Sebastian Vettel - Ferrari - Spielberg - Österreich xpb
Renault - Formel 1 - GP Österreich - Steiermark - Spielberg - 9. Juli 2020
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Williams - Formel 1 - GP Österreich - Steiermark - Spielberg - 9. Juli 2020 40 Bilder

Team-Check GP Österreich 2020

Vettel und seine drei Optionen

Wir checken die zehn Teams auf Neuigkeiten ab. Sebastian Vettel ging seine Optionen für die Zukunft durch. Alexander Albon hat seinen ersten Ärger über Lewis Hamilton runtergeschluckt. Und George Russell braucht einen neuen Motor.

Donnerstag ist der PR-Tag vor einem Grand Prix. Wie beim ersten Rennen sind für uns die Fahrerlager-Tore immer noch zu. Die FIA verpflichtete erneut alle 20 Fahrer zu einem Frage- und Antwortspiel. Die meisten Piloten vertrieben sich die Zeit mit Sport, Videospielen oder Wanderungen in der steirischen Bergwelt.

Sebastian Vettel, Max Verstappen und Pierre Gasly trafen sich gegen alle Covid 19-Regeln in einem TV-Studio. Charles Leclerc und Valtteri Bottas düsten zwischendurch nach Monte Carlo, was auch nicht ganz dem Protokoll entspricht. Sie wurden deshalb innerhalb von drei Tagen zwei Mal getestet. Die meisten Fahrer blieben jedoch brav vor Ort. Das sind die letzten News von den zehn Teams.

Mercedes

Bei Mercedes drehte sich alles um die technischen Probleme, die am vergangenen Wochenende fast zu einem Doppelausfall geführt hatten. Im Kabelstrang rund um das Getriebe wurden neue Komponenten angebracht, mit dem Ziel die elektrischen Störungen zu minimieren. "Der Freitag wird ein guter Test sein, um herauszufinden, ob wir die Probleme damit gelöst haben", meinte Valtteri Bottas.

Während sich der erste Sieger des Jahres in Monte Carlo eine Auszeit nahm, verbrachte Lewis Hamilton zwei der drei Tage vor Ort mit Diskussionen mit seinen Ingenieuren. Das zeigt, wie der Weltmeister tickt. Er akzeptiert keine Niederlagen. Hamilton hat gemerkt, dass dieser Bottas noch stärker aus der Winterpause zurückgekehrt ist. Also legt auch er noch eine Schippe drauf, um zu verstehen, warum das erste Wochenende nicht nach Wunsch verlaufen ist.

Helmut Marko & Sebastian Vettel - F1 2019
Aktuell

Ferrari

Charles Leclerc fuhr letztes Wochenende eines der besten Formel 1-Rennen seiner Karriere. Bei Sebastian Vettel lief alles schief. Deshalb konzentrierten sich 80 Prozent aller Fragen auf den Ex-Weltmeister. Die Probleme vom letzten Wochenende sind noch nicht vollständig gelöst. Im Verdacht stehen unter anderem die Bremsen und die Dämpfer. "Ich kann zur Lösung der Probleme nur das beitragen, was in meiner Hand liegt. Aber ich nehme die Herausforderung an und bin stark genug, das durchzustehen."

Vettel meint damit auch seine spezielle Situation bei Ferrari. "Ich werde nur noch eine begrenzte Zeit für das Team fahren. Das ist keine leichte Situation. Das Team und ich versuchen, das Beste daraus zu machen." Formel 1-Chef Ross Brawn kennt diese Situation aus seiner eigenen Vergangenheit und kann deshalb mitfühlen. "Wenn ein Fahrer ein Team verlässt, dann wird er anders behandelt als ein Fahrer, der bleibt. Das findet im Unterbewusstsein statt. Da kannst du nichts dagegen tun." Davonlaufen kommt für den scheidenden Ferrari-Fahrer nicht in Frage: "Ich will bei Ferrari bis zum Schluss alles geben. Das bin ich denen im Team schuldig, die alles für mich gegeben haben."

Dass die Show auf der gleichen Strecke weitergeht, macht die Fehlersuche für Vettel und seine Ingenieure etwas einfacher. Der Deutsche wird sein Freitag-Programm damit beginnen, Antworten auf die vielen Fragen zu finden, während Leclerc das eilig herbeigeschaffte Upgrade mit der Version von letzter Woche vergleichen wird. "Es wäre schlecht, wenn es keinen Vorteil bringt, weil wir damit in eine neue Entwicklungsrichtung gehen wollen. Der Test soll absichern, ob wir damit richtig liegen", erklärte Leclerc. Der Teamkollege will sich noch nicht festlegen, wie gut oder schlecht der SF1000 ist. "Wenn das Auto funktioniert, fühlt es sich gut an. Besser als im Vorjahr. Wenn wir damit zurückgefallen sind, kann das nur heißen, dass andere größere Fortschritte gemacht haben."

