Fernando Alonso & Sebastian Vettel - GP Bahrain 2021 Motorsport Images
Lando Norris - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Pierre Gasly - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Max Verstappen - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Lewis Hamilton - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021 22 Bilder

Vettel, Ricciardo & Co: Probleme der Team-Wechsler

Die Probleme der Team-Wechsler Routiniers werden zu Anfängern

Fünf Fahrer haben über den Winter das Team gewechselt. Alle kämpfen mit Anpassungsschwierigkeiten. Warum fällt es selbst erfahrenen Formel-1-Piloten so schwer, das Auto zu wechseln?

Der zweite Grand Prix des Jahres war kein gutes Pflaster für Umsteiger. Keiner der Fahrer, die über den Winter das Team gewechselt haben, kam in Imola vor seinem Teamkollegen ins Ziel. Carlos Sainz, Daniel Ricciardo, Fernando Alonso, Sergio Pérez und Sebastian Vettel landeten auf den Plätzen 5, 6, 10, 11 und 15. Keiner der Umsteiger liegt in der WM-Wertung vor seinem Teamkollegen.

Pérez und Ricciardo gewannen in Imola zwar ihre Trainingsduelle, doch sie profitierten von Fehlern der Platzhirsche. Max Verstappen setzte in seiner schnellsten Qualifikationsrunde zwei Räder ins Gras. Lando Norris wurde die schnellste Trainingsrunde aberkannt. Er wäre damit 0,372 Sekunden schneller gewesen als Ricciardo. Im Rennen rückten die Hausherren im Team die Hackordnung wieder gerade.

Alle Umsteiger sind alte Hasen

Die Erklärungen der Neuzugänge im Team hören sich alle ähnlich an. Man müsse sich erst an die neue Umgebung gewöhnen, die Stärken und Schwächen des Autos lernen und ein Verständnis dafür aufbauen, wie man es abstimmen und fahren muss, um das volle Potenzial abrufen zu können.

Die Eingewöhnungsphase, die sich die fünf Teamwechsler anfangs zugestanden hatten, lag zwischen zwei und fünf Rennen. Momentan tendiert sie eher zu fünf. Ricciardo gibt zu: "Ich wusste, dass der Teamwechsel ein paar Herausforderungen mit sich bringen würde. Aber ich hatte ehrlich gesagt gehofft, dass es etwas schneller geht."

Sebastian Vettel - Lance Stroll - Bahrain-Test 2021
Jerry André
Eigentlich hatte jeder erwartet, dass Sebastian Vettel seinen Teamkollegen Lance Stroll im Griff hat.

Das überrascht. Wir reden hier nicht über Fahrer, die neu im Geschäft sind. Ganz im Gegenteil. Alonso fuhr in Imola seinen 314. Grand Prix in seiner 18. Saison. Vettel hat bereits 259 Grands Prix abgestrampelt und geht in seine 15. Saison. Pérez mit 193 und Ricciardo mit 190 Starts beginnen ihre jeweils elfte Saison. Und auch Sainz ist mit 120 GP-Teilnahmen in seiner siebten Saison kein Rookie mehr.

Früher haben sich erfahrene Piloten schneller eingelebt. Alonso gewann 2007 sein zweites Rennen für McLaren. Vettel 2015 sein zweites für Ferrari. Ricciardo fand sich bei seinem Wechsel von Red Bull zu Renault genauso schnell in seinem neuen Auto zurecht wie Sainz bei seinem Transfer von Renault zu McLaren.

Doch damals gingen Umsteiger auch besser vorbereitet in eine neue Saison. Bis 2015 gab es noch zwölf Testtage vor der Saison, bis 2019 waren es acht. In diesem Jahr wurden die Wintertests auf drei Testtage zusammengestrichen. Die Simulatortage waren wegen der Reisebeschränkungen in der Pandemie stark eingeschränkt. Ferrari und Renault machten sich wenigstens noch die Mühe, Sainz und Alonso in älteren Autos üben zu lassen.

Vettel mit den wenigsten Kilometern

Der Kilometervergleich zeigt das Dilemma. Vettel hatte vor Imola gerade mal 1.299 Kilometer in seinem Aston Martin abgespult. Bei Pérez waren es mit den Testfahrten und dem kompletten Bahrain-Wochenende 1.525 km, bei Ricciardo 1.630 km, bei Alonso 1.678 km und bei Sainz 1.743 km. Sie stoßen auf Teamkollegen, die ihre Autos, Ingenieure und Abläufe seit Jahren kennen. Als Vettel 2015 von Red Bull auf Ferrari umstieg, kam er locker auf das doppelte Pensum, bevor die Saison losging.

Daniel Ricciardo - McLaren - Test - Formel 1 - Bahrain - 12. März 2021
Motorsport Images
Daniel Ricciardo fremdelt noch mit seinem McLaren. Teamkollege Lando Norris hat deutlich mehr Vertrauen in sein Rennauto.

Die Vorbereitung im Simulator ist nur ein halbwertiger Ersatz. Man bekommt ein ungefähres Gefühl für das Auto, mehr nicht. Die Feinheiten lernt man erst auf der Rennstrecke kennen. Die Abstimmungstricks im Gespräch mit den Ingenieuren. Bei Perez, Ricciardo und Sainz kommt noch dazu, dass sie auf Teamkollegen treffen, die quasi Tag und Nacht Rennen fahren. Das virtuelle Racing bringt einen gewissen Erfahrungsvorsprung, und sei es nur im Abspeichern unterschiedlichster Rennsituation.

