Team-Kooperationen in der Formel 1

Bestimmen bald nur noch Super-Teams?

Sainz vs. Ocon - GP Ungarn 2018 Foto: xpb 33 Bilder

Renault verknüpft seine ablehnende Haltung im Fall Force India mit der Sorge, dass die Formel 1 in Zukunft in wenige Super-Teams mit ihren Ablegern zerfällt. Sportchef Cyril Abiteboul will das Thema auf die Agenda der Strategiegruppe bringen.

Die Formel 1 ist bereits eine Zweiklassengesellschaft. Vorne Mercedes, Ferrari und Red Bull. Dahinter der große Rest. Dazwischen ein Loch von einer bis zwei Sekunden. Oder 200 bis 600 Angestellte. Oder 100 bis 250 Millionen Euro Budget. Die Hoffnung, dass sich einer aus dem Verfolgerfeld in den nächsten zwei Jahren an die Spitze heranrobbt, ist gleich null. Der Abstand im Vergleich zu 2017 blieb praktisch gleich. Die Formel 1 ist zu komplex geworden, die Unterschiede zwischen den Kleinen und Großen sind zu groß.

Diese Komplexität schließt Neueinsteiger aus. Bei Chassis und Motoren. Wer es auf eigene Faust versucht, würde so abschmieren wie einst Caterham, Marussia und Hispania. Einem neuen Motorenhersteller würde es so gehen wie Honda. Erstmal eine Milliarde vorstrecken, bevor man sich dann über vierte, fünfte und sechste Plätze freuen darf. Trotzdem wird sich an den Regeln nur marginal etwas ändern. Die FIA befindet sich im Tiefschlaf, lässt sich von Herstellern, Teams und Serienbetreibern den Motorsport diktieren.

Komplizierte Technik treibt Teams in den Ruin

Nico Hülkenberg - GP Kanada 2018 Top-Teams überrunden Mittelfeld Warum ist der Abstand so groß?

In der Formel 1 geht im Moment die Angst um, dass die Zweiklassengesellschaft auf andere Füße gestellt wird. Nicht mehr in Arm und Reich, sondern in A- oder B-Team. Mit dem gleichen Resultat wie jetzt. Die A-Teams fahren mit Respektabstand von ihren Satelliten. Ein Kundenteam zu sein, reicht bald nicht mehr. Die Hybrid-Monster fressen die Teilnehmer auf. Auch wenn der Motorenpreis mit 12 Millionen Euro gedeckelt ist. Doch das ist nur eine Augenwischerei. Teuer sind die Installationskosten. Wer acht Kühler und fünf Steuergeräte und Kilometer von Kabel unterbringen muss, der muss viel Geld aufwenden, das ohne aerodynamische Einbußen hinzubringen. Kühler kosten ein Vermögen.

Williams hat es in diesem Jahr versucht und ist auf die Nase gefallen. Technikchef Paddy Lowe wollte das Kühlkonzept von Mercedes auf den Williams übertragen, denn nur das garantiert eine kompakte Bauweise im Heck. Tatsächlich sind die Seitenkästen beim Williams so stark unterschnitten wie sonst bei kaum einem Auto. Dummerweise herrschen unter der Verkleidung zu hohe Temperaturen, oder die diversen Abnehmer bekommen nicht die spezielle Kühlung, die sie brauchen. Als Konsequenz wird die Verkleidung aufgeschnitten.

Natürlich sind nicht nur die Motoren an dem ruinösen Entwicklungswettlauf schuld. Auch die Aerodynamik wird immer ausgefeilter. Die Teams sind dazu gezwungen, jedes Rennen Modifikationen ans Auto zu bringen und bei der Suche nach Rundenzeit im Detail zu forschen. Das Wettrüsten wird zu einem Software-Krieg.

Auch die kleinen Teams müssen mithalten. Sonst geht die Schere noch weiter auf. Änderungen am Frontflügel oder dem Unterboden verschlingen ein Vermögen. Sie müssen nicht nur ständig getauscht werden, weil etwas Neues dazu kommt, sondern weil sie Verschleiß unterliegen. Ein neuer Boden kostet schnell mal 100.000 Euro.

Synergien lohnen sich für A- und B-Team

Guenther Steiner & Mattia Binotto - GP Frankreich 2018 Foto: ams
Haas-Teamchef Guenther Steiner profitiert von der Zusammenarbeit mit Ferrari-Technikchef Mattia Binotto.

Das führt dazu, dass in vielen Teams die Krise ausbricht. Oder die Hoffnungslosigkeit. Der Fall Force India hat jetzt wieder allen die Augen geöffnet. Das Team kann nur gerettet werden, wenn alle zustimmen, dass Force India mit neuen Besitzern weiter an der Ausschüttung der Formel 1-Einnahmen partizipiert. Williams, McLaren und Renault zieren sich. Williams aus Eigennutz und Verzweiflung. Sie werden die nächsten sein, nach denen der Pleitegeier greift. Renault, weil der Rennstall auf eine Entwicklung hinweisen will, die das aktuelle Problem der Formel 1 beschleunigt.