Nachdem bei Renault nach der Verpflichtung von Fernando Alonso eine weitere Tür für Vettel zugefallen ist, musste sich der Ferrari-Pilot viele Fragen zu seiner Zukunft gefallen lassen. Vettel antwortete, dass er sich nicht unter Druck setzen lasse. "Zuerst einmal muss ich mit mir selbst ausmachen, ob ich weiterfahren, eine Pause einlegen oder ganz aufhören will. Dann muss ich schauen, welche Möglichkeiten es gibt."

Vettel gibt zu, dass er mit Renault gesprochen hat. "Aber da war nie was Konkretes. Sie haben mit Alonso eine andere Wahl getroffen. Aber das ändert nichts an meinen Plänen." Racing Point scheint für ihn zumindest eine Überlegung wert zu sein. "Die haben ein gutes Auto und werden es vielleicht auch 2021 haben, und ich kenne von früher ein paar Leute aus dem Team." Wenn Vettel dort wirklich landen will, müsste sich Sergio Perez Sorgen machen.

Dann kam auch noch der Auftritt bei Servus TV zur Sprache. Vettel wollte das aber nicht in Zusammenhang mit irgendwelchen Vertragsgesprächen mit Red Bull bringen. "Ich kenne noch viele Leute bei Red Bull. Die Verbindungen sind nie abgerissen, weil immer noch viele Leute an Bord sind, mit denen ich in meiner Zeit zusammengearbeitet habe." Der Heppenheimer streute seiner alten Truppe Rosen. "Das ist ein Auto, mit dem man Rennen gewinnen kann. Wenn es ein Angebot gäbe, würde ich nicht nein sagen."

Genau darin liegt das Problem. Max Verstappen machte Vettel keine Hoffnungen. "Ich habe in der TV-Show aus Höflichkeit gesagt, dass ich mir Seb als Teamkollegen vorstellen kann. Aber das Team ist happy mit Alex und mir. Wir kommen gut miteinander aus, liefern ein ähnliches Feedback über das Auto. Es gibt keinen Grund, etwas zu ändern." So ähnlich hatte sich bereits Helmut Marko geäußert. Das letzte Wort hat Vettel. Wäre er bereit, in einem Team mit Verstappen zu fahren? Knappe Antwort: "Wer Weltmeister werden will, darf keinen Teamkollegen fürchten."

Red Bull - Formel 1 - GP Österreich - Steiermark - Spielberg - 9. Juli 2020
Motorsport Images
Red Bull will den Abstand zu Mercedes am zweiten Spielberg-Wochenende auf zwei bis drei Zehntel verringern.

Red Bull

Das Tagesgespräch aus Sicht von Red Bull ist immer noch die Kollision zwischen Lewis Hamilton und Alexander Albon. Bis jetzt haben sich die Unfallgegner noch nicht untereinander ausgetauscht. "Es gibt auch nichts mehr dazu zu sagen. Lewis hat es sicher nicht mit Absicht gemacht. Es waren einfach unglückliche Umstände, dass ich zwei Mal in kurzer Zeit mit ihm zusammengestoßen bin", versuchte Albon das Kapitel abzuschließen.

Auch wenn er sich im ersten Ärger eine höhere Strafe für Hamilton gewünscht hätte, ist der Thailänder vier Tage später überzeugt, dass die Sportkommissare richtig gehandelt haben. "Sie können das Strafmaß nicht dran festmachen, wie groß die Konsequenzen für die Beteiligten sind." Albon durfte sogar von einem Sieg träumen. "Ich hatte die besseren Reifen. Nach der doppelten SafetyCar-Phase war klar, dass die Temperaturen der harten Reifen an den beiden Mercedes im Keller sind. Deshalb musste ich so schnell wie möglich an Hamilton vorbei, um auch noch Bottas anzugreifen."

Für Red Bull geht es im zweiten Part des Heimrennens um Rehabilitation. Da müssen mehr als nur Punkte auf das Konto. Die Red Bull-Ingenieure haben für einen Teil des Rückstands Erklärungen gefunden. Max Verstappen bilanziert: "Wir haben gute Schritte gemacht, aber Mercedes noch größere. Wir müssen uns in allen Bereichen verbessern, im Chassis und beim Motor. Ich war mit der Balance des Autos vom Kurveneingang bis zum Scheitelpunkt nicht zufrieden. Da fehlte das absolute Vertrauen in den schnellen Kurven."

