F1-Technik

Simulieren und trainieren

Foto: Codemasters 17 Bilder

Die Formel 1 ist seit jeher eine Materialschlacht, die ihresgleichen sucht. Mit immer mehr neuen Strecken im Rennkalender wird der Wettkampf nun auch noch abseits der Piste weitergeführt. Die Frage lautet: Wer hat den besten Simulator.

Es war ein seltsames Bild Mitte Juli in Valencia: Ein Serienfahrzeug fuhr Runde für Runde mit konstanter Geschwindigkeit über die neue Formel 1-Strecke um den Yachthafen der spanischen Mittelmeer-Metropole. Am Heck des Fahrzeugs war ein Laser-Vermessungsgerät montiert. Der Scanner erfasste Quadratzentimeter für Quadratzentimeter, jede Unebenheit und jeden Randstein auf der Ideallinie.

Drei Parameter für die virtuelle Realität

Der mobile Spion war im Auftrag von McLaren unterwegs. Die aufwendig ermittelten Daten sind das Futter, mit dem der Simulator im heimischen Woking gespeist wird. Um die Realität möglichst detailgenau wiederzugeben sind neben den Feindaten noch zwei weitere Parameter notwendig. Mit Satellitenunterstützung (GPS) wird die Strecke zusätzlich auf den Milimeter genau vermessen. Zum Schluss besorgte man sich noch die Videoaufnahmen aus der Bordkamera eines Formel 3-Autos vom Proberennen am 21. Juli.

"Das gab uns ein dreidimensionales Bild des Hintergrundes. Die Fahrer sehen realitätsnah alle Mauern, Distanzschilder und Gebäude rund um die Strecke herum", verrät Teamdirektor Martin Whitmarsh. Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen spulten je 120 virtuelle Runden ab. Ferraris Trockentraining fand dagegen im Fiat-Simulator statt. "Der ist aber nur eine bessere Playstation", heißt es in Maranello. Der eigene Simulator wird nicht vor Ende 2009 fertig.

Red Bull rüstet auf

Das einzige Team, das aktuell ein vergleichbares System wie McLaren vorweisen kann, ist die Mannschaft von Frank Williams. Kazuki Nakajima kam damit vor Valencia auf 70 Runden, Nico Rosberg reichten 50 Umläufe, um ein Gefühl für die Strecke zu bekommen. Auch Red Bull ist momentan dabei, technisch aufzurüsten. Im Dezember soll der neue Simulator fertig sein.

Bei BMW verzichtet man dagegen auf das Computer-Training. In Hinwil hätte man zwar die technischen Möglichkeiten, was z.B. Hardware betrifft, allerdings rechnet sich der Aufwand für Teamchef Mario Theissen nicht. "Wir müssten dafür mindestens einen zweistelligen Millionenbetrag investieren", erklärt der BMW-Chef.

Die Simulatoren nutzen die Fahrer nicht zum Lernen von neuen Strecken, sondern auch als Training vor bereits bekannten Grand Prix-Kursen. Allerdings sind bei Premieren wie zuletzt in Valencia der Aufwand und der Nutzen größer. Die nächste neue Strecke nehmen die Teams übrigens Ende September in Singapur unter die Räder. Und einer der ersten auf der Strecke wird auch wieder der McLaren-Laserwagen sein.

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