Howden Ganley - Maki F101 Motorsport Images

F1-Teams mit wenigen Starts

Sternschnuppen der Formel 1-Geschichte

1000. GP

Es gibt Teams, die standen nur ein paar Mal am Start. Sie sind so schnell verschwunden wie sie gekommen waren. Oder kennen Sie Connew, Bellasi, Stebro, Shannon, Amon, Andrea Moda, Kojima, Token und Lyncar? Wir stellen Ihnen hier ein paar dieser Sternschnuppen vor.

Kurz dabei und auch schon wieder weg. Es gibt Formel 1-Teams mit nur einem Start. Das wäre ungefähr so als würde eine Bundesliga-Mannschaft nach einem Spiel schon wieder verschwinden. Die meisten dieser Sternschnuppen haben auf Bastlerniveau operiert. So auch ein gewisser Peter Connew, der 1972 seine Eigenkonstruktion beim GP Österreich 1972 an den Start brachte. Connew war ein ehemaliger Mechaniker im Team von John Surtees. Er zeichnete den PC1 in seinem Wohnzimmer und baute ihn in seiner Garage. Das Team, das inklusive Chef aus sechs Leuten bestand, verschwand so schnell wie es gekommen war. Die Eintagsfliege ist dennoch nicht vergessen. Es gibt sogar einen 10-minütigen Youtube-Film über die Entstehungsgeschichte von Connew.

Bellasi war das Werk des Schweizer Rennstallbesitzers Charles Vögele. Er wollte seinen Schützling Silvio Moser in die Formel 1 bringen. Die beiden probierten es zunächst mit einem gekauften Brabham. Als sich Vögele zurückzog, machte Moser in eigener Mission weiter. Zuerst wieder in einem Kundenauto, 1970 und 1971 mit einem Eigenbau. Der Bellasi F1-70 übernahm nur das Armaturenbrett und das Getriebe vom Brabham BT24, den Rest des Autos zeichnete Guglielmo Bellasi. Nach zwei Rennen starb das Projekt.

Ein Formel-Junior in der Formel 1

Der Stebro war ein kanadisches Produkt. Peter Broeker brachte beim GP USA 1963 ein Formel-Junior Chassis mit einem Ford-Motor an den Start. Dem Zwitter fehlte 15,3 Sekunden auf die Pole Position, und das bei Rundenzeiten von 75 Sekunden. Auch der Shannon SH1 überlebte nur ein Rennen. Es war das Projekt des Ex-Mechanikers Aiden Jones, der bei Paul Emery ein Chassis bestellte und es mit einem Climax V8-Motor bestückte. Trevor Taylor pilotierte das Gefährt beim GP England 1966. Das Auto überstand nicht einmal die erste Runde. Dann ging der Motor ein.

Chris Amon - Amon AF101 1974 - GP Spanien 1974 - Jarama
Motorsport Images
Chris Amons Eigenbau war ein totaler Fehlschlag. Er fuhr 1974 nur ein Rennen.

Chris Amons Versuch unter die Konstrukteure zu gehen, haben wir schon im Kapitel „kuriose Formel 1-Autos“ erwähnt. Der Neuseeländer tat sich keinen Gefallen mit seinem Kraftakt. Der Amon AF101 aus der Feder von Gordon Fowell konnte sich nur für dem GP Spanien 1974 qualifizieren. Gleiches gilt für den Andrea Moda, der aus dem Coloni-Team entstanden ist. Das von Nick Wirth konstruierte Auto mit Judd V8-Motor konnte sich neun Mal nicht qualifizieren. Ausgerechnet beim GP Monaco 1992 sprang das Team über die Qualifikationshürde, was man hauptsächlich Fahrer Roberto Moreno zu verdanken hatte. Später in der Saison wurde Andrea Moda von der WM ausgeschlossen. Die FIA verweigerte dem Team die Lizenz.

Kojima mit schnellster Rennrunde

Kojima war eine rein japanische Konstruktion, die nur 1976 und 1977 beim GP Japan in Fuji antrat. Der Rennstall und sein Fahrer Masahiro Hasemi erlangten eine gewisse Berühmtheit, weil sie in der Regenschlacht 1976 die schnellste Rennrunde drehten. Der Kojima fuhr auf Dunlop-Reifen, die nur in Japan zum Einsatz kamen. Dunlop hatte sich aus der Formel 1 längst verabschiedet. Die erstaunlichen Rundenzeiten hatten auch damit zu tun, dass Dunlop bei dem einmaligen Gastspiel extraweiche Mischungen an den Start brachte.

