Start - GP Russland 2020 - Sotschi xpb
Impressionen - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 2. Juli 2020
Pierre Gasly - Alpha Tauri - GP Italien 2020 - Monza
Sergio Perez - Racing Point - GP Sakhir 2020 - Bahrain - Rennen
Carlos Sainz - GP Toskana  - Mugello - Formel 1 - 2020 28 Bilder

Großer Formel 1-Check: Die Ziele der Teams 2021

Großer Formel 1-Teamcheck Wer hat welche Erwartungen an 2021?

Das Reglement schränkt die Freiheiten in der Fahrzeugentwicklung ein. Trotzdem kann es zu Verschiebungen kommen. Weil die Auswirkungen der neuen Regeln für den Unterboden gravierender sind, als man annehmen könnte. Die Ergebnisse werden auch stark davon abhängen, wer wie viele Ressourcen überhaupt noch in das 2021er Auto steckt.

Mercedes

Lewis Hamilton hat noch nicht unterschrieben. Er sollte sich mit seinem Arbeitgeber über die neuen Vertragsmodalitäten aber einig werden. Zu groß ist die Verlockung eines achten WM-Titels. Und Hamilton will die neue Ära ab 2022 mit neuen Autos miterleben. Mercedes hat sich 2020 bereits Mitte Juli aus der damals aktuellen Fahrzeugentwicklung ausgeklinkt und die Ressourcen auf 2021 verlagert, mit dem Ziel, die Einschnitte am Unterboden und den einhergehenden Abtriebsverlust am besten zu meistern.

Die neuen Regeln geben dem Weltmeister seit dem Januar die wenigste Windkanalzeit. Deshalb wollte man möglichst viel Arbeit im alten Jahr erledigt haben. Jetzt kann man mehr Windkanalzeit für das 2022er Auto reservieren. Das Motto: Jede Stunde, die man nicht mehr für das 2021er Auto aufwenden muss, ist ein Bonus für das kommende Jahr.

Max Verstappen - Red Bull - GP Abu Dhabi 2020
Wilhelm
Red Bull gegen Mercedes, Verstappen gegen Hamilton: das große WM-Duell 2021?

Red Bull

Red Bull entwickelte bis zum Schluss und schloss die Lücke zu Mercedes. Das Kalkül: Was man letztes Jahr verbesserte, sollte auch 2021 helfen, weil das neue Auto zu 60 Prozent aus dem alten besteht. Generell ist der Red Bull für die Fahrer berechenbarer geworden. Man hat Abtrieb gewonnen und das Heck stabilisiert. Wem schaden die Unterbodenregeln mehr: Dem Mercedes mit langem Radstand und tiefem Heck? Oder dem Red Bull mit kürzerem Radstand und hoher Anstellung? Da sind die Ingenieure nicht sicher.

Wie Red Bull die Ressourcen wann auf das 2022er Auto verlagert, hängt von der Konkurrenzfähigkeit ab: "Wir entwickeln immer parallel. Sollten wir sofort wettbewerbsfähig sein, gehen wir mehr auf 2022. Sonst bleiben wir mehr beim aktuellen Auto, weil wir ja aufholen müssen", erklärt Sportchef Helmut Marko.

McLaren

Die Aerodynamik darf verändert werden. Ansonsten unterliegen viele Fahrzeugteile einem Entwicklungsstopp, um in Corona-Zeiten Geld zu sparen. Jedes Team hat zwei Token, um einen größeren Bereich oder zwei kleinere Teile zu verändern. McLaren muss seine für den Motorwechsel aufbrauchen. Mit manchen Fahrzeugschwächen werden die Ingenieure also weiterleben müssen. Wenn der Mercedes-V6 Klassenprimus bleibt, wird McLaren aber an Leistung und damit an Rundenzeit gewinnen.

