Lewis Hamilton - Toto Wolff - Mercedes - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola Motorsport Images
Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Portugal 2020
Max Verstappen - GP Portugal 2020
Alexander Albon - GP Portugal 2020
Carlos Sainz - GP Portugal 2020 17 Bilder

Formel 1-Teamcheck vor GP Emilia-Romagna 2020 (Imola)

F1-Teamcheck GP Emilia-Romagna 2020 10 Stunden und eine Pizza

Wir checken die zehn Teams vor dem Imola-Rennen auf Neuigkeiten ab. Alfa Romeo und Williams bestätigten ihre Fahrer. Dagegen sind die Vertragsverhandlungen zwischen Mercedes und Lewis Hamilton verschoben.

Freitag ist in Imola der PR-Tag vor dem Grand Prix. Die Fahrerlager-Tore bleiben für uns weiter geschlossen. Imola ist nach dem Nürburgring die zweite alte Strecke, die in den Kalender zurückkehrt. Der letzte Grand Prix fand 2006 auf dem einstigen Klassiker statt. Deshalb steht die schnellste Runde immer noch auf Michael Schumachers Rekordrunde von 2004. Seine Zeit von 1.20,411 Minuten wird in diesem Jahr nicht nur wegen der fortgeschrittenen Technik pulverisiert.

Der Kurs ist 24 Meter kürzer als damals und es fehlt die Schikane vor Start und Ziel. Ferrari erwartet Rundenzeit von 1.14 Minuten. Kimi Räikkönen ist der einzige Fahrer, der schon Formel 1-Rennen auf dem Autodrom Enzo e Dino Ferrari gefahren ist. Der Grand Prix der Emilia Romagna ist auch das erste geplante Zweitages-Wochenende der Formel 1. Schon deshalb bekamen die Aussagen von Fahrern und Teamchefs ein besonderes Gewicht.

Mercedes

Normalerweise verzichtet Lewis Hamilton auf eine Streckenvisite. Selbst bei neuen Schauplätzen. Umso erstaunter waren alle, dass der Weltmeister Imola mit einem Elektro-Roller erkundete. Der Weltmeister hatte aber offenbar mehr einen Blick für die Landschaft als für die Strecke. "Diese wunderbaren Bäume hier. Was für eine tolle Gegend in diesem Land."

Mercedes kann in Imola zum siebten Mal Team-Weltmeister in Folge werden. Red Bull müsste 34 Punkte mehr holen, um das zu verhindern. Trotzdem hält Teamchef Toto Wolff den Ball flach: "Ich kann keine Freude an etwas haben, das noch nicht passiert ist. Selbst wenn die Chance es zu erreichen bei 99 Prozent liegt." Der Österreicher kann sich auch nicht an die Überlegenheit seiner Autos gewöhnen: "Unsere Selbstzweifel sind einer der Schlüssel für unseren Erfolg. Wir gehen nie in eine Saison im Glauben, dass wir alle schlagen."

Hamilton muss für seinen siebten Titel auf jeden Fall noch bis zum GP Türkei warten. Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung werden noch auf die lange Bank geschoben. "Wir wollen erst beide Meisterschaften beenden. Danach haben wir immer noch Zeit", erklärt Wolff. "Es wäre schlimm, wenn wir uns bei einem Treffen mit Corona anstecken und so die WM entscheiden." Wolff und Hamilton können sich noch gut an die letzte Verhandlungsrunde erinnern: "Sie dauerte zehn Stunden, und danach gab es Pizza."

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
Wilhelm
Sebastian Vettel ist weiter auf der Suche nach Harmonie mit seinem SF1000.

Ferrari

Für Sebastian Vettel ist Imola neu. Charles Leclerc kennt die Strecke von zwei Formel Renault-Auftritten. Für Vettel geht es weiter darum, seinen Speed zurückzufinden. "Ich versuche, so schnell wie möglich zu fahren, hole aber nicht das gleiche aus dem Auto wie Charles. Deshalb arbeite ich it den Ingenieuren zusammen, um herauszufinden, was mich bremst. Es ist das erste Mal, dass mir so etwas passiert. Ich kann die Lösung nur bei mir selbst finden und wie ich mein Auto für mich einstelle. Es ist eine Frage der Anpassung."

