation ein bisschen was kosten. Im Rennen werden wir eher profitieren", glaubt Valtteri Bottas. Die Piloten haben allerdings den Effekt der Regeländerung auch noch nicht voll verstanden. Lewis Hamilton meinte, dass er jetzt eine seiner Qualitäten verliere, weil er im Rennen nicht mehr den Motor so schonen kann wie bisher. Das kann er natürlich noch immer. Er wird ja nicht gezwungen am Limit zu fahren, wenn er genug Polster nach hinten hat. Das spart seinem Motor Stressmomente, was es Mercedes erlauben würde, bei einem der nächsten Wochenenden wieder mehr Power zuzulassen. Die Motorhersteller dürfen bei jedem Rennen ihre Power-Einstellungen neu justieren. Und die richtet sich nach der jeweiligen Schadensmatrix. Die Sünden der Vergangenheit wirken in der Zukunft nach. Das gilt umgekehrt natürlich genauso.

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Italien - Monza - Donnerstag - 3. September 2020
Aktuell

Ferrari

Ferrari erwartet für sein bedeutungsschweres Heimrennen keine Wunder. "Wir waren in Spa nicht so stark, wie wir sein sollten. Aber auch in Normalform wird es ein schwieriges Wochenende werden. Dieser Typ Rennstrecke kommt unserem Auto nicht entgegen", urteilt Sebastian Vettel. Er fährt fort: "Wir haben nichts gefunden, was die Probleme in Spa erklären würde. Deshalb ist es auch Wunschdenken, wir müssten nur eine Schraube umdrehen, und schon funktioniere wieder alles. Vielleicht hat es uns in Spa wegen der kühlen Temperaturen härter getroffen als gedacht. In Monza soll es immerhin wärmer werden."

Die Ingenieure haben die Hoffnung, dass der SF1000 in der Konfiguration für minimalen Abtrieb etwas besser abschneidet als auf einer Strecke, auf der der beste Kompromiss zwischen Topspeed und Kurvengeschwindigkeit gefunden werden musste. Auf die Frage, ob es an diesem Ferrari auch etwas Gutes gibt, muss Charles Leclerc eine Weile überlegen: "Ich war mit der Balance des Autos meistens happy."

Vom Punktestand ist Ferrari noch mitten drin im Kampf um Platz 3, doch nach der Vorstellung in Spa fällt es schwer daran zu glauben, dass dieses Zeil noch realistisch ist. Leclerc will mit einem endgültigen Urteil noch abwarten: "Lasst uns Monza noch hinter uns bringen. Spa und Monza sind zwei spezielle Rennen, bei denen wir uns schwer tun. In Mugello sollten wir ein realistischeres Bild bekommen, was für den Rest der Saison noch möglich ist."

Red Bull

Auf dem Papier ist Monza keine Red Bull-Strecke. Zu viele Geraden, zu wenig Kurven. "Nicht ideal für uns. Wir müssen beim Setup eine gute Balance finden und darauf bauen, dass uns die neue Motorregel weniger kostet als Mercedes. Unser Power-Modus war nicht so viel stärker als normal. Wir können also nicht allzu viel verlieren", resümiert Max Verstappen.

Möglicherweise hilft auch Pirelli etwas nach. Der Reifenlieferant erhöhte die Luftdrücke um 2,5 PSI. "Das bedeutet normalerweise mehr Blasenbildung und kann nur gut für uns sein", hofft Alexander Albon und denkt dabei vermutlich an Silverstone. In der WM-Tabelle liegt Verstappen 47 Punkte hinter Lewis Hamilton, aber immer noch vor Valtteri Bottas. Der Holländer sieht sich trotzdem nicht im WM-Kampf: "Ich verliere jedes Wochenende sieben Punkte auf Lewis. Wir sind eine halbe Sekunde langsamer als die Mercedes und brauchen immer noch Glück, um ein Rennen zu gewinnen."