Es geht die Angst um, dass Force India bald schon ein B-Team von Mercedes wird. Und Williams vielleicht das C-Team. Ferrari praktiziert diese Lösung bereits mit HaasF1 und bewegt sich auch mit Sauber darauf zu. Das Sponsorgeld von Alfa Romeo und die Bereitstellung des früheren Ferrari-Fahrdynamikchefs Simone Resta als neuen Technischen Direktor sind ja kein Zufall. So will Maranello einen Fuß in den Schweizer Rennstall setzen. Die Zahl der Gleichteile wird steigen. Red Bull wird 2019 Toro Rosso enger an sich binden. Jetzt, wo man wieder den gleichen Motor fährt und bei Honda quasi Werksstatus genießt, machen Synergien achon aus Kostengründen Sinn.

Die Zusammenarbeit lohnt sich auch für das A-Team. So kann man sich Windkanalzeit oder CFD-Kapazität erschwindeln. Zwei Entwicklungsteams finden mehr heraus als eines. Die B-Teams können massiv Personal abbauen und so überleben. Nur ist das gut für die Formel 1? Ist das noch eine Königsklasse, wenn nur noch drei oder vier Topteams die Autos bauen und der Rest das Basismodell ein bisschen aufhübscht?

Renault will das Thema auf die Agenda bringen

Cyril Abiteboul -Renault - Formel 1 - GP Kanada - Montreal - 8. Juni 2018 Foto: sutton-images.com
Renault-Boss Cyril Abiteboul sieht sein Team im Nachteil gegen die Kooperationen von Ferrari und Mercedes.

Alarmierend für die Vertreter der klassischen Formel 1 ist, dass das Modell HaasF1 auch noch erfolgreich ist. Das US-Team hat gute Chancen in diesem Jahr Vierter zu werden und Renault die Bilanz zu verhageln. Mit 220 statt 700 Leuten, mit 125 statt 220 Millionen Euro Budget. „Das ist unfair“, schimpft Renault-Botschafter Alain Prost. „Wir müssen alles selbst bauen. Die kriegen zwei Drittel des Autos von Ferrari.“

Renault fürchtet in Zukunft von Mercedes, Ferrari, Red Bull und ihren Ablegern gegen die Wand gefahren zu werden. Man selbst steht mit McLaren ziemlich isoliert da. „McLaren wird weiter eigene Autos bauen und kein B-Team werden“, prophezeit Abiteboul. FIA-Rennleiter Charlie Whiting fürchtet: „Die Formel 1 könnte bald schon von zwei oder drei Super-Teams beherrscht werden.“

Renault-Sportchef Aniteboul will auf die gefährliche Entwicklung in der Formel 1 aufmerksam machen. „Wir haben nichts gegen Force India. Aber dieses Thema muss jetzt endlich auf die Agenda. Wir sprechen es seit Monaten an, und keiner hört uns zu. Das ist unsere Chance, es publik zu machen.“

Der Franzose findet mit seinem Anliegen bei Force India sogar Sympathisanten: „Renault hat Recht. Aber sie sollen das Problem bitte nicht auf unserem Rücken austragen“, sagt Sportdirektor Otmar Szafnauer. Mercedes-Teamchef Toto Wolff will den Verweigerern die Angst nehmen. „Es werden Gespräche darüber stattfinden.“

Neues Heft
Top Aktuell Podium - GP USA 2018 Crazy Stats GP USA 2018 Rekord-Sieglosserie beendet
Beliebte Artikel Zak Brown - Claire Williams - Formel 1 Schmidts F1-Blog Force-India-Rettung torpediert Nico Hülkenberg - GP Kanada 2018 Top-Teams überrunden Mittelfeld Warum ist der Abstand so groß?
Anzeige
Sportwagen Essen Motor Show Teaser 2018 Essen Motor Show 2018 PS-Festival in Essen Toyota Supra Toyota GR Supra (2019) Einblicke in Japan-Sportwagen
Allrad 10/2018, Hennessey Ford F-150 Heritage Hennessey Ford F-150 Heritage Pick-up im Rennsport-Outfit Mitsubishi L200 2019 Teaser Mitsubishi L200 Facelift 2019 Neuer Style für Japan-Pickup
Oldtimer & Youngtimer Auktion Oldtimer Galerie Toffen 20.10.2018 Oldtimer Auktion Toffen 2018 Schwache Herbst-Versteigerung Opel Kapitän, Modell 1956, Frontansicht 80 Jahre Opel Kapitän Der große Opel