Mit Daniel Ricciardo kommt ein GP-Sieger. Platz 3 soll verteidigt, das Momentum aufrechterhalten werden. Keine leichte Aufgabe, zumal McLaren verstärkt auf 2022 schaut, weil es die Chance ist, zur Spitze aufzuschließen. Wie Ferrari investiert McLaren in seine Werkzeuge. Der Bau eines neuen Windkanals und Fahrsimulators schreitet voran. Allerdings dauert die Fertigstellung. Der neue Windkanal dürfte erst 2022 fertig sein.

Aston Martin

Es wird ein Schicksalsjahr für Sebastian Vettel, der Lance Stroll schlagen und zur alten Stärke zurückfinden muss. Eine Niederlage könnte sein Erbe schwer beschädigen. Sie würde die Kritiker heraufbeschwören, die seine vier WM-Titel auf das überlegene Auto von 2010 bis 2013 begrenzen. Andererseits kann Vettel auch wieder aufblühen. Und er kann Aston Martin mit seiner Erfahrung bereichern. "Er bringt eine Gewinner-Mentalität ins Team. Wir werden zweifellos von ihm profitieren. Sebastian hat Erfahrung darin, einem Team dabei zu helfen, zu einem Sieger und WM-Anwärter zu werden", sagt Teamchef Otmar Szafnauer.

Racing Point hatte im Vorjahr das drittschnellste Auto, wurde aber nur Vierter. Punktabzug, Technikpannen, zu viele strategische Fehler. Das Team muss weiter lernen, in der dünneren Luft näher zur Spitze zu atmen. Man verspricht sich viel vom Budgetdeckel. Racing Point hofft, mit seiner effizienten Struktur gegenüber den Topteams und der Mittelfeldkonkurrenz zu punkten. McLaren und Renault werden Personal abbauen müssen.

Alpine A521 - Formel 1 - Lackierung
Aktuell

Alpine

Renault wird zu Alpine, um die Sportwagentochter stärker ins Rampenlicht zu stellen. Im Hintergrund wird die Teamführung umgebaut. Noch herrscht Unklarheit darüber, wer Ex-Teamchef Cyril Abiteboul ersetzt. Und das rund zwei Monate vor dem Saisonstart. Da müssen die Franzosen aufpassen, dass die Orientierung nicht verloren geht.

Alles schaut auf Rückkehrer Fernando Alonso, der zwar Geduld beschwört, eigentlich aber die personifizierte Ungeduld ist. Es soll ein Übergangsjahr mit gelegentlichen Highlights werden. So wie die drei Podestplätze in der abgelaufenen Saison. Die Frage ist, ob Alonso das reicht. Alonsos Teamkollege muss sich beweisen. Esteban Ocon wurde im Vorjahr von Ricciardo entzaubert. Eine zweite Saison dieser Art dürfte ihn sein Cockpit kosten. Renault hat wie Racing Point zwei Token in der Hand, um Schwachstellen zu beheben.

Ferrari

Das Mindestziel ist gleichzeitig das Maximalziel: Ferrari will Dritter werden. Das ist schon ambitioniert, wenn man 2020 als Ausgangsbasis nimmt. Mercedes und Red Bull sind für mehr zu weit weg. Die schlechteste Saison seit 1980, der sechste WM-Platz, soll vergessen gemacht werden. Carlos Sainz übernimmt Vettels Cockpit – wir werden sehen, wie gut der Spanier tatsächlich ist. Charles Leclerc ist die Messlatte.

Ferrari hat beim Motor einen Schuss. Der muss sitzen, sonst fehlt erneut über ein Jahr hinweg Leistung. Teamchef Mattia Binotto ist optimistisch, nicht wieder den schlechtesten Motor zu haben. Seine beiden verfügbaren Token steckt Ferrari offenbau in den Umbau des Getriebes, um die Motorabdeckung im Heck schlanker ziehen zu können. Die Aerodynamik muss effizienter werden. Heißt: Mehr Abtrieb bei gleichzeitig weniger Luftwiderstand. Eine schwere Aufgabe. Ferrari schielt zwar stark auf 2022. Im Gegensatz zu vielen anderen Teams kann es sich der Rennstall der Herzen allerdings nicht leisten, eine Saison zu opfern.