Teamchef Mattia Binotto verrät: "Es gibt kein klares Bild. Seb spürt offensichtlich nicht den gleichen Grip wie Charles. Es gibt aber nicht einen bestimmten Bereich, wo er verliert. Es ist ein Hundertstel hier, ein Hundertstel dort." Gute Nachricht hat Ferraris Capo für Charles Leclerc: "Unser neuer Motor für 2021 zeigt gute Fortschritte auf dem Prüfstand."

Red Bull

Alexander Albon versucht, die Gerüchte um seinen Verbleib bei Red Bull auszublenden. "Es wird viel geredet, aber am Ende bestimmen die Resultate. Ich konzentriere mich auf meinen Job." Teamchef Christian Horner bestätigt, dass der Thailänder noch fünf Chancen bis zum Saisonende hat. "Er hat es selbst in der Hand. Wir alle wünschen ihm, dass er seinen Platz bei uns behält."

Ein Problem, mit dem Albon wie viele Red Bull-Fahrer vor ihm kämpft, ist eine gewisse Instabilität im Heck, die dem Auto nur schwer auszutreiben ist. "In diesem Jahr ist das Problem stärker da als letztes Jahr", bestätigt Horner. "Schnelle Rennautos sind nie einfach zu fahren. Wir versuchen, Rundenzeit am Kurveneingang zu finden. Da kann so ein Problem auftreten. Wir haben aber verstanden, dass wir das in Zukunft minimieren müssen."

Racing Point

Lance Stroll wurde 2016 in Imola Formel 3-Meister. Außerdem übte der Kanadier kürzlich in einem GP2-Auto auf dem Kurs in der Emilia Romagna. Stroll freut sich schon auf seine ersten Runden im Formel 1: "Ein Kurs der alten Schule. Du hast nie Ruhe, musst viel über die Randsteine drüber. Es gibt kaum Auslauf. Für jeden Fehler zahlst du einen Preis."

Sergio Perez ärgert sich noch über die Verwarnung, die er für sein Abwehrmanöver gegen Pierre Gasly in Portugal bekommen hat. "Ich werde den Fall beim Fahrerbriefing ansprechen. Wenn das zu hart war, dann müssen wir die Regeln präzisieren." Der Mexikaner gibt zu, dass Red Bull jetzt seine letzte Option in der Formel 1 ist. "Sonst könnte es sein, dass ich nächstes Jahr draußen bin." Teamchef Otmar Szafnauer bestätigte, dass es im Team bis jetzt sieben Corona-Fälle gab. Dazu zählten beide Fahrer und Teambesitzer Lawrence Stroll.

Nicholas Latifi - Simon Roberts - George Russell - Williams - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
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Williams behält seine Fahrer für 2021.

Williams

Der Trainer von George Russell ist mit Corona-Symptomen aus dem Verkehr gezogen worden. Trainer und Fahrer wurden vorsorglich auf Covid-19 getestet, waren aber negativ. George Russell ließ sich bei Ankunft in Italien sicherheitshalber ein zweites Mal testen. Die Teams haben offenbar aus der Stroll-Panne von Racing Point gelernt. Russell klärte auf: "Mein Trainer hatte Halsweh. Normalerweise kein Grund zur Aufregung. Aber in der heutigen Zeit darf man sich auf kein Risiko einlassen. Er hat einen zweiten Test gemacht und bleibt bis zum Ergebnis in Isolation."

Vor einer Woche wollte sich Williams-Interimschef Simon Roberts noch nicht zur Fahrerfrage äußern. Diesmal stellte er klar: "George und Nicholas bleiben auch 2021 unsere Fahrer. Wir sind zufrieden mit ihnen." Williams wartet noch auf den ersten WM-Punkt, obwohl der FW43 nun auch im Rennen immer besser wird. "Immer wenn wir schnell sind, fällt keiner aus. Am Nürburgring dagegen sind fünf Autos aus den Top Ten stehengeblieben", ärgert sich Russell. Der Engländer lässt sich jedoch nicht entmutigen: "Unser Tag wird kommen."