Racing Point

Racing Point fehlt es an Konstanz. Nach einem starken Rennen in Barcelona schauten Sergio Perez und Lance Stroll in Spa McLaren und Renault in den Auspuff. "Unser Auto ist gut in schnellen Kurven auf Strecken, wo wir mit viel Abtrieb fahren. Wir verlieren dagegen beim Beschleunigen aus den langsamen Kurven raus", stellt Stroll fest. Perez fällt auf: "Wir sind jetzt auf den Strecken gut, wo wir früher schwach waren. Und umgekehrt." Der Mexikaner führt Budapest und Spa an. In Budapest wendete sich das Blatt für das Team zum Guten, in Spa tat sich Racing Point schwerer als in der Vergangenheit. "Wir müssen auf unseren schwachen Strecken den Schaden minimieren", fordert Perez.

Claire Williams - Frank Williams - GP England 2019 - Silverstone
Aktuell

Williams

Claire Williams wird beim GP Italien zum letzten Mal als Teamchef in der Garage stehen. Dann tritt sie zurück. Die Dorilton-Chefs Matthew Savage, Darren Fultz and James Matthews werden diesen Posten kommissarisch ausfüllen. Nicholas Latifi wunderte sich über den Zeitpunkt: "Nach dem Verkauf des Teams waren Änderungen zu erwarten. Aber es hat mich überrascht, dass es so schnell ging." George Russell bedauert den Schritt, beruhigt sich aber: "Das Team wird weiter den Namen der Familie tragen."

Erwartet der Engländer noch weitere dramatische Umstellungen in dem Rennstall? "Claire hätte das Team nie in die Hände einer Firma gegeben, von der sie hätte fürchten müssen, dass sie das Team nicht im Sinne der Familie weiterführen." Russell glaubt, dass die neue Beschränkung auf einen Motor-Modus für alle, die nicht einen Mercedes-Motor fahren, ein Nachteil sein wird. "Wir werden in der Qualifikation vielleicht ein Zehntel auf unsere Gegner verlieren, im Rennen aber gewinnen, weil Mercedes in der Lage ist, beeindruckend viel Leistung über das ganze Rennen zu fahren."

Die größten Chancen auf WM-Punkte sieht der Mercedes-Junior in Imola und dem kurzen Bahrain-Kurs. Das eine Rennen, weil es nur ein freies Training vor der Qualifikation und daher viele Möglichkeiten gibt, Fehler zu machen. Bahrain 2, weil die Strecke hauptsächlich aus Geraden besteht.

Renault

Renault ist seit den 23 Punkten von Spa wieder voll im Kampf um Platz 3. "Wenn wir weiter so gut wie in Spa fahren, können wir um diesen dritten Platz in der Weltmeisterschaft fahren", glaubt Daniel Ricciardo. Esteban Ocon bestätigt: "Wir haben viel aus unserer Pleite von Barcelona gelernt. Das Auto, das ich in der Qualifikation in Spa hatte, war der beste Renault, den ich je gefahren bin."

Beide Fahrer erwarten für Monza ein ähnliches Ergebnis. Strecken für wenig Abtrieb liegen dem Auto. Schon letztes Jahr starteten die Renault-Piloten in Monza aus der dritten Startreihe und kamen auf den Plätze 4 und 5 ins Ziel. Nach Ansicht von Ricciardo hat die ansteigende Form des Renault auch viel mit der Abstimmung zu tun, die Ingenieure und Fahrer in Silverstone entdeckt haben. "Wir sind auch in Spa diesen Weg gegangen, und es hat gut für uns funktioniert. Wir haben dadurch mehr Grip im Heck. Das gibt dir als Fahrer Vertrauen, aggressiver auf den Scheitelpunkt hinzufahren als vorher, ohne die Angst haben zu müssen, wie in Spielberg das Heck zu verlieren", erzählt Ricciardo.

Pierre Gasly - Alpha Tauri - Formel 1 - GP Italien - Monza - Donnerstag - 3. September 2020
xpb
Pierre Gasly sammelte 18 Punkte in diesem Jahr für Alpha Tauri. Teamkollege Daniil Kvyat nur zwei.