Charles Leclerc - Ferrari - GP Eifel 2020 - Nürburgring
Wilhelm
Ferrari will an die Spitze des Mittelfelds. Doch da wollen auch Aston Martin (Racing Point), McLaren und Alpine hin.

Alpha Tauri

Es ist Hondas letzte Saison vor dem Rückzug. Leistung plus Zuverlässigkeit: Die Japaner senden ermutigende Prüfstandsergebnisse an Red Bull und Alpha Tauri. Das A-Team soll mit verbessertem Motor gegen Mercedes kämpfen, der Rennstall aus Faenza wenn möglich in die Top 5 der WM vorstoßen. Bruder und Schwester werden noch enger zusammenarbeiten.

Der siebte Rang 2020 war ein kleiner Wermutstropfen. Mit 107 WM-Punkten wäre Alpha Tauri 2019 Fünfter geworden. Monza-Sieger Pierre Gasly ist der Teamkapitän. Der Franzose will sich in Position bringen, sollte Sergio Perez die Erwartungen bei Red Bull nicht erfüllen. Yuki Tsunoda ist ein Versprechen für die Zukunft, Helmut Marko hält große Stücke auf den kleinen Japaner.

Alfa Romeo

Acht Punkte, achter Platz: Das letzte Jahr war kein schönes für Alfa Romeo. Viel spricht dafür, dass es 2021 nicht besser wird. Der C39 war ein Durchschnittsauto. Alfa litt unter der Ferrari-Krücke, die Teamverantwortlichen stimmte einzig die Zuverlässigkeit zufrieden. Der C41 – Sauber gleicht die Modellbezeichnung an die hintere Zahl des Kalenderjahres an – wird wieder abhängig sein von Ferrari.

Nur wenn dem Partner und der eigenen Chassisabteilung zwei Schritte gelingen, kann die Lücke zum Mittelfeld geschlossen werden. Doch den Ingenieuren sind wegen der Regeln in vielen Bereichen die Hände gebunden. Das Fahrer-Duo ist Durchschnitt, der Motorenvertrag läuft zum Jahresende aus. Es muss neu verhandelt werden.

Mick Schumacher - Haas - Testfahrten - Abu Dhabi 2020
xpb
Mick Schumacher wird in seiner Debüt-Saison lernen müssen - und Geduld aufbringen.

Haas

Ein Upgrade soll es geben, um den Haas an das veränderte Aerody-namik-Regelwerk anzupassen und um Optimierungen vorzunehmen. Der US-Rennstall lässt 2021 ansonsten links liegen und konzentriert sich zu 100 Prozent auf das neue Zeitalter 2022. Ein Poker, der aufgehen könnte. Haas kann es sich erlauben.

Mick Schumacher wird wie Nikita Mazepin ein Lehrjahr zugestanden. Teamchef Guenther Steiner weiß: Jungen Fahrern passieren Fehler. Von den beiden Rookies sind keine Wunderdinge zu erwarten. Mazepin sollte sich nach der Grapsch-Affäre besser keine Fehltritte mehr abseits der Rennstrecke leisten. Die Augen der Öffentlichkeit werden auf den Teamkollegen gerichtet sein. Haas lechzt wie Alfa nach einem besseren Motor.

Williams

George Russell hofft, dass es seine letzte Saison im Traditionsrennstall werden wird, und er im kommenden Jahr zu Mercedes aufsteigt. Das hängt von seiner weiteren Entwicklung ab, aber auch von den Leistungen von Valtteri Bottas. Williams hat mit Jost Capito, der von VW kommt, einen neuen Geschäftsführer. Teamchef bleibt Simon Roberts.

Der Traditionsrennstall wird darauf aus sein, nicht noch eine Saison ohne Punkte abzuliefern. Der ein oder andere Zähler soll in Chaosrennen abgestaubt werden. Es ist nicht unrealistisch, die rote Laterne an Haas abzutreten. Viel wichtiger wird für Williams aber der Startschuss 2022. Capito wird zusammen mit Roberts dafür sorgen müssen, dass die Struktur für einen echten Neustart geschaffen wird.

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