Lewis Hamilton - GP England 2021 xpb
Formel 1 - Auto - 2022 - 1:1-Modell - GP England - Silverstone
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Team-Check GP England: News aus dem Fahrerlager

Team-Check GP England 2021 Hamilton hofft auf Upgrades, Strecke & Fans

GP Großbritannien

Vor dem Silverstone-Wochenende haben wir die zehn Teams auf Neuigkeiten abgecheckt. Für Mercedes ist der GP England ein Schlüsselrennen. Lewis Hamilton setzt auf drei Mitspieler: Die Upgrades, das Streckenlayout, die Fans.

Donnerstag ist der PR-Tag vor einem Grand Prix. auto motor und sport stöbert für Sie im Fahrerlager Geschichten und Gerüchte auf. Wir fragen bei den Ingenieuren nach, was neu am Auto ist und bei den Fahrern, wie sie das Rennen einschätzen. Und natürlich drehte sich alles um die Premiere des Sprintrennens am Samstag und das ausverkaufte Haus am Sonntag. Hier ist unser Streifzug durch die zehn Garagen.

Mercedes

Der entscheidende Faktor beim GP England könnte sein, wer sich am besten an das neue Sprint-Format anpasst. Die Teams haben wegen der geänderten Parc-fermé-Regeln nach dem ersten Training nur noch dreieinhalb statt siebeneinhalb Stunden Zeit an ihren Autos zu arbeiten. Im ersten Training lastet der Druck auf Fahrern und Ingenieuren, das Setup für wenig und viel Benzin im Tank zu finden.

Gleichzeitig muss auch die Kühlung für den Motor und die Bremsen optimiert werden. Wer diese Parameter falsch wählt, hat ab diesem Punkt ein Problem. Teamchef Toto Wolff prophezeit: "Wer am schnellsten in Gang kommt, hat einen Vorteil für das gesamte Wochenende. Wir haben unsere Herangehensweise und Ablaufpläne daraufhin angepasst."

Zum Beispiel mit einer intensiveren Vorbereitung. Valtteri Bottas verrät: "Anfang der Woche sind Lewis und ich im Simulator gefahren. Wir haben zwei unterschiedliche Richtungen probiert, etwas für das man bei nur einem freien Training keine Zeit mehr hat."

Valtteri Bottas - GP England 2021
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Bei Mercedes hofft man, den Rückstand zu Red Bull zu verkürzen oder gar zu egalisieren.

Der Finne sieht Mercedes trotz der Siege in der Vergangenheit nicht als Favorit in Silverstone: "Red Bull war in diesem Jahr auf jeder Strecke schnell. Wir haben zwar Upgrades am Auto, aber die sind nicht riesig. Wir werden diesmal nicht mit einer Sekunde Vorsprung auf die Pole Position fahren wie im letzten Jahr. Dieses Jahr müssen wir froh sein, wenn wir überhaupt die Pole Position schaffen."

Lewis Hamilton warnt, zu große Hoffnungen in das Aero-Upgrade des Mercedes W12 zu setzen. "Es sind zwar viele Änderungen, aber gemessen an unserem Rückstand auf Red Bull wird es ein eher kleinerer Zeitsprung sein. Zusammen damit, dass die Strecke unserem Auto mehr entgegenkommt und der Unterstützung der Fans, hoffen wir dass wir näher an Red Bull rankommen."

Ferrari

Silverstone war im letzten Jahr relativ zu den anderen Strecken ein gutes Pflaster für Ferrari. Charles Leclerc ist mit Prognosen trotzdem vorsichtig. "Wir hatten in Österreich gute Rennen, waren aber nicht so gut auf eine Runde. Das müssen wir verbessern. Und wir müssen wieder auf die Reifen aufpassen. Silverstone ist eine Strecke, auf der die Vorderreifen leiden. Genau das hat uns in Frankreich Probleme bereitet." Teamkollege Carlos Sainz verrät: "Wir haben uns in der Vorbereitung immer wieder über das Reifenthema unterhalten, weil wir wissen, dass da unsere Grenzen liegen."

Charles Leclerc - GP England 2021
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Die Ferrari-Piloten sind gespannt, ob die Reifen-Probleme im Griff sind.

Generell glaubt Leclerc, dass Ferrari vom komprimierten Zeitplan bei Sprintrennen-Wochenenden profitieren kann. "Wir haben uns in der Rennvorbereitung gesteigert. Das war in diesem Jahr eine Stärke von uns. Die Autos sind fast immer schon gut abgestimmt und müssen kaum noch angepasst werden."

Obwohl es im Sprint nur für die ersten drei Fahrer Punkte gibt, prophezeit Sainz eine heiße erste Runde: "Die ersten sechs bis sieben Kurven werde ich nicht an den Sonntag denken, sondern nur daran, meine Position zu verbessern. Erst wenn sich das Rennen mal beruhigt haben wird, habe ich mehr das Hauptrennen im Kopf."