Trotzdem geht der Holländer angriffslustig in das zweite Rennen. "Wenn wir es schaffen, bis auf zwei oder drei Zehntel auf die Mercedes aufzuschließen, sollten wir sie im Rennen mehr unter Druck setzen können." Die Wettervorhersage ist aus Sicht von Red Bull gut und schlecht. Am Samstag könnte es regnen. Das ist vielleicht eine Gelegenheit, dem Favoriten ein Bein zu stellen. Für Sonntag ist schönes aber kühles Wetter vorhergesagt. Die Temperaturen sollen nicht über 22 Grad steigen. Das wäre gut für Mercedes.

Racing Point

Da war mehr drin am ersten GP-Wochenende des Jahres. Das war die Schlussfolgerung der Racing Point-Fahrer, nachdem man mit acht Punkten in der Tabelle hinter McLaren und Ferrari auf Platz 4 steht. "Wir haben nicht das Maximum aus dem Potenzial unseres Autos geholt. Die Unterschiede im Mittelfeld sind unheimlich eng. McLaren und Ferrari haben mehr daraus gemacht. Ich habe ein Podium mit der falschen Strategie verspielt, und Lance hat sichere Punkte verloren", erklärte Sergio Perez.

Teamchef Otmar Szafnauer räumt ein: "Der Verzicht auf den zweiten Reifenwechsel war ein Fehler. Wir hätten nur eine Position auf der Strecke verloren, hätten die mit frischen Reifen aber locker wieder zurückgeholt." Perez ist jetzt besonders auf den Hungaroring gespannt. "Wenn wir auf eine andere Strecke kommen, werden wir sehen, ob die starke Vorstellung des Autos mit der Strecke zusammenhängt, oder ob wir überall so stark sind." Der Mexikaner mahnt an, dass sich der RP20 vor allem noch in den langsamen und mittelschnellen Kurven verbessern muss.

Williams - Formel 1 - GP Österreich - Steiermark - Spielberg - 9. Juli 2020
Motorsport Images
Williams auf Spurensuche: Warum war das Auto auf eine Runde besser als im Rennen?

Williams

Bittere Pille für George Russell. In seinem Auto werden Motor, Turbolader und MGU-H getauscht. Schuld war ein Schaden am Stirnradsatz des Mercedes V6-Turbo. Nach Aussage von Mercedes ein isoliertes Problem. Russell will an diesem Wochenende herausfinden, warum sein Williams im Rennen langsamer war als in der Qualifikation. "Das war bei den Testfahrten noch andersherum."

Der Engländer glaubt, dass der Speedverlust am Sonntag mit einer Serie von Problemen zu tun hatte, die ihm zu schaffen machten. "Wir mussten auf die Kühlung, die Bremsen und den Motor aufpassen. Das könnte uns Zeit gekostet haben." Ärgerlich, weil beim ersten Rennen des Jahres WM-Punkte quasi auf der Straße lagen. Russell lag vor seinem Ausfall vor Sebastian Vettel, der am Ende als Zehnter noch den letzten WM-Punkt holte. Trotzdem ist der Williams-Pilot nicht sonderlich traurig. "Ich hätte diese Punkte nur abgestaubt. Mir wäre es lieber, wenn ich mir meine ersten Punkte verdiene."

Renault

Daniel Ricciardo ist überzeugt, dass Renault zum direkten Verfolgerfeld zählt: "Wenn du Mercedes rausnimmst, liegen die Verfolger innerhalb einer Zehntelsekunde. Ich war von der ersten Runde im Training an happy mit meinem Auto. Leider hatte ich im Q3 Pech mit den gelben Flaggen. Sonst wäre ich auf Platz 7 oder Platz 8 gestanden. An unserem Renntempo müssen wir noch arbeiten. Mit mehr Gewicht an Bord werden die Reifen mehr beansprucht. Das macht das Reifenmanagement schwieriger." Teamkollege Esteban Ocon wunderte sich: "Bei mir war es umgekehrt. Ich hatte im Rennen keine Probleme, muss aber am Samstag besser werden."

Alpha Tauri

Das war echte Schadenbegrenzung beim ersten Rennen des Jahres. Pierre Gasly brachte für Red Bulls Junior-Team wenigstens noch sechs Punkte nach Hause. Die hingen am seidenen Faden, wie wir erst heute erfahren haben. Die Pressemitteilung schweigt sich komplett darüber aus. Gasly wollte das Rennen in Absprache mit dem Team schon aufgeben, weil die Vorderradbremsen zu heiß liefen. Nach dem Rennen wusste man warum. "Im rechten vorderen Bremsschacht befand sich zu viel Schmutz", erklärte Gasly.