Der LEC war das Werk von Mike Pilbeam, der in den 70er Jahren bei vielen Formel 1-Teams arbeitete und sich dann selbständig machte. David Purley hatte das Auto mit Geld des Kühlschrank-Fabrikanten LEC in Auftrag gegeben. Der Engländer fuhr immerhin drei Rennen mit der eigenwilligen Eigenkonstruktion. Beim Training zum GP England 1977 in Silverstone verunglückte Purley schwer, weil vor der Becketts-Kurve das Gaspedal steckenblieb. Das Auto war ein Totalschaden. Der Fahrer erlitt zahlreiche Knochenbrüche. Es wurde eine Verzögerung von bis zu 180 g berechnet. Das Wrack wurde später im Donington Museum ausgestellt.

Beim Token-Projekt war der spätere McLaren-Chef Ron Dennis beteiligt. Nach seinen zahlreichen Formel 2-Pleiten versuchte sich Dennis 1974 mit einem Auto von Ray Jessop, Geld von Tony Vlassopoulo und dem Fahrer Tom Pryce in der Formel 1. Drei Mal konnte sich das Team für einen Grand Prix qualifizieren. Dann war die nächste Pleite fällig.

Ein Auto ohne Kühlung

Die Eifelland-Story begann damit, dass Konstrukteur Luigi Coloni die versammelten Formel 1-Konstrukteure als Ignoranten und Amateure beschimpfte. Der exzentrische Designer baute ein voll verkleidetes Auto, vergaß dabei aber, dass der Motor gekühlt werden musste. Bei Testfahrten in Hockenheim überhitzte der Cosworth V8 obwohl das Thermometer Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt anzeigte. Von Colanis Ideen blieben am Ende nur die periskopartige Lufthutze vor dem Cockpit und der mächtige Rückspiegel im Zentrum des Autos direkt vor der Nase des Fahrers übrig. Der Rest des Autos war ein March 711. Rolf Stommelen mühte sich acht Rennen lang mit der Missgeburt ab.

Das Allrad-Auto von Ferguson haben wir ebenfalls schon in einem anderen Kapitel beschrieben. Einziger Start war der GP England 1961. Der Lyncar schaffte ebenfalls nur einen Start. John Nicholson qualifizierte sich für den GP England 1975. Nach erfolgversprechenden Einsätzen in der Formel Atlantic wagte sich Martin Slater mit einer Eigenkonstruktion in die höchste Spielklasse. Fahrer John Nicholson hatte die Order für das Auto gegeben.

Hector Rebaque begann seine Formel 1-Karriere in gekauften Hesketh und Lotus. Doch als der Mexikaner merkte, dass er in Vorjahreskonstruktionen chancenlos war, verstieg er sich dazu, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Er erteilte den Konstrukteuren Geoff Ferris und John Barnard den Auftrag, ihm ein eigenes Auto zu bauen. Das Geld kam von Marlboro und der mexikanischen Brauerei Carta Blanca. Der Rebaque HR100 lehnte sich stark an den Lotus 79 an. Er kam nur bei einem Grand Prix zum Einsatz. Rebaque qualifizierte sich beim GP Kanada 1979 für den 22.Startplatz und fiel nach 26 Runden mit einem Schaden an der Motorbefestigung aus. In der Folge-Saison musste Rebaque nicht mehr eigenes Geld investieren. Es reichte zu einem Stammplatz bei Brabham.

Es geht noch exklusiver. Einige Formel 1-Autos haben es nicht einmal bis zum Start eines Rennens geschafft. Der Maki und der Life scheiterten jedes Mal an der Konstruktion. Das japanische Maki-Team bewies dabei eine bewundernswerte Hartnäckigkeit. Trotz der Rückschläge schickte man seine Autos von 1974 bis 1976 an die GP-Strecken.

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F1-Teams mit wenigen Starts: Eintagsfliegen

Stebro-Ford - GP USA 1963 - Watkins Glen
Stebro-Ford - GP USA 1963 - Watkins Glen Trevor Taylor - Shannon SH1 - GP England 1966 - Brands Hatch Silvio Moser - Bellasi F1 70 - GP Italien 1970 Rolf Stommelen - Eiffland Ford - GP Südafrika 1972 - Kyalami 13 Bilder
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