Red Bull

Sergio Perez muss sich steigern. Der Mexikaner kam bei den Verstappen-Festspielen in Spielberg noch nicht einmal auf das Podium. Für einen, der wie Perez noch auf der Suche nach dem perfekten Setup für seinen Fahrstil ist, kommt das erste Sprintrennen der Geschichte zur falschen Zeit. Dazu erwartet Perez von Mercedes mehr Gegenwehr: "Sie bringen Upgrades ans Auto, werden also wieder stark sein."

Der fünffache Saisonsieger Max Verstappen weiß nicht, was er vom Heimspiel der Mercedes erwarten soll: "Sie haben neue Teile am Auto. Die Logik sagt, dass Mercedes stärker sein wird. Und es gibt die Unbekannte Sprintrennen. Ich lasse mich überraschen. Im Moment habe ich keine starke Meinung zu dem Rennen am Samstag. Natürlich will ich es gewinnen, wie jedes Rennen. Es gibt drei Punkte dafür."

Max Verstappen & Sergio Perez - GP England 2021
Red Bull
Max Verstappen will auch im Sprintrennen voll abräumen.

Aston Martin

Lance Stroll sieht Pro und Contra für das Sprintrennen. "Die kürzere Vorbereitungszeit und das kurze Rennen, bei dem du Positionen gewinnen und verlieren kannst, könnte die Startaufstellung durcheinanderbringen. Andererseits besteht die Gefahr, dass bei freier Reifenwahl am Sonntag alle die gleiche Taktik fahren."

Sebastian Vettel ärgert am meisten die Statistik. "Die Pole Position sollte dem gehören, der am Freitag in der Qualifikation die schnellste Runde fährt. Gäbe es das neue Format nur einmal, könnte man damit leben. Aber wenn es öfter Sprintrennen gibt, ist das ein Bruch mit der Tradition."

Williams

Wann holt George Russell endlich seine ersten WM-Punkte für Williams? Klappt es vielleicht beim Heimrennen von Russell und Williams. Bei den letzten beiden Österreich-Rennen kam der Engländer den Punkten so nahe wie noch nie. "Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben, sonst schaffst du es nie."

Der Sprint ist zwar eine Unbekannte, doch nicht unbedingt gut für Williams. "Unser Auto ist mit Sprit im Tank nicht so gut wie mit wenig in der Qualifikation. Jetzt haben wir zwei Mal ein Rennen. Auf der anderen Seite können wir vielleicht etwas mehr riskieren als die anderen."

Alpine - GP England 2021
Alpine
Funktioniert der Alpine in Silverstone? Die Fahrer sind selbst gespannt.

Alpine

Vier Mal in Folge blickte Esteban Ocon in den Auspuff von Teamkollege Fernando Alonso. Seit Ocon seinen Vertrag bei Alpine um drei Jahre verlängert hat, sieht er gegen Alonso kein Land mehr, fliegt spätestens im Q2 raus und geht am Sonntag leer aus. Da sich weder Ocon noch seine Ingenieure die Formschwäche erklären konnten, bekommt der lange Franzose jetzt ein neues Chassis. Placebo für einen verunsicherten Rennfahrer. Wenigstens die Statistik steht ihm zur Seite. Ocon hat bei jeden Grand Prix, den er in Silverstone gefahren ist, gepunktet.

Nach vier Rennen in den Punkterängen würde Fernando Alonso seine Serie gerne fortsetzen. Doch der Spanier ist sich nicht so sicher, ob der Alpine in Silverstone eine ähnlich gute Form zeigen wird wie beim zweiten Grand Prix in Spielberg. "Silverstone ist eine völlig andere Strecke. Du brauchst alles auf dieser Strecke. Eine gute Aerodynamik, einen guten Motor, eine gute Strategie, weil es so schwer ist zu überholen."

Auch der zweitälteste Fahrer im Feld betritt in seinem 322. Grand Prix Neuland. Einen Plan für das Sprintrennen hat er nicht: "Wir müssen uns da erst rantasten. Viel wird davon abhängen, wo im Feld du startest. Der Sprint bedeutet ein zusätzliches Risiko. Du bezahlst für jedes Problem, für jeden Fehler den Preis am Sonntag. Deshalb glaube ich, dass die meisten mit kalkuliertem Risiko in den Sprint gehen."

Alpha Tauri

Im zweiten Spielberg-Rennen stand der Alpha Tauri von Pierre Gasly auf der Checkliste der FIA. Die Truppe von Jo Bauer untersuchte die Nase, den Frontflügel, die Sensor und Kabel, die in diesem Bereich verlaufen. Auch diesmal wurden keine Regelwidrigkeiten gefunden. Pierre Gasly freut sich am meisten auf die vollen Ränge. "Es ist das erste Mal seit 18 Monaten, dass wir wieder vor einem ausverkauften Haus starten. Das wird ein ganz neues Gefühl."