Obwohl er zeitweise zwei Sekunden pro Runde langsamer fuhr, um die Bremstemperaturen wieder zu senken, war das Rennen für Gasly nicht gelaufen. Drei SafetyCars sei Dank. Daniil Kvyat flucht immer noch über die Randsteine: "Da habe ich meinen Frontflügel beschädigt. Danach war mein Rennen gelaufen. Mir wären Kiesbetten lieber als diese Randsteine." Kvyat war bereits aus den Punkterängen gerutscht, als wegen eines Aufhängungsproblems der linke Hinterreifen geplatzt ist.

Auch in diesem Fall entsprach der Pressetext nicht der Wahrheit. Dort gab man noch Esteban Ocon die Schuld, der angeblich mit dem Alpha Tauri zusammengestoßen war. Die Alpha Tauri-Fahrer räumten ein, dass ihr Auto im Moment nicht schnell genug für das Q3 ist. "Uns fehlen zwei Zehntel", präzisiert Kvyat. Es ist schwer, den Finger in die Wunde zu legen. Der AT01 verlor Zeit in langsamen und in schnellen Kurven. Ein Upgrade soll Abhilfe schalten. Kvyat testet es am Freitag, Gasly später. Ob es zum Einsatz kommt, wird anhand der Ergebnisse entschieden. "Wir hoffen, das es genau die zwei Zehntel ausmacht", mein Gasly.

Haas

Haas hatte eine geschäftige Woche. Die Ingenieure mussten die Bremsprobleme lösen, die letzten Sonntag beide Autos aus dem Rennen warfen. Im Verdacht stehen die Kühlschächte der Bremsen, die zu klein geraten sind. Allein auf der Strecke lief alles nach Plan. Deshalb wurde das Problem nicht im Training entdeckt. Doch im Rennen steckten die Haas-Piloten ständig im Verkehr. "Wir haben ein paar Optionen, um darauf zu reagieren. Es gibt auch eine Notlösung, wenn nichts hilft."

Kevin Magnussen verrät: "Was letzte Woche passiert ist, hat nichts mit den Bremsproblemen der Vergangenheit zu tun. Es traf uns unvorbereitet. Deshalb bin ich optimistisch, dass wir eine Lösung finden." Beide Fahrer glauben, dass sie um den Aufstieg ins Q2 kämpfen können. "Da geht es um zwei Zehntel rauf oder runter. Die sind zu finden. Wir probieren diesmal eine andere Abstimmung aus, die uns helfen sollte." Magnussen fällt auf: "Unser Renntempo ist besser als der Speed in der Qualifikation. Wir wissen also, woran wir arbeiten müssen."

Carlos Sainz - Lando Norris - McLaren - GP Steiermark 2020 - Spielberg
Aktuell

McLaren

Kann McLaren in diesem Jahr Ferrari herausfordern? Das erste Rennen hat es zumindest angedeutet. Für die McLaren-Fahrer ist das aber noch nicht die endgültige Antwort. "Lass uns andere Strecke abwarten", warnt Lando Norris. "Ferrari ist ein starkes Team. Es wird Gründe geben, warum sie letzte Woche nicht alles zeigen konnten. Wir haben eine gute Plattform, aber ich habe das Gefühl, dass Ferrari über die ganze Saison das bessere Auto hat. Wir müssen nicht auf sie schauen, sondern uns auf uns konzentrieren. Auch vierte und fünfte Plätze sind für McLaren ein gutes Resultat."

Carlos Sainz hat jedenfalls keine Angst, dass er 2021 zum falschen Team wechselt. "Ferrari war in seiner ganzen Geschichte immer vorne dabei. Und sie werden da auch wieder hinkommen. Ich mache mir keine Sorgen für 2021, weil ich noch gar nicht an nächstes Jahr denke." Wie Renault muss auch McLaren am Fahrverhalten mit vollen Tanks arbeiten. "Ich würde nicht sagen, dass es ein Problem ist. Es ist eher eine kleine Schwäche", relativierte Norris.

Alfa Sauber

Auch Alfa Romeo ging mit vielen Fragen aus dem ersten Rennen des Jahres. Die wichtigsten: Warum hat man auf der Jagd nach der schnellsten Runde 1,119 Sekunden im Vergleich zum Vorjahr verloren? Und warum waren die C39 am Sonntag schneller als am Samstag? Kimi Räikkönen gibt dem Motor nur eine Teilschuld. "Wir haben es nicht geschafft, am Samstag das Maximum aus unserem Auto herauszuholen. Aber wir sind nicht so weit weg, als dass wir das nicht wiedergutmachen könnten. Wir haben da ein paar Ideen für das Setup." Antonio Giovinazzi bestätigt: "Es gibt kein spezielles Problem. Wir waren über die ganze Runde zu langsam."

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