Alpha Tauri

Pierre Gasly fährt in der Form seines Lebens. Sein Geheimnis? "Ich fühle mich wohl im Team und habe mit meinen Ingenieuren ein gutes Verständnis entwickelt, wie wir im Rennen das meiste aus dem Auto holen. Wir arbeiten jetzt sehr methodisch vom ersten Training an und verbessern das Auto Schritt für Schritt. Das Auto ist am Sonntag besser als am Samstag. Wenn wir das Setup so hinkriegen wie in Spa, fahren wir im Mittelfeld mit. Das erwarte ich auch für Monza. Strecken für wenig Abtrieb liegen unserem Auto besonders gut."

Gasly erwartet mit Spannung die nächsten Upgrades. "Wenn sie so einschlagen, wie wir uns das erhoffen, dann sollten wir mittendrin sein im Kampf mit Racing Point, Renault und McLaren." Daniil Kvyat kann da nur neidisch auf die andere Seite der Garage schauen. "Wir müssen uns das, was Pierre und seine Mannschaft hinkriegen, als Beispiel nehmen. Dann läuft es auch bei mir."

Haas

Romain Grosjean nimmt sich ein Beispiel an Alfa Romeo. "Nach Spa muss auch für uns Ferrari die Messlatte sein. Alfa Romeo hat es in Spa geschafft, Ferrari zu schlagen. Das muss unser Ziel sein." Die Fahrer sind gezwungen, das meiste aus ihrem Auto herauszuholen, weil die Weiterentwicklung am VF-20 bis zum Saisonende auf Eis gelegt wurde. Doch möglicherweise spielt die neue Motor-Regel den Ferrari-Teams einen Ball ins Tor. "Ich hoffe, dass die anderen von der Regeländerung mehr betroffen sind als wir. Wie gesagt, das ist eine Hoffnung." Für Teamchef Guenther Steiner ist Monza eine besondere Rennstrecke: "Hier habe ich 2002 mit Jaguar mein bislang einziges Podium als Teamchef geholt."

McLaren - GP Italien 2020 - Monza
McLaren
Carlos Sainz hatte am Dienstag seinen 26. Geburtstag. Das Team feierte zwei Tage später zusammen in Monza.

McLaren

Carlos Sainz will endlich sein Pech abstreifen. In Spa scheint sich das Pech besonders gegen den Spanier verschworen zu haben. "Zum dritten Mal nach 2015 und 2018 habe ich es noch nicht einmal bis zum Start geschafft." Auch in dieser Saison läuft es nicht für den künftigen Ferrari-Piloten. "Von den sieben Rennen hatte ich nur zwei ohne Probleme. Ich habe rund 30 Punkte verloren, viele davon in der Boxengasse." Lando Norris dagegen ist längst ein Stammgast in den Punkterängen geworden. Der Engländer glänzt vor allem am Ende der Rennen. "Das hängt auch mit dem Auto zusammen, das mit weniger Sprit an Bord einfacher zu fahren ist. Und manchmal waren wir auch besser im Reifenmanagement als unsere Gegner. So habe ich am Ende auch noch Stroll geknackt."

Alfa Romeo-Sauber

Kimi Räikkönen ist in Spa das Kunststück gelungen, beide Ferrari zu schlagen. Das allein darf aber nicht das Ziel sein. "Wir haben uns verbessert, aber immer noch keine Punkte geholt." Antonio Giovinazzi hat seinen Unfall von Spa schon abgestreift. Nicht einmal blaue Flecken sind als Erinnerungen übriggeblieben. Der Aufprall sah zwar spektakulär aus, erfolgte aber mit weniger als 10 g. Giovinazzi gibt sich kämpferisch: "Ich habe Spa vergessen und konzentriere mich voll auf mein Heimrennen in Monza."

Mehr zum Thema GP Italien (Formel 1)
Kevin Magnussen - Haas - GP Toskana Mugello - 2020
Aktuell
Crash - GP Toskana Mugello - 2020
Aktuell
Lance Stroll - GP Toskana Mugello - 2020
Aktuell