Renault

Die Ingenieure und Fahrer sind überzeugt, dass es für Renault in Imola besser läuft als in Portimao. Einsatzleiter Alan Permane analysiert: "Wir waren in Portugal ein bis zwei Zehntel zu langsam. Das hatte mit Reifentemperaturen zu tun. Wir führen das auf die besonderen Umstände in Portugal zurück. Ein glatter Asphalt, kühle Temperaturen, zu harte Reifen. In Imola erwartet uns eine eher normale Strecke." Außerdem hat Pirelli die Mischungen C2, C3 und C4 dabei.

Daniel Ricciardo pflichtet nach einem Streckenrundgang bei: "Diese Strecke könnte uns besser liegen. Die Kerbs sind flach. Da kannst du dein Auto richtig drüber prügeln." Der Crashkurs mit nur einer Sitzung freiem Training vor der Qualifikation stellt die Ingenieure vor die Aufgabe, das volle Programm von normalerweise 240 Minuten in 90 Minuten zu packen. "Der härteste Teil ist das Verständnis der Reifen. Wir müssen mit viel und wenig Sprit fahren, um genug für die Qualifikation und das Rennen zu lernen. Für die Fahrer ist es einfacher. Sie kennen die Strecke schon vom Simulator", vergleicht Permane.

Fernando Alonso wird zum ersten Mal seit seiner Unterschrift für Renault an der Strecke sein, an allen Meetings teilnehmen und seinen Input geben. Der zweifache Weltmeister hat Zugang zu allen Daten. Esteban Ocon erzählt, dass ihm Alonso schon seine Hilfe angeboten hat. "Drei Meinungen sind besser als zwei", meint der Franzose. Nächste Woche wird Alonso einen 2018er Renault in Bahrain testen. Er hängt sich aus eigenen Stücken an den Test der Renault-Junioren an, um noch mehr Informationen zu sammeln. Permane gibt zu: "Ich weiß gar nicht, welches Programm Fernando dort genau fährt. Ich kann nur eines sagen: Er ist so motiviert wie vor elf Jahren, als er zum letzten Mal für uns gefahren ist."

Fernando Alonso - Renault - GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
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Fernando Alonso ist in Imola an der Rennstrecke, 2021 steigt er als Stammpilot in den Renault.

Alpha Tauri

Pierre Gasly wird Alpha Tauri als Teamleader in die Zukunft führen. Der Franzose freute sich auf seine neue Rolle: "Ich bekomme mehr Verantwortung. Es ist das erste Mal, dass ich ein zweites Jahr bei einem Team fahre. Sie kennen mich, ich kenne sie. Ich weiß, was das Auto braucht, um schneller zu werden und das Team weiß, was ich brauche, um schnell zu fahren."

Trotzdem nagt die Tatsache an ihm, dass ihn Red Bull als Albon-Ersatz nicht einmal berücksichtigt hat. "Ich bin neben Vettel der einzige, der ein Rennen für das Team gewonnen hat. Er ist zu Red Bull aufgestiegen, ich nicht. Red Bull hat seine eigene Agenda, was mich betrifft. Ich bin happy, dass ich bei Alpha Tauri bleibe und muss einfach weiter zeigen, was ich kann. Dann kommt meine Chance vielleicht noch."

Alpha Tauri-Teamchef Franz Tost unterstützt Pläne für eine Gehaltsobergrenze für Fahrer, die in regelmäßigen Abständen immer mal wieder diskutiert wird: "Nach meinem Geschmack verdienen die Fahrer sowieso zu viel Geld. Wenn ich etwas zu sagen hätte, würde ich ihnen höchstens zehn Millionen geben. Sollte es nächstes Jahr mit den Geisterrennen weitergehen, wird die Formel 1 weniger Geld einnehmen, und deshalb bekommen auch die Teams weniger Geld. Warum nicht auch die Fahrer? Die sollten froh sein, dass sie diese wunderbaren Autos fahren dürfen."