Moderne Rennautos sind einfacher zu fahren als ihre Vorgänger, doch wer Verstappen, Leclerc, Norris, Ocon oder Stroll im gleichen Auto schlagen will, muss erst mal sein Wissensdefizit auf seine Stallrivalen ausgleichen. Die letzten zwei Prozent sind laut Perez die wichtigsten: "Ich lerne mit jeder Runde dazu, wie ich diesen Red Bull fahren muss, um das Maximum aus ihm herauszuholen. Dabei sehe ich an den Daten von Max, wo ich mich verbessern kann."

Perez überraschte sich in Imola mit der zweitbesten Trainingszeit vor Verstappen selbst: "Ich hätte nicht gedacht, dass es so früh passiert. Das Fahren geht mir noch immer nicht natürlich von der Hand." Der Vorteil des Mexikaners im Vergleich zu seinen Leidensgenossen ist, dass er im besten Auto im Feld sitzt.

Unterschiedliche Autos, ähnliche Rundenzeiten

Carlos Sainz wunderte sich über die Unterschiede eines McLaren und eines Ferrari: "Wie können zwei Autos so total verschieden sein und trotzdem ähnliche Rundenzeiten erzielen? Als ich zum ersten Mal im Ferrari saß, war es, als müsste ich das Fahren neu lernen." Der alte Fuchs Alonso merkte schon in Bahrain, dass zwei Jahre Pause an ihm nagen. "Ich fühle mich in vielen Bereichen wie ein Rookie. In der Formel 1 kommt es auf Details an. Du bist nur schnell, wenn du sie alle für dich nutzt."

Carlos Sainz - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
xpb
Carlos Sainz fehlt es vor allem im Qualifying. Im Rennen ist er nah dran an Charles Leclerc.

Nachdem der Heimkehrer Esteban Ocon beim Saisonstart noch im Griff hatte, musste er in Imola eine derbe Niederlage einstecken. Der Rückstand von 0,476 Sekunden in der Qualifikation schmerzte. Diese Wunde hat auch der geschenkte WM-Punkt im Rennen nicht geheilt. Alonsos selbstkritische Erkenntnis: "Ich muss mich mehr steigern als das Auto."

Ricciardo findet es wie schon bei seinem Wechsel von Red Bull zu Renault am schwierigsten, sich an das Bremsen zu gewöhnen. Nachdem ihn Lando Norris in Imola nach dem Neustart um 27,5 Sekunden abgehängt hatte, ging Ricciardo in sich: "Ich muss jetzt meinen Stolz beiseiteschieben und schauen, wo ich mich verbessern kann. Ich will nicht niedergeschlagen, sondern produktiv sein. Das war erst das zweite Rennen. Ich muss geduldig bleiben, weiter hart arbeiten und das Puzzle nach und nach zusammensetzen."

Der Australier zieht den Vergleich zu seiner Zeit bei Renault. "Man hat es letztes Jahr an Ocon gesehen, der sich auch schwergetan hat, meinen Speed im Qualifying mitzugehen. Da hat mir sicher das eine Jahr Erfahrung bei Renault geholfen." Jetzt ist Ricciardo der Lehrbub und Norris der Mann, der die Eigenheiten des Autos seit zwei Jahren kennt. Und der Dritte von Imola gibt zu: "Ich habe einen Trick gefunden, wie ich das Auto noch näher ans Limit bringen kann." Den sucht sein Kollege noch.

Sergio Perez - Red Bull - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 17. April 2021
xpb
In der Qualifikation von Imola konnte Perez seinen Teamkollegen überraschend schlagen. Im Rennen drehte Verstappen den Spieß dann schnell um.

Sainz mit positivem Fazit

Sebastian Vettel registrierte in Imola eine kleine Steigerung. Der Abstand zu Lance Stroll halbierte sich fast. Er versteht seinen Aston Martin besser, räumt aber auch ein: "Mir fehlt immer noch das absolute Vertrauen, das Auto laufen zu lassen. Geduld ist nicht meine Stärke. Die Eingewöhnung geht mir zu langsam voran."

Teamchef Otmar Szafnauer gibt Rückendeckung: "Seb hat von allen Umsteigern die wenigsten Kilometer abgespult. Er braucht noch etwas mehr Zeit, um uns und das Auto kennenzulernen. Dieses Auto und der Motor sind komplett verschieden von dem, was er kennt."

Der Regen von Imola ging die Schere zwischen den alten und neuen Fahrern im Team wieder auf. Weil es für die Umsteiger wieder eine neue Erfahrung war. Ricciardo ruinierte sich die Intermediates. Alonso fuhr betont vorsichtig. Vettel schlug sich mit technischen Problemen und Strafen herum. Pérez landete zweimal im Kies. Nur Sainz zog ein positives Fazit: "Ich bin Risiken eingegangen, ein paar Mal abgeflogen, war aber im Regen unter den Schnellsten. Das macht mir Mut." Das Podium lag mit 3,3 Sekunden Rückstand schon in Sichtweite.

Übersicht Test-Kilometer 2021

Fahrer Testkilometer Km vor Imola Km vor Portimao
Carlos Sainz 1.039 km 1.743 km 2.509 km
Fernando Alonso 1.115 km 1.678 km 2.400 km
Daniel Ricciardo 937 km 1.630 km 2.357 km
Sergio Perez 898 km 1.526 km 2.208 km
Sebastian Vettel 633 km 1.299 km 2.006 km
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