Mick Schumacher & Sebastian Vettel - GP England 2021
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Gute Laune bei den deutschen Piloten. Mick Schumacher kennt sich mit Sprintrennen schon aus.

Haas

Teamchef Guenther Steiner sieht dem Debüt des Sprints gelassen entgegen: "Es ist erst ein Erfolg, wenn es die Fans mögen. Also warten wir ab." Die Ansage an die Fahrer für das 100 Kilometer-Rennen am Samstag ist klar: "Haltet die Autos auf der Strecke und geht auf Nummer sicher."

Mick Schumacher bekommt nach Silverstone endlich einen neuen Sitz. Bei einem Besuch in der Fabrik in Banbury wurde eine neue Schale angepasst, die dann am Montag nach dem Rennen fertiggestellt wird. Sie kommt in das neue Chassis, das Schumacher ab dem Reifentest in Silverstone fahren wird. Vor dem neuen Programmpunkt hat der Deutsche keine Angst. "Sprintrennen kenne ich bereits. Ich habe sie zwei Jahre lang in der Formel 2 gehabt."

McLaren

McLaren-Chef Zak Brown und zwei weitere Teammitglieder wurden positiv auf Corona getestet und müssen sich in Isolation begeben. McLaren teilte mit, dass der Rennbetrieb davon aber nicht betroffen ist. Lando Norris kommt als einziger Fahrer im Feld, der bei allen Rennen gepunktet hat, zu seinem Heimrennen.

Davon träumt Daniel Ricciardo noch. Der Australier lenkte sich am freien Wochenende nach dem Österreich-Doppelschlag beim Festival of Speed in Goodwood ab. Ricciardo fuhr dabei den McLaren MP4-5B von Ayrton Senna. "Als Kind habe ich geträumt, diesem Auto nur nahe zu sein. Jetzt durfte ich es fahren. Das erdet dich als Rennfahrer. Ich habe mich dabei ertappt, das Auto zu putzen, so sehr Respekt hatte ich davor."

Lando Norris & Daniel Ricciardo - GP England 2021
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Daniel Ricciardo will den Rückstand auf Lando Norris endlich verkleinern. Norris selbst muss erstmal seinen Überfall verarbeiten.

In Silverstone geht es für Ricciardo darum, dass beim zweiten Spielberg-Rennen gewonnene Vertrauen in Rundenzeit umzusetzen. Teamkollege Norris ist für ihn noch unerreichbar. Silverstone könnte dem neuen McLaren-Piloten helfen. Auf Strecken mit einem flüssigen Layout sah der siebenfache GP-Sieger bislang am besten gegen Norris aus. Er hat sich damit abgefunden, dass die Lernphase lange dauern kann und von Rückschlägen begleitet sein wird. "Ich werde mich Schritt für Schritt herantasten müssen, weiter viel mit den Ingenieuren reden und versuchen die Gründe zu verstehen."

Lando Norris fühlt seinerseits immer noch die Nachwirkungen vom Raubüberfall nach dem EM-Finale. Diebe hatten dem Youngster in der Tiefgarage aufgelauert und die Uhr geklaut. "Ich bin noch nicht ganz in perfekter Verfassung, aber es wird schon besser. Es tut richtig gut hier nach Silverstone zu fahren und auf andere Gedanken zu kommen. Morgen werde ich sicher wieder besser drauf sein.”

Alfa Romeo

Das Wochenende begann mit einer guten Nachricht. Alfa Romeo bleibt in den nächsten drei Jahren Hauptsponsor den Teams. Mit vollen Taschen lässt sich besser planen. Die Fortsetzung mit Alfa Romeo bedeutet auch, dass es bis 2024 mit Ferrari weitergeht.

Teamchef Frédéric Vasseur sieht immer noch gute Chancen auf WM-Punkte, auch wenn der Schweizer Rennstall zuletzt drei Mal leer ausgegangen ist: "Wir hatten in den letzten Rennen zu schlechte Startpositionen. Von dort ist es schwer nach vorne zu kommen, wenn kaum ein Auto ausfällt. Also müssen wir am Samstag besser werden."

Für Kimi Räikkönen ist die größte Änderung des neuen Formats die Beschränkung auf ein freies Training vor der Qualifikation. "Du hast nur ein Training Zeit um das Auto abzustimmen. Danach darfst du nur noch den Frontflügel ändern. Und du kannst nicht mehr auf die Verbesserung der Strecke reagieren. Du musst antizipieren, wie viel Grip noch draufkommt. Das wird die größte Fehlerquelle sein." Seine Prognose wird die Fans enttäuschen, die sich eine große Revolution versprechen: "Am Ende werden die vorne stehen, die immer vorne sind."