Haas

Alfa Romeo hat seine Fahrer bestätigt. Damit steht auch die Fahrerpaarung bei Haas inoffiziell fest. Der US-Rennstall wird 2021 höchstwahrscheinlich mit den Rookies Nikita Mazepin und Mick Schumacher fahren. Teamchef Guenther Steiner wollte Fahrerfragen allerdings noch nicht bestätigen. Noch nicht einmal, ob er tatsächlich zwei Rookies nimmt, um das gesparte Geld in das Auto für 2022 zu stecken. Der Südtiroler hat keine Angst, dass seine zwei Veteranen nach ihrer Kündigung nur noch Dienst nach Vorschrift machen. "Es ist in ihrem eigenen Interesse, dass sie in den letzten Rennen alles geben."

McLaren

McLaren kommt mit Upgrades nach Imola, die in Portugal am Freitag getestet wurden, aber aus Teilemangel nicht zum Einsatz kamen. Es handelt sich um Änderungen am Unterboden, den Deflektoren unter der Nasse und den Leitblechen vor den Seitenkästen. Teamchef Andreas Seidl erklärt, warum manche der Upgrades rund um die neue Nase erst mit Verspätung kamen: "Es ist eigentlich nur am Nürburgring schief gegangen. Lando hatte dort auch die neue Nase, aber nur die erste Version. Sainz ist weitere Upgrade am Unterboden gefahren. Die wollten wir am Freitag testen. Der ist aber ausgefallen. Am Samstag war die Strecke grün. Wir hatten kein klares Ergebnis. Es war nicht eindeutig ersichtlich, ob es ein Vorteil ist oder nicht. Wir haben es riskiert und in der Qualifikation festgestellt, dass es nicht so funktioniert wie gewünscht, weil wir das Auto nicht optimal auf die Änderungen abgestimmt hatten. Da waren wir zu aggressiv."

"In Portugal sind wir erst einmal einen Schritt mit beiden Autos zurück auf die erste Version gegangen, haben dann am Freitag nochmal neue Teile ausprobiert. Wir hatten sie aber nicht in ausreichender Menge. Einmal im Kies, und du hast gleich einen Verlust mit beschädigten Teilen. Deshalb wurden sie wieder abgebaut. Sie kommen jetzt dieses Wochenende zum Einsatz."

Lando Norris war gerade sechs Jahre alt, als der letzte Grand Prix in Imola gefahren wurde. Er kennt die Strecke aber auch dem Cockpit, 2015 fuhr der Engländer ein Rennen für die Italienische Formel 4-Meisterschaft in Imola. Die erschwerten Bedingungen sind für Norris kein Grund zur Sorge: "Wir sitzen alle im gleichen Boot."

GP Emilia-Romagna 2020 - Imola
xpb
In Imola erwartet die Piloten eine Oldschool-Strecke mit wenig Auslauf. Das Training ist auf 90 Minuten begrenzt.

Alfa-Sauber

Die Fahrer für 2021 stehen fest. Die Verlängerung der Verträge von Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi sorgten in der Szene für Kopfschütteln. Wäre die Übergangs-Saison 2021 nicht der ideale Zeitpunkt für einen Neubeginn? Teamchef Frédéric Vasseur verteidigte seine Wahl: "Mit Kimi haben wir den erfahrensten Fahrer im Feld. Dass er noch motiviert ist, hat er mit seiner Startrunde in Portugal gezeigt. Antonio hat sich ständig gesteigert. Er fährt jetzt in der Qualifikation auf Augenhöhe mit Kimi."

Ferrari-Rennleiter Mattia Binotto bestätigte, dass nur einer seiner drei Formel 2-Fahrer den Aufstieg in die Formel 1 schaffen wird. "Es ist leider nicht genug Platz für alle da. Wir werden eine Entscheidung aufgrund der Erfahrungen treffen, die wir in dieser Formel 2-Saison gemacht haben. Das Ziel ist es nicht nur einen Fahrer in die Formel 1 zu bringen, sondern ihn irgendwann zu Ferrari."

Eine Entscheidung soll in den nächsten zwei Wochen noch vor dem Finale in Bahrain fallen. Räikkönen hat seinen neuen Vertrag erst einen Tag vor der Bekanntgabe unterschrieben. Der Finne verlangt vom Team im nächsten Jahr eine Steigerung. "Im Moment sind wir zu langsam. Wenn keiner ausfällt, können wir nicht in die Punkte fahren. Nicht mal mit einer starken ersten Runde wie in Portugal."

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