F1-Teams verbünden sich

Budget-Deckel selbst gemacht

Arrivabene & Marko - GP USA 2018 Foto: xpb 23 Bilder

Die zehn F1-Teams sind alarmiert. Liberty schüttet zum zweiten Mal in Folge weniger Geld aus. Und je näher das Ende des Concorde Abkommens rückt, desto nervöser werden die großen Teams. Deshalb versucht man jetzt Budgetdeckelung und Geldverteilung selbst zu regeln.

Zwei Treffen gab es in Suzuka, eines in Austin. Die Teamchefs finden sich seit zwei Rennen regelmäßig zu Diskussionsrunden zusammen. Ohne die FIA und ohne das Formel-1-Management. Die konspirativen Sitzungen werden unter dem Arbeitstitel geführt: Wie können wir die Show besser machen, um mehr zu verdienen?

Tatsächlich treibt die Teams die Sorge um, dass sie in Zukunft immer weniger Geld von den Rechteinhabern ausgeschüttet bekommen. Liberty musste zum zweiten Mal in Folge eine Gewinnwarnung ausgeben. 2019 gibt es 3,7 Prozent weniger Einnahmen.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. An der TV-Front ist Liberty ein asiatischer Rechtehändler Pleite gegangen. Außerdem sind die Veranstalter sind nicht mehr bereit, so viel Antrittsgeld zu bezahlen wie zu Zeiten von Bernie Ecclestone. Ein normaler Prozess, den auch Ecclestone nicht aufgehalten hätte.

Wer wie Hockenheim nur begrenzt Geld in der Kasse hat, kann auch nicht mehr ausgeben. Wenn Silverstone trotz voller Tribünen Verluste schreibt, stimmt etwas mit dem Geschäftsmodell nicht. Das musste früher oder später an die Wand fahren. Liberty versucht mit mehr Rennen gegenzusteuern, doch das wollen die Teams nicht.

Nur keine Privilegien verlieren

Dann kommt da noch die Sorge vor der Saison 2021 hinzu. Nach Ablauf des Concorde Abkommens droht ein rechtsfreier Raum. Die FIA hätte die historische Chance, die Regeln ohne Einflussnahme der Teams wirklich zu reformieren. Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios ist relativ gering, weil sich FIA-Präsident Jean Todt vor Konflikten scheut.

Chase Carey - Liberty Media - Sergio Marchionne - Ferrari - Formel 1 Zwei Wege zum Budgetdeckel Dreistufenplan bis 150 Millionen

Er war es auch, der am Schluss nicht den Weg mit der abgespeckten Hybrid-Technik mitgehen wollte. Aus Angst, die Hersteller würden sich verabschieden. Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko schüttelt den Kopf: „In der MotoGP setzt der Boss Ezpeleta einfach durch, dass es eine Einheits-Motorsoftware gibt. Die Hersteller, die mit Ausstieg gedroht haben, sind heute immer noch da.“

Mehr Sorgen bereitet den Teams ein möglicher Alleingang von Liberty in kommerziellen Fragen. In endlosen Sitzungen hatte man sich immerhin schon auf eine stufenweise Annäherung zu einer Budgetdeckelung geeinigt. 2021 sollen die Teams maximal 200, dann 175 und schließlich 150 Millionen Dollar ausgeben dürfen. Allerdings gibt es viele Ausnahmeregelungen, die das ganze Vorhaben verwässert haben.

Auch die Geldverteilung wurde den Teams bereits präsentiert. Im Prinzip bekommen alle gleich viele Geld, die Hersteller etwas mehr und Ferrari noch einen Zuschlag oben drauf. Das aber ist den Gierigen nicht genug. Jeder hat Angst um seine Privilegien.

320 Millionen Pfund für einen WM-Titel

Diese Gemengelage brachte die Teams in Suzuka auf Initiative von Mercedes zusammen. Nachdem man sich bei den ersten beiden Treffen nur die Köpfe ohne ein Ergebnis heiß geredet hatte, rang man sich in Austin immerhin zu zwei Initiativen durch.

Horner, Wolff & Arrivabene - GP Australien 2018 Foto: sutton-images.com
Verfolgen die Teams gemeinsame Interessen oder enden die Verhandlungen im Streit?

Die Teams wollen nun intern abstimmen, bei welchem Budget man am Ende landen soll. Auch die Geldverteilung soll im Selbstversuch ermittelt werden. Viel Spaß beim Streiten. Mercedes-Teamchef Toto Wolff fasste zusammen: „Die Ziele sind unterschiedlich, aber im Prinzip wollen alle das gleiche. Wir wollen eine gute Show bieten.“

Warum die Teams ein Fass wieder aufmachen wollen, das eigentlich längst geschlossen schien, ist schwer zu verstehen. Diese Abstimmung über den Kostendeckel gab es schon einmal. Im Jahr 2014 stellte die FIA allen Teams die Frage, welche Budgetobergrenze jeder einzelne für sinnvoll halten würde. Das Ergebnis der Umfrage liegt vor. Und die meisten von damals sind heute noch dabei.

Ein gemeinsamer Nenner wird schwierig zu finden sein, weil sich die Teams untereinander nicht grün sind. Red Bull ist aus Prinzip alles suspekt, was von Mercedes herangetragen wird. Auch einige andere im Zirkus haben Angst, dass Toto Wolff zu viel Einfluss gewinnt. Red Bull veranstaltete vor der großen Sitzung ein kleines Meeting nur mit Ferrari. Offenbar sucht man Allianzen.

Red Bull spielt sich als Hardliner auf und rät zur radikalen Abrüstung, am besten mit einer Diktatur, die alles bestimmt. Vorbild MotoGP. Man glaubt, Ferrari nach dem erneuten Verlust der Weltmeisterschaft an einem schwachen Punkt zu treffen und schürt Ängste, dass Mercedes in dem ruinösen Entwicklungswettlauf nie zu schlagen sein wird. Der Geschäftsbericht von Mercedes aus dem Jahr 2017 steht im englischen Handelsregister. Demnach kosteten die beiden WM-Titel den Marktführer satte 320 Millionen Pfund.

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